Der e-Book-Anbieter Gutenberg.org zeigt sich unnachgiebig: Aufgrund eines Urheberrechtsstreits können deutsche Nutzer derzeit nicht auf das Angebot der US-amerikanischen Webseite zugreifen. Eigentlich sind von den Streitigkeiten mit einem deutschen Verlag nur ein paar wenige Bücher betroffen – für Gutenberg.org geht es aber ums Prinzip.
Wie Heise berichtet, hat die Webseite den Zugriff für Nutzer, die Gutenberg.org von einer deutschen IP-Adresse aus ansurfen, vollständig gesperrt. Lediglich die Startseite ist noch zugänglich. Klickt man auf ein spezifisches e-Book, zeigt die Webseite eine Fehlermeldung an, die den Nutzer auf das installierte Geoblocking hinweist.
Gutenberg.org sieht sich im Recht
Konkret liegt der Sperrung ein Urheberrechtsstreit um ein gutes Dutzend Bücher deutscher Autoren zugrunde, darunter Thomas Manns »Buddenbrooks« sowie Heinrich Manns »Der Untertan". In den USA gelten diese Werke mittlerweile als gemeinfrei, in Deutschland allerdings nicht - hier sind noch keine 70 Jahre seit dem Tod des Autors verstrichen.
Deshalb klagte der Verlag S. Fischer, dem die Rechte an den e-Books gehören, vor dem Landgericht Frankfurt (AZ: 2-03 O 494/14) gegen Gutenberg.org und begründete die Klage damit, dass die Webseite explizit auch an deutsche Leser gerichtet sei.
Das LG Frankfurt gab dem Verlag jetzt Recht - eine Gemeinfreiheit in den USA ziehe noch kein Recht auf kostenlosen Zugang in Deutschland nach sich, wenn dort die Gemeinfreiheit noch nicht erreicht sei, erklärte das Gericht. Stattdessen sei Gutenberg.org verpflichtet, deutsche Nutzer am Zugriff auf hierzulande illegal zur Verfügung gestellte Inhalte zu hindern.
Im Rahmen der Sperrung deutscher IP-Adressen vertritt Gutenberg.org die Meinung, dass deutsche Gerichte in diesem Fall keine Zuständigkeit besäßen. Bis die Sache aber im Berufungsverfahren geklärt sei, komme man mit der Sperrung dem Urteil vorerst nach. Außerdem befürchtet die Plattform offenbar weitere Klagen, weshalb sie nicht ausschließlich die betroffenen Werke entfernt, sondern sich zum vollständigen Ausschluss deutscher Nutzer entschieden hat. Dieser scheint sich aber nur mit einer IPv4-Adresse bemerkbar zu machen, IPv6-Adressen funktionieren offenbar problemlos.
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