Ich trinke seit 18 Jahren Kaffee. Jeden Morgen und am Nachmittag drücke ich aufs Knöpfchen und bekomme eine Tasse Americano. Am Wochenende darf's dann auch gern mal ein Cappuccino oder ein Latte sein – mein Vollautomat macht's möglich.
Der Kaffee ist solide, aber nichts Besonderes. Ich trinke ihn eher aus Routine statt aus echtem Genuss.
Zwar wusste ich immer, dass der Espresso im Café um Welten besser schmeckt, aber daheim mit einer Siebträgermaschine herumhantieren? Nein, danke. Das schien mir immer zu kompliziert, zu fehleranfällig und schlicht zu viel Arbeit. Bis ich auf der IFA 2025 die nunc
. entdeckte.
Die nunc.
verspricht genau das, was ich mir immer gewünscht hatte: Die kompromisslose Qualität eines Siebträgers kombiniert mit der Einfachheit eines Vollautomaten. Nach zwei Kostproben vor Ort war ich angefixt. So intensiv und aromatisch hatte ich Kaffee selten auf der Zunge. Ich wusste: Diese Maschine will ich unbedingt ausprobieren.
Ein paar Monate später hatte ich die Gelegenheit dazu, sie drei Wochen lang auszuprobieren. In meinem Erfahrungsbericht erkläre ich euch, warum sie Kaffee aus einem Vollautomat für mich für immer verdorben hat – und warum auch die nunc.
nicht perfekt ist.
Was die nunc ist – und warum sie besonders ist
Die nunc ist ein Siebträger-System mit integrierter Mühle, entwickelt von einem jungen Unternehmen aus Konstanz am Bodensee, gebaut in der Schweiz. Was sie von allem anderen unterscheidet, ist das Zusammenspiel aus Highend-Hardware, smarter Software und einem eigenen Bohnen-Ökosystem.
Das Besondere ist ein integrierter Barista. Dank eines NFC-Chips erkennt die nunc.
den Bohnenbehälter automatisch und weiß, welche Bohne drin ist, wann sie geröstet und wann die Dose geöffnet wurde.
Daraufhin passt sie mithilfe von KI alle Parameter automatisch an – Dosierung, Mahlgrad, Temperatur, Druckprofil und Wassermenge. Sogar Luftdruck und Umgebungstemperatur fließen in die Berechnung ein.
nunc.
nennt das die Gelinggarantie
– und nach drei Wochen kann ich das bestätigen: Ich hatte zwar zeitweise mehr Koffein im Blut, als mir gut tat, aber ich hatte nie einen Espresso, der zu sauer, zu bitter oder wässrig war. Die Ergebnisse waren ab der ersten Tasse perfekt.
Die Mühle ist dabei das heimliche Highlight. Sie besitzt 63-mm-Flachmahlscheiben, die in dieser Größe sonst nur in teuren Standalone Mühlen ab 1.500 Euro verbaut werden. Genau hier liegt ein wesentlicher Grund, warum der Espresso aus der »nunc.« so anders schmeckt als der aus einem Vollautomaten: Das Mahlwerk ist schlicht eine andere Liga.
Das Ökosystem: App und Bohnen-Vielfalt
Passend zur Hardware gibt es aktuell sechs eigene Kaffeesorten, kuratiert vom zweifachen Barista-Champion Conz Brang. Die Bohnen kommen in kleinen 120-Gramm-Dosen aus 95 Prozent Papier, was sie lange frisch hält.
Von schokoladig-milden Röstungen bis hin zu fruchtigen Charakteren ist alles dabei. Mir haben fast alle Sorten geschmeckt, nur die Vivid Valley
war mir persönlich eine Spur zu experimentell für den Alltag.
Die dazugehörige App ist selbsterklärend und übersichtlich: Sie zeigt an, welche Sorten verfügbar sind, woher die Bohnen stammen und wie viele Shots man noch übrig hat. Geht der Vorrat zur Neige, lässt sich direkt aus der App nachbestellen.
Fast so einfach wie ein Kaffevollautomat
Ich hatte zuvor keine Erfahrung mit Siebträgermaschinen und hatte bei der Lieferung Respekt: Siebträger, Hopper, Tamper, Milchkännchen, Wasserfilter – ein kleines Arsenal, das erst mal einschüchternd wirkt.
Aber nunc.
macht den Einstieg so einfach wie möglich. Anleitung und Videos erklären jeden Handgriff so präzise, dass die Maschine nach 20 Minuten einsatzbereit war.
Übrigens: Zur Einrichtung gehört auch das Einstellen des Wasserfilters – dafür liegt ein pH-Streifen bei, mit dem man die eigene Wasserhärte misst. Klingt banal, ist aber wichtig, schließlich besteht der fertige Kaffee zu 99 Prozent aus Wasser.
Ein Hingucker ist auch das runde Touch-Display, das immer eine schöne Grafik der aktuellen Bohne zeigt und intuitiv durch die Bedienung führt.
Überhaupt ist die gesamte Maschine intuitiv gestaltet: Bohnenbehälter und Sieb rasten magnetisch ein, der Tamper klickt beim optimalen Druckpunkt, Auslass und Schaumlanze reinigen sich selbst nach jedem Bezug und Kaffee bezieht man über einen einfachen Hebel – man merkt, dass hier jemand wirklich zu Ende gedacht hat.
Selbst als absoluter Grünschnabel kann man fast nichts falsch machen. So haben etwa meine (Schwieger-)Eltern alle Handgriffe nach einmaliger Übung verinnerlicht und waren begeistert.
Doch wie genau sieht der gesamte Prozess nun aus? Im folgenden Video zeige ich euch von Anfang bis Ende, wie einfach man mit der nunc.
einen Flat White zubereitet:
4:00
Kaffee zubereitet mit der »nunc.« - Der komplette Prozess im Video
Geschmack & Ritual: Eine neue Erfahrung von Kaffeegenuss
Ich trinke selten puren Espresso, aber hier wollte ich es wissen. Das Aroma war vielschichtig, kräftig und besaß eine samtige Textur, die mein Vollautomat niemals hinbekommt.
Zum Beweis habe ich den direkten Vergleich gemacht und dieselben Bohnen in meiner Melitta zubereitet. Das Ergebnis war erschreckend: Ich habe den Rest nach einem Schluck weggekippt – es schmeckte plötzlich wie dünnes, aromatisiertes Leitungswasser.
Was mich darüber hinaus überrascht hat, war das Ritual selbst. Siebträger auflegen, mahlen lassen, tampen, einspannen, warten: Das ist mehr Aufwand als ein Vollautomat und meiner Frau ist das für ihren morgendlichen Americano zu viel Rumgemache.
Ich hingegen habe mich jeden Morgen und am Nachmittag auf diesen Moment gefreut. Der Kaffee entschleunigt, bevor er einen beschleunigt. Ich habe den Duft während des Mahlens eingesaugt und meinen Kaffee nicht mehr einfach runtergestürzt, sondern bewusst genossen.
Auch beim Milchschaum liefert die automatische Lanze perfekt ab. Ob Kuh-, Hafer- oder Sojamilch: Die Maschine trifft die eingestellte Wunschtemperatur für jede Sorte präzise.
Die Textur war jedes Mal so cremig, dass ich mich erfolgreich an Latte Art versuchen konnte. Dass man dank des Hoppers schnell zwischen Bohnensorten wechseln kann (etwa für koffeinfreien Kaffee am Abend), habe ich im Alltag ebenfalls sehr geschätzt.
Was mich im Alltag gestört hat
Natürlich ist auch bei der nunc.
nicht alles perfekt. Trotz meiner Begeisterung gab es Punkte, die im Drei-Wochen-Test sauer
aufstießen:
- Der Siebträger: Das Einrasten in der Maschine ist manchmal etwas fummelig und erfordert den exakten Winkel.
- Die Ergonomie: Der Wasserauslass für Americanos oder Tee sitzt weit hinten. Wenn man die Tasse nicht exakt platziert, landet das Wasser in der Abtropfschale.
- Tassengröße: Wer seine gewohnten großen Pötte nutzen will, hat Pech – die passen schlicht nicht unter den Auslauf. Ihr müsst kleinere Tassen nehmen und den Espresso gegebenenfalls in ein größeres Glas (mit Milchschaum drin) umfüllen.
- Wartung: Der Wasserauffangbehälter saß bei mir so fest, dass er am Stopfen nachgefettet werden musste, um ihn geschmeidig entnehmen zu können.
Und dann ist da noch der Elefant im Raum: Das geschlossene Ökosystem. nunc.
hat für jede der sechs eigenen Kaffeesorten drei Profile zur Wahl (Espresso, Lungo, Ristretto). Wenn ihr Details wie bei einem Vollautomat Wassermenge oder Temperatur eures Kaffees anpassen oder gar eure eigenen Bohnen nutzen wollt, schaut ihr derzeit in die Röhre.
Starke Updates am Horizont
Das soll sich aber schon bald ändern. In den nächsten Wochen sollen zwei neue Features folgen: Ein manueller Modus, der es erlaubt, Parameter frei einzustellen, Profile zu speichern und später sogar mit anderen nunc.
-Nutzern zu teilen.
Noch spannender finde ich aber die sogenannte AnyBeans
-Funktion: Diese erlaubt es, jede beliebige Bohne mit der nunc.
zu nutzen. Dazu füllt man eine spezielle Refill-Dose mit Bohnen einer beliebigen Rösterei, scannt die Packung in der App, und die KI versucht anhand ihrer Datenbank und anderer Parameter dieselbe Gelinggarantie herzustellen wie für die eigenen Sorten.
Je mehr Nutzer das System verwenden, desto schlauer soll es werden. Zu Beginn soll das kostenlos sein, später als Abo für unter zehn Euro im Monat angeboten werden.
Das ist nah dran an dem, was sich viele gewünscht haben – und macht die Maschine deutlich attraktiver als bisher. Der manuelle Modus ist eher für Enthusiasten gedacht, die tief ins Einmachen wollen. AnyBeans
hingegen öffnet das System für alle.
Ein Vorbehalt bleibt trotzdem: Die nunc.
ist und bleibt ein geschlossenes Ökosystem. Wer darauf angewiesen ist, dass eine Firma langfristig existiert und ihre Server betreibt, geht ein gewisses Risiko ein. Sollte der Hersteller irgendwann aus dem Markt austreten, fällt auch die Gelinggarantie weg. Das ist kein ungewöhnliches Risiko bei vernetzten Produkten – aber eines, das man kennen sollte.
Fazit: Lohnt sich die Investition?
Die nunc.
kostet derzeit rund 2.700 Euro für Maschine und Mühle – plus etwa 150 Euro für sinnvolles Zubehör wie Tamper und Pinsel. Das ist viel Geld, keine Frage.
Aber: Eine wirklich gute Mühle allein kostet schnell 1.500 bis 2.000 Euro, eine hochwertige Siebträgermaschine noch mal dasselbe. Wer beides einzeln kaufen würde, zahlt in der Regel mehr – ohne die automatische Bohnen-Erkennung, ohne die Gelinggarantie, ohne dieses Design.
Maschinen wie die Sage Oracle Dual Boiler (2.800 Euro) oder die Ligre youn (4.000 Euro) messen zwar ebenfalls den Durchfluss und passen die Mühle an – aber sie sind nicht auf die Bohne abgestimmt, nicht ab der ersten Tasse perfekt, und der Wechsel zwischen Sorten ist weit weniger elegant. Kurz: Sie sind nicht so einfach und bequem zu bedienen wie die nunc.
Und genau das schätze ich an ihr.
Für wen lohnt sich die »nunc.« also konkret? Für Kaffeebegeisterte, die bereit sind, mehr Zeit zu investieren – und das auch wollen. Für Menschen, die Espresso bisher nur aus dem Café kennen und dieses Erlebnis nach Hause holen möchten, ohne jahrelange Einarbeitungszeit.
Und für alle, die ein geschlossenes, durchdachtes System einem selbst zusammengestellten Patchwork aus Mühle, Maschine und Tamper vorziehen.
Wer dagegen täglich sieben Kaffee auf Knopfdruck braucht, keinen Sinn im Ritual sieht oder flexibel Bohnen von verschiedenen Röstereien durchprobieren möchte, sollte warten, bis der Manual-Modus tatsächlich verfügbar ist, oder eine andere Lösung wählen.
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