E-Reader haben meine Liebe zum Lesen wieder neu entfacht. Zwar bleibt das Gefühl, durch ein echtes Buch zu blättern, unersetzlich, doch die praktischen Vorzüge der digitalen Begleiter möchte ich nicht mehr missen. Besonders angetan haben es mir kompakte E-Reader im Smartphone-Format: Sie fassen eine ganze Bibliothek, sehen dank E-Ink aus wie bedrucktes Papier und liegen, im Gegensatz zu einem 1000-Seiten-Wälzer, federleicht in der Hand.
Ich habe zwei spannende Vertreter dieser kompakten Klasse ausgiebig getestet: den Viwoods AiPaper Reader und den Boox Palma 2 Pro. Welcher der beiden sich einen dauerhaften Platz in meiner Hosentasche gesichert hat, verrate ich euch in diesem Vergleich.
Design und Verarbeitung
Schon beim ersten in die Hand nehmen zeigen sich gravierende Unterschiede in der Philosophie der beiden Hersteller.
Der Viwoods AiPaper Reader punktet mit einer echten Premium-Ästhetik. Ein schöner Metallrahmen fasst das Gerät ein, die Rückseite besteht aus glattem Kunststoff. Mit nur 6,7 mm Dicke erinnert er an ein sehr schlankes Smartphone mit minimal dickeren Bildschirmrändern.
Die Front aus gehärtetem Glas sorgt dafür, dass der Finger butterweich über das Display gleitet. Wäre er noch gegen Feuchtigkeit geschützt, wäre das Design für mich perfekt.
Der Boox Palma 2 Pro ist mit 8,8 mm spürbar dicker und setzt auf ein Gehäuse, das vollständig aus Kunststoff besteht. Die Rückseite ist rau texturiert, was zwar für viel Grip sorgt, sich haptisch aber nicht sonderlich angenehm anfühlt.
Auch hier kommt auf der Front Glas zum Einsatz, das jedoch etwas weniger geschmeidig wirkt als beim Viwoods. Insgesamt mutet die Verarbeitung des Boox im direkten Vergleich deutlich minderwertiger an. Dafür bringt er auf der Rückseite eine 16-MP-Kamera mit (auf die Viwoods gänzlich verzichtet). Leider fehlt auch hier jeglicher Schutz vor Wasser oder Staub.
Obwohl der Viwoods AiPaper Reader günstiger ist, ist er deutlich wertiger. (Bildquelle: Duy Linh Dinh/GameStar Tech)
Gewinner: Klarer Punktsieg für den Viwoods. Er fühlt sich extrem hochwertig an und lässt den Boox im direkten Vergleich fast schon billig wirken.
Bildschirm: Monochrom vs. Farbe
Beim Display haben wir es mit zwei völlig unterschiedlichen Ansätzen zu tun.
Der Viwoods ist mit einem 6,13 Zoll großen Carta 1300 E-Ink-Display (824 × 1648 Pixel / 300 ppi) ausgestattet. Der Bildschirm ist schlichtweg exzellent. Kontrast und Schärfe sind enorm hoch, Text sieht wirklich aus wie frisch gedruckt.
Es gibt eine sehr gleichmäßige Hintergrundbeleuchtung, die allerdings einen Haken hat: Sie unterstützt kein warmes Licht. Das kann das Lesen spätabends im Bett oder im dunklen Zug etwas anstrengend machen. Dafür glänzt das Gerät mit verschiedenen Darstellungsmodi.
Im Modus für die höchste Bildqualität wird das Display so clever aktualisiert, dass kaum noch Ghosting-Artefakte sichtbar sind. (Anmerkung: Es gibt vom Viwoods auch eine Farbversion, die ich hier nicht getestet habe, die dem Boox aber recht ähnlich sein dürfte).
Der Boox Palma 2 Pro trumpft mit Farbe auf. Dank des 6,13 Zoll großen Kaleido 3 Panels (4.096 Farben) eignet er sich auch für farbige Bücher, Comics und PDFs. Die Auflösung liegt bei 300 ppi für Schwarz-Weiß (824 × 1648) und 150 ppi für Farbe (412 × 824).
Der Kompromiss: Der Kontrast ist bauartbedingt schwächer als bei reinen Monochrom-Panels, und der Hintergrund wirkt nie zu 100 Prozent weiß. Dafür punktet der Boox mit einer anpassbaren Farbtemperatur (Warmlicht) für die Hintergrundbeleuchtung.
Gewinner: Unentschieden. Im direkten Vergleich bevorzuge ich das knackig scharfe Schwarz-Weiß-Display des Viwoods, aber wer Comics liest, wird den Farb-Screen und das Warmlicht des Boox bevorzugen. Beide haben ihre spezifischen Vor- und Nachteile.
Software und Features
Beide Geräte setzen auf Android mit eigenen Benutzeroberflächen und erhalten Updates direkt vom Hersteller statt von Google. Bei beiden sind die Google-Dienste standardmäßig deaktiviert, lassen sich aber mit wenigen Klicks aktivieren, um Zugriff auf alle gewohnten Android-Apps zu bekommen.
Das Viwoods läuft mit dem sehr aktuellen Android 16. Die Software ist erfreulich simpel gehalten. Ein großes Highlight ist die dedizierte KI-Taste: Hiermit kann man (ganz ohne Abo-Kosten) mit verschiedenen KI-Chatbots kommunizieren, die bei Bedarf auch direkte Fragen zu Büchern oder dem aktuellen Bildschirminhalt beantworten. Was es nicht gibt: Benachrichtigungen.
Das Boox (Android 15) geht einen anderen Weg und kann sogar als Smartphone-Ersatz verwendet werden. Es unterstützt sämtliche App-Benachrichtigungen, hat eingebaute Lautsprecher und kann über das Internet zum Telefonieren genutzt werden.
Gewinner: Auf dem Papier das Boox, da es objektiv einfach mehr Features bietet. Wer jedoch Einfachheit und KI-Integration sucht, wird mit dem reduzierten System des Viwoods glücklicher.
Akkulaufzeit
Das ultradünne Gehäuse des Viwoods fordert hier seinen Tribut. Mit 2.580 mAh fällt der Akku deutlich kleiner aus als der des Boox (3.950 mAh). Da beide auf Android basieren, sind sie generell etwas energiehungriger als reine Lese-Geräte wie ein Kindle oder Tolino.
Bei meiner alltäglichen Nutzung (ca. 1 bis 2 Stunden Lesen pro Tag) hält der Viwoods rund eine Woche durch. Der Boox schafft dank des dicken Akkus starke 8 bis 9 Tage.
Aufgeladen wird bei beiden über USB-C (kein Wireless Charging). Positiv: Bei beiden Geräten ist die Laufzeit so gut, dass im Alltag definitiv keine »Akku-Nervosität« aufkommt.
Gewinner: Boox Palma 2 Pro.
Extras im kompakten Überblick
Viwoods AiPaper Reader:
- Kostenlose KI-Bots
- SIM-Kartenslot (nur für Daten)
- Fingerabdrucksensor
- Mikrofon (aber keine Lautsprecher)
- Keine Kamera, keine Stylus-Unterstützung
- Lieferumfang: Einfache Kunststoff-Hülle
Der Viwoods AiPaper hat abseits der integrierten KI-Assistenten nicht viele Extras. (Bildquelle: Duy Linh Dinh/GameStar Tech)
Boox Palma 2 Pro:
- 16-MP-Kamera auf der Rückseite
- SIM-Kartenslot (nur für Daten)
- Fingerabdrucksensor
- Mikrofon und Lautsprecher
- Optionale Stylus-Unterstützung (für Notizen)
- Optional: MagSafe-Hülle
Der Boox Palma 2 Pro kann auch als (schlechter) Handyersatz verwendet werden. (Bildquelle: Duy Linh Dinh/GameStar Tech)
Meine ausführlichen Einzelberichte beider Geräte:
Fazit
Obwohl der Boox Palma 2 Pro auf dem Papier die längere Feature-Liste mitbringt und der klare Sieger für alle ist, die einen waschechten Handy-E-Reader-Hybriden suchen, hat letztendlich der Viwoods AiPaper Reader den begehrten Platz in meiner Hosentasche gewonnen.
Die Gründe dafür wiegen für mich im Alltag schwerer als reine Datenblätter: Es ist das herausragende Gefühl in der Hand durch die Premium-Verarbeitung, es ist das gestochen scharfe Monochrom-Display und paradoxerweise ist es genau das, was das Gerät nicht hat.
Da ich diese Geräte wirklich primär zum Lesen nutze, empfinde ich den Verzicht auf Lautsprecher, Kamera und vor allem eintrudelnde Push-Benachrichtigungen als puren Segen. Außerdem ist der Viwoods AiPaper Reader derzeit ein gutes Stück günstiger, was mir eine Empfehlung umso leichter macht.
So schließt sich der Kreis zu dem, was ich anfangs suchte: Der Viwoods ist ein fokussierter, kompakter Rückzugsort, der meine Liebe zum Lesen am Leben hält. Ganz ohne die Ablenkungen eines normalen Smartphones.


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