Eine Soundbar zum Spielen auf dem Schreibtisch? Klingt exotisch. Ich fand die Idee noch nie schlecht. Eine Klangstange nimmt in der Höhe weniger Platz weg, der Sound strahlt direkt auf mich ab und je nachdem gibt’s volltönernen Klang, den zwei Böxlein links und rechts nicht bieten können.
Einen ähnlichen Gedanken hatte wohl auch Asus und brachte mit der ROG Gjallar seine erste Soundbar auf den Markt. Dass hier keine Audioschmiede am Werk ist, merkt man. Der Klang ist nicht schlecht, kann aber mit anderen Soundbars nicht mithalten, vor allem nicht für einen Preis von knapp 600 Euro.
Asus ROG Gjallar: Design und Ersteindruck
Die Gjallar kommt in einer knallroten Box, das wirkt schon mal deutlich lebendiger, als die sonst recht nüchtern verpackten Soundbars. Passend, denn Gaming-Tech ist ja selten zurückhaltend – außer in diesem Fall.
Die Soundbar hält sich erstaunlich nah an die gängigen Design-Normen, dafür, dass sie Spielerinnen und Spieler ansprechen soll.
- Schwarz
- Gemaserter Grill
- Wenig optischer Firlefanz
Einzig das Asus-Branding könnte den einen oder anderen stören. Da ist das Logo vorne links auf der Soundbar, einmal quer über die Oberseite zieht sich der »Republic of Gamers«-Slogan. Ganz ohne geht's halt nicht, aber die Optik bleibt dennoch geschmackvoll und unaufdringlich, zumindest in meinen Augen.
Genau so unaufdringlich sind die Bedienknöpfe an der rechten Seite, so ihr sie denn braucht, denn eine Fernbedienung liegt bei. Zu dem gibt es einiges zu sagen, aber dazu später mehr.
Eine Sache, die mir nicht gefallen hat: Obschon der Grill aus Metall besteht, ist die Unterseite nur aus nicht besonders hochwertigem Plastik hergestellt. Das wirkt billig und ist einer Soundbar für 600 Euro auch nicht würdig.
Was jetzt folgt, ist ein zweischneidiges Schwert. Im Vergleich zu anderen Soundbars ist der Formfaktor der Gjallar recht hoch. Ich finde das aus zwei Gründen grundsätzlich klasse:
- Durch die Bauart passen größere Treiber in die Soundbar. Das ist positiv für den Klang und zahlt sich (in der Theorie) vor allem bei den Upfiring-Speakern der Gjallar aus, die dadurch kräftige Töne nach oben schicken, die an der Decke abprallen. So kommt schlichtweg mehr Schall beim Zuhörer oder der Zuhörerin an.
- Ein wuchtiger Klangkörper gibt dem Sound Volumen. Kleine Soundbars oder Lautsprecher klingen manchmal genau deswegen dünn.
Das Problem bei der Gjallar ist, dass sie für den Schreibtisch gedacht ist. Was ihr an Länge fehlt, versucht sie mit Höhe wettzumachen. Das gelingt, aber der schwarze Ziegel ist einem stets im Augenwinkel. Das kann und wird einige stören.
Nachstehend seht ihr zwei Bilder von meinem Schreibtisch. Da ich auf einem 48-Zoll-TV unterwegs bin, wirkt die Soundbar ein wenig zwergiger als sie eigentlich ist.
In der Packung befinden sich noch zwei weitere Geräte: ein Subwoofer und der Control Hub (die Fernbedienung).
Der Subwoofer ist relativ schmal – und ich mag das. So hat man keinen dicken Klotz herumstehen, der optisch mehr Platz verschluckt als er brauchen sollte. Die Bassbox verbindet sich drahtlos mit der Soundbar, ist also relativ frei platzierbar (abgesehen von der Stromzufuhr).
Der Tieftöner wummst ordentlich, so muss das auch sein. Ihm geht ein wenig das Feingefühl ab, zum Glück lässt er sich über die Software aber zügeln. Andernfalls übertönt der Subwoofer den restlichen Töne zu sehr, weswegen ich euch das dringend empfehle.
Die Fernbedienung finde ich ziemlich cool. Die erinnert am ehesten an ein kleines Mini-Deck und passt auf jeden Fall sehr viel besser zur Gjallar als eine schnöde Handfernbedienung.
- Über das Rad lässt sich die Lautstärke regeln.
- Ein LC-Disyplay hilft bei der Navigation (dient aber hauptsächlich dazu, cool auszusehen).
- Die Knöpfe bieten das, was man von einer herkömmlichen Fernbedienung kennt.
Am Control Hub (so nennt Asus die Fernbedienung) sitzen auch zwei Mikrofone. Mit denen könnt ihr beim Spielen auf Headset oder Kopfhörer und externes Mic verzichten – theoretisch.
Im Test hat das bei mir zwar funktioniert, aber gut verstanden hat man mich nicht. Die Mikrofone filtern Hintergrundgeräusche heraus, aber gerade im Spiel, wenn über die Gjallar In-Game-Lärm kommt, musste ich mich nicht selten wiederholen. Frustrierend.
Es kommt noch eine zweite Krux hinzu: Der Control Hub ist kabelgebunden. Ich kann ihn also auch nicht unendlich weit zu mir ziehen, weil das feste USB-C-Kabel irgendwann zu Ende ist – und der Hub wird an der Rückseite angeschlossen.
Die Fernbedienung ist ein gutes Beispiel dafür, warum die Gjallar gut gedacht, aber längst nicht gut gemacht ist. Ich würde die Mikrofone des Hubs jedenfalls nur dann nutzen, wenn ich nicht mal Büchse und Schnur zur Hand habe.
Abschließend möchte ich noch ein Wort zur Gear-Link-Software verlieren. Über die könnt ihr diverse Einstellungen vornehmen, wie etwa das Lichtspiel der Soundbar anpassen oder persönliche Profile im Equalizer einstellen, was ich mir natürlich habe nehmen lassen. Damit konnte ich ein wenig mehr differenzierten Klang aus der Gjallar kitzeln.
Was mich ein wenig enttäuscht hat: Leider lässt sich der Control Hub nicht programmieren, obwohl er sich wie dafür gemacht anfühlt. Gerade der Drehregler bietet sich dafür gerade zu an, ihm andere Aufgaben zuweisen zu können.
Was mir nicht gefällt, ist, dass ich diverse Einstellungen – wie etwa das Basslevel des Subwoofers – nur darüber anpassen kann und nicht über den Control Hub oder am Geräte selbst. Ich brauche also eine aktive Internetverbindung, wenn ich den Tieftöner bedienen möchte. Wild.
Asus ROG Gjallar: So klingt sie
Licht und Schatten ziehen sich leider auch beim Klang durch. Die gute Nachricht ist, dass die Gjallar aus dem Stand wirklich gut klingt. Das liegt vor allem daran, dass der Sound »mächtig« tönt.
- Sound kommt wuchtig aus den Kanälen. Besonders bei actionreichen Spielen zahlt sich das auf die kurze Distanz echt aus.
- Sub und Soundbar erzeugen einen krassen Bass, der in dieselbe Kerbe schlägt.
- Bei Actionfilmen (dafür gibt es immerhin ein echtes Film-Preset) haut die Gjallar auch ganz schön rein, wobei hier Dialoge und die Klangbühne als solches leiden können, wenn Musik, Geräusche und Gespräche gleichzeitig stattfinden.
Ihren größten Vorteil spielt die Gjallar bei Singleplayer-Games aus, wenn ich also nicht dauernd Wortgefechte meiner Mitspieler oder Mitspielerinnen im Ohr habe oder es unentwegt links und rechts Kugeln hagelt.
Bei gediegenen Spielen, also solche, wo es nicht dauernd rummst, brilliert die Gaming-Soundbar. Allein durch den Formfaktor, kam die Umgebung in Baldur’s Gate 3 ordentlich zum Tragen. Hier kann die Soundbar gut zwischen den einzelnen Quellen differenzieren und bringt das über ihre Länge auch herüber.
Bei einem Witcher 3 werden Naturgeräusche gut eingefangen. Gespräche vor ruhiger Kulisse sind atmosphärisch, genauso wie mit Plötze allein im Wald zu sein und der Natur zu lauschen. Dasselbe gilt auch für Cyberpunk 2077. Auf der Straße kann ich vorbeifahrende Autos mit den Ohren verfolgen; Hintergrundgespräche fügen sich ins Gesamtbild ein und erzeugen Atmosphäre.
11:47
The Witcher 3 - Vorschau-Video zu Remaster & Songs of the Past
Auch im Weltall überzeugt mich die Gjallar. Gerade Raumschiffantriebe, die laut rauschend zünden, gehen in Mark und Bein. In Star Citizen zum Beispiel. Immer dann, wenn es überzeugenden, breitbrüstigen Sound braucht, steht die Soundbar Spalier. So muss das und hier nimmt Gjallar ihren Platz ein.
Und hier kommt die schlechte Nachricht: Der »mächtige« Klang ist am Ende des Tages zu grobschlächtig. Klar, bei den tiefen Tönen sind Klangstange und Sub als Duo echt stark – aber dafür fehlt es beim Rest. Bei Spielen fällt das in der Regel weniger auf, aber bei Musik offenbaren sich die Schwachstellen.
- Mitten können bei fordernden Liedern überlagern. Das wird noch offenkundiger, wenn man die Lautstärke erhöht.
- Der dominante Bass verschluckt Details, wodurch der Klang sehr eingeengt tönen kann. Da helfen auch keine 2.1.2-Upfiring-Speaker und Dolby Atmos.
- Die Klangbühne ist dann überraschend begrenzt, wenn sie am breitesten sein müsste.
All das merkt man ziemlich gut beim Song »Never Mind« von Infected Mushroom. Den nehme ich gerne als Stresstest her. Der Bass schallert bis in die Magengegend, aber Höhen werden abgeschnitten und Mitten kommen zu kurz.
Link zum Spotify-Inhalt
Ich empfehle euch unbedingt, den Bass über die Software an die kurze Leine zu nehmen – und selbst dann ist der Klang zwar ordentlich, aber keine 600 Euro würdig.
So habe ich getestet
Die Asus ROG Gjallar stand rund zwei Wochen auf meinem Schreibtisch. Ich habe Spiele gespielt, Filme geschaut und Musik damit abgespielt.
Spezifikationen
- System: 2.1.2-Kanal mit Dolby Atmos
- Treiber: 4 Breitband-, 2 Hoch- und 2 Upfiring-Treiber
- Subwoofer: Kabellos, 6,5 Zoll, 65 Watt
- Leistung: Bis zu 240 Watt
- HDMI: 4K/120 Hz, VRR, ALLM und eARC
- Anschlüsse: HDMI, USB-C, Optical und 3,5 mm
- USB: Zwei USB-A-Anschlüsse
- Bluetooth: Version 5.3
- Bedienung: Separater Control Hub mit Display und Drehregler
- Mikrofone: Zwei Beamforming-Mikrofone im Control Hub
- RGB: Aura-Sync-Beleuchtung
- Maße (BxHxT): 607 x 82 x 109 mm
Preis und Verfügbarkeit
Die Asus ROG Gjallar gibt es seit 24. August für 600 Euro (UVP) zu kaufen. Auf der Straße bekommt ihr sie aktuell für 590 Euro.
Die Asus ROG Gjallar ist für euch, wenn …
- … ihr druckvollen, mächtigen Klang auf dem Schreibtisch sucht, den euch Kopfhörer einfach nicht bieten können.
- … euch die Basslastigkeit nicht stört oder ihr dicken Bass bervorzugt.
- … ihr Immersion in Singleplayer-Spielen sucht und keine Kopfhörer verwenden wollt.
Mögliche Alternativen zur Asus ROG Gjallar:
- Klipsch Flexus Core 100: Die Soundbar ist kurz und breit und passt damit wunderbar unter den Monitor. Sie liefert ebenfalls krassen Bass – und das ohne Subwoofer. Preis: 400 Euro.
- Samsung HW-Q810GF: Samsungs Soundbar ist ebenfalls für Bassliebhaber. Der Subwoofer hat es echt in sich und arbeitet sehr detailverliebt. Die Klangbühne ist gleichermaßen breiter – und so auch die Soundbar selbst. Platz braucht ihr also. Preis: 450 Euro.
- Cambridge Audio L/R S: Keine Soundbar, aber ziemlich basstlastige Desktopboxen. Die sind überraschend kompakt für ihren Klang und sorgen mit vier Endstufen für mächtig Radau. Verzichten müsst ihr auf HDMI und ihr braucht dennoch einen recht geräumigen Schreibtisch. Preis: 500 Euro.
Nein, die Gjallar ist keine schlechte Soundbar. Wer auf drückenden Klang und dominante Bässe steht, wird hier definitiv fündig. Der Klang ist gut – aber nicht 600-Euro-gut. Für das Geld habe ich schon Soundbars und Subs gehört, welche die Gjallar in den Schatten stellen.
Natürlich darf man die Frage stellen, ob man eine Gaming-Soundbar mit denselben Metriken bewerten sollte wie Modelle fürs Heimkino – aber ich denke, ja. Genau so gut könntet ihr euch nämlich ein Exemplar eines anderen Herstellers auf den Schreibtisch stellen. Dafür braucht es das Prädikat »Gaming« nicht.

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