Ihr wollt ein neues Notebook? Dann müsst ihr jetzt besonders aufpassen

Neue, schnelle Notebook-Hardware macht die Anschaffung eines Gaming-Laptops sehr verlockend. Aber seid gewarnt: Es gibt grade Stolperfallen beim Kauf!

von Nils Raettig,
29.01.2021 15:55 Uhr

Ein neues Notebook zu kaufen gestaltet sich grade schwierig, und das nicht nur wegen der schlechten Lieferbarkeit von aktueller Hardware. Ein neues Notebook zu kaufen gestaltet sich grade schwierig, und das nicht nur wegen der schlechten Lieferbarkeit von aktueller Hardware.

Vor ungefähr zwei Wochen hat euch mein geschätzter Kollege Alexander Köpf davor gewarnt, so wie er ein neues Notebook zu kaufen und euch empfohlen, stattdessen zu warten. Der Grund: Die neue Notebook-Hardware, die AMD (Ryzen-CPUs) und (RTX-GPUs) auf der CES 2021 vorgestellt haben.

Ein generell guter Rat. Er stellt euch allerdings aufgrund der aktuellen Situation vor besondere Schwierigkeiten, wenn ihr nicht mehr länger mit dem Kauf warten wollt. Denn wie viel Spieleleistung ihr für euer Geld bekommt, ist momentan so unklar wie lange nicht mehr.

Das ist eine sehr unschöne Situation, an der die Hersteller in meinen Augen dringend und am besten auf der Stelle etwas ändern müssen - zumal es gar nicht so schwer wäre. Alex ursprünglichen Erfahrungsbericht findet ihr übrigens hier:

Ihr wollt ein neues Notebook? Dann wartet!   77     11

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Ausgangspunkt: Alles hängt an drei Buchstaben

Der entscheidende Faktor lautet »TDP«. Das steht für »Thermal Design Power« beziehungsweise für die thermische Verlustleistung. Der Wert besagt grob gesagt, wie hoch die Leistungsaufnahme einer bestimmten Komponente ist. Mit Blick auf GPUs wird auch der Begriff »TGP« verwendet (»Total Graphics Power«).

Vereinfacht gesagt gilt, dass bestimmte Hardware wie eine Grafikeinheit um so schneller sein kann, je höher ihre Leistungsaufnahme ist. In kompakten Geräten wie Notebooks ist der Umgang mit einer hohen TDP aber schwierig, sowohl in Sachen Stromversorgung als auch mit Blick auf die Temperatur- und Lautstärkeentwicklung.

Nvidias Max-Q-Ansatz: Nvidia hat mit der GTX-1000-Reihe die Bezeichnung »Max-Q« im Mobilbereich eingeführt. Sie macht GPUs kenntlich, die durch eine geringere TDP auf etwas Leistung verzichten, um im Gegenzug kompaktere und/oder leisere Geräte zu ermöglichen. Bei neuen Notebooks mit RTX-3000-Bezeichnung sucht man diese Angabe in Datenblättern allerdings vergeblich.

Über den Autor: Nils Raettig ist seit Oktober 2013 Hardware-Redakteur bei der GameStar. In dieser Zeit hat er bereits alle möglichen Notebooks getestet, von kompakten Edel-Geräten bis hin zu wuchtigen Desktop-Replacements mit zwei Grafikkarten im SLI-Verbund. Privat bevorzugt er eher flache und möglichst leise Geräte, was nicht sehr gut mit maximaler Spieleleistung harmoniert. Dafür hat er aber ja seinen Destop-PC - der mit Mini-ITX-Mainboard und passendem Gehäuse in Form des Node 202 von Fractal Design zur Not sogar auch in einen größeren Rucksack passt. Für den nötigen Bildschirm gilt das aber leider nicht.

Keine Klarheit für Käufer

Durch den Max-Q-Zusatz wusste man in der Vergangenheit zumindest grob, worauf man sich einlässt. Jetzt kann die Leistung zweier Notebooks mit identisch bezeichneter GPU dagegen wieder sehr unterschiedlich sein. Tests bei den Kollegen von Computerbase zeigen Differenzen im Bereich von 30 Prozent bei einer RTX 3070.

Natürlich konnte die Spieleleistung von Laptops mit gleicher Grafikeinheit schon immer variieren, weil es auch auf Faktoren wie die CPU und die durch die Kühllösung ermöglichten Taktraten ankommt. Die Situation ist im Falle der mobilen RTX-3000-Generation aber meinem Eindruck nach besonders undurchsichtig.

Welche Hardware uns 2021 abseits der neuen Notebook-Komponenten erwartet, erfahrt ihr übrigens in den folgenden beiden Plus-Artikeln:

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Größere Unterschiede zu den Desktop-Varianten: Im Mobil-Bereich kommt erschwerend hinzu, dass die Unterschiede zwischen den Laptop-GPUs und ihren Pendants für Desktop-PCs deutlich größer als zuletzt ausfallen.

Während die Zahl der Shader-Einheiten und die Speicherausstattung bei der RTX-2000-Generation in Notebooks und in Desktop-PCs identisch war (siehe unseren Test der mobilen RTX 2080), gibt es mit RTX-3000 stärkere Differenzen. Das gilt insbesondere im Falle der RTX 3080, wie diese Übersicht zeigt:

Chip

RTX 3080 Desktop: GA102

RTX 3080 Laptop: GA104

Shader-Einheiten

RTX 3080 Desktop: 8.704

RTX 3080 Laptop: 6.144

Boost-Takt

RTX 3080 Desktop: 1.701 MHz

RTX 3080 Laptop: 1.245 - 1.701 MHz

Speicher

RTX 3080 Desktop: 10,0 GByte GDDR6X

RTX 3080 Laptop: 8,0 oder 16,0 GByte GDDR6

TDP

RTX 3080 Desktop: 320 Watt

RTX 3080 Laptop: 80 - 150 Watt

Ich finde es absolut nachvollziehbar, dass man eine 320-Watt-GPU nicht im mobilen Umfeld verwendet. Wenn sich die Notebook-Varianten der RTX 3080 aber so deutlich in der TDP und damit auch in ihrer Leistungsfähigkeit unterscheiden können, dann muss das für potenzielle Käufer auf einen Blick ersichtlich sein.

Was sagt Nvidia zu der Kritik?

Nvidia ist sich der Problematik bewusst und appelliert dringend an die Hersteller, genaue Angaben zu der TDP und den Taktraten ihrer RTX-3000-GPUs zu machen. Bislang sieht es aber eher nicht danach aus, dass Hersteller wie Asus oder MSI diese wichtigen Informationen schnell und auf einen Blick zugänglich machen.

Natürlich kann nicht jeder Käufer etwas mit Begriffen wie »TDP« und »Taktrate« anfangen. Einerseits ist das aber kein Grund, diese Werte nicht an gut sichtbarer Stelle explizit zu nennen. Andererseits gab es ja genau dafür die weniger genaue, aber immerhin offensichtliche Max-Q-Bezeichnung.

Grundsätzlich bleibt die Bezeichnung erhalten, wie die offizielle Produktseite zu den RTX-3000-Notebooks und der folgende Screenshot zeigt. Da sie sich jetzt allerdings auf mehrere Aspekte als nur die TDP bezieht und zumindest bislang nicht in Datenblättern genannt wird, hilft das nicht bei der Kaufentscheidung.

Max-Q ist auch mit RTX-3000 noch irgendwie da. Wo genau, ist aber schwer herauszufinden. Max-Q ist auch mit RTX-3000 noch irgendwie da. Wo genau, ist aber schwer herauszufinden.

Transparenz ist Pflicht

Um Klarheit zu schaffen, müssen sich Nvidia und die Notebook-Hersteller meiner Meinung nach darauf festlegen, stets genaue Angaben zu der Verlustleistung und zu den Taktraten zu machen. Und zwar besser heute als morgen.

Das sieht auch der im Notebook-Umfeld bekannte Youtuber Dave Lee (beziehungsweise Dave 2D) so. Er hat deshalb eine öffentlich einsehbare Liste in Google Drive erstellt, die für bestimmte Notebooks die genaue Angabe zu der Verlustleistung nennt.

Die Liefersituation ist jedoch auch bei den RTX-3000-Notebooks erwartungsgemäß schwierig. Außerdem liegen die Preise für direkt verfügbare Modelle mit RTX-3080-GPU aktuell bei etwa 3.600 Euro aufwärts. Das ist aber nur ein Grund mehr, potenzielle Käufer genau darüber zu informieren, auf was sie sich einlassen.

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