Das größte Tier der Erde in Form des Blauwals ernährt sich von enormen Mengen winziger Tiere, auch als Krill bekannt. Doch die Jagd auf Wale hat ihre Population im vergangenen Jahrhundert stark schwinden lassen.
Gute Nachrichten für Krills, könnte man meinen. Tatsächlich ist aber auch ihre Population zurückgegangen. Wie kann das sein, wo doch ihr riesiger Fressfeind fast bis zur Ausrottung gejagt wurde?
Forscher der Universität Washington liefern dazu neue Erkenntnisse:
- Die Ausscheidungen von Walen spielen dabei eine wichtige Rolle, auch wenn die Krill nicht in direktem Zusammenhang damit stehen.
- Entscheidend sind die im Walkot enthaltenen Nährstoffe, die das Ökosystem des Ozeans deutlich beeinflussen können, so die Wissenschaftler.
- Dabei geht es vor allem um Eisen, aber auch um Kupfer, letzterer in einer für Meeresbewohner nicht giftigen Form.
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Im Dienste der Wissenschaft: Massenhaft schwarze Bälle werden in ein Wasserreservoir geschüttet
Die genauen Zusammenhänge im Detail
Ein offizieller Bericht zu den Forschungsergebnissen der Uni Washington erklärt, dass der Walkot durch seine Nährstoffe zu einem wichtigen Dünger im Ozean wird.
Davon profitiert vor allem Phytoplankton. Dabei handelt es sich um pflanzenähnliche Organismen in Form von großen Blüten, die Krills als Nahrung dienen.
Je weniger Walkot mit hilfreichen Nährstoffen es gibt, desto geringer ist der Bestand an Phytoplankton. Das führt wiederum zu weniger Nahrung für Krill, sodass das entsprechende marine Ökosystem durch die Jagd auf die Wale in ein Ungleichgewicht geraten ist, wie die folgende Grafik zeigt:
Da es nicht so einfach ist, an Walkot zu kommen, diente eine vergleichsweise geringe Menge an Proben als Untersuchungsmaterial, genauer gesagt fünf. Ein Umstand war dabei besonders hilfreich, wie Hauptautorin Randie Bundy mit diesem Zitat deutlich macht:
Das Schöne ist wohl, dass Walexkremente schwimmen.
Um den schwimmenden Kot einzufangen, wurden passende Gläser an Netzen befestigt. Die Beschreibung der Konsistenz durch die Forscher ersparen wir euch an dieser Stelle.
Die Sorge vor giftigem Walkot erweist sich als unbegründet
Es gab bereits früher Untersuchungen von Walkot, allerdings nicht nach Metallen wie Eisen, die weit weg vom Land im Meer Mangelware sind.
Doch eine der Entdeckungen in diesem Zusammenhang hat die Forscher zunächst beunruhigt, so Bundy:
Wir waren wirklich schockiert, wie viel Kupfer im Walkot war. Wir dachten zunächst: ‚Oh nein, ist der Walkot etwa giftig?‘
Dank einer Verbindung mit organischen Molekülen namens Liganden ist dem nicht so. Diese Liganden stammen vermutlich von Bakterien aus den Mägen der Wale.
Welche unerwartete Rolle Sonnenkollektoren für das Ökosystem in einer Wüste spielen können, erfahrt ihr im Artikel: China hat eine Wüste mit Sonnenkollektoren bedeckt und bestätigt, dass es das Ökosystem dort für immer verändern kann
. Und inwiefern Biber gut für die Umwelt sind, berichtet t3n.
Das Fazit der Wal-Forscher
Der ebenfalls an der Forschung beteiligte Doktorand Patrick Monreal fasst die bisherigen Erkenntnisse abschließend folgendermaßen zusammen:
Ich denke, Tiere spielen eine größere Rolle in chemischen Kreisläufen, als viele Experten ihnen zuschreiben, besonders wenn man auf Ökosystemebene denkt. Wenn ich Tiere sage, meine ich eigentlich ihr Darmmikrobiom.
Ein unerwarteter, aber guter weiterer Grund, darauf zu hoffen, dass sich die vom Menschen dezimierte Walpopulation wieder deutlich erholen kann.

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