»Es ist schlimm, richtig schlimm«:Razer zieht bei neuen Gaming-Notebook vorerst die Reißleine

Razer-CEO Min-Liang Tan warnt vor steigenden DRAM-Preisen und deren Folgen für Verbraucher. Gehören bezahlbare Gaming-Laptops bald Vergangenheit an?

Die RAM-Krise setzt besonders kleineren Herstellern zu. (Quelle: Razer + Adobe Stock ytemha34) Die RAM-Krise setzt besonders kleineren Herstellern zu. (Quelle: Razer & Adobe Stock / ytemha34)

Razer-CEO Min-Liang Tan warnt im Decoder-Podcast von The Verge vor einer Zeitenwende. Während durch lokale KI-Integration die Leistungsfähigkeit von Laptops immer weiter zunimmt, drohen explodierende DRAM-Preise das Ende bezahlbarer Gaming-Hardware einzuläuten.

Wer hoffte, dass nach der Chipkrise und dem Krypto-Mining-Boom endlich Ruhe auf dem Hardware-Markt einkehren würde, wurde von Min-Liang Tan am Rande der CES 2026 unsanft geweckt. Der Razer-Chef nutzte das Interview im Podcast, um ein düsteres Bild der aktuellen Preisdynamik zu zeichnen.

Im Interview gab Tan offen zu, dass Razer die Preise für die nächsten Blade Laptops bisher noch nicht festgelegt hat. Auch konnte der CEO des Unternehmens nicht sagen, wann die neuen Geräte überhaupt auf den Markt kommen sollen.

Razer CEO Min-Liang Tan: Wir haben noch keine Preise für die nächste Generation von Laptops bekannt gegeben, und das bereitet mir Sorgen, weil die RAM-Preise steigen und wir sicherstellen wollen, dass unsere Laptops für Gamer erschwinglich bleiben. Aber es hat sich etwas getan. Die Situation ist derzeit so volatil, dass es für uns schwierig ist, überhaupt zu sagen, wie die Preise zu diesem Zeitpunkt aussehen werden.

Wann die 2026er Razer Blade Notebooks vorgestellt werden, steht aktuell in den Sternen. (Quelle: Razer) Wann die 2026er Razer Blade Notebooks vorgestellt werden, steht aktuell in den Sternen. (Quelle: Razer)

Der Kampf um RAM und GPUs ist eröffnet

Aber nicht nur Razer leidet unter der aktuellen RAM-Krise. Speziell die kleineren Hersteller sind von der Knappheit betroffen. Wie ComputerBase kürzlich berichtete, wird man zum Beispiel bei Schenker Notebooks (XMG) die neue Panther Lake Plattform von Intel nur langsam einführen. 

Ein Laptop mit dem Spitzenmodell X9 388H ist zumindest vorerst nicht geplant. Diese CPU greift ausschließlich auf verlöteten LPDDR5X-9600-Arbeitsspeicher zurück und der ist nicht nur besonders schnell, sondern auch entsprechend teuer.

Kosten für LPDDR5X-RAM sind um bis zu 250 Prozent gestiegen

Wenn ein Hersteller seine Mainboards nicht, wie etwa MSI, selbst baut, müssen bereits im Vorfeld Platinen mit der gewünschten Menge an Arbeitsspeicher bestellt werden. In Zeiten, in denen die Preise so rasant steigen, ist das ein schwieriges und riskantes Unterfangen.

Wer will schon 500 oder 1.000 Hauptplatinen mit 32 oder 64-GB-RAM vorbestellen, wenn nicht klar ist, wie sich die Preise während der Produktion entwickeln? Am Ende sitzt ein Hersteller dann auf den fertigen Komponenten, die er zu extrem hohen Preisen verkaufen müsste, um zumindest kostendeckend arbeiten zu können. Intel wird das vermutlich nicht gefallen, die Zurückhaltung der Laptop-Hersteller dürfte der Verbreitung von Intels Panther Lake CPUs sicherlich nicht zuträglich sein.

Robert Schenker, Gründer und Geschäftsführer der Schenker Technologies GmbH: Zwischen Spätsommer 2025 und Januar 2026 sind die Beschaffungskosten für LPDDR5X laut unseren Zulieferern um rund 200 bis 250 Prozent gestiegen und die Tendenz ist weiterhin steigend. Das erschwert die Produktplanung und die Einschätzung des Erfolgs von LPDDR5X-basierten Laptops vor allem im Premium-Segment, in dem 64 GB oder mehr Arbeitsspeicher vorausgesetzt werden. Verlöteter Arbeitsspeicher macht es zudem unmöglich, zum jetzigen Zeitpunkt einen Laptop mit kleinerem RAM-Ausbau zu konfigurieren und später, wenn die Preise wieder fallen sollten, einfach selbst aufzurüsten.

RAM ist heutzutage ein begehrtes und teures Gut. (Quelle: Crucial) RAM ist heutzutage ein begehrtes und teures Gut. (Quelle: Crucial)

Nun ist Schenker Notebooks natürlich nicht der einzige kleinere Hersteller der unter den aktuellen Entwicklungen zu leiden hat. Das für seine modularen Laptops bekannte Unternehmen Framework hatte bereits im Dezember letzten Jahres die Preise für Arbeitsspeicher in seinem Laptop-Konfigurator um 50 Prozent angehoben.

Die richtig hohen Preise kommen erst noch

Dass kleinere Hersteller unter den hohen RAM-Preisen ächzen ist klar, doch wie sieht es bei den größeren Unternehmen aus? Wir haben dazu mal bei MSI nachgefragt und um eine Einschätzung der aktuellen Situation gebeten:

Sascha Faber, Marketing Manager Notebook bei MSI: Aktuell dämpfen längerfristige Zulieferverträge der Laptop-Hersteller und der Bestand in den Lagern und im Handel eine Erhöhung der Laptoppreise noch ab. Aber bereits in den nächsten Monaten und sogar Wochen sind höhere Preise im Handel zu erwarten, wenn die Laptop-Hersteller die gestiegenen Einkaufskosten in ihrer Produktkalkulation weitergeben müssen. Alternativ werden die Hersteller versuchen, die Preissteigerungen durch einfachere Konfigurationen zu kompensieren. So ist im Laptop-Bereich bereits eine Bewegung zu 16 GByte oder sogar 8 GByte Konfigurationen zu beobachten. Als weitere Konsequenz wird auch die Zahl und die Attraktivität von Sonderangeboten abnehmen.

Wir beobachten bereits seit Ende des Jahres steigende Preise, wenn man nun die Aussagen von MSI berücksichtigt, war diese Entwicklung aber nur der Anfang. Der richtige Preishammer kommt erst noch! Die Zeit von tollen Laptop-Schnäppchen scheint damit dann wohl auch erst einmal vorbei zu sein.

Der KI Boom ist schuld

Die Gründe für die angespannte Situation bei den Notebook-Herstellern lässt sich einfach erklären: Große Tech-Giganten kaufen den Markt für Arbeitsspeicher und GPUs leer, um ihre Rechenzentren für das Training von KI-Modellen aufzurüsten. 

Für Hersteller von Consumer-Laptops bedeutet das horrende Einkaufspreise. Dazu kommt, dass die wenigen Hersteller von DRAM-Chips, wie etwa Micron oder Samsung, lieber an KI-Unternehmen verkaufen, bei denen sie mehr Geld verdienen können als mit Consumer-Produkten. 

Große Hersteller wie Dell oder Lenovo sind in der Lage das zumindest etwas zu kompensieren, da sie bereits im letzten Jahr RAM für mehrere Monate auf Vorrat gekauft haben. Kleinere Hersteller wie Razer oder Schenker können das aber natürlich nicht in gleichem Maße tun und werden von den aktuellen Entwicklungen besonders hart getroffen. 

Ihr wolltet immer schon wissen, warum einige Laptop-Hersteller Folie auf den Arbeitsspeicher kleben? Die Antwort findet ihr in meinem Artikel: Notebook-Hersteller kleben oft RAM und SSD mit schwarzer Folie ab – doch was ist der Grund dafür?

Ein teurer Blick in die Zukunft

Aktuell sieht es nicht danach aus, als würden wir die DRAM-Knappheit bald hinter uns lassen. Und das hat für Verbraucher bereits jetzt Folgen: Laptops, Smartphones und alle anderen Geräte, bei denen DRAM-Chips verbaut werden, steigen deutlich im Preis. 

Wenn bereits ein Branchenkenner wie Razer CEO Min-Liang Tan sagt, dass er sich darum sorgt, dass Gaming-Laptops vielleicht bald nicht mehr für eine breite Käuferschicht bezahlbar sein könnten, bedeutet das nichts Gutes. 

Es ist davon auszugehen, dass der Trend zu 32-GB-RAM erst einmal gestoppt ist. 16 GB wird zum neuen alten Standard ausgerufen, bei preissensitiven Einsteigergeräten werden wir in diesem Jahr wohl auch vermehrt Laptops mit nur noch 8-GB-RAM sehen, was uns MSI auch bestätigt hat. So toll die schöne neue KI-Welt auch sein mag, wir alle bezahlen in barer Münze dafür.

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