Warum haben Handys mehrere Kameras?

Die ausführliche Antwort auf eine vermeintlich simple Frage.

Das iPhone 15 Pro Max hat drei Kameras. Es gibt auch Smartphones mit noch mehr. (Bild: Comet Design über Adobe Stock) Das iPhone 15 Pro Max hat drei Kameras. Es gibt auch Smartphones mit noch mehr. (Bild: Comet Design über Adobe Stock)

Früher hatten Handys lediglich eine Kamera, meist eine Weitwinkellinse mit fester Brennweite – also ohne optischen Zoom. Der Grund dafür war einfach: Es war technisch schwierig, einen optischen Zoom in ein kompaktes Handygehäuse zu integrieren, ohne das Gerät unhandlich groß zu machen.

Modelle wie das Samsung Galaxy Zoom demonstrierten zwar die Machbarkeit, zeigten jedoch auch die Grenzen auf. Wenn Ihr mit einem Handy weiter entfernte Objekte fotografieren wolltet oder ein größeres Sichtfeld benötigt, musstet ihr mit euren Füßen »zoomen«. 

Wie mehrere Kameras das Problem lösten

Mit dem Wachstum der Handys wurde auch mehr Platz für zusätzliche Komponenten wie größere Akkus und Bildschirme geschaffen. Dies ermöglichte es den Herstellern, mehrere Kameras mit verschiedenen Objektiven und Sensorgrößen zu integrieren.

Ultraweitwinkel: Das LG G5 war eines der ersten Handys, das neben der Hauptkamera eine Ultraweitwinkelkamera bot. Diese ermöglichte es, ein größeres Sichtfeld zu erfassen. Heute ist diese Funktion Standard bei den meisten Smartphones.

Das LG G5 bot außerdem einen austauschbaren Akku und ein hochwertiges Gehäuse aus Aluminium. Das LG G5 bot außerdem einen austauschbaren Akku und ein hochwertiges Gehäuse aus Aluminium.

Längere Brennweiten: Kurz darauf kamen Handys mit einer zusätzlichen Kamera, die eine längere Brennweite hatte. Dies wurde erreicht, indem man kleinere Bildsensoren mit einem größeren Crop-Faktor verwendete.

So konnte man von der Weitwinkellinse der Hauptkamera zur längeren Brennweite der zweiten Kamera wechseln, allerdings musste für die Zwischenbereiche dennoch digitaler Zoom verwendet werden.

Crop-Faktor und Brennweite erklärt:

Der Crop-Faktor gibt an, wie stark ein kleinerer Kamerasensor das Bild im Vergleich zu einem größeren Sensor vergrößert. Dadurch wirkt das Foto so, als wäre es näher herangezoomt.

Die Brennweite eines Objektivs bestimmt, wie weit oder nah ein Objekt erscheint. Sie wird in Millimetern (mm) gemessen. Eine kurze Brennweite (zum Beispiel 18 mm) zeigt ein breites Sichtfeld, während eine lange Brennweite (zum Beispiel 200 mm) weit entfernte Objekte näher heranholt.

Echter Zoom dank Periskop: Eine innovative Lösung war die Periskop-Technologie, bei der die optischen Elemente seitlich im Gehäuse angeordnet sind. Ein Spiegel lenkt das Licht durch das Frontelement auf den Sensor. Das Asus Zenfone Zoom (2015) war das erste Smartphone mit dieser Technologie, die einen dreifachen optischen Zoom ermöglicht.

Eine Kamera, nur für die Tiefe: Um den Bokeh-Effekt (verschwommener Hintergrund) zu erzeugen, nutzen Handys eine zusätzliche Kamera für Tiefeninformationen. Diese zusätzliche Kamera hilft dem Handy, die Distanz von Objekten zu erkennen und so den Hintergrund künstlich unscharf zu machen. Dieser Modus wird oft als »Portrait-Modus« bezeichnet.

Handys können dank des Portrait-Modus den Hintergrund verschwimmen lassen, was früher nur mit Systemkameras mir großen Bildsensoren möglich war. Das Foto hier wurde mit dem Sony Xperia 1 V geschossen. Handys können dank des Portrait-Modus den Hintergrund verschwimmen lassen, was früher nur mit Systemkameras mir großen Bildsensoren möglich war. Das Foto hier wurde mit dem Sony Xperia 1 V geschossen.

Weitere Gründe für mehrere Kameras

Makro: Einige Hersteller integrieren Makro-Kameras, die kleine Objekte in der Nähe fokussieren und vergrößert darstellen können.

Monochrom-Sensoren: Huawei führte Handys mit dedizierten Monochrom-Sensoren ein, wie das Huawei P10 Plus. Diese Sensoren ermöglichen qualitativ hochwertige Schwarz-Weiß-Fotos. Heute ist das Feature sehr selten und dedizierte Monochrom-Systemkameras sind überaus teuer. 

Huawei-Handys mit Monochrom-Sensoren waren perfekt für Schwarz-Weiß-Fans, die sich keine teure Leica M Monochrom für mehrere tausend Euro leisten wollten. Huawei-Handys mit Monochrom-Sensoren waren perfekt für Schwarz-Weiß-Fans, die sich keine teure Leica M Monochrom für mehrere tausend Euro leisten wollten.

Was die Zukunft bringen wird

Die Zukunft liegt im Bereich der Computational Photography und maschinellem Lernen. Beispielsweise hat das Samsung Galaxy S24 Ultra einen fünffachen optischen Zoom, während der Vorgänger eine zehnfache Vergrößerung bot. Der Verlust wird durch höhere Auflösung des Bildsensors und maschinelles Lernen kompensiert. Es ist zu erwarten, dass immer mehr Hersteller auf solche KI-Verbesserungen setzen, um Hardware-Limitierungen zu umgehen.

zu den Kommentaren (0)

Kommentare(0)
Kommentar-Regeln von GameStar
Bitte lies unsere Kommentar-Regeln, bevor Du einen Kommentar verfasst.

Nur angemeldete Benutzer können kommentieren und bewerten.