Was Claude gerade mit ChatGPT macht, erinnert mich an die Konsolenkriege, und diesmal sind wir die Gewinner

Xbox gegen PlayStation? Wohl eher OpenAI gegen Anthropic.

Wenn sich zwei Unternehmen zanken, freuen sich die User. Mal schauen, wie lange noch. (Bildquelle: Adobe Stock – NazeerArt – Ana Belen Garcia) Wenn sich zwei Unternehmen zanken, freuen sich die User. Mal schauen, wie lange noch. (Bildquelle: Adobe Stock – NazeerArt – Ana Belen Garcia)

Wenn es ein Unternehmen gibt, das sich in den letzten Wochen und Monaten bei Tausenden oder gar Millionen von Usern unbeliebt gemacht hat, dann ist das wohl OpenAI:

  • Millionenspenden an Trump
  • Werbung in ChatGPT
  • Der Deal mit dem US-Militär

Während sich OpenAI für User immer weiter ins Aus schießt, gibt es ein Unternehmen, das aus der momentanen Lage meiner Ansicht nach als klarer Sieger hervorgeht: Anthropic, die Macher von Claude, dem ChatGPT-Konkurrenten.

Das liegt nicht nur an den Fehltritten von OpenAI, sondern an den oftmals schnellen, smarten und teilweise fast schon frechen Reaktionen von Anthropic. Das Schöne ist, dass wir User davon profitieren.

Wie damals, nur anders

Beim Lesen der oben genannten Meldungen zu OpenAI und Anthropic in den letzten Wochen wurde ich ein wenig an den Konsolenkrieg zwischen Sony und Microsoft erinnert. Besonders an die Vorstellung der Xbox One, zu der angekündigt wurde, dass man die zugehörigen Spiele nicht verleihen kann.

Sony hat damals mit einem spontan gedrehten Video reagiert, in dem Shuhei Yoshida, der damalige Präsident von Sony Computer Entertainment, und Adam Boyes, der damalige Vice President of Publisher and Developer Relations bei PlayStation ein 21 Sekunden langes Video veröffentlichten.

Darin haben sie sich auf freche, aber charmante Art über die Einschränkung von Xbox-One-Spielen lustig gemacht. Ich weiß noch, wie ich damals auf der Couch saß, die Ankündigung geschaut und herzlich gelacht habe. Das Video ist übrigens heute noch Gold wert:

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Was hat das mit Claude und ChatGPT zu tun? Auch Anthropic erlaubt sich in den letzten Monaten immer wieder eindeutige »Angriffe« auf OpenAI. Die sind vielleicht nicht ganz so witzig wie damals Sonys Videos, aber sie kommen nah heran. Und eines sind sie sicher: effektiv.

Somit sieht der Konflikt zwischen den Unternehmen momentan so aus, als würden wir als User davon nur profitieren. Hoffen wir, dass es dabei bleibt. Im Gegensatz zum Konsolenkrieg:

Video starten 23:59 Der Konsolenkrieg ist vorbei. Wir haben verloren.

Anthropic vs. OpenAI

Was meine ich genau? Mittlerweile gibt es einige Beispiele für Anthropics cleveres Vorgehen.

1. Werbung im KI-Chat

Ende 2025 hat ChatGPT angekündigt, dass bald Werbung im ChatGPT-Chat angezeigt werden wird. Nach dem zu erwartenden Backlash aus der Community haben sie diese Aussage zurückgezogen, nur um Wochen später wieder damit anzukommen.

Pünktlich zum Superbowl hat Anthropic eine Werbung geschaltet, deren Hauptaussage folgende war: »Werbeanzeigen kommen zu KI. Aber nicht zu Claude«. 

Das war eine klare Anspielung auf OpenAIs Vorhaben, die ich persönlich sehr genossen habe. 

Sam Altman, CEO von OpenAI hat damals übrigens eher unsportlich reagiert, auch wenn er zugegeben hat, dass es lustig war:

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2. Deals mit dem US-Militär

Bis vor einer Woche war das Standard-KI-Tool der US-Regierung Claude. Dann hat sich Anthropic geweigert, einen Deal mit dem US-Militär einzugehen, da sie befürchteten, dass ihre KI für Massenüberwachung und automatisierte Waffensysteme eingesetzt wird. 

Nun wurden Anthropics Claude und andere Tools des Unternehmens von US-Präsident Trump verboten, da sie angeblich ein »radikal linkes KI-Unternehmen [sind], das von Leuten geführt wird, die keine Ahnung haben, wie die reale Welt funktioniert.«

Stattdessen hat sich das US-Militär mit OpenAI geeinigt – sehr zum Leidwesen von unzähligen ChatGPT-Nutzern, die diesen Deal strikt ablehnen:

3. Wechsel auf andere KI leicht gemacht

Während Anthropic im obigen Beispiel nicht proaktiv gehandelt hat, sind sie nach dem Aufruhr, den OpenAIs Deal mit dem US-Militär verursachte, wieder in ihre Angriffsstellung gegangen.

Sie haben eine sehr einfache Methode angeboten, die Daten, die andere KIs über ihre Nutzer gespeichert haben, per Prompt zu extrahieren und die Informationen per Knopfdruck in Claude einzufügen.

Damit haben sie User da abgeholt, wo sie sind: Viele Nutzer kündigen momentan ihr ChatGPT-Abo und suchen nach Ersatz. Anthropic hat den Wechsel von ChatGPT (oder anderen Plattformen) so vereinfacht, dass die Einstiegshürde möglichst niedrig ist.

Damit haben sie sich ein enthusiastisches Kopfnicken mit nach unten gezogenen Mundwinkeln von mir verdient. So ungefähr:

15 Jahre alte Memes gefällig? (Bildquelle: English Language Learners) 15 Jahre alte Memes gefällig? (Bildquelle: English Language Learners)

4. Mehr kostenlose Funktionen für alle

Während OpenAI versucht, Werbung selbst in kostenpflichtigen ChatGPT-Go-Accounts anzuzeigen, geht Anthropic in eine andere Richtung – eine beinahe gegenteilige. Sie schalten immer mehr Funktionen für alle Nutzer frei, die vor Kurzem noch ein Abo voraussetzten. 

Hier einige Beispiele:

  • Erinnerungen: Seit dem 2. März 2026 sind Erinnerungen auch für kostenfreie Accounts freigeschaltet. Das war zuvor nur für zahlende Nutzer auf Pro, Max, Team und Enterprise verfügbar. 
  • Dateierstellung und -bearbeitung: Seit Kurzem können Nutzer, ohne zu zahlen, Excel-Sheets, PDFs, Docs und einiges mehr erstellen oder bearbeiten lassen.
  • Connectors: Ihr könnt Claude mittlerweile kostenlos mit anderen Tools wie Gmail verknüpfen, um direkt aus dem Chatfenster heraus mit dem jeweiligen Tool zu arbeiten.

So profitieren wir als Nutzer ungemein von dem Konkurrenzkampf der beiden KI-Unternehmen. Mehr kostenlose Features sind immerhin mehr kostenlose Features, richtig?

Was haltet ihr von dem Konflikt? Macht Anthropic hier viel richtig oder seht ihr das kritischer? Schreibt es gerne unten in die Kommentare!

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