Ich mag Underdog-Hardware. Jetzt ist es raus. Mein erster Prozessor war ein von Thomson gefertigter 386er, nichts mit Intel oder AMD.
Meine erste 3D-Grafikkarte war die Hercules Stingray 128 (in Sandwich-Bauweise!) mit Voodoo Rush-Grafikchip. Sucht sie mal bei Google – ich empfand die Karte als hübsch. Und ja, ich weiß, dass bei einer GPU generell andere Dinge im Vordergrund stehen.
Später wiederholte sich das Spiel mit Grafikkarten mit Kyro-Chip, einem Transmeta-Prozessor und, na ja, irgendwie gehört wohl auch meine Vorliebe für Virtual Reality in die Underdog-Kategorie.
Es lag also nahe, dass ich mir pünktlich zum Release der Intel ARC B580 eines von Intels Referenzmodellen besorgt und die wesentlich mainstreamigere
RTX 4070 Super ersetzt habe. Keine Sorge, nicht dauerhaft, ich weiß wohl, dass die Nvidia-Karte viel schneller ist.
Ein Punkt, der klar macht, dass Underdog-Hardware nicht immer die beste Wahl ist. Mitunter zeigt sich dann doch deutlich, warum sich eher in den Mainstream passende Produkte einer größeren Beliebtheit erfahren.
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RTX 5090 zeigt ihre Power: Cyberpunk 2077 in 4K mit Path Tracing und DLSS 4
Inwiefern das meiner Erfahrung nach auch auf die Intel-Grafikkarte zutrifft und inwiefern nicht, verrate ich euch in diesem Erfahrungsbericht.
Dabei sind mir ein paar Besonderheiten der Intel-Grafikkarte aufgefallen, vor allem was das Upgrade älterer Systeme mit der Karte, Virtual Reality und den Einsatz beim Gaming-Einsteigern angeht.
Da es sich hierbei um keinen Test handelt, verweise ich für Benchmark-Freunde auf den ausführlichen Testbericht von GameStar.
Ein letzter Punkt noch: Wenn ihr während dieses Artikels aufgrund von Fachbegriffen oder technischen Erklärungen immer wieder vor einer Wand steht, dann lasst die Intel-Karte im Regal liegen. Denn ohne mein volles Fazit vorweg nehmen zu wollen: Einsteigern und Gelegenheitsnutzern, die nicht erst Einstellungen anpassen wollen, kann ich die Karte nicht empfehlen.
Bekannte Probleme der Intel ARC B580
Einbau und Inbetriebnahme der B580 unterscheiden sich nicht von anderen Karten – einstecken, Extrastrom verbinden, Treiber rauf, schon läuft die Karte. Nur halt nicht zwingend mit der gewünschten Performance.
Ist bei eurem PC etwa die Funktion Resizable Bar nicht korrekt konfiguriert, verliert die B580 nicht nur ein wenig sondern sogar sehr beachtlich an Leistung, wie das folgende Video beispielhaft zeigt:
Link zum YouTube-Inhalt
Ein weiteres bekanntes Problem ist der größere Prozessoroverhead, den der Intel-Treiber erzeugt. Bedeutet: Die Grafikkarte belastet die CPU stärker, was bei älteren Modellen für ungeahnte Leistungsengpässe sorgen und die Grafikkarte ausbremsen kann.
Und dann sind da noch Spiele, die generell eher schlecht mit der Battlemage-Karte laufen und wo hoffentlich Treiberupdates für Besserung sorgen.
Bossfight ohne Sieger: Battlemage vs. älterer PC
Resizable Bar sorgte bei meiner Nvidia Geforce RTX 4070 Super nur für wenig Mehrleistung, etwas mehr bringt die Funktion bei AMD-Grafikkarten. Bisher war ReBar aber eher ein Bonus für (etwas) mehr Leistung als erwartet.
Bei Intel bricht die Performance ohne diese Funktion aber so massiv ein, dass ihr schlicht nicht darauf verzichten könnt.
Diese Erfahrung durfte ich machen, als ich die Intel-Karte testweise im PC meines Sohnes einbaute. Dessen RTX 2080 ist zwar immer noch brauchbar, mitunter macht sich der mit 8 GByte aus heutiger Sicht eher kleine Grafikspeicher aber negativ bemerkbar.
Warum also nicht mal schauen, ob Intel da ein wenig Abhilfe schaffen kann?
Die Antwort möchte ich euch nicht schuldig bleiben: Selbst wenn Resizable Bar aktviert ist, kann es sein, dass die CPU des aufzurüstenden PCs ebenfalls nicht ganz Intels Vorlieben entspricht.
AMDs Zwölfkerner Ryzen 9 3900X basiert nicht auf der modernsten Architektur und Intels Battlemage-Grafikkartentreiber geht mit Prozessorleistung nicht sehr sparsam um – eine schlechte Kombination.
Dazu setzt das System auf ein B450-Mainboard, was das System auf PCIe 3.0 limitiert. Die Intel ARC B580 nutzt jedoch nur 8 von 16 möglichen PCIe-Lanes, die dann auch noch langsam angesprochen werden.
Die Bandbreite liegt nur auf dem Niveau von 4x PCIe 4.0, also nur 4 modernen Lanes. Das sorgt, sollte der Grafikspeicher beim Zocken mit neuen Daten gefüllt werden müssen, mitunter für störende Lags.
Die Folge: Ein genervter Teenager, weil selbst Marvel Rivals stockte und Rivals-Vorbild Overwatch gerne in 1990er-Auflösungen laufen wollte, um durchgehend flüssig zu bleiben. Upgrader sollten also gut schauen, ob ihr System mit dem Battlemage ein Team bildet oder ob sie sich bekämpfen.
Stress mit der Meta Quest
Da ich einen guten Teil meiner Gamingzeit in der virtuellen Realität verbringe, muss die B580 auch dort zeigen, ob sie alltagstauglich ist. Mein primär genutztes Headset ist die Meta Quest 3, die sich per Meta (Air-)Link, Virtual Desktop oder SteamLink auch mit dem PC verbinden lässt. Eigentlich.
Dabei zeigt sich nämlich, dass die offizielle Meta Quest Link-App die Intel-Grafikkarte gar nicht erst erkennt und so eine Verbindung mit dem Headset komplett verweigert.
Ähnlich sieht es bei Steam Link aus: Die App verbindet sich zwar, SteamVR behauptet aber, keine kompatible Videoquelle erkannt zu haben. War es das jetzt mit der ARC-Grafikkarte und VR mit der Quest?
Glücklicherweise nicht, die kostenpflichtige Lösung »Virtual Desktop« erkennt die Intel-GPU und läuft damit hervorragend:
- Mit Virtual Desktop kann ich in verschiedenen virtuellen Umgebungen entweder meinen Desktop-Monitorinhalt anzeigen lassen oder SteamVR für richtige VR-Games starten. Und hier erkennt SteamVR dann auch die GPU und arbeitet wie gewünscht.
- Die Leistung fällt in VR sogar besser aus, als ich erwartet hätte. Spiele wie Arken Age oder Half-Life: Alyx laufen butterweich und auch Behemoth lässt sich genießen. Alien Rogue Incursion ist seit einem Update ebenfalls von der Quest-Link-Exklusivität befreit und läuft sehr gut mit der B580.
PLUS
14:50
Half-Life: Alyx Testvideo - Danach ist jedes andere VR-Spiel zweitklassig - Danach ist jedes andere VR-Spiel zweitklassig
Wahre VR-Enthusiasten, die per Mod auch Flatgames spielen wollen, werden mit der Performance der ARC aber nicht glücklich – Indiana Jones und der große Kreis mit der Luke-Ross-Mod beispielsweise ist nicht empfehlenswert und von Cyberpunk 2077 reden wir lieber gar nicht erst.
Mein Fazit: Günstig und gut, aber eher nichts für PC-Einsteiger
Bei den meisten Games für den Monitor hatte ich mit der Intel ARC B580 keinerlei oder nur kaum Probleme. Ich spiele auf 2.560 x 1.440 Bildpunkten, eine Auflösung, die die Karte noch ganz ok stemmen kann.
Vor allem, wenn FSR oder XeSS angeboten wird, passt die Performance und die Raytracingleistung hat mich sogar positiv erstaunt.
Wer also einen neuen und auf halbwegs aktuellen Komponenten basierenden PC zusammenstellt, kann bedenkenlos zur B580 greifen, sofern sie in die gewünschte Leistungsklasse passt. Aufrüster älterer Systeme mit PCIe Gen3 und/oder eher schwachen Prozessoren würde ich hingegen dringend abraten.
Vor allem aber dann, wenn euer System Resizable Bar nicht unterstützt oder ihr das Feature nicht einfach so aktivieren könnt, weil euer Betriebssystem nicht im UEFI-Modus installiert ist (und wenn ihr davon kein Wort verstanden habt: erst recht). Der Leistungseinbruch ohne dieses Feature ist schlicht zu groß.

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