Diese Windows-Einstellung verspricht euch die höchste Leistung und das sind die Gründe, warum ihr sie nicht nutzen solltet

Energiesparpläne in Windows – Höchstleistung oder Ausbalanciert? Welche Einstellungen wirklich sinnvoll sind und wie sie die Performance beeinflussen.

Welcher Energiesparplan ist der richtige? Welcher Energiesparplan ist der richtige?

In der Systemsteuerung von Windows befinden sich unter dem Punkt Energieoptionen die sogenannten Energiesparpläne. Damit könnt ihr, vereinfacht ausgedrückt, das Verhalten eurer Hardware an euer aktuelles Nutzungsverhalten anpassen. 

Bereits seit den Anfängen von Windows sind Energiepläne ein wichtiges Werkzeug, um das Verhalten eures Computers zwischen maximaler Leistung und optimaler Energieeffizienz zu steuern. Diese Einstellungen beeinflussen dabei, wie das Betriebssystem zentrale Komponenten wie Prozessor, Grafikkarte, Festplatten und Netzwerkadapter verwaltet.

Sven Scharpe
Sven Scharpe

Sven ist seit Oktober 2024 Teil der GameStar-Tech Redaktion. Er ist ausgebildeter Fachinformatiker und war unter anderem bei Heise und ComputerBase als Redakteur tätig. Neben Musik der etwas härteren Art hat er auch privat ein ausgeprägtes Faible für technische Geräte, egal ob Laptop, Smartphone oder ganz normale PC-Hardware.

Ist der Modus Höchstleistung die beste Wahl?

Schon mit der Einführung der Energiesparpläne ist das Gerücht aufgekommen, dass Höchstleistung die beste Wahl für anspruchsvolle Aufgaben, insbesondere beim Gaming oder bei der Nutzung rechenintensiver Anwendungen, ist.

Doch diese weit verbreitete Ansicht ist, ganz besonders bei Laptops, oft ein Trugschluss und kann mehr Nachteile als Vorteile mit sich bringen, wie am Ende des Artikels ausführlich erläutert. Aber sehen wir uns erst einmal die Standard-Energiesparpläne etwas genauer an.

Die verschiedenen Standard-Energiesparpläne

Energiesparmodus: Wie der Name bereits vermuten lässt, zielt der Energiesparmodus darauf ab, den Energieverbrauch drastisch zu reduzieren. Dies wird durch eine Senkung der Systemleistung, eine Reduzierung der Bildschirmhelligkeit und andere energiesparende Maßnahmen erreicht. Dieser Modus ist ideal, um die Akkulaufzeit eures Laptops zu verlängern oder den Stromverbrauch eines Desktop-PCs zu minimieren, wenn gerade keine hohe Leistung benötigt wird.

Ausbalanciert: Der Ausbalanciert-Plan ist in der Regel standardmäßig auf den meisten Windows-Systemen aktiviert. Er stellt einen optimierten Kompromiss zwischen Energieeffizienz und Leistung dar. Die Geschwindigkeit des Prozessors wird hierbei dynamisch angepasst. Für die meisten Nutzer ist der Ausbalanciert-Modus die beste Einstellung, da er eine gute Mischung aus Reaktionsfähigkeit des Systems  und optimierter  Energieverwaltung bietet.

Für Laptops ist der Energiesparplan Ausbalanciert die beste Wahl. (Quelle: Alienware) Für Laptops ist der Energiesparplan Ausbalanciert die beste Wahl. (Quelle: Alienware)

Höchstleistung: Der Energieplan Höchstleistung ist primär darauf ausgelegt, die Systemleistung zu maximieren. Dies wird erreicht, indem die internen Komponenten des Computers, wie der Prozessor und andere Hardware, in einem Zustand hoher Bereitschaft gehalten werden. Der Nachteil ist allerdings ein zum Teil deutlich erhöhter Energieverbrauch.

Ultimative Leistung: Eine weitere, oft übersehene Option ist der Ultimative Leistung-Plan. Er steht standardmäßig nicht zur Wahl und muss erst vom Nutzer manuell aktiviert werden. Der Plan ist in Windows 10 Pro for Workstations und Windows 11 verfügbar.

Es handelt sich um eine aggressivere Variante des Höchstleistung-Plans, die angeblich die absolute superduper ultimative Leistung bereitstellen soll. Eigentlich wurde er speziell für High-End-Workstations und Server entwickelt, um dort auch noch das letzte Quäntchen Leistung herauszuholen. 

Sein Hauptziel ist die Eliminierung von Mikrolatenzen, indem der minimale Prozessorzustand auf 100% gesetzt wird. Alle Energiesparfunktionen werden dabei rigoros deaktiviert. Auf batteriebetriebenen Geräten wie Laptops ist dieser Plan standardmäßig meist nicht verfügbar, da sein extremer Energieverbrauch die Akkulaufzeit drastisch verkürzen würde.

Ich würde euch diesen Energiesparplan grundsätzlich nicht empfehlen, da er für Durchschnittsanwender keine wirklichen Auswirkungen auf die Leistung hat. Dafür hat er aber sehr reale Auswirkungen auf Energieverbrauch, Temperaturen und Lautstärke.

EnergiesparenAusbalanciertHöchstleistungUltimative Leistung
CPU-Takt IdleStark reduziertDynamisch (niedrig bei Inaktivität, skaliert hoch)Höher (weniger Skalierung nach unten)Konstant hoch (100% Minimum)
CPU-Takt LoadReduziertVoll (bei Bedarf)Voll (bei Bedarf)Voll
Mikrolatenz-OptimierungGeringGering bis Mittel Mittel bis Hoch (reduziert Verzögerungen beim Aufwachen von Komponenten)Sehr hoch (Vermeidung von Mikrolatenzen)
Energieverbrauch (Idle/Load)Sehr niedrigNiedrig/MittelMittel/HochSehr hoch
Wärmeentwicklung (Idle/Load)NiedrigNiedrig/Mittel Mittel/HochSehr hoch
Lüftergeräusch (Idle/Load)LeiseLeise/ModeratModerat/LautLaut
AkkulaufzeitLangLangKurzSehr kurz (für Laptops nicht empfohlen)

Was der Energiesparplan Höchstleistung tatsächlich bewirkt

Traditionell beeinflusst der Höchstleistung-Plan die Art und Weise, wie die CPU ihre Leistungszustände (P-States) und Schlafzustände (C-States) verwaltet. Die ursprüngliche Idee dahinter war, die CPU daran zu hindern, in tiefere Schlafzustände zu wechseln oder ihre Taktfrequenzen im Leerlauf stark abzusenken.

Dies sollte die geringfügigen Verzögerungen, sogenannte Mikrolatenzen, reduzieren, die entstehen, wenn das Betriebssystem erkennt, dass eine Hardwarekomponente mehr Leistung benötigt, und diese bereitstellen muss. 

Das Ziel war es also, dass Komponenten schneller für neue Aufgaben bereitstehen, indem sie seltener in tiefe Schlafzustände versetzt werden. Der Plan kann zudem verhindern, dass andere Komponenten wie Festplatten, USB-Geräte oder WLAN-Adapter in Energiesparmodi wechseln oder sich komplett abschalten.

Die Vorteile des Energieplans Höchstleistung

Maximale Performance für anspruchsvolle Anwendungen: Der Höchstleistung-Modus wurde in erster Linie für Workstations und Server konzipiert, die konstant intensive Aufgaben bewältigen müssen. Er stellt sicher, dass anspruchsvolle Anwendungen wie professionelle Videobearbeitung, 3D-Rendering oder CAD-Design die volle Rechenleistung der Maschinen nutzen können, ohne durch Energiesparmechanismen gebremst zu werden. Dies kann tatsächlich dazu beitragen, Engpässe und Verarbeitungszeiten bei kritischen Aufgaben zu eliminieren.

Aber was bringt das für Spieler? Zumindest theoretisch könnte es zu einer Verbesserung der 1%- und 0,1%-Lows (minimale FPS-Werte) und einer Reduzierung von Mikrorucklern in bestimmten Spielen kommen. Darüber, ob es diese Vorteile in der Praxis tatsächlich gibt, gehen die Meinungen allerdings auseinander.

Verringerung von Mikrolatenzen: Ein Kernaspekt des Höchstleistung-Plans, und noch ausgeprägter beim Ultimative Leistung-Plan, ist die Reduzierung von Mikrolatenzen. Diese winzigen Verzögerungen entstehen unter anderem, wenn das Betriebssystem eine Hardwarekomponente aus einem Energiesparzustand wecken und auf volle Leistung hochfahren muss. 

Moderne Prozessoren passen ihre Spannung und Taktfrequenz automatisch an. (Quelle: Intel) Moderne Prozessoren passen ihre Spannung und Taktfrequenz automatisch an. (Quelle: Intel)

Wenn Komponenten nun aber seltener in tiefe Schlafzustände versetzt werden, sind sie natürlich auch schneller für neue Aufgaben bereit. In Anwendungsbereichen, wo jede Millisekunde zählt, wie bei der Echtzeit-Audio- oder Videoproduktion oder beim Live-Streaming kann die Minimierung dieser Mikrolatenzen tatsächlich einen Unterschied in der Reaktionsfähigkeit des Systems ausmachen.

Stabile Leistung bei hohen Workloads: Bei lang anhaltenden, hohen Arbeitslasten kann der Höchstleistung-Plan dazu beitragen, dass die CPU und GPU ihre hohen Taktraten länger beibehalten. Voraussetzung dafür ist natürlich, dass das Kühlsystem ausreichend dimensioniert ist und effektiv arbeitet. Speziell für Server oder spezialisierte Workstations, die rund um die Uhr unter Volllast laufen und bei denen eine gleichbleibend hohe Leistung oberste Priorität hat, ist der Höchstleistung-Plan relevant.

Nachteile und Risiken

Während die Vorteile des Höchstleistung-Plans in sehr speziellen Nischenbereichen liegen, überwiegen für die meisten Laptop-Nutzer im täglichen Gebrauch aber die Nachteile.

Erhöhter Energieverbrauch: Der Höchstleistung-Plan führt zu einem messbar höheren Energieverbrauch, selbst wenn der Laptop im Leerlauf ist. Dies liegt daran, dass die CPU-Taktraten und Spannungen konstant höher gehalten werden, anstatt dynamisch an den Bedarf angepasst zu werden. Für Laptops ist dies ein entscheidender Nachteil, da der Höchstleistung-Plan den Akku drastisch schneller leer saugt. Das ist auch der Grund, warum der Ultimative Leistung-Plan auf batteriebetriebenen Geräten oft nicht einmal standardmäßig verfügbar ist.

Der Hauptprofiteur vom Höchstleistung-Energiesparplan dürfte euer Stromanbieter sein. (Quelle: Adobe Stock Thomas Madel) Der Hauptprofiteur vom Höchstleistung-Energiesparplan dürfte euer Stromanbieter sein. (Quelle: Adobe Stock / Thomas Madel)

Höhere Temperaturen und Lautstärke: Ein direkter Effekt des erhöhten Energieverbrauchs, auch im Leerlauf, ist eine stärkere Wärmeentwicklung im gesamten System. Um diese zusätzliche Abwärme abzuführen und eine Überhitzung zu verhindern, müssen die Lüfter des Laptops häufiger und mit höherer Drehzahl arbeiten, was eine höhere Geräuschkulisse zur Folge hat.

Geringer bis kein spürbarer Vorteil im Alltag: Ein oft übersehener Nachteil ist, dass der Höchstleistung-Modus auf modernen Systemen in vielen Alltagsszenarien und selbst bei anspruchsvollen Anwendungen kaum einen spürbaren Vorteil bietet. Aktuelle Prozessoren von Intel und AMD wurden so entwickelt, dass sie ihre Leistung bei Bedarf in Mikrosekunden hochfahren können, ohne dass dies für den Nutzer spürbare Auswirkungen hat. Der Ausbalanciert-Modus passt die CPU-Geschwindigkeit dynamisch an die Anforderungen an, was für die meisten Anwendungen und sogar viele Spiele völlig ausreichend ist.

Theoretische Abnutzung: Aus rein technischer Sicht kann eine kontinuierlich hohe Taktrate und Spannung die Lebensdauer von Transistoren verkürzen, da die Alterung des Siliziums beschleunigt wird. In der Industrie geht man davon aus, dass sich die Lebensdauer von Komponenten wie Kondensatoren bei einer Temperaturerhöhung um 10 °C etwa halbiert. Praktisch wird die beschriebene Verkürzung der Lebensdauer bei  CPUs und GPUs jedoch nur selten zu einem Problem.

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Fazit

Der Windows-Energieplan Höchstleistung mag auf den ersten Blick verlockend wirken, doch für die meisten modernen Laptops und Anwendungsfälle ist er im Dauerbetrieb keine gute Wahl. Während er in spezifischen Workstation-Szenarien oder bei älterer Hardware marginale Vorteile bieten kann, überwiegen speziell für Laptops die Nachteile.

Akkulaufzeit, Wärmeentwicklung und Lüftergeräusche erhöhen sich deutlich, was in keiner vernünftigen Relation zur marginalen theoretischen Mehrleistung steht. Was für den Hochleistungs-Modus gilt, trifft verstärkt auch auf den Ultimative Leistung-Plan zu. Dieser ist für mobile Rechner schlicht komplett ungeeignet. 

Bleibt am besten im Alltag beim Ausbalanciert-Modus. Dieser reicht völlig für alle normalen Aufgaben sowie zum Spielen. Nur für spezielle, extrem rechenintensive Aufgaben, bei denen jede Mikrolatenz zählt und der Laptop am Netzteil betrieben wird, kann ein temporärer Wechsel zum Höchstleistung- oder Ultimative Leistung-Plan wirklich Sinn machen.

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