In der knallharten Videospielbranche gibt es immer weniger Platz für kompromisslose Künstler und Visionen, die sich abseits etablierter Marken und Verkaufsmodelle bewegen.
Klar, ein neues Star-Wars-Spiel wird es alle Jahre geben, Call of Duty wird weiterhin am Fließband produziert und natürlich versuchen die großen Publisher immer wieder die nächste Live-Service-Goldmine auszuheben – meist ohne langfristigen Erfolg.
Doch wirklich mutige Konzepte trifft man im AAA-Bereich nur noch selten. Kein Wunder: Die Entwicklung von Videospielen verschlingt immer größere Budgets, weshalb die Firmen dahinter immer weniger Experimente wagen. Und selbst ein Erfolg kann Entwicklerstudios heute nicht mehr verlässlich vor den großen Entlassungswellen schützen – immerhin hätte man ja auch NOCH mehr Gewinne einspielen können.
Ein Trennungsgrund namens Risikominimierung
Das ist alles kein neuer Trend, so läuft es bereits seit Jahren. Allerdings habe ich das Gefühl, dass sich die Situation unaufhörlich verschärft.
Während Rockstar mit GTA 6 alle Aufmerksamkeit auf sich zieht und als Einhorn seinen ganz eigenen Weg beschreitet, schließen reihenweise etablierte Studios, werden zusammengelegt und sollen im Idealfall schon sechs neue Projekte für die kommenden Jahrzehnte präsentieren, um die Aktionäre für das aktuelle Quartal zu befriedigen. Die Kunst hinter den Videospielen gerät dabei zusehends ins Hintertreffen und muss sich schon Jahre vor einem Release den harten Zahlen der Analysten beugen.
Darum hat es mich auch nicht wirklich überrascht, dass sich Sony jüngst von Entwicklerlegende Hideo Kojima und seinem neuen Projekt Physint getrennt hat. Schließlich verlief schon sein Abschied von Konami nach ganz ähnlichem Muster.
Kojima wird von Fans zwar als kreatives Genie gefeiert – verlässliche und vor allem risikofreie Blockbuster für den Massengeschmack produziert er aber schlichtweg nicht. Dafür setzt er viel zu energisch seine Visionen durch – und genau das ist es, was ich bei aller Kritik an seinen Spielen so sehr an ihm schätze.
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