1977 entdeckten wir das »Wow!«-Signal und rätselten seitdem, wer es aussandte. 50 Jahre später ahnen wir endlich, was dahinter steckt – leider

Seit 1977 beschäftigt ein einzelnes Signal die Forschung mehr als jedes andere: »Wow!«. 2025 könnte schließlich ein neues, vielleicht das letzte Kapitel aufgeschlagen werden.

Symbolbild: Das »Wow!«-Signal beschäftigt Astronomen seit Jahrzehnten – jetzt kennen wir vielleicht endlich den Urheber.
(Bildquelle: Adobe Firefly, generative KI) Symbolbild: Das »Wow!«-Signal beschäftigt Astronomen seit Jahrzehnten – jetzt kennen wir vielleicht endlich den Urheber. (Bildquelle: Adobe Firefly, generative KI)

Heutzutage hätte der Astronom Jerry Ehman einen garantiert viral gehenden Post absetzen können – stattdessen schrieb er 1977 nur »Wow!« auf ein Stück Papier. Doch seitdem schaffte diese Notiz unter Forschern und SciFi-Fans wohl mehr als jede Kurznachricht der Geschichte.

Denn er entdeckte ein Signal, das lange als bester Kandidat für eine Nachricht von Aliens galt – bis heute. Denn nach einem halben Jahrhundert der Suche stießen Forscher auf einen wahrscheinlichen natürlichen Ursprung – und auf ein neues Rätsel.

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Ein neuer Ansatz – Wow! auf der Fährte

Forscher durchkämmten mehr als 75.000 Seiten digitalisierter Daten des Big Ear Radioteleskops der Ohio State University. Hierbei halfen Freiwillige sowie optische Zeichenerkennung und moderne Signalanalysetechniken. Das Ziel: Mehr über Wow!, seinen Ursprung und eventuell vergleichbare Signale zu erfahren. Der Ansatz und all die Mühe zahlten sich aus.

Wir wissen jetzt relativ sicher Folgendes zum »Wow!«-Signal:

  • Es resultierte nicht aus der Reflexion eines Radioimpulses irdischen Ursprunges.
  • Es kam nicht von einem frühen Satelliten.
  • Die Intensität des Signals (die Dichte an Radiostrahlung) wird auf das Vierfache von bisherigen Werten eingeschätzt. Dabei schwoll es anfangs an, verharrte kurz am Maximum und flachte dann ab, ehe es komplett versiegte.
  • Die Frequenz lag bei 1420,726 MHz. Das entspricht Radioemissionen von Wasserstoff, nur leicht verschoben. Das ist beides bedeutsam.
    • Denn die natürliche Frequenz, in der angeregter Wasserstoff Radiostrahlung aussendet, gilt allgemein hin als logische Lücke im Spektrum, auf der wir relativ störungsfrei (rauscharm) mit Aliens kommunizieren können sollten.
    • Die feststellbare Verschiebung der Frequenz lässt die enorm hohe Geschwindigkeit des strahlenden Objektes zum Zeitpunkt der Ausstrahlung des Signales erahnen.
  • Es dauerte rund 73,4 Sekunden.
  • Die Forscher identifizierten zudem ähnliche, aber weniger intensive Signale (Wow2 und Wow3) in den durchsuchten Daten der Jahre 1977 und 1978. Sie bestätigten damit frühere Vermutungen von Kollegen.

Ferner schaffte die Analyse größere Klarheit bezüglich der Richtung: Das Signal wurde auf zwei alternative, benachbarte Himmelsfelder eingegrenzt. Diese liegen leicht versetzt zu den aus früheren Untersuchungen abgeleiteten Ecken des Firmaments. Mehr dazu lest ihr auch in der kürzlich veröffentlichten Fachstudie nach.

Wer sandte das Wow!-Signal aus?

Das Team hinter der erneuten Analyse hat zudem eine Hypothese aufgestellt, wie das Signal entstanden sein könnte. Sie vermuten dahinter die Zusammenarbeit zweier Phänomene:

  • Interstellare Wolken aus kaltem Wasserstoff
  • Eine starke Strahlenquelle, zum Beispiel einen Gamma-Ray-Burst eines Neutronensternes.

Sobald Letzterer quasi durch solch eine Wolke bricht, regt er die Atome an, wodurch diese auf der obigen Frequenz Radiostrahlung aussenden. Beim richtigen Winkel zwischen Wolke, Erde und Strahlenquelle hätten wir so theoretisch das Wow!-Signal aufzeichnen können.

Die Grafik stellt dar, wie das »Wow!«-Signal entstandene sein könnte. Rechts oben ist die Strahlungsquelle zu sehen, die die interstellare Wasserstoffwolke angeregt hat. Das daraufhin frei werdende Radiosignal im entsprechenden Wellenlängenbereich haben wir hier empfangen.
(Bildquelle: https:phl.upr.eduwow) Die Grafik stellt dar, wie das »Wow!«-Signal entstandene sein könnte. Rechts oben ist die Strahlungsquelle zu sehen, die die interstellare Wasserstoffwolke angeregt hat. Das daraufhin frei werdende Radiosignal im entsprechenden Wellenlängenbereich haben wir hier empfangen. (Bildquelle: https://phl.upr.edu/wow)

Zu der Idee würde auch die anhand der Rotverschiebung ermittelte höhere Geschwindigkeit passen. Denn solche Wasserstoffwolken werden oft von Ereignissen wie Supernovae ins All geschossen – mit grob dieser Geschwindigkeit.

Obendrein stützt auch die beschriebene Entwicklung der Stärke des Signals die Herkunft von einer natürlichen Quelle. Ihr könnt euch das Aussehen solch eines Impulses vereinfacht wie einen Lichtkegel vorstellen, der seine höchste Intensität im Zentrum hat. Er strich quasi über die Erde hinweg (zuerst hart, dann nur noch mit den Ausläufern am Rande) und verschwand dann – leider für die Ewigkeit.

Wir müssen uns also höchstwahrscheinlich von der Idee eines Signals von Aliens verabschieden – und ja, das wird sicher einige enttäuschen. Anmerkung des Artikelautors, Gerald Weßel:

Ich gehöre dazu, denn das Rätsel begleitet auch mich seit etlichen Jahren, privat sowie beruflich. Aber zum Glück gibt es genug dort draußen zu entdecken – auch ohne Außerirdische. Denn auch ihr Fehlen schreibt gruselig-mysteriöse Geschichten. So könnte eine Erklärung für das kosmische Schweigen von Aliens unsere Position im All sein, sie entspricht wohl keinesfalls dem Durchschnitt im Universum.

Ist die Herkunft nun endgültig geklärt? Ja, wahrscheinlich. Aber es bleibt wie so oft ein Rest Unsicherheit. Wir verfügen jetzt aber über neue exakte Daten bezüglich der Eigenschaften sowie der groben Herkunftsrichtung des Signals. Das hilft, um der überzeugend auftrumpfenden Hypothese der Forscher nachzugehen. Wir wissen jetzt ziemlich gut, wonach wir suchen und wo wir danach Ausschau halten müssen.

Dennoch bleibt das »Wow!«-Signal von 1977 faszinierend und teilweise weiter ominös und teils schwer erklärbar. Denn selbst wenn es von einer Wasserstoffwolke käme, fiele es dafür enorm energetisch aus – deutlich mehr als nach heutigem Kenntnisstand zu erwarten wäre.

Es bleibt also ein glimmender Funken Hoffnung, dass wir damals tatsächlich eine Botschaft von Außerirdischen empfangen haben. Die Suche geht unterdessen weiter:

Das Arecibo Wow!-Projekt will noch weitere archivierte Daten sichten. Die Restbestände liegen in Texas. Eventuell finden sich mit moderner Technik neue Spuren zu ähnlichen Signalen – oder sogar doch ein wiederholter Empfang eines starken Wow!

Bis 2027 sollen alle Daten des Teleskops, welches den Radioimpuls aufzeichnete, digitalisiert und öffentlich zugänglich gemacht werden. In dem Jahr feiern wir den 50. Geburtstag des legendären Ereignisses. Dann graben sich wahrscheinlich mehr menschliche und Computerhirne denn je suchend durch die einstigen Ausdrucke.

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