Am vergangenen Montag kam es zu weitreichenden Ausfällen des Kurznachrichtendienstes X (vormals Twitter). Inzwischen scheint sich die Lage wieder beruhigt zu haben, zumindest im Laufe des heutigen Dienstags ist die Webseite sowie die Twitter-Umleitung wie gewohnt erreichbar.
Die Ursache für die Störungen war zunächst unklar. Erst wurde über eine mögliche Deaktivierung der Umleitung von »twitter.com« auf »x.com« spekuliert, was sich aber als falsch herausstellte.
Elon Musk, der Twitter vor rund zwei Jahren für etwa 44 Milliarden US-Dollar übernahm, äußerte sich in der Nacht von Montag auf Dienstag zu den Ausfällen:
- Auf X erklärte Musk zunächst, dass die Webseite »täglich angegriffen wird, hier aber eine Menge Ressourcen im Spiel waren. Dahinter steckte entweder eine große, gut organisierte Gruppe oder ein Land«.
- In einem Interview mit der US-Sender Fox News (via The Guardian) bekräftigte Musk schließlich die Vorwürfe gegenüber einem bestimmten Land: Die Hacker »wiesen IP-Adresse aus der Ukraine auf«.
Musk selbst zeigt sich insbesondere seit Trumps Wahlsieg kritisch gegenüber der Ukraine. Der Tech-Milliardär drohte unter anderem mit der Abschaltung von Starlink-Satelliten, die er dem Land im Zuge des russischen Angriffskrieges zur Verfügung stellte.
X-Ausfall: Zwei Hackergruppen widersprechen Musk
Der Ausfall von X scheint tatsächlich von außerhalb zu kommen – jedoch nicht von staatlichen Akteuren, wie Musk behauptet. Stattdessen bekannte sich die Hackergruppe »Dark Storm« gegenüber dem US-Journalisten Ed Krassenstein zu dem Angriff.
- Ein politisches Motiv steckt der Telegram-Konversation zufolge nicht hinter dem Angriff. Vielmehr soll die DDoS-Attacke »eine Demonstration der Stärke« darstellen. Verbindungen in die Ukraine habe Dark Storm laut eigener Aussage nicht.
- Die Hackergruppe fordert Musk außerdem dazu auf, Beweise für seine Behauptungen zu liefern. Dann werde die Hackergruppe ebenfalls mit weiteren Hintergründen zu den Ausfällen antworten.
Zeitgleich droht Dark Storm mit weiteren Angriffen auf von Musk geführte Unternehmen, die wesentlich heftiger ausfallen sollen. Als mögliches Ziel nennt die Gruppierung nicht nur erneut X, sondern auch Tesla.
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Zusätzlich meldete sich das Hackerkollektiv »Anonymous« mit einer Stellungnahme zu den X-Ausfällen und will ebenfalls dahinterstecken.
Im Gegensatz zu Dark Storm werden in der Mitteilung aber klare politische Gründe genannt:
Die republikanische Partei, Maga, Trump und Musk sind Schwachköpfe, die trunken von der Macht sind und sich daran ergötzen, andere niederzutrampeln. Das amerikanische Volk leidet darunter. Die Welt leidet darunter.
Zumindest für Nicholas Reese, Lehrbeauftragter am Zentrum für globale Beziehungen an der New York University und Experten für Cyberoperationen, scheint ein staatlicher Angriff unwahrscheinlich (via Star Tribune).
Reese zufolge gibt es zwei Arten von Angriffen: »Sehr laute« Angriffe wie der auf X sollen möglichst auffallen. Sie sind aber nicht im Interesse von staatlichen Akteuren, deren Angriffe üblicherweise »sehr leise« sind, also möglichst nicht auffallen - und gerade deshalb besonders wertvoll sind. Reese geht daher davon aus, dass Musks Behauptung über die Ukraine »nahezu sicher« ausgeschlossen werden kann.