Das wichtigste deutsche YouTube-Video im Jahr 2025: Alexander Böhm spricht völlig offen und ehrlich über seine psychischen Probleme

Auch im Jahr 2025 werden psychische Probleme meinem Eindruck nach noch unterschätzt und oft zu spät erkannt. Alexander Böhm hilft dabei, das zu ändern.

Alexander spricht Nils von GameStar Tech in vielen Punkten aus der Seele. (Bild: YouTube, Alex) Alexander spricht Nils von GameStar Tech in vielen Punkten aus der Seele. (Bild: YouTube, Alex)

Der Tech-YouTuber AlexiBexi hat ein Video hochgeladen, das nichts mit Technik zu tun hat, aber ein Thema behandelt, das uns alle angeht: psychische Gesundheit.

Auf Probleme damit aufmerksam zu machen, ist mir persönlich und auch Webedia ein großes Anliegen, etwa in Form von passenden Themenwochen. Alex' Video ist deshalb für mich das Wichtigste, das ich im Jahr 2025 gesehen habe.

Falls ihr euch in der Verfassung dazu fühlt, lest die folgenden Zeilen gerne und seht euch seinen Beitrag an.

Vielleicht ist gerade aber auch nicht der richtige Zeitpunkt für euch, um sich damit zu beschäftigen.

Achtet daher bitte auf euch und holt euch gegebenenfalls Hilfe, wenn ihr das Gefühl habt, dass ihr sie braucht:

Die Ursachen für psychische Probleme können zwar vielfältig und verschieden sein und Alex Hintergrund ist letztlich nur einer von sehr vielen möglichen.

Doch Achtsamkeit und ein Bewusstsein für solche Probleme zu entwickeln, ist in meinen Augen ein wichtiger Baustein im Leben eines jeden Menschen.

Wer Alex ist und was aktuell mit ihm passiert

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Alexander Böhm ist vor allem für seine unverwechselbare Art und Technik-Videos auf YouTube bekannt.

In seinen Videos bewertet er aus persönlicher Sicht, was bestimmte Technik gut macht und was schlecht. Aber sein Auftreten sprengt bewusst den sonst üblichen Rahmen für solche Videos. Das gilt nicht nur für das, was er sagt, sondern auch mit Blick auf die Inszenierung und die Schnitte.

Doch aktuell kann er seinen Job nicht mehr machen, wie er im Video oben erklärt, weil es ihm nicht gut geht. Die Wurzeln dafür gehen auf seine Kindheit zurück. Und seiner Schilderung nach hat es sehr lange gedauert, bis er das erkannt hat.

Doch wo genau lag damals das Problem und was hat das mit seiner Arbeit zu tun?

Wie alles angefangen hat

Alex hat schon früh angefangen, Videos von sich aufzunehmen. Und weil wir alle mal jung waren, ist auch so etwas dabei, wie sich ein Kondom über den Kopf zu ziehen. (Bild: YouTube, Alex) Alex hat schon früh angefangen, Videos von sich aufzunehmen. Und weil wir alle mal jung waren, ist auch so etwas dabei, wie sich ein Kondom über den Kopf zu ziehen. (Bild: YouTube, Alex)

Alexander schildert in seinem Video ein schwieriges Unterfangen, das sicher viele Menschen kennen: im Leben einen Platz und Liebe finden, auf eine gesunde Art und Weise.

Er habe lange für sein Abi gebraucht, Ausbildungen abgebrochen und sich mit Anfang 20 irgendwie ein bisschen frustriert und orientierungslos gefühlt. Dann fing er parallel zu seinem Studium mit dem Erstellen von Online-Videos an, was seine damals unerkannten Probleme letztlich nur noch verschlimmert habe:

Ich habe einfach gemacht: unangenehm, ungefiltert. Aber so war das damals halt, das war alles neu und es gab auch irgendwie keine Leitplanken, an denen man sich orientieren konnte. Oder wie ich heute sagen würde: der Start von etwas Ungesundem.

Bei seinen Anstrengungen ging es ihm nicht nur darum, etwas für sich zu tun. Er wollte auch, dass andere an ihn glauben und ihn wahrnehmen. Doch das zu erreichen war in seinen jungen Jahren wohl nicht leicht für ihn:

Also machte ich mein Studium in erster Linie, um anderen etwas zu beweisen. Denn bis hierhin hatte niemand so wirklich an mich geglaubt. Wenn, dann nur, wenn ich etwas geliefert habe, was zumindest aus der Sicht von anderen als richtig und wichtig angesehen wurde, wie zum Beispiel eine gute Note in Mathe. Dabei wollte ich eigentlich und endlich nur gesehen werden.

Die Probleme der Kindheit und Jugend verfestigen sich

Ein weiterer Blick weit zurück in die Vergangenheit von Alexander Böhm, genauer gesagt in das Jahr 2008 und zu AlexTV bei Sevenload. (Bild: YouTube, Alex) Ein weiterer Blick weit zurück in die Vergangenheit von Alexander Böhm, genauer gesagt in das Jahr 2008 und zu AlexTV bei Sevenload. (Bild: YouTube, Alex)

Alex bezeichnet seine Kindheit und Jugend sogar als traumatisch – und das Erstellen von Videos für das Internet als balsamierende Betäubung der Extraklasse.

Hier konnte er wohl die Anerkennung bekommen, die ihm so lange verwehrt geblieben ist, auch wenn ihn negative Kommentare unter seinen Videos hart getroffen haben. Doch was seine Hauptprobleme waren, sei ihm damals nicht bewusst gewesen:

Awareness für meine Probleme oder emotionale Intelligenz zu dem Zeitpunkt: Zero.

Damit kommen meinem Eindruck nach zwei Dinge zusammen, die letztlich kaum gut enden konnten.

  • Die Erfahrung, dass man nur dann okay ist und keiner geht, wenn man alles richtig macht und dass man sich so etwas Zentrales wie Liebe erst verdienen muss.
  • Die dadurch ausgelöste ständige Suche nach Anerkennung, die alles andere überdeckt und das Leben völlig einnimmt.

So etwas kann jedem von uns passieren – oder längst passiert sein.

Und wenn es uns so geht wie Alexander und wir das lange Zeit nicht erkennen, dann laufen wir Gefahr, ungesunde Denkmuster und Lebensweisen zu verfestigen, statt für uns selbst zu sorgen und zu lernen, dass es auch ganz anders geht:

So ein Verhalten hat nicht nur mich kaputt gemacht, sondern auch echte tiefe Verbindungen zu Menschen, die nur das Beste für mich wollten. Doch ich glaubte nicht daran, weil ich nie gelernt habe, dass Liebe auch ohne Performen, ohne Liefern, ohne Bestätigung existieren kann.

So kennen Alex und seine Videos wahrscheinlich die meisten: alles andere als zurückhaltend. (Bild: YouTube, Alex) So kennen Alex und seine Videos wahrscheinlich die meisten: alles andere als zurückhaltend. (Bild: YouTube, Alex)

Der Kampf hat begonnen

Alexander hat sich inzwischen Hilfe geholt, und das ist kein leichter, aber ein sehr wichtiger Schritt.

Alles explodierte, alles war weg und es blieben nur noch Trümmer, verteilt über eine endlose Wüste. Übrig blieb ich als leere Fleischhülle. Alles, was bis hierhin irgendwie mein Inneres zusammengehalten hat, war weg. Seit vielen Monaten laufe ich gestützt durch professionelle Therapie als Fleischhülle durch dieses Trümmerfeld.

Er beschreibt das vergangene Jahr als das dunkelste in seinem Leben. Aber er arbeite daran, dass es besser werde.

Und trotz seiner aktuellen Lage verliert er nicht die Hoffnung. Die letzten Worte, die er im Video sagt, sind die Folgenden:

Manchmal habe ich damit etwas mehr, manchmal noch etwas weniger zu kämpfen. Aber ich kämpfe noch. Und das ist nicht nur etwas Schlechtes, das ist auch etwas Gutes. Denn solange gekämpft wird, ist noch nicht entschieden, wer oder was gewonnen hat.

Eine wichtigste Basis: bedingungslose Liebe

Das aktuelle Video von Alexander ist nicht das erste, in dem er schwierige Themen anspricht. Erstmals kam es dazu bereits vor zehn Jahren, wie er selbst sagt. (Bild: YouTube, Alex) Das aktuelle Video von Alexander ist nicht das erste, in dem er schwierige Themen anspricht. Erstmals kam es dazu bereits vor zehn Jahren, wie er selbst sagt. (Bild: YouTube, Alex)

Das größte Geschenk, das man einem Kind nach der Geburt und im restlichen Leben machen kann, ist meiner Meinung nach bedingungslose Liebe. Ein Geschenk, das Alex wohl größtenteils verwehrt geblieben ist, wenn man seiner Schilderung folgt.

Die Botschaft an das Kind sollte lauten: Ich liebe dich, ganz egal, was du auch tust. Und ich bin immer für dich da.

So kann sich möglichst früh im Leben das entwickeln, was für das Glück eines jeden Menschen in meinen Augen sehr hilfreich ist und was jeder verdient hat: Liebe zu sich selbst. Man kann auch auf anderen Wegen dorthin finden, aber seinen Kindern und anderen Menschen im Umfeld diesen Weg zu erleichtern, empfinde ich als besonders bedeutsam.

Wenn wir uns selbst lieben und wissen, dass es Menschen gibt, die uns bedingungslos lieben, dann kann das ein starker Schutzwall gegen vieles sein, was durch das Leben und seine gesellschaftlichen Konventionen auf uns einprasselt.

Ich merke schon bei meinen beiden 6-jährigen Töchtern, wie viele Dinge in ihrem Leben inklusive dem kaum zu vermeidenden Vergleich mit anderen Kindern immer wieder Selbstzweifel bei ihnen schüren. Um so wichtiger ist es, ihnen früh sicheren Halt zu bieten.

Doch auch so ein Schutzwall ist keine Garantie dafür, nicht unter psychischen Problemen zu leiden. Und solche Probleme können gerade für die engsten Verwandten und Anvertrauten eine große Belastungsprobe sein.

Deshalb ist professionelle Hilfe so wertvoll und wichtig. Sie bietet jedem die Chance auf Besserung. Das gilt sowohl für Menschen, die früh im Leben einen gesunden Schutzwall aufbauen konnten als auch für diejenigen, bei denen das nicht möglich war, aus welchen Gründen auch immer.

Es gibt Hilfe zur Selbsthilfe

Auch wenn es abgedroschen klingt: Im Leben kann sich immer eine Tür öffnen, die zurück ins Licht führt. (Bild: YouTube, Alex) Auch wenn es abgedroschen klingt: Im Leben kann sich immer eine Tür öffnen, die zurück ins Licht führt. (Bild: YouTube, Alex)

Alexanders Video hat mich auch deshalb so berührt, weil ich selbst seit fast zwei Jahrzehnten mit psychischen Problemen zu kämpfen habe.

Ich war bereits zweimal in Einzeltherapie und habe vor einem Monat mit einer Gruppentherapie begonnen. Sie gehört schon jetzt zu den beeindruckendsten und heilsamsten Erfahrungen, die ich in meinem Leben je gemacht habe.

Auch deshalb schreibe ich diesen Artikel. Denn zuvor war ich zugegebenermaßen sehr skeptisch, ob die Gruppentherapie das Richtige für mich ist. Und jetzt tut es mir so gut, wie ich es nie für möglich gehalten hätte.

Bei mir stehen letztlich zwar ganz andere Probleme als bei Alex dahinter. Außerdem sind psychische Probleme extrem individuell und der Weg zur Besserung immer ein anderer.

Entscheidend sind meiner Erfahrung nach aber stets zwei Dinge: Erkennen, dass man ein Problem hat und ihm mit professioneller und menschlicher Hilfe auf den Grund gehen.

Die Hoffnung nicht aufgeben

Gesehen und gehört zu werden, kann eine große Entlastung sein. (Bild: YouTube, Alex) Gesehen und gehört zu werden, kann eine große Entlastung sein. (Bild: YouTube, Alex)

Das ist eine starke Vereinfachung von etwas äußerst Komplexem und Individuellem. Zumal sehr, sehr traumatisierende Erfahrungen die Ursache für solche Probleme sein können.

Doch es lohnt sich, zu kämpfen! Auch wenn sich eine Situation jetzt aussichtslos anfühlen mag: Psychische Krisen sind behandelbar. Es gibt professionelle Werkzeuge und Menschen, die dabei unterstützen, den Weg aus seinem ganz persönlichen Trümmerfeld zu finden.

Und zu wissen, dass man mit seinen Sorgen nicht allein ist, selbst wenn man sich gerade schrecklich einsam fühlt, kann Trost spenden und Hoffnung geben. Auch angesichts dessen finde ich das Video von Alex so wichtig.

Abschließen möchte ich mit den Worten, die auch Alexander in seinem Video am Ende schreibt:

Passt auf euch und eure Menschen auf.

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