Seit 15 Jahren nutze ich YouTube fast täglich und hätte ohne den starken Algorithmus meine liebsten Channel nie entdeckt

Die Genauigkeit des Algorithmus in Bezug auf meine Vorlieben ist schon fast schon gruselig.

So sieht jemand aus, der seit anderthalb Jahrzehnten glücklich mit seinem YouTube-Algorithmus ist. So sieht jemand aus, der seit anderthalb Jahrzehnten glücklich mit seinem YouTube-Algorithmus ist.

Heute schrieb ich eine News über YouTube: Es ging darum, dass man als unangemeldeter Nutzer keine Content-Vorschläge mehr bekommt. Und ich bin ehrlich verwundert über die Kommentare unter dem Artikel.

Viele von euch schrieben, dass sie der Algorithmus sowieso nur nervt und sie Unsinn vorgeschlagen bekommen. Und ich dachte mir so »Hä? Der YouTube-Algorithmus ist doch hervorragend«.

Nachdem auch eine Umfrage unter Kollegen ergeben hat, dass die glücklich mit ihren Vorschlägen auf YouTube sind, sind wir nun also hier. Ich erzähle euch, wie mich der Algorithmus auch heute noch prächtig unterhält und wie er mich zu einem besseren Autor gemacht hat, indem er mir immer wieder ein und dasselbe Video vorschlug. Kanalempfehlungen für Videospiel-Begeisterte findet ihr am Ende.

Maxe Schwind
Maxe Schwind

Maxe ist seit über einem Jahrzehnt ein YouTube-Heavy-User. Seine Browser-Startseite ist YouTube. Zum Abendessen läuft oftmals YouTube. Bevor er ins Bett geht, schaut er meistens etwas auf YouTube. Die Videoplattform ist so etwas wie sein persönlicher Streaming-Dienst, dessen Inhalte er sich über Jahre hinweg erarbeitet hat.

Wie funktioniert der YouTube-Algorithmus eigentlich?

Klar, wie die Nullen und Einsen im Hintergrund genau funktionieren, das kann und wird Google nicht verraten. Allerdings lassen sich Schlüsse zur Arbeitsweise des Algorithmus ziehen, die dieser Blog gut zusammengefasst hat:

  • Welche Videos haben mir in der Vergangenheit gefallen? Wenn ich 40-minütiges Video-Essay über Videospielentwicklung angeschaut, mit »Gefällt mir« oder einem Kommentar versehen habe, kann ich mir sicher sein, dass der Algorithmus mir weitere solcher Videos auf die Startseite spülen wird.
  • Welche Kanäle habe ich zuvor abonniert? Als Hobbykoch habe ich mir womöglich einen Kanal abonniert, der sich mit dem Grillen beschäftigt, weil ich mir dort ein hilfreiches Video zum Räuchern einer Rinderbrust angeschaut habe. Der Algorithmus wird mir also mehr Inhalte übers Kochen anbieten.
  • Welche Videos werden normalerweise zusammen angesehen? Gemeint sind hier Inhalte, die kurz nacheinander abgespielt werden. Schaue ich mir also ein Video an, wie ich ein ganzes Hühnchen entbeine, dann werden mir womöglich Videos angezeigt, was ich aus einem ganzen Vogel alles kochen kann.

Kurz und gut: Alles, was ihr euch auf YouTube anschaut, zahlt in den Algorithmus ein, genauso wie Likes, wie lange ihr etwas schaut oder welche Kanäle ihr abonniert. Am Ende erstellt YouTube dadurch Empfehlungen, die ihr auf der Startseite zu sehen bekommt.

Der Algorithmus ist mit mir gewachsen

Als ich begann, YouTube 2010/2011 exzessiv zu nutzen, habe ich vor allem Let’s Plays geschaut. Das war im Prinzip das gängigste Long-Form-Contentformat, das es anno 2009 und die Jahre danach gab; wie viele Hunderttausende habe ich natürlich Gronkhs Minecraft-Let’s Play verfolgt.

Im Laufe der Zeit haben sich meine Sehgewohnheiten verändert, wobei ich am liebsten auch heute noch lange, ausgedehnte Videos in mehreren Sessions verfolge.

Meine Startseite ist derzeit eine Mischung aus Magic: The Gathering, Video-Essays und Kochvideos, gesalzen mit dem einen oder anderen Polit-Video.

Zwischen all den Content verirrt sich auch mal ein Video über das Spiel Genshin Impact oder zu diversen Animes. Zwischen all den Content verirrt sich auch mal ein Video über das Spiel Genshin Impact oder zu diversen Animes.

Was mich verwundert: Der Algorithmus hat sich niemals von mir beirren lassen. Ich schreibe derzeit an einem Horror-Roman mit Bezügen zu Lovecraft und dem Stil von H.R. Giger, dementsprechend habe ich Videos gesucht. Für ein paar Wochen boten sich mit auf meiner Startseite viele Video-Essays zu Horror aller Coloeur – die mittlerweile aber wieder fast verschwunden sind, weil ich sie nicht mehr so viel schaue.

Der Algorithmus lernt und wächst mit mir zusammen.

Ich werde nicht müde zu betonen, dass ich auch Fantasy-Autor bin. Tatsächlich hat mir YouTube gleich mehrere Level-ups verpasst und das nur durch eine Video-Reihe, die der Algorithmus mir immer und immer wieder vorgeschlagen hat.

Wie mich YouTube zu einem besseren Autor machte

Ich bin seit Jahren mit dem Algorithmus vertraut und wurde bisher nie enttäuscht. Es begab sich um 2019 herum, als ich mich intensiver mit dem kreativen Schreiben und Belletristik auseinandersetzte und entsprechende Videos schaute.

Über Wochen schlug mir YouTube im Frühjahr 2020 ein Video vor, dessen Thumbnail so aussah:

An seinen Thumbnails hat US-Autor Brandon Sanderson zum Glück gearbeitet. An seinen Thumbnails hat US-Autor Brandon Sanderson zum Glück gearbeitet.

Ein Mann vor einem großen Whiteboard mit Publikum. Immer und immer wieder spielte der Algorithmus mir das aus, bis ich irgendwann dachte »Himmelsackzement, dann klick’ ich halt drauf!« – und es entpuppte sich als einer der wichtigsten Klicks meines Lebens und einer größten Schritte meiner Autorenkarriere.

Es stellte sich nämlich heraus: Der Mann vor dem Whiteboard war Brandon Sanderson, US-Fantasy-Bestsellerautor, und das Video war das erste einer Reihe von Aufzeichnungen seiner Vorlesungen an einer Uni in Utah.

Diese Video-Reihe ist eine kostenlose Weiterbildung für Autorinnen und Autoren. Und auch heute schlage ich die Playlist in meinem Podcast oder angehenden Autoren immer und immer wieder vor.

Danke, YouTube-Algorithmus, dass du so persistent warst!

Kanalempfehlungen, auf die ich ohne den Algorithmus nie gekommen wäre

Wenn der Algorithmus also eines ist, dann hartnäckig. Das bin ich auch. Mittlerweile schaue ich nicht mehr in meine Liste abonnierter Kanäle, sondern lasse mich von der Videoplattform leiten – auch wenn das bedeutet, ein und dasselbe Video unzählige Male vorgeschlagen zu bekommen, bis ich es anklicke.

Dadurch bin ich allerdings auf ein paar hervorragende Gaming-Channels gestoßen, die ich gerne mit euch teilen will.

Ich bin ehrlich: Ich hätte nie gedacht, dass ich mir mal mehrstündige Reviews zu Spielen anschaue, die ich gar nicht gespielt habe, aber man lernt ja nicht aus, gell? Wenn ihr zur selben Sorte Mensch gehört, könnten folgende Kanäle etwas für euch sein:

  • Action Button – Mehrstündige Video-Essays von Ex-Kotaku-Autor Jim Rogers, der Spiele wirklich auf links dreht und das Spielekritisieren selbst durchgespielt hat.
  • Majuular – Hauptsächlich alte RPGs in entspannter Stimmung
  • Josh Strife Plays – Eigentlich ein Experte für MMORPGs, der sich mit frechem Humor Klassikern widmet und fragt »Waren die Spiele eigentlich gut?«
  • Gaming Historian – Von Spielen bis hin zu seltsamen Konsolen-Gadgets lernt ihr hier über die Geschichte von Videospielen (eines seiner Videos habe ich in meinem Artikel zu Nintendos seltsamsten Gadgets verwendet).
  • Summing Salt – Detaillierte Videos über Speedrunning, die selbst Leute ansprechen, die mit Weltrekorden nichts am Hut haben.
  • Caddicarus – Britischer Brachialhumor getarnt als Video-Essays, Taschentücher bereitlegen!

Ich wünsche euch viel Spaß mit meinen Empfehlungen. Kanäle übers Kochen, Schreiben, Drehbücher, Manga/Anime und Magic: The Gathering habe ich ausgespart, teile sie aber gerne mit euch, wenn Interesse besteht. Lasst es mich in den Kommentaren wissen!

Habt ihr Empfehlungen für Channels auf YouTube? Dann ab in die Kommentare damit!

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