Der nächste ganz große Wurf: Jahrelang setzte Mark Zuckerberg alles auf eine Karte, sein Metaverse. Der Meta-CEO hielt trotz Kritik und Milliardenverlusten an seiner Devise fest. Koste es, was es wolle.
Nun folgt aber die radikale Kehrtwende: Die Financial Times hat einen internen Bericht für 2026 geleakt, der massive Budgetkürzungen für das einstige Traumprojekt vorsieht.
Wie konnte es nach dieser beispiellosen Investition zu diesem plötzlichen, harten Rotstift kommen?
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Metaverse: Der Traum vom Nachfolger des mobilen Internets
- Mark Zuckerberg war lange einer der reichsten Menschen der Welt und vor allem mit einer Marke verbunden: Facebook.
- 2021, als zum Imperium Facebook längst auch schon WhatsApp und Instagram gehörten, verkündete der CEO einen Neuanfang. Das Konglomerat Facebook heißt nun Meta.
- Das Herz des neuen Unternehmens: das Metaverse. Und das führte der CEO auf der hauseigenen Keynote Connect im Oktober 2021 mit einem ambitionierten Ziel ein:
Wir glauben, das Metaverse wird der Nachfolger des mobilen Internets.
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Das Ziel des Metaverse: Ein verkörpertes Internet, in dem man laut Zuckerberg fast alles tun kann, was man sich vorstellen kann.
Dort sollten Nutzer Freunde treffen, arbeiten, lernen, spielen, einkaufen, Sport treiben und gemeinsam kreativ sein – alles vom heimischen Sofa aus.
In der Praxis bedeutete das jedoch: Die Nutzer sollten sich teure Quest-VR-Brillen aufsetzen, um in Metas eigener Grafikwelt Horizon Worlds
zu leben. Zuckerberg legte schon länger Hoffnungen in VR-Brillen als breitenwirksames Medium der Zukunft, indem er 2014 Oculus Rift für zwei Milliarden Dollar aufkaufte.
Während sich Kolumnisten etwa Brian Merchant auf Vice schnell sicher sind, dass das Metaverse schon immer eine dystopische Idee
war, werden die ersten Bilder aus dem Metaverse in der Öffentlichkeit schnell zum Ziel von Spott.
Besonders viel davon zog Zuckerberg selbst auf sich, als er im August 2022 in den sozialen Medien ein Bild von sich im Metaverse vor dem Eiffelturm teilte. Ein Post, der auf seinen Kanälen so heute nicht mehr zu finden ist.
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Ob nun visionär oder dystopisch: Das eher kindliche Abbild des ehemals reichsten Menschen der Welt wollte nicht recht zusammenpassen mit der Idee eines Internet 2.0.
70 Milliarden für Zuckerbergs Alleinherrschaft
Doch zu glauben, Zuckerberg habe sich hier im wörtlichen Sinne in eine virtuelle Traumwelt verloren, greift zu kurz.
Der renommierte Tech-Analyst Ben Thompson vermutete schon am Tage der Verkündung des neuen Namens Meta auf Stratechery etwas anderes. Bei Meta geht es nicht um knubbelige Figuren, sondern Machtpolitik.
Metas Problem:
- Der Konzern kontrolliert zwar die wichtigsten Social-Media-Apps der Welt, doch er bleibt abhängig von seinen größten Konkurrenten Apple und Google. Denn auf deren Smartphones und in deren App-Stores ist Meta nur Mieter, der sich fremden Regeln beugen muss.
- Thompson formuliert eine lange gehegte Vermutung: Zuckerberg wolle
einfach nur eine eigene Plattform besitzen
. - Dafür investierte Meta massiv in Personal, Forschung und Infrastruktur. Fortune beziffert die Verluste, seit Facebook sich in Meta unbenannte, mit 70 Milliarden Dollar für
klobige virtuelle Welten, verbuggte Avatare, teure Headsets und eine Nutzerbasis verbrannt, die Stand 2022 gerade einmal rund 38 Personen umfasste.
Doch der Faktor Zuckerberg
ist bei der Metaverse-Strategie nicht herauszurechnen, wie das aktuelle Meta-Proxy-Statement der US-Börsenaufsicht zeigt.
Bei Meta liegt das Stimmrecht in der Hand weniger Anteilseigner – Zuckerberg selbst hält 61 Prozent der Stimmrechte, und kann das Unternehmen steuern.
Die Warnungen von der Wall Street wie der offene Brief des Hedfond-Managers Brad Gerstner, die Investitionen ins Metaverse seien aufgeblasen und erschreckend
lange ungehört – bis jetzt.
Die Welt hat sich weiter gedreht – und die Milliarden fließen woanders hin
Die Zeit des Blankoschecks für das Metaverse ist nun offensichtlich vorbei. Die Financial Times berichtet von massiven Kürzungen. Bis zu 30 Prozent des Budgets für das Metaverse sollen gestrichen werden.
Blickt man zurück auf 2021, darf man auch nicht vergessen, dass die Welt damals geprägt von Pandemie-Lockdowns war, Unternehmen wie Zoom auf einmal in aller Munde. Und da sah Zuckerberg vermutlich seine Zeit gekommen.
Doch zwischenzeitlich hat sich die Welt weitergedreht. Das neue Gold liegt auf einem anderen Teller, Künstliche Intelligenz. Und genau dorthin und zu den passenden smarten Brillen fließt nun laut Financial Times das frei gewordene Geld.
Meta braucht die Rechenpower und die Milliarden jetzt nicht mehr für knubbelige Avatare, sondern um im KI-Wettrennen gegen OpenAI und Google nicht den Anschluss zu verlieren.

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