Ansprechend, logisch, gut.

Überblick Das Spiel wurde am 14. Januar von Stoic veröffentlicht und kann, unter anderem, bei Steam für schmales Geld erworben werden. Bei The...

von kazzig am: 03.02.2014

Überblick

Das Spiel wurde am 14. Januar von Stoic veröffentlicht und kann, unter anderem, bei Steam für schmales Geld erworben werden. Bei "The Banner Saga" handelt es sich um ein rundenbasiertes Strategiespiel, bei der wir die Geschichte der Vikinger spielen. Das comicartige Design ist laut Stoic alles handgezeichnet und die Story lässt sich vollständig durch unsere eigenen Entscheidungen beeinflussen. Es gibt mehr oder weniger spielbare Klassen, deren Zusammenstellung jedoch völlig frei im Laufe der Geschichte zusammgewürfelt werden kann. Eine klassische strenge Aufteilung wie z.B. Tank, Range, Melee gibt es nicht direkt. Vielmehr gibt es bestimmte Klassen, deren Attribute je nach Auslegung besser oder schlechter ausgebaut werden können.

Was hat mir an The Banner Saga besonders gut gefallen?

The Banner Saga ist ein sehr ehrliches Spiel. "WTF?" meint ihr? Nun, dann lasst es mich anders ausdrücken: Das Spiel geht ohne Schnick-Schnack los und erzählt die grundlegenden Elemente und die Story sehr schlank und ohne den Spieler zu überwältigen. Dieser einfache Zugang zu einem Rundenstrategiespiel ist für mich nicht selbstverständlich. Ich bin zwar jemand, der sich auch gerne in 200 Seiten Handbüchern rumwälzt, aber dieses unbeschwerte Spielen mit der wundervoll stimmigen Comic-Grafik hat mich sehr gefreut. Ein ganz großer Pluspunkt geht an Stoic für das Verständnis der Balance im Spiel. Ich habe das Spiel auf Mittel durchgespielt und habe im Verlauf des Spiels gemerkt, wie langsam aber stetig die Schwierigkeitsgrad-Parabel ihren Aufstieg begonnen hat. Man muss jeden Kampf sehr ernst nehmen und sich sehr gut, nicht lange, überlegen, welchen Schritt man als nächstes unternimmt. Ich möchte nicht sagen, dass jeder kleine Fehler bestraft wird, aber der Computer verzeiht nur selten Fehler - sagen wir es so. Ein weiterer positiver Aspekt ist die heroische Untermalung mit der Musik von Austin Wintory, dem Komponist der vorkommenden Lieder in The Banner Saga. Egal ob man durch die Gegend zieht oder sich in einem dramatischen Kampf befindet, die Musik ist stets passend gewählt.

The Banner Saga hat natürlich auch ein paar wenige RPG-Elemente, wobei jede Klasse die gleichen Attribute hat. Anfangs dachte ich, dass es relativ eintönig sei und jeder Charakter gleich geskillt werden kann, aber man muss sich im Voraus schon sehr gut überlegen, in welche Richtung der Charakter ausgelegt werden soll. Auch hier gilt wieder für mich: Easy to learn, a little hard to master! Das Spiel legt euch keine Auto-Skill-Funktion vor die Nase oder macht euch Vorschläge, wie ihr eure Charaktere zu skillen habt. Bei den Stufenaufstiegen kann man sich frei austoben - gefällt mir.

Ach ja, da ist ja noch die Story. Die Geschichte im Spiel wird zu großen Teilen interaktiv erzählt, heißt, dass ihr ständig den Fortschritt mit beeinflusst. So müsst ihr auch mal schwerwiegende Entscheidungen treffen, die vielleicht nicht allen schmecken, euren Charakter aber wiederspiegeln. Das erfreuliche an der Story ist, dass sie dabei aus verschiedenen Blickwinkeln erzählt wird und ihr euch dann langsam aber sicher in eine der Richtungen festlegt, bezüglich eurer Entscheidungen versteht sich. Das Spiel ist hier also auch sehr offen und legt euch kein Blatt vor den Mund. 

Was hat mir an The Banner Saga weniger gefallen?

So gut die Story auch inszeniert und frei gestaltet wird, sind manche Lese-Passagen ein bisschen zu lang geraten. Da hätte man hier und da vielleicht eine oder zwei Zeilen sparen können, aber das ist wieder abhängig vom Spieler. Manche lesen eben gern ingame und manche nicht. Ein weiterer negativer Aspekt ist mir bei den Kämpfen aufgefallen. Ich hätte mir schon durchaus weitere Gegnertypen gewünscht, aber im Spiel waren es, nach meiner Erinnerung, genau drei Sorten (Menschen, Varl und Dredge). Natürlich bleibt auch hier die Frage offen, ob andere Monstertypen überhaupt in die Lore hineingepasst hätten, aber erwähnen muss man es an dieser Stelle trotzdem.

Neben den Kämpfen können wir uns auch keinen anderen Nebenbeschäftigungen widmen. Die meiste Zeit befinden wir uns mit unserer Karawane auf der Straße, kampieren in Städten oder schlagen unsere Zelte in der Wildnis auf. Hier können wir zwar Trainingskämpfe gegen den NPC absolvieren, verlieren jedoch nach ein oder zwei Kämpfen die Motivation zur Wiederholung.

Einen letzten Punkt könnte man dem Spiel noch vorwerfen, die sehr spärliche Sprachausgabe. Vielleicht ist das auch der Grund, warum die nicht vertonten Dialoge so lange wirken. Ein paar Stimmen von den kräftigen Vikingertypen (Varl) hätten dem Spiel in jedem Fall ein runderes Erscheinungsbild beschert.

Fazit

The Banner Saga mag in manchen Punkten enorm unfair und gnadenlos sein. Zum Beispiel als ich meinen auf Stufe 5 gelevelten Charakter nach einem Dialog ohne Vorwarnung im Spiel verloren habe. The Banner Saga mag für den ein oder anderen zu trocken vorkommen und nicht vollständig zu Ende durchgedacht. Das Spiel hat jedoch seinen ganz eigenen Charm auf den man sich einlassen sollte, wenn man die Stunden darin genussvoll verbringen möchte. Es ist ein Spiel nicht für Jedermann und die englische Version hat es mit der Sprache auch in sich. Wer nach dem Schulenglisch nach der 10. Klasse die Motivation für die Sprache verloren hat, sollte in jedem Fall auf eine deutsche Lokalisierung warten.

Ein sehr gelungenes Rundenstrategiespiel ist The Banner Saga in jedem Fall!

 

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Wertung
Pro und Kontra
  • handgezeichnete Spielwelt
  • musikalische Untermalung
  • ständiger Kampf ums Überleben
  • anspruchsvolle Kämpfe
  • freie Charakterentwicklung
  • Liebe zum Detail
  • langwierige Dialoge
  • fast keine Sprachausgabe
  • wenige Nebenbeschäftigungen (KI-Kämpfe)
  • wenig Gegnertypen
  • ähnliche Kampfschauplätze

Zusätzliche Angaben

Schwierigkeitsgrad:

genau richtig

Bugs:

Nein

Spielzeit:

Mehr als 5, weniger als 10 Stunden



Kommentare(2)

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