Auf hohem Niveau enttäuschend

Rezension: „Dragon Age: Origins – Awakening“ – Plattform: Steam

von ModuGames am: 31.01.2021

Hinweis: Ich empfehle, dass Sie zuerst meine Rezension zum Grundspiel lesen.

„Manchmal kommen sie wieder“ ... Im Falle der Dunklen Brut sogar ziemlich schnell! Im März 2010 (nicht einmal ein halbes Jahr nach der Veröffentlichung von Dragon Age: Origins) liefern BioWare die erste und einzige große Erweiterung für ihren RPG-Meilenstein ab.

„There has been an awakening... have you felt it?“

Obwohl die finstren Kreaturen, die man als Dunkle Brut bezeichnet, am Ende von Dragon Age: Origins militärisch geschlagen wurden, heißt das noch lange nicht, dass sie keine Bedrohung mehr darstellen. Wir, ein Grauer Wächter (den man entweder aus dem Hauptspiel importieren oder neu erstellen kann), werden beauftragt, die Regentschaft über das Arltum Amaranthine zu übernehmen, das sich im Nordosten von Ferelden befindet. Dort treibt sich nämlich Dunkle Brut herum. Wir richten uns in der Festung „Vigils Wacht“ ein, wo uns natürlich auch einige Berater zur Seite stehen. Als Regent muss der Graue Wächter nämlich auch die Konflikte zwischen seinen Untertanen klären und sich sogar mit einer Verschwörung herumschlagen! Außerdem können wir die Verteidigung von Vigils Wacht verstärken, indem wir Steinvorkommen für die Mauern und Erzvorkommen für bessere Rüstungen finden.

Als Herrscher über Amaranthine müssen wir dafür sorgen, dass auf den Höfen des Arltums Ruhe herrscht. Zur Not auch mit aggressiven Verhandlungen. 

Uns ein Zuhause zu geben, das man ausbauen kann, ist ein altbekannter Trick unter Rollenspielen. Wo ich in anderen RPGs wie Skyrim wirklich eine Beziehung zu meinem Heim entwickle, weil ich es nach meinen Vorstellungen geformt und viel Arbeit hineingesteckt habe, bleibt die Identifikation mit Vigils Wacht in Awakening leider aus. Die Systeme zum Ausbau der Festung sind bestenfalls rudimentär und absolut undynamisch, zumal man nicht einmal die gesamte Anlage frei erkunden kann. Dadurch verkommt Vigils Wacht zur reinen Kulisse.

Atmosphärisch stark

Widmen wir uns also wieder dem eigentlichen Ziel: Wir sollen der Dunklen Brut endgültig den Garaus machen! Dabei erkunden wir viele neue Gegenden, allerdings wurden einige Regionen aus Awakening bereits in den kleineren DLCs verwendet bzw. anders herum. Ob das einen tieferen Sinn hat oder nur Kosten sparen sollte, kann ich nicht sagen. Zu den komplett neuen Gegenden gehört unter anderem die Stadt Amaranthine, die man wohl als Dreh- und Angelpunkt der Handlung bezeichnen kann. Hier zeigt sich eine der größten Stärken der Erweiterung: Das Worldbuilding und die Atmosphäre befinden sich auf dem gewohnt hohen Niveau von Origins. Es macht einfach Spaß, Ferelden erneut zu erkunden und die Gegenden in gewohnter Manier nach allerlei Gegenständen und Sehenswürdigkeiten abzusuchen.

Die Dunkle Brut kann seit neuestem reden. Goethe machen die dabei zwar keine Konkurrenz, aber es hilft der Geschichte, dass man nicht nur gegen seelenlose Kreaturen kämpft. 

Für die Geschichte spricht, dass die Dunkle Brut etwas mehr Persönlichkeit bekommt. So treffen wir nun auch auf sprechende Vertreter der Monster und verschiedene Fraktionen eben dieser, welche sich untereinander bekämpfen. Dabei werden uns dann auch Gegenspieler vorgesetzt, die etwas tiefgründiger sind als der typische große böse Drache. Was der Geschichte wiederum schadet, ist ihr sehr abruptes Ende. Man bestreitet einen Bosskampf und danach laufen quasi schon direkt die Credits über den Bildschirm, was sehr unbefriedigend ist. Ähnlich zwiegespalten bin ich bei den Gefährten: Einerseits gibt es erneut coole Mitstreiter (zum Beispiel den Magier Anders oder den Zwerg Oghren, den man schon aus dem Hauptspiel kennt), andererseits gibt es auch einige Ausreißer nach unten wie die Zwergendame Sigrun – deren Namen ich tatsächlich nachschauen musste, was nicht gerade für die Qualität der Figur spricht – und die Elfin Velanna, die einfach kategorisch mies gelaunt ist. Vielleicht hätte ich ja eine engere Bindung zu den beiden knüpfen können, allerdings kann man mit seinen Gefährten nur noch in einem sehr begrenzten Umfang Gespräche führen. Im Lager mit den Kumpanen über ihre Hintergrundgeschichte zu quatschen, ist effektiv keine Option mehr.

Ein sehr (sehr!) leichtes Abenteuer

Kommen wir also zum Gameplay und damit zur wahren Achillesferse von Awakening. Obwohl das Kampfsystem unangetastet und damit genau so hervorragend bleibt wie im Grundspiel, zieht der viel zu leichte Schwierigkeitsgrad das Erlebnis nach unten. Zum Vergleich: In Origins habe ich auf „schwer“ gespielt und mir dabei oft die Zähne ausgebissen. Dementsprechend habe ich diese Option auch für Awakening gewählt und nach wenigen Stunden verdutzt den Schwierigkeitsgrad erhöht – auf „Albtraum“! Selbst dann war das Spiel noch mehr als machbar. Für absolute Hardcore-RPGler ist Awakening damit ein reiner Spaziergang. Es kommt einfach kein Gefühl von Gefahr mehr auf. Ich habe spekuliert, ob der niedrige Anspruch des Spiels darauf zurückzuführen ist, dass ich meine Figur aus dem Hauptspiel importiert habe. Allerdings wird man in Awakening regelrecht mit hochwertiger Ausrüstung zugeworfen und man levelt immer noch sehr schnell. Eine seltsame Entscheidung von Seiten der Entwickler.

Im ganzen Spiel gab es nur einen Kampf, den ich öfter als zweimal versuchen musste. Insgesamt ist Awakening deutlich zu leicht, weshalb man die Angst und den Respekt vor seinen Widersachern verliert. 

Um die Erweiterung abzuschließen, habe ich zehn Stunden gebraucht, also etwa ein Fünftel der Zeit, die man für das Hauptspiel braucht. Man kann natürlich noch deutlich mehr Stunden investieren, allerdings scheinen mir einige der Nebenquests eher wie Arbeit und weniger wie eine spaßige Tätigkeit. Zum Beispiel kann man sich Ausrüstung von einem Schmied herstellen lassen, man muss allerdings auch eine Menge seltener Materialien herbeischaffen – da verzichte ich lieber. Ansonsten bleibt mir noch zu sagen, dass ich dieselben technischen Probleme wie im Hauptspiel auch in Awakening hatte. Grafische Verbesserungen sollte man keine erwarten.

Fazit

Bis zuletzt habe ich gehadert, welche Wertung ich hier vergeben soll. Viel hängt mit der Frage zusammen, wie man Erweiterungen generell bewertet: Legt man die gleichen Maßstäbe an wie bei einem Vollpreisspiel? Vergibt man einen „Addon-Bonus“ und geht davon aus, dass die Leser sich schon denken können, dass die Erweiterung eigentlich nicht so gut ist wie das Hauptprogramm? Schwierig. Es ist zwar toll, noch einmal mit meinem Helden ein Abenteuer unternehmen zu können, zumal die Hauptgeschichte auch noch spannend ist und gerade im Hinblick auf die Charakterisierung der Dunklen Brut mehr überzeugen kann als das Hauptspiel. Der Haken an der ganzen Sache ist aber, dass Origins in fast allen anderen Punkten die Nase vorn hat: Die Begleiter sind im Allgemeinen zwar immer noch unterhaltsam, aber es gibt Ausreißer nach unten (Velanna!). Die Hauptgeschichte endet außerdem für meinen Geschmack etwas zu abrupt. Weiterhin ist Awakening deutlich zu leicht, weshalb das Gefühl einer tatsächlichen Bedrohung nur bedingt aufkommt. Auch beim Umgang mit Vigils Wacht lässt das Spiel Potenzial liegen. Dazu kommen natürlich noch die technischen Probleme, die ich aber schon mit dem Hauptspiel hatte (ich werte erneut um zwei Punkte ab). Insgesamt reden wir immer noch über eine sehr gute Erfahrung, aber im Vergleich mit Origins ist Awakening einfach deutlich weniger brillant.

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Wertung
Zusätzliche Angaben

Schwierigkeitsgrad:

zu leicht

Bugs:

Häufiger, unregelmäßig

Spielzeit:

Mehr als 10, weniger als 20 Stunden



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