Besser als Arkham Asylum? Nun ja...

Rezension: „Batman: Arkham City“ (Game of the Year Edition) – Plattform: Steam

von ModuGames am: 15.04.2021

Hinweis: Ich empfehle, dass Sie zuerst meine Rezension zum Vorgänger lesen.

Ein Batman kommt selten allein. Im Jahr 2011 erschien Batman: Arkham City, der Nachfolger zum erfolgreichen Action-Adventure namens Arkham Asylum. Obwohl das Grundgerüst des Titels aus dem Jahr 2009 unangetastet bleibt, versuchen sich die Entwickler für diesen Teil der Reihe an einigen neuen Spielsystemen. Leider können nicht alle überzeugen.

Batman Returns

Die Geschichte spielt einige Jahre nach den Ereignissen von Arkham Asylum. Alle Kriminellen wurden aus dem namensgebenden Gefängnis des ersten Teils nach Arkham City verfrachtet. Hierbei handelt es sich um einen abgetrennten Teil von Gotham City, welcher unter der Leitung von Hugo Strange errichtet wurde. Eine Organisation namens TYGER agiert dabei als „Gefängniswärter“. Besagter Herr Strange hat außerdem die Identität von Batman erfahren und so geschieht es, dass wir als Bruce Wayne zu Beginn des Spiels öffentlich verhaftet und nach Arkham City gebracht werden. Dort drinnen können wir uns jedoch den TYGER-Wachen entziehen und zum Fledermausmann werden. Das oberste Ziel besteht nun darin, Strange aufzuhalten, der das unheilvolle Protokoll-10-Projekt gestartet hat.

Die meisten Insassen von Arkham City sind uns gegenüber feindselig eingestellt, mit Catwoman kommt Batman aber gut klar. Die Dame dürfen wir auch selbst später spielen.

Mehr möchte ich an dieser Stelle auch gar nicht ins Detail gehen. Ich finde die Geschichte von Arkham City insgesamt gut, muss aber auch einige Aspekte kritisieren. Positiv anzumerken ist, dass die Entwickler bei Rocksteady Entertainment wirklich versuchen, ein zusammenhängendes Universum aufzubauen. Die Geschehnisse in Arkham Asylum sind essenziell, um zu verstehen, warum die Geschichte in diesem Teil so ist, wie sie ist. Dabei führt Arkham City den bestehenden Handlungsstrang überzeugend weiter. Tatsächlich haben die Autoren einige sehr, wie ich finde, mutige Entscheidungen getroffen, die dafür sorgen, dass die Geschichte mehrere emotionale Höhepunkte auffahren kann. Auf der anderen Seite gibt es jedoch einige eher fragwürdige Entscheidungen, zum Beispiel wirken manche Plottwists auf mich etwas zu erzwungen. Es ist schwierig, genau den Finger darauf zu legen, aber stellenweise hat die Geschichte auch etwas weniger fokussiert gewirkt als die des Vorgängers.

Fieses Superschurken-Ensemble

Das hängt meines Erachtens nach mit der schieren Menge an Gegenspielern zusammen, die Fluch und Segen zugleich sind. Zwar gehören die Kontrahenten mit ihren vielfältigen Persönlichkeiten nach wie vor zu den Highlights des Spiels, allerdings verliert man auch schnell mal das große Ganze aus den Augen, wenn man sich nacheinander Gefechte mit Two-Face, dem Pinguin, Mr. Freeze, Poison Ivy sowie dem Joker und seiner Gehilfin Harley Quinn liefert – und das alles in der Hauptstory. Apropos Harley Quinn: Die Dame bekommt ihren eigenen DLC spendiert. In „Harley Quinns Rache“ (angesiedelt nach dem eigentlichen Spiel) müssen wir als Robin, einer von Batmans Begleitern, Jokers Gehilfin aufhalten, weil sie den Fledermausmann selbst in ihre Gewalt gebracht hat. Rechnet man die Hauptstory und den DLC zusammen, habe ich zehn Stunden in Arkham City verbracht. Ich hätte aber auch noch deutlich mehr Zeit investieren können, wenn ich alle Nebenaufgaben des Spiels akribisch abgearbeitet hätte.

 

 

 

Der Riddler treibt auch in Arkham City sein Unwesen. Wer will, kann eine Reihe von Riddler-Trophäen finden.

Um zu verstehen, was ich mit diesen Nebenaufgaben meine, müssen wir zuerst über einen anderen Aspekt des Spiels reden. Arkham Asylum hatte, was ich als „semi-offene Welt“ bezeichnen würde. Viele Level des Spiels waren recht linear, aber Arkham Island selbst war mit Abstrichen relativ frei begehbar. Arkham City baut dieses System aus und macht seine Spielwelt noch größer und offener. Wer mit meinen Rezensionen vertraut ist, weiß unter Umständen schon, dass ich eine Open World nicht immer für einen Pluspunkt halte. Leider ist die Spielwelt von Arkham City einer dieser negativen – oder zumindest nicht positiven – Fälle. Grund 1: Das Aussehen. Arkham City ist optisch sehr eintönig. Natürlich gibt es hier und da Sehenswürdigkeiten wie eine Fabrik oder ein Museum, aber grundsätzlich sehen die Unmengen an schwarz-grauen Betonbauten alle ziemlich gleich aus. Da hilft es auch nicht, dass durchgängig Nacht ist (wie funktioniert das überhaupt in einem Spiel, das man auch mehrere Dutzend Stunden spielen kann?).

Open-World-Kritik

Grund 2: Die Inhalte. Wie bereits erwähnt, ist Arkham City mit einer Reihe von Nebenaufgaben gefüllt. Da wären zum einen die Riddler-Trophäen, die man auch schon aus dem Vorgänger kennt. Diese nehme ich im Vorbeigehen gerne mit, aber die gezielte Sucherei nach den kleinen Fragezeichen tue ich mir nicht an. Allerdings – und hier wird es interessant – gibt es auch einige storylastige Sidequests. Drei Spiele: In einer Nebenmission müssen wir dem genetisch mutierten Bane bei einem Vorhaben helfen. Wieder eine andere Aufgabe betraut uns damit, dem Attentäter Deadshot auf die Schliche zu kommen. Dann gibt es etwa noch eine Aufgabe, in der wir den Mörder Victor Zsasz aufhalten müssen. Dass diese Superschurken im Spiel auftreten, ist ja erstmal schön und gut. Allerdings möchte ich Ihnen nun verraten, wie man die Quests löst: In Fall I muss man sechs Behälter mit Titan zerstören, in Fall II muss man mehrere Tatorte untersuchen und in Fall III muss man viele Telefonzellen aufspüren und jedes Mal ein Minispiel bestehen. Sie merken: Das sind alles sehr repetitive und zuweilen auch stumpfsinnige Angelegenheiten.

Hier sehen Sie in etwa die komplette Farbpalette der Spielwelt.

Aber nicht nur aus diesem Grund finde ich die Nebenquests suboptimal. Dazu eine kleine Info: Ich habe mir zu Beginn des Spiels vorgenommen, alle Nebenaufgaben parallel zur Hauptgeschichte abzuarbeiten. Die Hauptgeschichte aber wiederum baut erzählerisch eine derart hohe Dringlichkeit auf, dass es für mich wie Verrat wirkte, die Nebenquests gleichzeitig anzugehen. Nachdem man die Hauptgeschichte abgeschlossen hat, kommt man wieder in die Open World zurück, aber dann ist aus den oben genannten Gründen nicht mehr genug Motivation da, die sekündären Missionen noch anzugehen.

Die flinkere Fledermaus

Die Open World hat aber auch ihre positiven Aspekte. Die Fortbewegung wurde etwa deutlich verbessert. Mit dem neuen Greifhaken kann sich Batman nun deutlich komfortabler an Häusern hochziehen und – den Abschluss mancher Nebenquests vorausgesetzt – beim Hochziehen sogar Schub aufbauen. um dann über ein Gebäude hinauszuschießen und dann weite Strecken gleiten zu können. Die Gleitsteuerung selbst ist übrigens sehr hakelig, was aber nur an einer Stelle in der Hauptstory und in manchen Nebenmissionen problematisch wird. In den meisten Fällen kommt bei der Fortbewegung ein schöner Flow auf, weil man sich sehr elegant von Gebäude zu Gebäude bewegen kann.

Durch die WayneTech-Upgrades erhalten wir neue Fähigkeiten. Die Panzerung zu erhöhen, ist immer eine lohnende Investition.

Apropos „Flow“: Das Freeflow-Kampfsystem aus dem Vorgänger ist natürlich auch wieder mit von der Partie. Mir sind zwar keine wirklich relevanten Verbesserungen aufgefallen, außer dass manche Aktionen (Blocken, Schlagen etc.) nun etwas nachvollziehbarer sind. Aber auch ohne Innovation ist das Kampfsystem einfach unheimlich spaßig und cool anzusehen, wenn auch immer noch nicht übermäßig komplex. Dafür gibt's einige neue Gadgets wie die Distanzstromladung oder den Freeze-Schuss. Die ermöglichen neue Rätsel und Vorgehensweisen zum Ausschalten von Feinden, krempeln das Spiel aber nicht grundsätzlich um. Auch der Fähigkeitenbaum wurde ausgebaut und bietet nun mehr Möglichkeiten zur Individualisierung der Fledermaus.

Abenteuer mit Catwoman

Es gibt allerdings noch eine große Änderung, über die wir reden müssen. Und zwar wechselt man an bestimmten Stellen in der Handlung die Hauptfigur – dann spielen wir Gothams bekannteste Diebin mit einer Vorliebe für Katzen. Der Ansatz ist grundsätzlich interessant und ich hätte mit einem ganzen Spiel mit Catwoman in der Hauptrolle auch überhaupt kein Problem, aber in dieser Form finde ich das Wechseln der Protagonisten eher störend. Zum einen spielt sich Catwoman etwas schlechter als Batman. Statt sich per Seilwerfer an Gebäuden hochzuziehen, springt die Katzendame von Vorsprung zu Vorsprung, was mit einem nervigen kleinen Minispiel verbunden ist. Auch die Gadgets und der Fähigkeitenbaum sind abgespeckt. Zum anderen finde ich Catwomans Handlungsstrang einfach nicht sonderlich interessant. Deshalb: Gut gemeint, aber mit Luft nach oben.

Der Detektivmodus ist stylisch wie immer. Im Hintergrund sieht man zwei Gegner: Einer trägt ein Messer, der andere eine Schusswaffe.

Dann wären wir auch schon fast am Ende und das heißt, dass ich noch ein paar Worte zur Präsentation verliere. Arkham City übernimmt den tendenziell realistischen, aber dann doch irgendwie comichaften Look seines Vorgängers. Dieser Grafikstil ist, finde ich, gut gealtert und wenn man von einigen altmodischen Kameraeinstellungen absieht, habe ich an der Optik nichts auszusetzen (die Monotonie der Spielwelt habe ich ja schon vorher beklagt). Die Sprecher gefallen mir gut und auch der Soundtrack hat seine Momente, allerdings sind diese viel zu spärlich gesät.

Fazit

Ich ringe schon die ganze Zeit innerlich mit mir, ob ich denn nun Arkham Asylum oder Arkham City besser finde. Die Featureliste spricht für letzteres Spiel: Der Titel aus dem Jahr 2011 bietet eine Open World, mehr Ausrüstungsgegenstände, Catwoman als zweite Protagonisten und sowieso mehr von allem. So einfach ist die Sache aber nicht, denn gerade die Open World kann mich nicht überzeugen. Arkham Asylums größte Stärke war seine geradlinige Inszenierung, die Arkham City tendenziell eher fehlt. Eine schwierige Entscheidung. Ich habe kurzzeitig überlegt, ob ich hier dieselbe Wertung zücken soll wie bei Arkham Asylum, aber das scheint mir ein etwas feiger Ausweg zu sein. Letztendlich vergebe ich bei diesem Teil einen Prozentpunkt mehr, da er „objektiv“ besser ist, aber den Lobliedern, die auf dieses Spiel gesungen werden, kann ich mich nicht vorbehaltlos anschließen.

Jetzt eigenen Artikel veröffentlichen

Schreib Deinen eigenen Artikel auf GameStar und tausche Dich mit anderen Lesern aus.

Eigenen Artikel schreiben

Wertung
Zusätzliche Angaben

Schwierigkeitsgrad:

genau richtig

Bugs:

Nein

Spielzeit:

Mehr als 10, weniger als 20 Stunden



Kommentare(0)

Nur angemeldete Benutzer können kommentieren und bewerten.