Der Codex Astartes sagt Nein

(Wie immer) Vorwort: Damit Ihr wisst, wer diese Bewertung hier vornimmt, möchte ich erwähnen, dass ich Stunden um Stunden in den Vorgängern und...

von Minutwix am: 03.05.2017

(Wie immer) Vorwort: Damit Ihr wisst, wer diese Bewertung hier vornimmt, möchte ich erwähnen, dass ich Stunden um Stunden in den Vorgängern und in Relics Meisterwerk Company of Heroes 2 verbracht habe. Außerdem zähle ich zu den echten Hobbyisten von Warhammer und lese sehr viel Fluff (Lore) in diesem Universum.

 

Megalomanie mit Struktur

Im Warhammer 40.000 Universum ist alles groß. ALLES. So auch die Struktur Fehler in Dawn of War 3. Wer CoH2 mal gespielt hat, weiß so ungefähr wie sich der Start einer jeden Runde auch hier gestaltet: Einzelne Einheiten sichern Punkte, Gefechte werden mit Adleraugen Überwacht. Und dieses empfindliche Gleichgewicht, was ein Entwickler durch Bauzeit, Punktekosten und Profilwerten für jede Einheit mühsam anpassen, wird von Frühphasehelden zerstört.

So treffen die Helden nicht wie WarCraft3 oder Schlacht um Mittelerde schwach ein, leveln, werden stärker. Also, sie werden durch Können und Arbeit des Spielers zu „Helden“. In Dawn of War 3 erscheinen sie mit dem maximalen Potenzial an Schaden und sind in er Lage die in den ersten Minuten alle Einheiten mit ihren Spezialfähigkeiten zu töten. Zudem kosten sie nur eine eigene separate Ressource. Wenn man also selber keinen Helden hat, der sehr früh erscheint, hat man schon in den ersten 5 Minuten einen eklatanten Nachteil im Kampf um die Karte. Zwischen en Helden gibt es dann auch noch massive Probleme im Balancing. So wird das „Killteam Ironmaw“ niemals die „Skorpionkrieger“ der Eldar besiegen, da sie es nicht schaffen werden, die Eldar in ihrer Ausrichtung im Fernkampf zu besiegen und dann kommen die Eldar in ihrer eigenen Disziplin, dem Nahkampf zu Ruhm, indem sie die Deathwatchveteranen niederstrecken… Bei den Nichtfrühphasehelden sieht es zumindest besser aus. Die großen Kolosse sind nämlich so träge und teilweise dumm, dass die sich beschießen lassen ohne direkten Befehl zurückzuschießen. Letzteres machen übriges alle Einheiten mit Vorliebe gerne.

 

Ressourcen Management

Im Vergleich zu CoH2 wurde die Ressourcen Beschaffung verkompliziert. So eroberte man in CoH2 Kontrollpunkte, welche direkt die Ressourcen einbrachten. Es gab 3 Stück: Anforderungspunkte, Munition und Treibstoff. Die Verschlechterung zu Dawn of War 3 liegt nun darin, dass man die Anforderungspunkte als Grundressource für alles nun abhängig von der Kontrolle der Karte ist. Das System aus CoH2 zu verändern hinzu einem System, in dem alles direkt abhängig von einem Ressourcensystem welches im Earlygame durch schlechtes Gamedesign der Helden kaputt gemacht wird ist unbegreiflich…

So mal die Situation anschaulich: Man startet, kann vielleicht 2-3 Einheiten und erobert die Kontrollpunkte. Nun kommen z.B. „Skorpionkrieger“ die jeder Standarteinheit überlegen sind und töten die erste. Man verliert eine Einheit, dann den Kontrollpunkt und ist dadurch schon doppelt für den Verlust betraft worden, dann auch das Anforderungspunkteeinkommen verliert. (Nur für Leser die meinen ich sein nur zu doof zum Spielen, ich spiele in CoH2 mit Freunden zum Spaß gegen die Experten KI).

Einheiten

Bei den Einheiten sind Fraktionsunterschiede noch und nöcher negativ spürbar. Die Space Marines haben keine einzige Infanterieeinheit, die in der Lage ist Fahrzeuge oder schwer gepanzertes effektiv zu zerlegen. Die „eigentlich dafür gedachte Truppe“ aus 3 Squats war nicht in der Lage ein Horchpostenturm oder ein Läufer zu zerstören, ohne mindesten 50% Verluste einzustecken (trotz Auffächerung der Squats). Eine Standarteinheit hat Granaten, die andere erhält diese erst über die limitierten Doktrinen.

 

Vermutungen

Relic hat mit Coh2 ein gutes Spiel gemacht was über eine große Zahl an Mikrotransaktionen für Skins, Inhalte oder Doktrin immer noch Gewinn macht. Dies scheint auch der leitende Gedanke für Dawn of War 3 gewesen zu sein. Ich vermute, dass ein Ingameshop für mehr Helden, Skins, Doktrinen folgen wird. Daher glaube ich auch, dass das aus League of Legends übernommene Spielprinzip (ja, nicht angelehnt oder „inspiriert“) genommen wurde, um mehr aus der Masse anzusprechen, um den Profit mit einem folgenden Shop zu maximieren. Ganz klar richtet sich Dawn of War nicht an die eingeschworenen Fans des Universums, sonst wäre man auf die unzähligen Threads auf Steam eingegangen.

Missversteht mich nicht, an Ingameshops ist erstmal nichts Schlimmes. Wenn man aber ein Spiel darum herumdesignt, um mehr Inhalte zu verkaufen, ist das widerlich und hat in einem 60€ teuren Spiel nichts zu suchen. Manche Leute scheinen zu vergessen, dass das viel Geld ist und es umso mehr wehtut, wenn man es für ein schlechtes Spiel ausgibt, auf das man sich gefreut hat…

Ich kann mich hier mit allem irren, glaube es aber nicht, sonst würde ich es nicht schreiben.

 

Lob, wem Lob gebührt

Vor dem Fazit möchte ich aber noch positive Dinge anmerken: Die Soundkulisse ist wunderbar, alles klingt so wie es soll, auch wenn der Boltersound auch dem 2 teil gerippt wurde. Über die Grafik habe ich nicht zu meckern und auch niemand von den fünf Personen mit den ich spiele hatte etwas zu bemängeln. Die Effekte sind schön anzusehen und die Zwischensequenzen der Kampagne haben auch ihren Charme. Technisch lief es einwandfrei, sofern man nicht alles aufs Maximum stell. Die Einheitenmodels sind ebenfalls gut getroffen und erinnern in einigen Fällen an die Boxcover von Miniaturen in ihrem Detailgrad. Das Gefühl mit einem Ritter der Eldar oder des Imperiums das Feld zu überqueren ist einmalig!

 

Fazit

Dawn of War 3 ist ein technisch funktionierendes Spiel mit sehr wenig Langzeitmotivation (8 Karten mit alle dem gleichen Spielmodus). Es bemüht sich die Warhammerlizenz gut umzusetzen, ohne irgendwelchen Tiefgang zu beabsichtigen, was trotz des stupf wirkenden Settings möglich ist. Beim Spielen selbst fällt halt auch, dass 3 von 3 Spielern während des Spiels die Lust verlieren.

Derzeit kann ich das Spiel absolut nicht empfehlen, wenn ihr länger davon was haben wollt. Lest lieber die Romane, zockt was anderes oder ignoriert dieses Spiel einfach so lange bis es gut wird. Relic ist dazu in der Lage.

 

Nachwort

Ich bin zu tiefst traurig, dass das Spiel nicht so gut ist wie erhofft. Erst Deathwing und jetzt Dawn of War 3. Es macht mich traurig wie dies Universum im Videospielbereich fast immer versagt. Das wirft ein allgemein schlechtes Licht auf die Marke Warhammer 40.000 für die, die es nur aus eben Videospielen kennen. Es bietet so viel mehr…Es kann so viel mehr bieten…


Wertung
Pro und Kontra
  • - schöne Atmosphäre (Sound, Modelle)
  • - technisch gut
  • - Warhammer 40.000 Lizenz
  • - Langzeitmotivation
  • - Balancingprobleme
  • - undurchdachte Helden
  • - keine Tiefe

Zusätzliche Angaben

Bugs:

Nein

Spielzeit:

Mehr als 20, weniger als 40 Stunden



Kommentare(2)
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