Ein Traum für jeden Star-Wars-Fan

Rezension: „Star Wars: Battlefront 2“ (2005) — Version 1.1 — Plattform: Steam

von ModuGames am: 06.07.2020

Hinweis: Ich empfehle, dass Sie zuerst meine Rezension zum Vorgänger lesen.

2005 war die Macht wirklich auf unserer Seite: Mit „Episode III: Die Rache der Sith“ kam nicht nur der letzte Teil der Prequels in die Kinos, auch hochkarätige Videospiele wie Republic Commando oder die PC-Umsetzung von Knights of the Old Republic 2 erschienen in diesem Jahr. Unter diesen fantastischen Spielen befindet sich jedoch eines, das allen anderen die Show gestohlen hat: Battlefront 2, der Nachfolger zum beliebten First-Person/Third-Person-Shooter Battlefront, der im Jahr zuvor auf den Markt kam. Trotz seiner 15 Jahre (viel fehlt nicht mehr zur Volljährigkeit!) handelt es sich hierbei immer noch um einen der besten Titel aus der weit, weit entfernten Galaxis.

Endlich eine richtige Kampagne!

Battlefront 2 steht ganz im Zeichen der Verbesserung von bestehenden Systemen. So bietet der zweite Teil diesmal einen anständigen Storymodus (die Kampagne des Vorgängers konnte man nur mit anderthalb zugekniffenen Augen als solche bezeichnen). Die Geschichte beginnt zur Zeit von „Die Rache der Sith“ und endet mit „Das Imperium schlägt zurück“, hier wird also ein Zeitraum von knapp mehr als 20 Jahren abgedeckt. Sie sind Teil der „501.“, einem Regiment von Klonsoldaten der Galaktischen Republik, und bekämpfen so anfangs noch die Droiden der Separatisten, wenden sich dann gegen die Jedi und zerschlagen im zweiten Teil der Kampagne die Rebellion. Die insgesamt 17 Missionen folgen grob der Handlung der Filme und sind bestenfalls lose miteinander verbunden. Generell sollte man hier kein erzählerisches Meisterwerk erwarten, auch wenn die Grundstimmung teilweise schön melancholisch ist.

Im zweiten Teil der Kampagne muss man als Sturmtruppler die Tantive IV erobern – wie in Episode IV: Eine neue Hoffnung.

Auch inszenatorisch schwächelt die Kampagne, so gibt es Ausschnitte aus den Filmen (die, wie schon im Vorgänger, ziemlich billig wirken) und Zwischensequenzen in der Ingame-Grafik (die ebenfalls ziemlich billig wirken, auch wenn sie das Spiel immerhin akkurat abbilden). Die Missionen sind optisch recht abwechslungsreich, aber auch ziemlich kurz – die meisten lassen sich in fünf bis zehn Minuten absolvieren. Spielerisch basiert das alles auf den bereits bekannten großen Schlachten der Battlefront-Reihe, nur eben leicht modifiziert, sodass der Spieler unter anderem Gegenstände bergen oder Positionen halten muss. Das ist keine Kampagne auf dem Niveau eines Half-Life 2, aber es handelt sich hier dennoch um eine massive Verbesserung gegenüber dem Vorgänger.

Die Galaktische Eroberung dreht auf

Auch ein anderer Modus bekommt eine gewaltige Überarbeitung spendiert: die Galaktische Eroberung, die ich schon im Vorgänger als den besten Teil des Spiels bezeichnet habe. In Battlefront 2 gibt es nun eine strategische Karte, Planeten haben also einen festen Standort und können nur über bestimmte Routen angegriffen werden. Die beiden Kontrahenten bewegen rundenweise ihre Flotten über die Karte, wobei auch Raumschlachten (dazu später mehr) entstehen können, wenn zwei eben solcher aufeinandertreffen. Die Galaxis besteht aus 13 Planeten, die alle Geld einbringen. Damit kauft man sich neue Soldatenklassen und Boni. Daraus resultiert, dass der Modus insgesamt nochmal deutlich besser ist als im Vorgänger, aber ein Ersatz für ein vollwertiges Strategiespiel ist er natürlich nicht. Aber wo wir gerade schon bei den Planeten sind: Wie sieht es denn kartentechnisch aus?

Der Todesstern ist eine der neuen Karten in Battlefront 2. Der Wookiee hier wird bald merken, dass es kein Spaß ist, die endlosen Schächte hinunter zu fallen. 

Von den 17 Maps des Vorgängers übernimmt Battlefront 2 sieben: Endor, Hoth, Jabbas Palast, Kamino, Mos Eisley, Naboo und Yavin 4. Hierbei haben die Entwickler ein sehr glückliches Händchen bewiesen, denn diese sind mitunter die besten Karten aus Battlefront 1. Einzig Geonosis weine ich etwas nach... aber es gibt ja Ersatz! Das Spiel kommt nämlich mit elf neuen Bodenkarten daher, ergänzt durch sechs für Raumschlachten. Das sind also unterm Strich nicht nur mehr als im Vorgänger, sondern sie sind auch noch besser. Denn Battlefront 2 kann erstmals auf Episode 3 als Quelle zurückgreifen – im Hinblick auf die Schauplätze der wohl ergiebigste Star-Wars-Film. Utapau ist etwa großartig, dasselbe gilt für Coruscant und Mustafar. Doch auch die Original-Trilogie erhält neues Material, so darf man erstmals auf Dagobah oder auf dem Todesstern kämpfen, letzterer ist eine meiner meistgespielten Karten aller Zeiten. Dafür muss man in Kauf nehmen, dass jeder Planet nur noch über jeweils eine Karte verfügt, womit ich aber absolut kein Problem habe.

Der Krieg zwischen den Sternen

Die wohl massivste Änderung gegenüber dem Vorgänger besteht jedoch in der Implementierung von Raumschlachten. Diese laufen folgendermaßen ab: Die zwei verfeindeten Fraktionen besitzen jeweils ein Flaggschiff, in dessen Hangar konstant Sternenjäger spawnen. Von den schnellen Abfangjägern über Bomber bis hin zu Transportern (die mehrere Spieler mitnehmen können) ist hier alles dabei. Das Ziel: 180 Punkte zu erreichen, wobei man entweder die gegnerischen Jäger abschießen oder die Subsysteme (Brücke, Antrieb etc.) der Flaggschiffe ausschalten kann. Wirklich großartig ist, dass man im feindlichen Hangar landen und das Schiff von innen heraus zerstören kann. Genauso kann man auf seinem eigenen Großkampfschiff Geschütze bemannen oder Reparaturen vornehmen.

Hier sieht man, wie TIEs aus dem Hangar eines imperialen Sternenzerstörers starten. Rechts im Bild: ein X-Flügler der Rebellen.

So spaßig das auch ist, muss ich sagen, dass der Modus a) zu leicht und b) zu statisch ist, um über längere Zeiträume motivieren zu können. So bewegen sich die Großkampfschiffe und deren Begleitkreuzer überhaupt nicht, es geht hier also wirklich nur um Jägergefechte, was schnell alt wird, wenn die KI keine Gefahr darstellt. Die Raumschlachten kommen jedoch mit einem Preis: Es gibt in den Bodengefechten nun keine Sternenjäger mehr. Um es mit den Worten von Director Krennic aus „Rogue One“ auszudrücken: „We were on the verge of greatness, we were this close!“, aber gut, man kann anscheinend nicht alles haben. Wenn ich mich zwischen den beiden Optionen entscheiden müsste, würde ich die Raumkämpfe nehmen.

Mehr Modi & die Ankunft der spielbaren Helden

Damit ist die Featureliste aber noch längst nicht abgehakt! Der dritte große Spielmodus, die Soforteinsätze, dienen nach wie vor dazu, einzelne Karten gezielt zu spielen und sich eine Maprotation zusammenzustellen. Das Drumherum wurde allerdings ausgebaut, so gibt es in Battlefront 2 nicht mehr nur den altbekannten Spielmodus „Eroberung“. Die Riege wird durch „Capture the Flag“, „Jagd“, „XL und „Angriff“ erweitert. Im Jagdmodus rückt die indigene Bevölkerung eines Planeten in den Vordergrund, z.B. bekriegen sich auf Tatooine Jawas und Tusken-Räuber. „XL“ bedeutet schlicht und ergreifend, dass die Anzahl an gleichzeitig dargestellten Truppen extrem ansteigt, also einfach nur Eroberung over 9000. Bei „Angriff“ handelt es sich um Gefechte, in denen ausschließlich Helden und Schurken gegeneinander antreten.

Helden (oder in diesem Fall: Schurken) wie Darth Vader darf man nun endlich selbst spielen. Sie verfügen neben ihrem Standardangriff noch über zwei Fähigkeiten, die allerdings nicht so individuell ausfallen wie in EAs Battlefront 2.

Doch halt: Helden und Schurken? Schon im Vorgänger besaß jede der vier Fraktionen einen KI-gesteuerten Anführer. Das ist in Battlefront 2 nun anders – die Republik, die KUS, das Imperium und die Rebellion besitzen mehrere Helden bzw. Schurken, die nun vom Spieler selbst gesteuert werden können. Die Kollegen spielen sich naturgemäß echt stark und regenerieren durch Kills Lebensenergie. Man könnte jetzt argumentieren, dass das Balancing des Spiels darunter leidet, dass diese Anführer so mächtig sind. Das stimmt mit Sicherheit auch zu einem gewissen Grad, aber ich bin einfach nur froh, dass ich endlich mit Imperator Palpatine den Rebellenabschaum elektroschocken kann. Ähem.

Eine neue Klasse und kleine Änderungen

Auch bei den Bodentruppen hat sich etwas getan. In Battlefront gab es fünf Einheitenklassen: den Standardsoldaten, den schweren Truppler, den Scharfschützen, den Piloten und eine fraktionsspezifische Zusatzeinheit wie den Wookiee. Battlefront 2 behält dieses Grundkonzept bei, fügt allerdings noch eine zweite fraktionsspezifische Einheit hinzu, so kämpft nun etwa der bothanische Spion (nein, hat nichts mit „Botanik“ zu tun) auf Seiten der Rebellion. Das verleiht den Streitkräften zwar mehr Individualität, macht das Balancing aber noch etwas wackeliger. Apropos Balancing: Wo ich den Vorgänger stellenweise zu schwer fand, ist Battlefront 2 fast immer zu leicht, selbst auf „schwer“, dem höchsten der beiden Schwierigkeitsgrade. Dazu kommt noch, dass die Künstliche Intelligenz nach wie vor so schlau ist wie ein Stein und auch das Flipperautomaten-Verhalten aus dem Vorgänger noch vorkommt.

Die Wookiees sind mit Armbrüsten ausgestattet und halten viel aus – der Sturmtruppler sollte hier besser nicht in den Nahkampf gehen.

Positiv ist wiederum, dass das User Interface überarbeitet wurde und nun deutlich hochwertiger aussieht. Auch andere dieser kleinen Änderungen bereichern das Spiel enorm, so kann man in den Soforteinsätzen sein Match nun deutlich genauer einstellen (Anzahl der Tickets, Bedingungen für Helden etc.) – das ging im Vorgänger noch nicht. Und es gibt nun endlich eine Sprintfunktion, wodurch das Spiel gleich deutlich schneller und moderner wirkt. Halleluja! Andere kleine Kritikpunkte des Vorgängers treffen auch hier zu, z.B. besitzen manche Objekte viel zu große Hitboxen und saugen daher Schüsse auf, die eigentlich vorbeigehen sollten.

Was taugt der Mehrspieler? Wie gut sieht BF II aus?

Zu guter Letzt möchte ich noch ein paar Worte zur Präsentation verlieren. Da zwischen Battlefront und seinem Nachfolger gerade einmal ein Jahr vergangen ist, halten sich die grafischen Verbesserungen natürlich in Grenzen. Dennoch fällt auf, dass einige Figurenmodelle deutlich besser aussehen und die Animationen an manchen Stellen überarbeitet wurden. Teilweise spart das Spiel aber unangenehm viel mit Details, etwa auf der Strategiekarte. Battlefront 2 überzeugt technisch eher durch seine schiere Größe (etwa im XL-Modus) und die Möglichkeit, ohne Ladezeit zwischen den Schiffen hin und her zu fliegen und diese auch zu betreten. Im direkten Vergleich mit Republic Commando fällt auf, dass dieses einen deutlich höheren Detailgrad auffährt, aber eben auch mit deutlich kleinerem Maßstab. Wie bei jedem Star-Wars-Spiel gilt auch für Battlefront 2, dass der Soundtrack über jeden Zweifel erhaben ist.

Die eigentlichen Gefechte können optisch auch mit anderen Shootern des Jahres 2005 mithalten. Nur bei der Inszenierung und bei der Strategiekarte der Galaktischen Eroberung muss das Spiel Federn lassen.

Der Multiplayer-Modus ist natürlich auch wieder mit von der Partie. Vor allem über Steam gestaltet sich der online-Krieg-der-Sterne sehr komfortabel, auch über die Spielerzahlen kann ich nicht meckern, wenn man das Alter von Battlefront 2 bedenkt. Abseits von einigen kleinen Mankos wie zu hoher Latenz sind aber vor allem die Spieler selbst problematisch. Ein Beispiel: Ich bin einer Runde Capture the Flag beigetreten und habe mich nach einiger Zeit gefragt, warum sich niemand um die Flagge kümmert, also habe ich die Sache in die Hand genommen. Kurz darauf musste ich mir im Chat wütende Nachrichten anhören, warum ich denn das objective spiele, anstatt nur Gegner zu töten. Ja, die Matches haben die Angewohnheit, zu einem großen Free for All auszuarten. Ich bestreite überhaupt nicht, dass der Mehrspieler richtig viel Spaß machen kann, aber ich kämpfe dann doch lieber solo.

Fazit

Normalerweise halte ich ja nichts von absoluten Wahrheiten, wenn es um die Bewertung von Spielen geht, aber bei Battlefront 2 mache ich eine Ausnahme. Dieses Spiel muss eigentlich als eine Verbesserung gegenüber dem Vorgänger angesehen werden. Das einzige, was der ältere Titel wirklich besser macht, sind die Sternenjäger auf dem Boden und ggf. das Balancing (die Helden sind schon recht stark). In allen anderen Bereichen – Geschichte, Spielmodi, Einstellungsmöglichkeiten, genereller Umfang – hat Battlefront 2 deutlich die Nase vorn. Bedeutet das, dass wir es hier mit einem perfekten Spiel zu tun haben? Keineswegs, so macht die KI immer noch Probleme und der Schwierigkeitsgrad ist zu niedrig. Generell fällt auf, dass Battlefront 2 sehr in die Breite, aber nicht unbedingt die die Tiefe geht: Es besitzt eine Storykampagne, aber die macht Republic Commando besser. Es besitzt einen Strategieteil, aber den macht Empire at War besser. Es besitzt Raumkämpfe, aber die macht X-Wing besser. Das alles kann man kritisieren, aber es muss an dieser Stelle auch ganz einfach gesagt werden, dass ein solcher Umfang bis heute einzigartig ist unter Star-Wars-Spielen. Insofern ist Battlefront 2 nach wie vor einer der wichtigsten Titel für jeden Fan des Universums, ganz klar auf einer Stufe mit KotOR. Und es freut mich persönlich extrem, dass ich hier heutzutage noch so viel Lob anbringen kann, denn Battlefront 2 ist das wohl prägendste Spiel meiner Kindheit.

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Wertung
Zusätzliche Angaben

Schwierigkeitsgrad:

eher leicht

Bugs:

Nein

Spielzeit:

Mehr als 100 Stunden



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