Gothic 3 (1.7) - Endlich nahezu fehlerfreies Abenteuer in einer schönen Welt

Gothic 3 – das wohl ambivalenteste Spiel des Jahres 2006. Kaum ein Spiel spaltete die Spieler dermaßen und auch die Gothic Fangemeinde war nicht einer Meinung....

von - Gast - am: 09.05.2009

Gothic 3 – das wohl ambivalenteste Spiel des Jahres 2006. Kaum ein Spiel spaltete die Spieler dermaßen und auch die Gothic Fangemeinde war nicht einer Meinung. „Riesige frei erkundbare Welt“ riefen die einen, „Unfertiges Armutszeugnis“ kam von den anderen. Ich gehörte damals zu den Erstkäufern, habe damals mit dem Patch 1.12 das Spiel zur Hälfte durchgespielt, danach ging die Ambition weiterzuspielen allerdings flöten. Nun sind zweieinhalb Jahre vergangen, Piranha Bytes und Jowood haben sich getrennt und die Community hat dank der Bereitstellung des Programmcodes seitens Jowood selbstständig Softwareflicken entwickelt, um das Spiel zu verbessern. Nun ist vor kurzem der Community Patch 1.7 erschienen, welcher nach einem Jahr Arbeit stolze 880 MB umfasst und das Spiel nahezu fehlerfrei machen und deutlich verbessern sollte. Für mich ein Grund das Spiel noch einmal herauszukramen und es noch einmal zu probieren!
Nehmt es mir nicht übel, aber ich werde mich zu einem Großteil mit den Änderungen beschäftigen, welche seit der Verkaufsversion eingetreten sind, ich denke, dass es genug Lesertests und schließlich den Mega-Test auf gamestar.de gibt, die sich mit der Kernsubtanz beschäftigen.

Gestatten, mein Name ist…

In einer kurzen Einführungssequenz wird erläutert, was nach dem Addon zu Gothic 2 geschehen ist. Wenn man das Questpaket 3 von Humanforce installiert hat, was sehr empfehlenswert ist, dann ist es sogar noch vertont. Die Orks gewinnen die Oberhand im Krieg, sie haben Myrtana komplett erobert, nur vereinzelt gibt es noch Rebellen, die zum König stehen. Der König hat sich unter eine magische Barriere, welche über die Hauptstadt erschaffen wurde, verschanzt und ist nicht mehr in Verbindung zur Außenwelt. Der immer noch namenlose Held landet an der Küste, nahe dem Dorf Ardea. Dieses wird von Orks belagert, wir sollen es mit unseren Gefährten befreien. Gesagt, getan, die Orks werden geplättet, nebenbei lernen wir das Kampfsystem kennen. Nach dieser recht stimmungsvollen Einleitung erfahren wir, wer angeblich hinter dem Orkfeldzug steht: unser alter Bekannter Xardas. Also machen wir uns auf die Suche nach ihm, eine sehr lange Suche, wie sich bald herausstellt. Allerdings haben Piraten die komplette Ausrüstung gestohlen, somit müssen wir von vorne anfangen. Was eigentlich zu erwarten war, wenn man die anderen Teile gespielt hat.

Groß, Größer, Gothic 3

Gothic 3 ist riesig, verdammt riesig. Es besteht aus dem grünen Mittelland Myrtana, der südlichen Wüste Varant und der nördlichen Schneewüste Nordmar. Alle drei haben ihre eigene Landschaft mit allen Facetten. Varant ist eine karge relativ flache Wüste mit vielen Ruinen und wenig Flora, während Nordmar sehr gebirgig ist. Nach einiger Zeit wird jedoch klar, dass Myrtana die optisch schönste Landschaft zu bieten hat, Varant ist außerhalb der Städte doch recht eintönig, Nordmar hingegen ist sehr unübersichtlich, die Weitsicht ist deutlich geringer und wenn dann noch Schneestürme herrschen, ist Irren schon fast vorprogrammiert. Trotzdem sind Nordmar und Varant keineswegs schlecht designed, die ganze Welt wirkt sehr organisch und plastisch, das liegt einerseits an dem typischen Gothic Grafikstil, welcher in meinen Augen etwas lebhafter wirkt als der zum Beispiel von Oblivion, andererseits auch an der mühsamen Handarbeit der Entwickler. Was überall etwas auf die Atmosphäre drückt, sind die immer gleich aufgebauten Höhlen. Dafür sind die Städte und Siedlungen in allen Teilen der Welt hervorragend gemacht, man kann überall erkennen, dass sie mit liebevoller Handarbeit erstellt wurden. Die stimmige, glaubwürdige Welt trägt einen großen Teil bei zur sehr guten Atmosphäre, welche nur von den kleineren Bugs, die immer noch vorhanden sind, gestört wird.

Finde Xardas!

Oder versuche einen Hinweis zu suchen, der dir bei der Suche hilft. Gothic 3 lässt den Spieler relativ alleine am Anfang, keine Hinweise, keine Hilfen, er muss sich selbst zurechtfinden. Veteranen freut es, Einsteiger kommen damit am Anfang schwieriger zurecht. Wenn man aber erst einmal im Spiel ist, fällt es einem nicht mehr so schwer, denn Levelaufstiege sind sehr hochfrequent, das motiviert. Soweit, dass es fast sogar zu weit geht und zu einfach wird. Viele Spieler waren am Ende des Spiels Magier, Nahkämpfer und Jäger in einem und fast unschlagbar. Abhilfe schafft mit dem neuen Patch ein sogenanntes „Alternatives Balancing“. Es handelt sich um eine komplett neue Werteverteilung von Skills, Rüstungen, Waffen und vielem mehr. So kosten die mächtigsten Fähigkeiten nicht alle 5 Lernpunkte sondern teilweise bis zu 30. Außerdem wurden überall sehr viele Abhängigkeiten hinzugefügt, sodass es insgesamt erforderlich ist, sich mehr auf ein Gebiet zu spezialisieren, anstatt ein Allrounder zu sein. Um zum Beispiel Feuerball zu lernen, brauch man Schnelles Lernen, den Feuerball brauch man wiederum für Feuerwelle. Mir hat das gefallen, auch wenn wie zuvor der Magier immer noch viel zu stark ist. Ich habe mir die Befreiung der Welt von den Orks bis zum Ende aufgehoben und habe in ungefähr einer Stunde komplett Myrtana von den Orks und Varant von den Assassinen befreit, das ist eindeutig zu einfach. Wer das neue Balancing nicht mag, kann es vor dem Spielstart auch nicht aktivieren, diese Optionalität ist in meinen Augen sehr lobenswert. Allgemein gesehen ist das Charaktersystem von Gothic 3 immer noch super, es gibt zahlreiche Möglichkeiten zu skillen, welche sich auch deutlich auf die Spielweise auswirken.

Und auf welcher Seite bist du?

Eine spezifische Festlegung auf eine bestimmte Fraktion, wie noch im Vorgänger gibt es nicht, alle Fraktionen, egal ob Rebellen, Orks, Assassinen oder Nomaden, geben Aufträge. Und hier liegt eine entscheidende Schwäche: Man hat das Gefühl, dass das Handeln die Welt nicht beeinflusst. Man kann zwei Städte von den Orks befreien und am Ende immer noch für die Orks kämpfen und die Rebellenlager auslöschen. Anderes Beispiel: Aus Silden sind einige Sklaven entlaufen. Der Rebellenführer im Wald möchte gerne, dass wir sie zu ihm bringen, der verantwortliche Ork möchte, dass wir sie töten. Normalerweise sollten das zwei konkurrierende Quests seien, die nicht gleichzeitig zu lösen sind. Es ist aber möglich, die Sklaven zum Rebellenlager zu bringen, die Belohnung abzusahnen, dann anschließend sie durch Bedrohung mit der Waffe einzeln herauszulocken und sie zu töten, dann zum Ork gehen und ein zweites Mal eine Belohnung zu holen. Es gibt konkurrierende Quests, besonders bei den Befreiungsquests, und auch bei der Hauptquest, allerdings gibt es zahlreiche Beispiele wie oben, wo man beides machen kann. Fatal ist es dann vor allem, wenn einer der beiden Lösungswege schlechter ist als der andere. In Ben Erai schmiedet Vasco einen Plan, um Sancho hinters Licht zu führen. Wenn man dies unterstützt erhält man insgesamt 1500 Erfahrung und 500 Gold. Verpetzt man Vasco, kriegt man hingegen nur 200 Gold, ein krasser Unterschied.
Das sind allerdings Kleinigkeiten, wenn man sich die Gesamtheit des Questsystems anschaut. Im Großen und Ganzen sind die Quests gelungen, sie sind abwechslungsreich und spannend. Ausgerechnet für die Hauptquest gilt das allerdings nicht uneingeschränkt. Denn nach dem „Finde Xardas“ vergeht eine lange Zeit erst einmal gar nichts. Gegen Ende nimmt die Story jedoch noch einmal an Fahrt auf und wird richtig spannend.

Dummes Rumgeklicke

Dass das Kampfsystem antiquiert ist, merkt man schon beim Eröffnungskampf in Ardea. Wenn man von riesigen Gegnern wie Trollen absieht, reicht meist stures, dumpfes Dauergeklicke um zum Ziel zu kommen. Das dachten sich wohl auch die Entwickler des Community Patches und haben eine neue Kampf K.I. entwickelt. Diese bewirkt aber nicht den gewünschten Effekt, denn Tiere und nach meinem subjektiven Empfinden auch menschliche Gegner weichen jetzt nicht mehr so oft zurück und greifen wenn sie in „Raserei“ (nachdem man Tiere öfters hintereinander trifft) sind, munter an ohne zurückzuweichen. In Kombination mit dem schwachen Helden am Anfang macht das jeden einzelnen Gegner zur Tortur, in Ardea bin ich beim Orkkampf am Anfang mindestens zehn Mal umgefallen. Das wiederum macht Fernkämpfer und Magier deutlich attraktiver gegenüber dem Schwertkämpfer, weswegen ich nicht empfehle, die neue Kampf K.I. einzuschalten. Dass Magier bei den Gegnern auch deutlich stärker sind, merkt man daran, dass ein Goblin-Schamane, welcher mickrige 70 Erfahrungspunkte bringt, aufgrund seines Feuerballs und des unendlichen Manavorrats deutlich gefährlicher ist als ein Schattenläufer, welcher immerhin 300 Erfahrungspunkte bringt.

Endlich nahezu bugfrei

Aber wie sieht es denn nun mit den Bugs aus? Wenn man mal einen krassen Vergleich haben möchte, kann man die ungepatchte Originalversion für ein paar Stunden spielen (sofern man es schafft), anschließend spielt man mit dem CP 1.7. Das Spiel war schon mit Patch 1.12 von den schlimmsten Bugs befreit, jetzt erst allerdings kann man sagen, dass es ein fertiges Spiel ist. Einige Abstürze gibt es immer noch, kleine Logikfehler (NPCs gehen immer noch gerne durch Wände) und Ähnliches gibt es auch noch, allerdings ist es im Großen und Ganzen fehlerfrei und einwandfrei spielbar.

Schon etwas angestaubt

Die Grafik war beim Erscheinen nicht weltklasse, aber sehr gut, 2009 wirkt sie allerdings etwas veraltet. Polygonarme Modelle und nicht mehr ganz zeitgemäße Animationen stehen allerdings der immer noch fantastischen Landschaft, mit ihrer tollen Grasdarstellung, besonders in Myrtana gegenüber. Der Patch hat allerdings auch einige Modelle überarbeitet und die Beleuchtung ist ebenfalls optimiert, es sieht deutlich besser aus als vorher. Eine Sache ist aber sehr hässlich: Objekte in weiter Ferne werden sehr unscharf dargestellt, was völlig in Ordnung ist, überschreiten sie eine gewisse Nähe werden sie schärfer. Dies führt allerdings dazu, dass wenn man sich Objekten wie Bergen nähert, sie wie von einer unsichtbaren Wand überzogen werden die ihnen eine neue Textur verleiht.
Soundtechnisch gibt es nichts zu bemängeln. Der wunderbare Soundtrack passt immer noch perfekt zu dem Spiel, für jedes Gebiet gibt es die eigene passende Musikuntermalung, die immer noch dank der orchestralen Herkunft sehr toll klingt. Die Sprecher sind durchweg auch gut, das einzige Manko wäre die auf Dauer etwas auf die Atmosphäre drückende Wiederholung der Sprecher, allerdings ist das schwer zu verhindern, bei einem derartig großen Spiel.

Fazit

Gothic 3 ist groß, gewaltig und vielfältig. Das war es schon immer. Neuerdings ist es ebenfalls nahezu fehlerfrei, besser ausbalanciert und etwas schöner. Ein Meisterwerk ist Gothic 3 sicherlich nicht, dafür hat es zu viele Mängel. Aber es sind fast alles eine bestimmte Sorte von Mängeln und zwar Vernachlässigbare nach meiner Ansicht. Die Hauptstory mag etwas dünn sein, das Kampfsystem schmerzt auch ein wenig, hier und da hätte man noch gut einiges verbessern können. Aber dem gegenüber steht ein Spiel, was in dem, wo es glänzen soll, nämlich in der Erschaffung einer glaubwürdigen, großen Spielwelt mit unzähligen Möglichkeiten der Charakterentwicklung, tausenden Items gute Leistungen erbracht hat. Wenn ich darüber nachdenke, finde ich die Mängel schon fast alle traurig, weil das Spiel so viel Potenzial verschenkt hat. Es hätte ausgezeichnet werden können, wenn der nötige Feinschliff noch da wäre, der die kleinen und teilweise auch größeren Mängel entfernt hätte. Was bleibt, ist allerdings immer noch ein tolles Spiel, welchem Rollenspielfans unbedingt mit dem neuen Patch eine Chance geben sollten. Denn Gothic 3 habe ich durchgespielt, es hat mir Spaß gemacht, auf welchen es fernab von Wertungen, welche Mängel nun mal bestrafen, sehr ankommt. Oblivion, damals direkter Konkurrent, habe ich direkt davor gespielt, und nicht durchgespielt, denn nach einer Weile konnte ich die kalte immer gleiche Welt nicht mehr sehen. Das ist der Hauptpunkt, welchen Gothic 3, um Welten besser macht, denn bei allen mechanischen Fehlern, wie dem Kampfsystem oder dem Questsystem, ist es in der Güte der Spielwelt bis heute immer noch ein Meilenstein.
Eine Empfehlung noch für alle, die jetzt das Spiel anfangen möchten: Nahezu zeitgleich zum CP 1.7 ist Humanforces Questpaket 3 erschienen, welches zahlreiche, vertonte Quests hinzufügt und auch spielerisch einige Sachen ändert, zum Beispiel kann man sich für 350000 einen Ruf Bonus erkaufen, um Nach Ishtar zu kommen, es gibt neue Texturen, Gegenstände und vor allem wurden die Namen der NPCs geändert. Aus „Sklaven“ werden unzählige Formen wie „Sklave aus Khorinis“, „Versklaver Schürfer“, „Versklavter Soldat“ und das bei jeder Gattung NPCs, seien es Assassinen, Bauern oder Rebellen. Das verleiht dem Spiel sehr viel mehr Atmosphäre, als wenn man die immer gleichen Standardbezeichnungen sieht. Zusammenfassend ist das QP3 schon fast Pflicht für alle, die Gothic 3 jetzt noch einmal anfangen, zumal es keine negativen Auswirkungen hat.

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Wertung
Pro und Kontra
  • Grafik: Sehr schöne Landschaft, Beleuchtung, Tagesablauf
  • Sound: Exzellente orchestrale Untermalung, tolle Sprecher
  • Balance: Recht ausgewogen, Alternatives Balancing
  • Atmosphäre: Wunderschöne, stimmige Welt
  • Bedienung: Makellose Steuerung, mit Patch viel mehr Komfort
  • Umfang: Sehr lange Spielzeit, hoher Wiederspielwert
  • Quests/Handlung: Größtenteils tolle, abwechslungsreiche Quests
  • Kampfsystem: Viele Möglichkeiten des Kampfes
  • Charakter: Unzählige Möglichkeiten, gezieltes Vorgehen
  • Items: Tausende Items, selber herstellbar, Sammelsucht
  • Grafik: Hässliches Scharfwerden, polygonarm, etwas kantig
  • Sound: Wiederholen sich ein klein wenig zu oft
  • Balance: Magier viel zu stark, Einstieg relativ schwer
  • Atmosphäre: Kleinere Fehler, Handeln hat wenig Auswirkung
  • Bedienung: Inventar etwas fummellig, Karte könnte besser sein
  • Umfang: -
  • Quests/Handlung: Hauptquest lahm, zu wenig Konkurrenz bei Quests
  • Kampfsystem: Dumpfes Geklicke, Fernkämpfer weit überlegen
  • Charakter: Einige Talente überflüssig
  • Items: -

Zusätzliche Angaben

Schwierigkeitsgrad:

eher schwer

Bugs:

Nur sehr wenige

Spielzeit:

Mehr als 100 Stunden



Kommentare(3)

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