Horror kann ganz schön eklig sein.

Die USG Ishimura. Riesig, beeindruckend, das größte Abbauschiff seiner Klasse. Und wir dürfen das Ding aufgrund eines defekten...

von Bakefish am: 06.10.2013

Die USG Ishimura. Riesig, beeindruckend, das größte Abbauschiff seiner Klasse. Und wir dürfen das Ding aufgrund eines defekten Kommunikationsarrays reparieren. Klingt einfach, solls auch sein. Wird’s aber nicht.

Unsere Crew, fünf Leute: Der Spieler selbst, Isaac Clarke, gelernter Ingenieur und Mechaniker, der Sicherheitsoffizier Zach Hammond, eine Technikerin namens Kendra Daniels und zwei Sicherheitswachmänner. Für sie alle soll ein ganz normaler Arbeitstag des 26. Jahrhunderts beginnen. Doch schon, als wir auf den Stolz der Planetcracker-Klasse (so werden solche Schiffe genannt, welche fachgerecht Planeten auseinanderlegen, um an ihre Ressourcen zu gelangen) zufliegen, imposant vom dahinter liegenden Stern bestrahlt, wird klar, dass etwas nicht stimmt. Auf dem gesamten Schiff brennt kein einziges Licht, niemand antwortet, und spätestens, als uns der defekte Traktorstrahl zum Verhängnis wird und wir mit voller Wucht in den Hangar des Schiff hereinbrettern, aber niemand sich daraufhin meldet, wird das Nervositätsgefühl aktiviert. Etwas muss passiert sein. Was, das erfahren wir nochmal fünf Minuten später, als die Crew plötzlich von irgendwelchen widerwärtig mutierten Kreaturen angefallen wird  und die zwei Wachmänner in Stücke gerissen werden (ja, das Spiel ist unzensiert in Deutschland erschienen!). Panisch ergreifen wir die Flucht und schneiden uns so den Weg zur restlichen Crew ab. Und der Wahnsinn nimmt seinen Lauf.

Tja, damit hat wohl keiner gerechnet. Jene Kreaturen, auch „Nekromorphen“ genannt, das ist die Crew. Von einem Alien-Virus befallen und zu solch ekelhaftesten Geschöpfen mutiert, dass selbst der gute Darwin höchstpersönlich nochmal über seine Evolutionstheorie nachdenken muss. Soviel dazu, komme ich mal zum eigentlichen Test.

Die Story

Recht schnell hat die Crew einen Entschluss gefasst: Weg hier! Was sich jedoch als recht schwieriges Unterfangen erweist, da auf dem Schiff nichts, wirklich gar nichts mehr funktioniert. Doch dafür sind Ingenieure ja da.

Während unserer Reise durch die verschiedenen Abschnitte des Schiff erfahren wir mithilfe von Audio- und auch schönen Videologs mehr über die Geschehnisse vor unserer Ankunft- auf dem Planeten hat die Schiffscrew der Ishimura einen so genannten Marker entdeckt, ein uraltes außerirdisches Artefakt, gleich einem, welches im 22. Jahrhundert auf der Erde abstürzte und somit ohne Zweifel die Existenz außerirdischer Wesen bewies. Die Crew aktivierte diesen während der Abbauarbeiten, was dummerweise auch eine dort unten nistende Lebensform erweckte, welche sich dann munter und fröhlich unter die Crew mischte. Die begingen dann alle konsequent Selbstmord und erwachten einige Zeit danach dann wieder. Nur in anatomisch etwas anderer Form. Dann ging natürlich alles schief, was man auch auf dem Schiff sieht. Durch all diese Ereignisse, dem über allem schwebenden Tod und der Gewissheit, selbst so ein Vieh zu werden, wenn man es nicht schafft, wird auch unsere Crew mit fortlaufender Handlung zunehmend gereizter und hysterischer. So wird die menschliche Psyche hervorragend inszeniert, auch ergänzt dadurch, dass Isaacs Ex-Freundin sich ebenfalls auf dem Schiff befindet.

Kaum ein anderer Shooter kann mit so einer dicht erzählten Story protzen wie Dead Space. Diese erweist sich so auch als sehr wichtig. Spieler, die also einfach nur ballern wollen, haben mit Dead Space keinen Spaß.

Gameplay

Dead Space macht sehr viele Dinge anders als andere Shooter. Das bis heute bekannteste Merkmal liegt darin, den Gegnern die Gliedmaßen abzuschießen, um sie so besser zu stoppen. Mit einem einfachen Kopfschuss ist es also nicht getan. Schießt man den Gegnern die Beine ab, kriechen sie nur noch. Verlieren sie den Kopf, hauen sie ziellos mit ihren Scheren durch die Gegend. Vorsicht also!

Apropos Gegner- mit dem weiteren Spielverlauf werden uns immer weitere Gegnertypen präsentiert, der eine ekelhafter als der andere, jeder mit seinen Spezialfähigkeiten. Ob mutierte Babys, welche uns mithilfe ihrer knorpel-verschießenden Tentakel auch aus der Distanz angreifen können, Nekromorphen, welche noch kleinere preisgeben, wenn wir sie an der falschen Stelle beschießen oder fette, unbeholfene, aber sehr starke Minibosse. Diese können teilweise auch in einer Nahkampfattacke angreifen, welche wir mittels wiederholten Drücken auf die E-Taste abwehren. Sieht zwar erst cool aus, aber mit der Zeit wird es recht schnell nervig, da die Szene, die dann zeigt, dass Isaac stirbt, mindestens zehn Sekunden dauert. Herrgott, Spiel, ich weiß doch, dass ich tot bin, wieso reibst du mir das noch unter die Nase?

Witzig sind auch die Waffen, welche wir im Spiel erhalten. Anfangs erhalten wir einen „Plasmacutter“, eine industrielle Mineralfräse, welche sich auch recht schnell als ziemlich effektive Waffe herausstellt. Im weiteren Verlauf können wir Schemata aufsammeln, welche uns an den Shops noch mehr Waffen zur Verfügung stellen, wie eine Industriesäge, einen Flammenwerfer oder ein schlichtes Maschinengewehr. Etwas ganz Besonderes ist hierbei auch die Stasekanone, welche beim Abschuss ganze Gegnergruppen für kurze Zeit verlangsamt, wodurch man besser zielen kann. Wiederaufladen kann man sie aber auch nur an entsprechenden Stasestationen.

An Werkbanken kann man sein gesamtes Inventar aufbessern, ob uns der Anzug nun mehr Lebensenergie zur Verfügung stellt oder unsere Waffen mehr Bumms bekommen sollen. Upgraden tun wir dies mit Energieknoten, welche man sich entweder kaufen kann oder im Spiel findet. Ein kleines bisschen Rollenspiel ist das- vergrößert man lieber das Magazin des Plasmacutters oder gibt man der Laserkanone eine kürzere Aufladezeit? Es ist ganz dem Spieler überlassen.

Was auch schnell auffällt, ist, dass wir über kein HUD verfügen. Die Lebensenergie von Isaac sieht man an einem Schlauch, der an seinem Rücke entlangläuft, die Munitionsanzeige wird eingeblendet, wenn wir die Waffen anvisieren und die Menüs, welche unser Inventar, eine Karte und Ansammlung aller Audiologs beinhalten, werden als Hologramme eingeblendet. Das sieht ziemlich cool aus und gibt dem Spiel einen richtig futuristischen Touch.

Wo wir schon bei Inventar sind- mit der Belegung muss man vorsichtig sein. Munition und Medipacks verbrauchen Inventarplätze, welche vor allem am Anfang des Spiels sehr rar sind. Dummerweise kann man die Schemata dann nicht mehr mitnehmen, da diese zusätzlichen Platz verbrauchen. So steht man also vor der Frage: Riskiere ich für mein freies Inventar die knappe Munition oder rüste ich mich bis an die Zähne, aber auf Kosten fehlender Medipacks und Schemata?

Während unserer Reise betreten wir auch manchmal schwerelose Räume oder gar das Vakuum. In solchen Abschnitten springen wir mithilfe unserer Schwerkraftstiefel von Wand zu Wand, müssen dabei aber auch den begrenzten Sauerstoffvorrat im Auge behalten. Schwieriger wird’s dann, wenn wir auch noch Gegner bekämpfen müssen. Auch kann man vor allem in verzeigteren Gegenden schnell mal die Orientierung verlieren, doch glücklicherweise verfügt Isaac über ein Ortungsgerät, welches die Wegrichtung zum Ziel zeigt.

Einen großen Negativpunkt gibt es allerdings, welcher in der Steuerung liegt. Bei angeschaltetem V-Sync dehnt sich die Steuerung wie Kaugummi, was gerichtetes Laufen und Zielen vor allem in Kampfsituationen erschwert. Daher immer V-Sync abschalten!

Atmosphäre

Alleine in dunklen Gängen. Die erdrückende Stille des Weltalls. Keine Möglichkeit zu entkommen. Das ist etwas, was kaum ein anderer Shooter bieten kann. Die Soundkulisse trägt wesentlich zum Spielgefühl bei. Ob man nun ein verdächtiges Rumpeln in den Lüftungsschächten hört oder das Flüstern von Stimmen aus dem Nirgends: Dead Space macht richtig Angst oder sorgt zumindest für ein ungutes Gefühl in der Magengegend. Springt plötzlich ein Nekromorph aus dem Schacht an der Decke, vergisst man vor lauter Schreck manchmal, die Waffe abzufeuern. Isaacs Einzeltrip durch alle möglichen Schiffsbereiche vergisst man dadurch nicht so schnell. Durch einige Minispiele wie dem Zusammenfügen einiger noch intakter Parabolantennen zum Senden eines SOS-Signals wird das Ganze zum Glück noch etwas aufgelockert.

Das Design des Schiffs könnte einige Psychologen verwundern, da man sich echt fragt, wie man es selbst in einer 1000köpfigen Crew durchhalten soll. Enge Gänge, das Licht flackert, alles mit Blut beschmiert oder organische Wucherungen, die sich an den Wänden festgesetzt haben- die Psyche des Spielers wird dabei ordentlich auf die Probe gestellt. Doch gerade das macht es ja spielenswert.

Grafik

Da Grafik unwichtig ist, fasse ich mich kurz: Selbst vier Jahre nach Release sieht das Spiel aufgrund der Licht- und Schatteneffekte immer noch gut aus, doch Matschtexturen und Detailarmut trüben das Bild.

Fazit

Es sein recht schnell gesagt: So etwas Einmaliges wie Dead Space findet man nicht wieder. Die unglaublich dichte Atmosphäre, die Horroreffekte und vor allem die brillante Story machen Dead Space zumindest für einen Horro-Fan zum absolutem Pflichtkauf!

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Wertung
Pro und Kontra
  • Geniale Story
  • Ekelhafte Gegner
  • Gut balanciertes Upgrade-System
  • Schaurig-düstere Atmosphäre
  • Dunkler Zukunftslook
  • Herausforderung für die Psyche
  • Teils undynamisch
  • Nervige E-Taste-Hämmer-Sequenzen

Zusätzliche Angaben

Schwierigkeitsgrad:

genau richtig

Bugs:

Nein

Spielzeit:

Mehr als 20, weniger als 40 Stunden



Kommentare(2)

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