Im Weltall hört dich niemand schreien

Zugegeben dieser Spruch ist nicht unbedingt neu, zierte er doch das Filmplakat des ersten Alien Streifens. Aber EA hätte dieses Credo durchaus auf die eigene...

von Horst_Sergio am: 12.05.2009

Zugegeben dieser Spruch ist nicht unbedingt neu, zierte er doch das Filmplakat des ersten Alien Streifens. Aber EA hätte dieses Credo durchaus auf die eigene Fahne schreiben können, denn Dead Space katapultiert sich mal eben an die Spitze der Horror-Action Spiele.

Der Horror

Ich verkörpere Isaac Clarke, einen Mechaniker in ferner Zukunft, der als Mitglied einer kleinen Crew unterwegs zur USG Ishimura ist. Jenes ist ein riesiges Raumschiff, das gleichzeitig den Schauplatz des Spiels darstellt. Eigentlich ist es auch nur ein Routineeinsatz, denn der Kontakt zur USG Ishimura ist abgebrochen und man will mal nach dem Rechten schauen und ein paar Wartungsarbeiten erledigen. Soweit klingt das auch recht bekannt. Wer Alien 2 oder Event Horizon gesehen hat, der weiß allerdings auch: Ein Routineeinsatz und eine, sich nicht meldende Besatzung - das riecht nach Ärger.

Ich klettere nach einer ordentlichen Bruchlandung zusammen mit der weiteren Crew aus dem Shuttle, von dem nicht mehr allzu viel übrig ist. Kein Empfangspersonal, kein Anzeichen von Leben. Nichts, obwohl auf der überdimensionierten, fliegenden Erzmine eigentlich hunderte Menschen herumirren sollten. In der Empfangshalle angekommen, werde ich dann auch gleich von meiner Crew getrennt und erlebe den ersten Schock-Effekt, als erst das Team und dann ich selbst von abscheulich-entstellt aussehenden Kreaturen angegriffen werde. Mir bleibt nur eine panische Flucht, denn vorerst bin ich unbewaffnet und ziemlich unbeholfen im Umgang mit der Spielmechanik.

Der Terror

Der Einstieg ging mir fast schon zu schnell und das schlimme ist, es gibt keine Pause zum Durchatmen. Noch schlimmer ist, ich habe die, aus dem ersten Otto-Film bekannten, drei Probleme: keine Waffe, keinen wirklichen Plan und das Gefühl, im falschen Heldenkörper gefangen zu sein. Ein Serious Sam hätte der Bedrohung wahrscheinlich nur ins Gesicht gelacht, aber ein Mechaniker? Im Verlauf des ersten Levels werde ich nach und nach mit der Steuerung und den besonderen Features von Isaac's Anzug vertraut gemacht und erhalte nebenher Informationen, daß irgendwas Außerirdisches in die Ishimura gelangte, die Besatzung tötete und die Leichen zu diesen Kreaturen mutieren ließ. Stets lauert die Gefahr, von allen Seiten attackiert zu werden. So marschiere ich nur äußerst zaghaft und mit andauerndem Kribbeln im Magen vorwärts.

Zu den Anzug-Features gehört ein Stasis-Modul, mit dem ich je nach Energie, sowohl Gegner als auch Maschinen verlangsamen kann, was in manchen Situationen einen Hauch von Rätseleinlagen ins Spiel einbringt. Außerdem bin ich später im Besitz eines Kinesis-Moduls, das es mir erlaubt, Gegenstände zu bewegen und das ebenso benötigt wird, um diverse Aufgaben zu erledigen. Auch bekomme ich eine Waffe. Eigentlich ist dieser Blaster nicht vielmehr als eine Art Luftdrucktacker mit Laser Boltzen, aber es reicht vorerst, um die Gegner sprichwörtlich in Stücke zu zerlegen, zumal ich diesen nach und nach aufrüsten kann. Hin und wieder finde ich sogenannte Power-Nodes, die ich zum Aufwerten meiner Waffen und des Anzugs an einer Werkbank verarbeiten kann. Hier sind dem Bastelspaß für nebenbei kaum Grenzen gesetzt, allerdings sollte man genau überlegen, wie man die raren Power-Nodes verarbeitet. An vereinzelten Shop-Terminals kann ich mir mit gefundenen Credits neue Waffen, Munition, bessere Anzüge und Heilpakete kaufen. Allerdings sind diese Shops und Werkbänke eher spärlich gesäht.

Der Schrecken

Die Level sind zwar liniar aufgebaut, die verschiedenen Areale bieten aber, außer düsteren Gängen dennoch reichlich optische Abwechslung, einen wirklich angemessenen Umfang und spannende Aufgaben. Zum Beispiel muß ich in einem riesigen Gewächshaus Gift versprühende Aliens vernichten, welche die knappe Luft im Raumschiff verpesten. Sehr gelungen sind auch die Szenen im luftleeren Raum und in schwerelosen Abschnitten. Obwohl ich einige Level, wie die Brücke oder den Dock mehrmals während des Spiels ansteuere, stellt sich keine Langeweile oder Abnutzung ein.

Ein starres Interface sucht man vergebens. Die Energieangeige ist beispielsweise in den Anzug von Isaac eingearbeitet, die Munitionsanzeige erscheint direkt an der gezückten Waffe. Die Steuerung ist zunächst etwas gewöhnungsbedürftig. An einen Konsolen-Schleichshooter angelehnt, muß ich beispielsweise die rechte Maustaste gedrückt halten, um zu zielen und mit der linken Taste feuern oder mit der Leertaste die Sekundärfunktion anwählen. Hat man sich die Steuerung erst mal verinnerlicht, funktioniert sie allerdings einwandfrei. Überhaupt ist es somit von Vorteil, daß Isaac eher ein gemütlicher Fußgänger, als ein Sprinter ist. Die Rückansicht und die frei schwenkbare Kamera garantieren zwar nicht immer die beste Übersicht, in den plötzlichen Gefechten steigert das wiederum die Intensität.

Die Gegner, 'Necromorphs' genannt, sehen nicht nur ungemein ekelig aus, sondern gehen auch mit gnadenloser Aggression vor. Besondere Schläue erwartet man von solchen Kreaturen nun nicht unbedingt, aber den Geschossen weichen sie ebenso aus, wie wenn ich mit dem Fuß drauftreten will. Ganz blöd sind sie also nicht. Die 'Dismemberments' haben hier nicht nur den plumpen Splattereffekt. Manchen Gegnern kann man sich nur entledigen, wenn man gezielt die Gliedmaße abtrennt. Ein netter Kniff der Macher, um einmal extra tief in den Eimer mit der roten Plakafarbe zu greifen.

Das Grauen

Von der grafischen Seite weiß Dead Space zu gefallen. Zwar sind die Texturen teilweise nicht unbedingt das Ende der Fahnenstange, aber das Bild eines verwüsteten Raumschiffs ist ungemein stimmig. Dämmeriges Licht, Schatten, Rauch- und Nebeleffekte steigern die Beklemmung und die Farbwahl ist für ein solches Spiel erstklassig. Die Charaktere sehen ansprechend aus und mit den Necromorphs haben die Designer ein paar der ekeligsten Gegner schlechthin entworfen, die mitunter aber etwas stokelig animiert wirken. Aber mit diesen Deformierungen sollen sie auch kaum wie Ballerinas durch die Korridore hüpfen können. Sehr gelungen sind die Physikspielereien in der Schwerelosigkeit, vor allem ausblutende Gegner sowie schwebende Objekte sehen hier einfach herrlich aus.

Der Sound ist als Gesamtwerk schlichtweg das Beste, was ich bislang in einem Spiel gehört habe. Die Musik alleine wirkt schon bedrohlich genug, aber auch die, an Abartigkeit kaum zu übertreffenden Effekte sind einfach nur böse und verstörend. Ob es nun die widerlichen Schreie der Gegner sind, das Poltern von irgendwas, das in einer riesigen Halle aus dem hintersten Winkel hervorschallt, das ohrenbetäubende Röhren von überdimensionierten Maschinen oder das zart abgedämpfte Rattern der Pulse Gun im luftleeren Raum. Die hammerharte Horror Atmosphäre erschafft sich Dead Space vorrangig aus dem Sound und der ist definitiv nicht weniger als eine Blaupause in puncto Gänsehauterzeugung und Blutgefrierung.

Die Angst

Je mehr Schritte in das Ungewisse führen, desto mehr steigt die Spannung. Während andere Spiele dieser Machart sehr schnell zum routinierten 'Schleichen, Gegner abknallen, nachladen und weiterschleichen' verkommen, fährt Dead Space konsequent eine Flut an derben Geschützen in Form von überraschenden Scripts und einem nie dagewesenen Soundgewand auf. Ich hab mich immer für einen recht harten und abgebrühten Hund gehalten, doch Dead Space lockte den Weichling in mir hervor! Ich muß es zugeben, und ich gebe es gerne zu: Bei diesem Spiel hatte ich wirklich Angst und das jedesmal gerne.

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Wertung
Pro und Kontra
  • Grafik: insgesamt sehr stimmig
  • Sound: alles in allem genial
  • Balance: Schwierigkeit steigt angenehm an, nie unfair
  • Atmosphäre: bitterböse und beängstigend
  • Bedienung: Ansicht und Steuerung funktionieren
  • Umfang: 12 Level, Leerlauf geht in dank Atmosphäre unter
  • Leveldesign: große Areale, viel Abwechslung
  • KI: weicht aus, flieht, lebt erstlinig durch Scripts
  • Waffen & Extras: div. Anzüge, Waffen, Module / Upgrades
  • Handlung: filmreife Inszenierung, spannend erzählt
  • Grafik: technisch teilweise altbacken
  • Sound: -
  • Balance: Bosskämpfe etwas zu leicht
  • Atmosphäre: -
  • Bedienung: allerdings erst nach Eingewöhnung
  • Umfang: -
  • Leveldesign: im 2ten Duchgang nichts neues
  • KI: lebt erstlinig durch Scripts - nur Monster
  • Waffen & Extras: knappes Inventar
  • Handlung: -

Zusätzliche Angaben

Schwierigkeitsgrad:

genau richtig

Bugs:

Nur sehr wenige

Spielzeit:

Mehr als 10, weniger als 20 Stunden



Kommentare(8)

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