Luht Luht Luht Luht!

Story? Pah! Dass ein Egoshooter so etwas Banales wie eine Hintergrundgeschichte nicht benötigt, versuchen viele Shooter zu beweisen. Bei den meisten klappt...

von Bakefish am: 22.03.2014

Story? Pah! Dass ein Egoshooter so etwas Banales wie eine Hintergrundgeschichte nicht benötigt, versuchen viele Shooter zu beweisen. Bei den meisten klappt das halt nur nicht ganz… Beispiele will ich an dieser Stelle mal nicht nennen.

Borderlands beweist jedoch, wozu ein Spiel ohne Story imstande sein kann- es ersetzt sie einfach durch den Sammeltrieb. Inwieweit dies klappt und wie gut das Spiel dadurch insgesamt ist, erfahrt ihr in der folgenden Rezension.

Ach ja, die DLCs bewerte ich in diesem Test ebenfalls mit, daher fällt er auch recht lange aus.

 

Irgendwo auf Pandora…

 

… ist etwas los. Nun gut, damit ist die seichte Story nun auch wieder nicht abgeschlossen.

Auf dem Planeten Pandora werkelte einst ein Konzern namens Dahl. Dieser baute auf dem Planeten Iridium ab, ein hochseltenes und wertvolles Metall. Während der Konzern diesen Job mit Zwangsarbeitern erfüllte, suchte er nebenbei noch nach Spuren außerirdischen Lebens, blieb aber erfolglos. Also haute Dahl einfach ab und ließ die Arbeiter zurück. Kurz darauf kam einer seiner Hauptkonkurrenten, der Atlas-Konzern, und suchte weiter. Kurze Zeit später gab es dann Hinweise auf eine so genannte „Vault“ (deutsche Version: Kammer), welche unglaubliche fetten Loot (deutsch: Beute) enthalten soll. Und so ziehen Kopfgeldjäger, Schaulustige und Geldsüchtige nach Pandora, auf der Suche nach jener Vault. Und dabei sind auch vier ganz besondere Charaktere, die wir dann spielen dürfen…

So, das war´s auch schon. Obiger Absatz stellt die gesamte Hintergrundgeschichte dar- und eigentlich auch die Hauptgeschichte. Sämtliche Hauptquests, die wir erhalten, werden in Textform gegeben, nur manchmal sprechen Personen tatsächlich über das so genannte ECHO-Netzwerk mit uns. Was genau wollen sie von uns? Wer sind die überhaupt? Egal, wir jagen der Beute hinterher, der Rest ist unwichtig. Daraus resultiert, dass jede Quest im Grunde nach demselben Muster spielt- Quest A abholen, zum Ort B hinrennen, Quest erledigen, auf dem Wege noch Gegner C,D,E,F und G umnieten und dann wieder zurück. Sonst noch was? Nö.

Warum Borderlands keine Geschichte benötigt, erkläre ich im nächsten Absatz. Wem jedoch ein Spiel ohne Geschichte missfällt, der sollte von Borderlands die Finger lassen.

 

Die Auswahl ist so groß…

 

Ganz am Anfang des Spiels dürfen wir einen von vier Charakteren auswählen. Jeder dieser vier hat einen grundlegenden Skill, „Action-Skill“ genannt. Dies ist seine Hauptstärke, die er im Laufe des Spiels noch weiter ausbauen kann. So gibt es die Klasse des Soldaten namens Roland, welcher ein automatisch auf Feinde schießendes Geschütz auswerfen kann, der Jäger Mordecai hetzt seinen blutlüsternen Vogel (Bloodwing heißt) auf die Gegner, die Sirene Lilith geht für kurze Zeit in eine andere Dimension über, durch die sie unsichtbar wird, keinen Schaden nimmt und schneller ist. Zuletzt bleibt dann noch der Berserker übrig. Dieser Koloss namens Brick steckt in seinem Wutmodus seine Waffen weg und prügelt stattdessen mit seinen Fäusten auf Gegner ein. Diese Modi sind unterschiedlich lange und brauchen nach Benutzung auch immer eine gewisse Abklingzeit, bis man sie erneut einsetzen kann.

Mit DLCs und Patch kann man im Spiel maximal 68 Level erreichen. Ein Level erreichen wir durch das Sammeln von Erfahrungspunkten, welche wir wiederum durch das Abschließen von Quests, Töten von Gegnern und Erfüllen von Herausforderungen erhalten.

Ab dem fünften Level erhalten wir unseren ersten Skillpunkt, mit dem wir unseren Actionskill aktivieren können. Von da aus erhalten wir für jeden weiteren Level jeweils einen weiteren Skillpunkt. Jeder Charakter verfügt über drei Skillbäume, in die er seine hart verdienten Punkte stecken kann. Dabei gibt es pro Skillbaum insgesamt vier Ebenen, in die ersten drei muss man jeweils mindestens fünf Punkte stecken, um zur nächsten zu gelangen (in jeden Skill können wir ebenfalls nur maximal fünf Punkte stecken). Dafür sind diese Skills dann auch mächtiger. So erhöht der Jäger am Anfang den Schaden und die Geschwindigkeit des Vogels, später kann dieser Vogel mehrere Attacken hintereinander ausführen. Der Soldat kann ebenfalls den Schaden seines Geschützes erhöhen und später dann Raketen mit diesem abfeuern.

Eine ganz besondere Art der Skills sind in diesem Spiel auch die so genannten „Kill-Skills“. Diese geben uns einen kurzen, aber mächtigen Bonus, wenn wir einen Feind getötet haben. So kann die Sirene die Abklingzeit ihres Actionskills verkürzen, wenn sie einen Feind getötet hat, der Berserker erhält für kurze Zeit eine massive Schadensresistenz und der Soldat kann einen Teil seines Schildes regenerieren.

 

Lila! Sabber!

 

Haben wir die Einwahl getroffen, geht es zeitgleich zum Spielbeginn auch schon gleich mit dem Sammeln los. Es gibt verschiedene Items, die unsere Charaktere benutzen können.

Der hauptsächliche Fokus wurde dabei auf die Waffen gelegt. Es gibt verschiedene Waffentypen- Sturmgewehre, Scharfschützengewehre, Revolver, Raketenwerfer und noch andere. Jeder Charakter ist auf einige dieser Gattungen spezialisiert. Mit fortschreitender Benutzung werden diese Waffen auch effektiver- so sind Sturmgewehre treffsicherer, Schrotflinten haben eine höhere Feuerrate, Pistolen laden schneller nach. Ist ein Charakter auf irgendeine Waffengattung spezialisiert, erhält er diese Boni schneller.

Dabei spielt auch eine wesentliche Rolle, wer diese Waffe produziert hat. Im Spiel gibt es mehrere fiktive Konzerne, deren Waffen alle irgendeine Besonderheit aufweisen. Waffen, die von Vladof produziert werden, weisen eine hohe Feuerrate auf, Jakobs produziert extrem starke, aber sehr langsam feuernde Waffen, Hyperion hat sich auf „Gerätschaften“ mit hoher Präzision spezialisiert und Maliwan stellt nur Waffen mit Elementalschaden her.

Elementalschaden? Was ist das? Im Spiel kann es hin und wieder mal vorkommen, dass uns Waffen in die Hände fallen, welche Säure-, Schock, Feuer- oder Explosivschaden verursachen. Diese Schadenstypen sind sehr hilfreich im Kampf gegen gewisse Gegnergruppen- Schock zum Beispiel legt feindliche Schilde lahm, Säure ist hervorragend im Kampf gegen gepanzerte Feinde, Feuer röstet alles, was aus Fleisch besteht und Explosionen setzen einen massiven Schaden durch. Jede Waffengattung kann einen der genannten Effekte verfügen.

Abseits von Waffen gibt es noch andere Items, wie Schilde. Diese schlucken Schaden und laden sich eine kurze Zeit danach wieder auf. Auch Schilde können verschiedene Boni aufweisen- einige laden unsere Gesundheit auf, einige machen uns gegen Elementschaden resistenter, einige verfügen einfach nur über eine riesige Kapazität.

Hinzu kommen noch Granaten. Im Laufe des Spiels erhalten wir Granaten-Mods, welche ziemlich witzige Dinge mit den kleinen Wurfbomben anstellen. So können wir Granaten werfen, die sich wegteleportieren, werfen Granten, die bei Explosion noch mehr Granaten freisetzen, saugen mithilfe von Granaten Gesundheit von Feinden ab und addieren diese auf unsere und so weiter und so weiter.

Zuletzt gibt es dann noch Classmods. Diese geben einem bestimmten Charakter immer irgendeinen Bonus, der teilweise auch sehr mächtig sein kann. Sei es eine höhere Feuerrate, mehr Pistolenschaden oder höhere Gesundheit- für jeden ist etwas dabei. Besonders cool sind solche Classmods, die dem gesamten Team einen Bonus geben oder solche, die einige unserer Skills erhöhen können. Das bedeutet, dass wir einen Skill noch weiter ausbauen, obwohl wir die bereits das Punktelimit von fünf in sie hereingesteckt haben. Classmods sind jedoch, wie der Name schon sagt, klassenspezifisch. Finden wir also einen Classmod, müssen wir die entsprechende Klasse sein, damit wir ihn benutzen können.

Selten finden wir auch mal ein Artefakt, welches unserem Actionskill einen bestimmten Elementareffekt verpassen kann. Sehr praktisch, da es den Kampf teils deutlich erleichtern kann.

Bei all diesen Gegenständen gibt es dann noch einen Faktor, der sie wesentlich beeinflusst- der des Seltenheitsgrades. Im Spiel gibt es eine Farbskala, die deutlich macht, wie selten unsere Waffe ist. So finden wir weiß codierte Items in jedem Dreckshaufen, dafür sind sie qualitätsmäßig auch unter aller Kanone. Grüne Items sind schon seltener (allerdings auch sehr häufig zu finden), aber auch besser (ebenfalls nicht viel). Blaue Items sind nicht überall zu finden, dafür aber schon recht stark. Lila gekennzeichnete Items sind schon recht selten und auch ziemlich gut. Die letzte Farbskala, orange, ist ausschließlich Waffen vorbehalten. Diese „legendären“ Waffen sind sehr selten, aber auch unglaublich mächtig und verfügen immer über eine bestimmte Fähigkeit.

Insgesamt soll es im Spiel fast 18 Millionen verschiedene Gegenstände geben. Das liegt auch daran, dass Items immer zufällig herausgeworfen werden und immer aus verschiedenen Teilen zusammengesetzt sind. Wozu führt das? Wir fangen an zu sabbern, wenn wir einen lila gefärbten Gegenstand finden, der den Momentanen an Qualität weitaus übertrifft. Wir jagen den legendären Waffen hinterher. Wir schmeißen die weißen Items weit, weit weg.

 

Sonstiges…

 

Abgesehen von diesem Loot-System gibt es noch einige andere Dinge, die wir aus anderen Shootern nicht gewohnt sind. So sterben unsere Charaktere bei zu starkem Beschuss nicht sofort, für eine kurze Zeit liegen wir dann noch am Boden und müssen, kurz vorm Verbluten, noch einen Feind töten. Haben wir dies geschafft, sind wir vor dem Tod gerettet. Wenn nicht… tja, Pech gehabt, dann „respawnen“ wir an der letzten New-U-Station, bei der wir gespeichert haben.

Im Allgemeinen gibt es im Spiel kein richtiges freies Speichern, wir müssen dafür an eine Speicherstation laufen. Oder wir beenden das Spiel einfach. Dieses System ist zwar etwas gewöhnungsbedürftig, funktioniert aber erstaunlich gut.

Auch sind wir nicht nur zu Fuß unterwegs, sondern auch im Auto- je nachdem, ob wir sie im Gebiet, in dem wir uns befinden, überhaupt benutzen können. Die Autos sind teils bloß etwas zu mächtig geraten- sie sind in der Benutzung kostenlos, wir rempeln selbst die stärksten Gegner in kürzester Zeit über den Haufen, dann regenerieren sie auch noch Gesundheit. Einzig die Kämpfe gegen andere Karossen gestalten sich als nicht allzu leicht.

Auch Feinde gibt es im Spiel wie Sand am Meer. Haben wir es anfangs noch mit einer Menge Banditen (die ehemaligen Zwangsarbeiter) zu tun, spielt auch schon bald die örtliche Fauna gegen uns. Dabei gibt es immer eine große Gruppe von Feinden, die sich dann noch unterteilt. So kämpfen auf Seiten der Banditen normale Schützen, schnellere und stärkere Schützen, die schweren, großen Bruiser und die wahnsinnigen Psychos, die uns im Nahkampf das Leben zur Hölle machen. Schon bald kommen noch hundeähnliche Skags, flugsaurierähnliche Rakks, Krabbenwürmer und noch mehr Gegner hinzu. Besonders fies ist es dann, wenn wir es mit Gegnern zu tun bekommen, die über Elementar-Kräfte verfügen, da sie so deutlich stärker und obendrein noch immun gegen den Elementschaden sind, den sie selbst austeilen. Auch Bossgegner werden uns in rauen Mengen serviert.

Feinde haben dabei eines gemeinsam, nämlich eine potentielle Schwachstelle. Haben wir diese im Kampf getroffen, leuchtet ein rotes „Critical!“ auf und wir setzen deutlich mehr Schaden durch. Bei Menschen beispielsweise ist es der Kopf. In der Hitze des Gefechts kann es manchmal jedoch schwer sein, die ganze Zeit nur auf diese Stelle zu schießen.

Haben wir das Spiel dann einmal durchgespielt, dürfen wir es mit demselben Charakter noch einmal von vorne beginnen- unsere gesammelten Items dürfen wir behalten, allerdings starten Feinde dann in etwa auf demselben Level wie wir und sind deutlich stärker. Die Motivation beginnt so von neuem.

Cool ist im Spiel auch, dass wir Unmengen an Herausforderungen erfüllen können (wie bereits gesagt erhalten wir dadurch Erfahrungspunkte). Diese sind sehr vielfältig zusammengesetzt. Einige dieser Herausforderungen erfüllen wir durch das Töten bestimmter Gegner, durch den Gebrauch bestimmter Waffen, Verkaufen von Gegenständen, Einsammeln von Geld, Abfeuern von Kugeln etc. Allein schon der Drang, diese Herausforderungen zu erfüllen, fesselt ungemein.

 

Spaß mal zwei, drei, vier

 

Natürlich besitzt Borderlands auch einen Mehrspielermodus, dieser weist allerdings kaum Unterschiede im Vergleich zum Einzelspieler auf. Wir laufen halt noch mit unseren Freunden durch die Gegend. Dabei gibt es allerdings einen Unterschied. Da mehr Freunde mehr Feuerkraft implizieren, steigt auch die Anzahl und Stärke unserer Feinde stark an, Teamwork ist also gefragt. An dieser Stelle muss die Gruppe, die zusammenkämpft, sich auf bestimmte Taktiken einigen. Dabei kann der Soldat beispielsweise den Unterstützer geben, der Berserker läuft vorne entlang und prügelt die Gegner zusammen, die Sirene teilt Elementarschaden aus und der Jäger sitzt ganz hinten und verteilt gezielte Schüsse auf die gegnerischen Schwachstellen. Oder man macht es halt anders. Die Belohnung ist, dass die härteren Gegner dann auch deutlich bessere Items herauswerfen.

Unterstützt wird dies auch dadurch, dass wir unseren Freunden wieder aufhelfen können, wenn diese auf dem Boden liegen.

Wenn wir allerdings einfach mal keine Lust haben, mit unseren Freunden zusammen zu spielen, können wir sie auch einfach zu einem Duell herausfordern oder in Arenen gegen sie kämpfen.

Insgesamt gibt es im Mehrspieler nur ein Problem- es kann bei der Verteilung der Beute manchmal zu Streit kommen, da es die Gegenstände, die wir finden, halt nur einmal gibt und diese nicht automatisch an das gesamte Team wandern (bei Geld beispielsweise ist dies so).

Trotzdem würde ich jedem, der sich Borderlands gekauft hat, raten, den Mehrspieler mindestens einmal auszuprobieren, da es mit Freunden zusammen einfach mehr Spaß macht.

 

Lachend durch die Wüste

 

Atmosphärisch gesehen ist Borderlands in meinen Augen schwer zu beschreiben. Die Gebiete, durch welche wir uns bewegen, wirken sehr apokalyptisch gestaltet und dementsprechend negativ. Dieser Fakt wird jedoch durch den extrem schwarzen Humor im Spiel schnell wieder zunichte gemacht. So gut wie sämtliche Menschen, die auf Pandora leben, haben einen an der Klatsche- was man auch sehr schnell merkt. Demzufolge kann es schon gerne mal vorkommen, dass man alleine oder auch zusammen mit Freunden vor dem PC sitzt und einfach nur lachen muss.

Auch das Sammelsystem macht richtig Laune. Wir kriegen Herzklopfen, wenn sich die Waffenkiste öffnet. Und ärgern uns, wenn nur Mist drinsteckt. Wir jauchzen vor Freude, wenn wir eine legendäre Waffe gefunden haben- und stürzen gleich wieder los, denn es könnte irgendwo da draußen ja noch eine bessere Waffe geben.

Eines kann ich jedenfalls sagen: Atmosphärisch ist das Spiel der absolute Hammer und voll gelungen.

 

Comic-Splatter

 

Ein besonderes Merkmal des Spiels liegt auch in der Comicgrafik. Die Cel-Shading-Optik von Borderlands sorgt für einen ganz besonderen Charme und sieht wirklich gut aus.

Wer glaubt, dass man mit dieser Grafik nicht in der Lage ist, Bluteffekte vernünftig darzustellen, liegt allerdings falsch. Da werden Arme und Beine abgetrennt, Köpfe platzen, Blut spritzt- in der unzensierten Version. Wer sich die deutsche holt, muss auf all dies verzichten- und sich obendrein noch die absolut grässlichen deutschen Sprecher antun. Vor allem wegen dieser grausigen Vertonung rate ich jedem, die englische Sprachausgabe mit Untertiteln zu holen.

Recht gut gelungen sind meiner Meinung nach auch die verschiedenen Karten. Zwar bleiben die Grundfarben und Konturen meistens gleich, dennoch gibt es große Felsformationen, tiefe Canyons, Kleinstädte, vermüllte Küsten und frostige Gebirgsränder. Da ist für jeden etwas dabei.

Allerdings kann auch diese Form der Grafik nicht mehr ganz verbergen, dass die Unreal Engine 3 mittlerweile ziemlich in die Jahre gekommen ist- so sieht man oft genug unscharfe Texturen. Nun gut, ich sehe das jetzt nicht als schlecht an.

 

Fazit

 

Borderlands hat es problemlos geschafft, in mir den Jäger-und-Sammler-Trieb wieder auf erleben zu lassen. Stunde für Stunde immer besserer Beute hinterherzujagen, macht einfach Spaß, vor allem im Mehrspieler. Wer dies mag, mit Comicgrafik klarkommt und auf Story auch ruhig mal pfeifen kann, ist mit dem Spiel bestens bedient. Allerdings kann es auch mal vorkommen, dass es nur noch durch diesen Sammeltrieb ausgemacht wird, wodurch es sich manchmal etwas lahm spielt. Auch blöd dabei ist, dass es im Mehrspieler keine vernünftige Verteilung der Beute gibt und so hin und wieder mal ein Streit entstehen kann. Dies führt dazu, dass das Spiel keine 90 Punkte mehr erreichen kann. Einen Riesenspaß macht das Spiel trotzdem.

 

Nun, soviel zum Hauptspiel. Die DLCs fasse ich jetzt jeweils in Kurztexte zusammen.

 

Auf dem Eiland der Zombies

 

In der ersten Erweiterung „The Zombie Island of Dr.Ned“ geht es darum, dass ein mysteriöser Dr. Ned (der Bruder von Dr.Zed aus dem Hauptspiel) ein paar ziemlich kranke Experimente an Menschen durchgeführt hat (Stichwort: „I just wanted to help!“), was im Ausbruch einer üblen Zombieepidemie resultierte. Tja, Zeit für uns, da mal sauberzumachen.

Insgesamt betrachtet hat sich an den Grundmechaniken des Spiels nichts getan bzw. es ist nichts geändert worden. Nach wie vor jagen wir der besseren Beute hinterher und schnetzeln uns dabei durch Unmengen von Zombies. Während des Durchspielens gibt es immer wieder Parallelen zu anderen Zombiespielen oder auch –filmen. Das dürfte wieder für den einen oder anderen Lacher sorgen.

Kurzum: Die Story bleibt insgesamt schwach und tritt wie im Hauptspiel in den Hintergrund. Auch gibt es keine neuen Gegenstände. Wer jedoch auf Zombies, halloweenähnliche Gebiete und noch mehr düsteren Humor abfährt, wird sich an diesem DLC laben.

 

Kein Ende nehmend- ARENA!!!!

 

Im zweiten DLC „Mad Moxxi´s Underdome“ geht es, wie die Überschrift schon sagt, um fette Arenakämpfe. Die sehr nymphomanische Betreiberin des Ganzen, Mad Moxxi, sucht dabei auch nach einem Ehemann. Was aber wieder im Gemetzel untergeht.

Ein wesentlicher Punkt, der mir sehr gefallen hat, ist die Implementierung einer Bank. Hier können wir Waffen, die wir momentan nicht benötigen, einfach in einen Safe packen und irgendwann später wieder abholen. So wird das Inventar entlastet.

Insgesamt gibt es drei große Arenen, dabei müssen wir in jeder mindestens fünf Runden absolviert haben. Jede Runde setzt sich wiederum aus fünf Wellen zusammen. Angefangen bei der Startwelle geht es schon bald über die Waffenwelle, Die Hordenwelle, dann kommt die BadAss-Welle und zuletzt wird dann immer ein zufällig ausgesuchter Miniboss aus dem Hauptspiel in die letzte Welle gesetzt.

Mit jeder weiteren Runde werden Gegner stärker. Bald kommen auch noch bestimmte Einflussfaktoren zum Kampf hinzu. So werden Feinde beispielsweise schneller, die Gravitation nimmt ab oder eine bestimmte Waffengattung setzt mehr Schaden durch, während alle anderen Gattungen an Stärke verlieren.

Haben wir die fünf Runden in jeder Arena durchgespielt, gibt es als Belohnung einen zusätzlichen Skillpunkt. Und danach geht´s dann richtig los, dann dürfen wir noch einmal in die Arena, allerdings müssen wir uns dann durch ganze zwanzig Runden schnetzeln. Das dauert lange, ist anstrengend und erfordert gute Teamarbeit, macht aber extrem viel Spaß.

Arena- und Actionfans werden mit diesem DLC jedenfalls richtig viel Spaß haben. Auch die Neuerung mit der Bank hat mir sehr gefallen. Wer jedoch großartige Neuerungen im Sinne von neuen Gegnern oder einer besseren Story erwartet, wird hier leider enttäuscht.

 

OH MEIN GOOOOOOTT! CYAN!

 

Das dritte DLC „Secret Armory of General Knoxx“ bringt uns in eine völlig neue Gegend. Vorsicht, im nächsten Absatz erkläre ich die Story, da wird es einige Spoiler im Bezug zur (sehr dünnen) Hauptstory geben.

Das Knoxx-DLC knüpft direkt an das Ende des Hauptspiels an- kaum haben wir die Crimson Lance, vernichtet, schwört der Atlas-Konzern uns bittere Rache und hetzt noch mehr Soldaten nach Pandora. Glücklicherweise gibt es ein ehemaliges Crimson-Lance-Mitglied, welches sich von dieser losgesagt hat und uns nun im Kampf unterstützt. Dabei spielt eine gewisse Waffenkammer der Crimson Lance eine entscheidende Rolle; denn bevor wir sie hochjagen und Atlas für alle Zeiten loswerden wollen, gibt es ja noch die Möglichkeit des Ausraubens…

Erstmalig setzt Borderlands auf eine halbwegs gut erzählte Geschichte- nicht nur, dass das Knoxx-DLC eine deutlich spannendere Geschichte bereithält, es erzählt sie auch besser. Somit hat man in dieser Geschichte deutlich mehr Spaß als im Hauptspiel. Auch die Charaktere, neue wie alte, werden deutlich besser dargestellt. Vor allem der sehr griesgrämige General Knoxx dürfte für jede Menge Lacher sorgen.

Auch gameplaytechnisch bietet das Spiel einige Neuerungen. So gibt es eine Menge neuer Gegner, hauptsächlich Crimson Lance-Soldaten, die nun über bessere Elementartechnologie verfügen, mit Jetpacks angeflogen kommen oder sogar als Sanitäter aktiv werden.

Auch Fahrzeuge gibt es drei neue- einen extrem schnellen Racer, das langsamere Monster und einen Wagen der Crimson Lance, in welchem auch erstmals alle vier Spieler Platz nehmen können.

Eine ganz besonders interessante Neuerung dürfte jedoch in der Implementierung einer ganz neuen Waffengattung liegen- die Pearlescents. Diese Waffen besitzen einen cyanen Farbcode und sind noch seltener als legendäre Waffen- aber auch unglaublich mächtig. Und so geht die Jagd nach dem Loot weiter. Ganz cool dabei ist: Mit diesem DLC gibt es erstmals einen richtigen Raid-Boss…

Fazit: Viele neue Feinde, große Karten, neue Waffen, lange Spielzeit, die Fortführung des unglaublich bösen Humors und eine gute Story- genau so muss ein DLC aussehen. Addiert man noch die Anhebung der Levelgrenze auf 61 hinzu, ist dieses DLC ein absoluter Pflichtkauf für jeden Borderlands-Fan.

 

Robocop wäre neidisch.

 

Das letzte DLC „Claptrap´s New Robot Revolution“ spielt nach den Ereignissen des Knoxx-DLCs. Die Hyperion-Corporation hatte für kurze Zeit jegliche Vault-Hunter (also Kammerjäger) zu Feinden erklärt, weil sie Angst um ihre Waffenverkäufe hatte. Also haben sie den kleinen, süßen Claptrap des Hauptspiels so umprogrammiert, dass er den vier Hauptspielern indirekt in den Rücken fallen sollte. Eigentlich lief das Ganze auch recht gut… bis Claptrap merkte, was mit seinen Freunden gemacht wurde und eine Robolution ins Leben rief, die gegen alles gerichtet ist, was aus Fleisch zusammengesetzt ist. Und wer muss da ranklotzen? Richtig, wir natürlich.

Auch das letzte DLC erzählt die Geschichte auf spannendere Art und Weise als das Hauptspiel und serviert jede Menge an derbem Humor. Sonstige Neuerungen gibt es aber kaum- die einzig neuen Gegner sind einige Claptrap-Arten, ansonsten wurden sämtlichen anderen Gegnern Dioden auf den Kopf gesetzt und sie tragen ein „-trap“ hinter ihren Namen. Dabei hat Gearbox sogar die Endgegner der vorherigen DLCs genommen und eingesetzt. Inwieweit das jetzt gut oder schlecht ist… nun ja, Geschmackssache. Neue Items gibt´s keine. Dafür wurden erneut neue Gebiete zusammengeschustert.

Eine gute Story und jede Menge Humor sind die wesentlichen Stärken des letzten DLCs. Weitere Neuerungen gibt es dafür keine. Für Borderlands-Fans ist es trotzdem empfehlenswert.

Insgesamt betrachtet bringen die DLCs sinnvolle Neuerungen ein, wenn auch nicht allzu viele. Dabei machen sie unglaublich viel Spaß und könnten auch als Schablone für andere DLCs gelten. In der GOTY-Edition von Borderlands empfehle ich sie auf jeden Fall, da sie sehr billig sind und auch jedem Borderlands-Fan gefallen werden.

 

So, Test beendet. Genau, meine allererste Rezension zu Borderlands 2 habe ich jetzt auch nochmal grundlegend überarbeitet. Wer will, kann sich diese ja auch nochmal durchlesen :-)

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Wertung
Pro und Kontra
  • sehr lange Spielzeit
  • unglaublich viele Items
  • böööööser Humor
  • viele Gebiete und Feinde
  • sehr gute Atmosphäre
  • (umfangreiche DLCs)
  • Sammelwahn größter Art...
  • ...manchmal motiviert aber auch nur dieser
  • Beuteverteilung im Team problematisch

Zusätzliche Angaben

Schwierigkeitsgrad:

genau richtig

Bugs:

Nur sehr wenige

Spielzeit:

Mehr als 100 Stunden



Kommentare(6)

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