Odyssey 1.5

Mit VALHALLA liefert Ubisoft eine weitere Fliessbandproduktion ab, die einer Achterbahnfahrt gleicht.

von Armageddon2021 am: 29.05.2021

Assassin's Creed vs. Valhalla

Die neueren Assassin's Creed Teile sind schon ein Kuriosum. Die teils hanebüchenen Verrenkungen die Ubisoft anstellt um den Mythos um Assassinen und Templarn in das jeweilige Setting (Alt-Ägypten, antikes Griechenland, Kolonialzeit Amerika und jetzt Wikinger) sind schon hart an der Grenze zur Lächerlichkeit.

Das grösste Manko schleppt Ubisoft in jeden neuen Serienteil mit: die Gegenwartsgeschichte um Layla Hassan. Diese bricht die Immersion (auch die nervigen Bezüge zum Animus in der "Wikingerzeit"wie die Störungen und Synchronisationen stören auf Dauer) und macht den eigentlichen Flair der Spielwelt zunichte. Layla Hassan ist ausserdem ein absoluter Wegwerf-Charakter. Ich habe es seit jeher so, dass ich sämtliche Dialoge mit ihr einfach überspringe und so schnell wie möglich in den Animus zurückkehre, was bei der ersten Unterbrechung gut möglich ist, aber später im Spiel wird man leider dazu gezwungen eine längere Passage als Layla zu spielen (lies: durchzuquälen). Ubisoft: bitte lasst in Zukunft die Gegenwartspassagen aus! Oder zumindest gebt uns am Anfang des Spiels eine Wahl diese ein- oder auszuschalten. Mit der Geschlechterwahl klappt's ja auch.

Valhalla (genauso wie Odyssey und Origins zuvor) gleicht dem auf und ab einer Achterbahnfahrt: die offene Spielwelt ist optisch wunderschön, und der Entdeckerdrang motiviert ungemein. Die "Raids" auf Kloster und Dörfer machen zunächst Spass. Leider werden diese zunehmens langweilig und auch das Design der offenen Welt ist eher schlecht als recht 08/15 Ubisoft-Standard: viele Symbole der Karte abklappern, Ausschaupunkte synchronisieren, langweilige Welt-Quests abschliessen, nach dem xten Mal wird das ganze eher langweilig, zumal sich im Vergleich zum Vorgänger nicht viel getan hat.

Auch finde ich, das Spieldesign von Valhalla, Odyssey und Origins beisst sich mit dem von Assassin's Creed: es sind eigentlich zwei verschiedene Spieldesigns die überhaupt nicht zueinander passen! Ja, man hat den dem  Stealth-System etwas gefeilt im Vergleich zum Vorgänger, aber warum soll ich als Wikinger bitteschön meucheln! Das verstösst gegen meine Wikingermentalität! So kommt man nicht nach Walhalla!

 

Valhalla's schwerster Gegner: die mangelhafte Steuerung

Ein weiteres grosses Minus ist die katastrophale Steuerung die Ubisoft 1:1 aus den Vorgängern übernommen hat: die ist derart unpräzise und schwammig und führt zu mehr Toden als die Feinde in der Landschaft. Eivor (m/w) steuert sich wie ein riesiger, vollbeladener LKW mit Anhänger. Beim überwinden von Hindernissen (klettern) versucht die Steuerung zu erahnen was der Spieler will und liegt zu 99% daneben.

Die Kämpfe sind ein Krampf mit Fingerverrenkungen und zudem eher anspruchslos.

Ausserdem ist es sehr seltsam dass ein Wikinger wie Eivor Mauern und Berge erklimmen kann, dass Reinhold Messner grün vor Neid wird. Es gibt keine logische Erklärung dafür ausser: "es ist ein Assassin's Creed Spiel, das muss so sein!"

 

Blasser Protagonist

Wer als Kassandra durch Odyssey gesegelt wird sehr schnell feststellen: Eivor (m/w) ist kein Vergleich zu Kassandra! Die Spielfigur in Valhalla bleibt blass, die Vertonung (englisch) ist schlecht, vor allem die weibliche Version von Eivor klingt mehr wie ein grunzendes Schwein als eine Schildmaid.

Grosse Entscheidungen werden einem durch die vorgegebene Story abgenommen und ich konnte mich selten mit Eivor identifizieren, geschweige denn die Entscheidungen nachvollziehen.

Wenigstens ist das Skillsystem ziemlich gut: ja, Valhalla bringt Rollenspielelemente ein, wie schon Origins und Odyssey. Man wählt aus einem weit verzweigten Talent-Baum der sich in 3 verschiedene Bereiche gliedert (Nahkampf, Fernkampf, Stealth) und erhöht so und durch das Aufleveln seiner Ausrüstung durch Crafting seinen Power-Level. Jede Zone der Freibegehbaren Karte ist in Power-Levels unterteilt, man sollte tunlichst darauf achten möglichst nicht zu weit unterlevelt in diese Zonen einzumarschieren, sonst haucht Eivor nach ein oder zwei Treffern sein/ihr Bildschirmleben aus.

 

Mid-Game Grind

Bereits nach 8-10 Spielstunden stellt sich Grinding ein: wer nicht fleissig die Symbole der Weltkarte abklappert und schön brav die Nebenquests löst der ist relativ schnell unterlevelt und beisst sich in den nächsten Zonen die Zähne aus. Valhalla wirkt künstlich gestreckt mit sehr viel Leerlauf, dem Spiel mangelt es ausserdem an Langzeitmotivation. Wer Odyssey durchgespielt hat bekommt auch schon früher die ersten Ermüdungserscheinungen, da sich Valhalla wie Odyssey 1.5 spielt.

Der Grind für Waffen- und Rüstungsupgrades ist ätzend und langwierig, der Ausbau der Siedlung gerät schnell ins Stocken, da viele Raids in Zonen mit höherem Power-Level liegen, sodass man erst mal grinden muss. Die World Events sind langweilig und repetitiv, genauso schnell verlieren auch die Raids und auch die Kämpfe an Spannung. 

Zumindest bei dem Waffen-und Rüstungs-Overkill des Vorgängers hat Ubisoft die Notbremse angezogen: unser Inventar bleibt relativ übersichtlich und man wird nicht mehr mit 1001 Schwertern und Rüstungen zugemüllt.

 

England the beautiful

Valhalla ist das bisher schönste Assassin's Creed Spiel und England ist perfekt in Szene gesetzt. Leider bleibt das auch so ziemlich der einzige Glanzpunkt des Spiels, die Optik. Den Entdeckerdrang kann Valhalla ziemlich lange befriedigen, Szenen wie den Fluss in Nebel gehüllt entlangzutuckern sind eine Augenweide und voller Atmosphäre. Spätestens aber wenn man den Grossteil der Welt erkundet hat bricht Valhalla wie ein Kartenhaus in sich zusammen. Es mangelt an Langzeitmotivation und interessanten Aufgaben, das Spiel wirkt künstlich aufgebläht.

Weder Story, noch die Figuren im Spiel und deren Synchronisation können überzeugen. So bleibt Valhalla ein Grafikblender ohne besonderen Tiefgang. Wer mit dem auf Dauer repetitiven Gameplay leben kann und noch nie ein AC Spiel gespielt hat - oder von Odyssey nicht genug kriegen kann - der kann hier zuschlagen: Valhalla bietet eine wunderschöne offene Spielwelt die zum Erkunden einlädt und so für einige Stunden Unterhaltung sorgt. Wer gegen Ende von Odyssey allerdings schon etwas mit Langeweile zu kämpfen hatte, der dürfte hier relativ schnell abwinken und sich anderen Spielen witmen.

 

Bugs...

Nach einem katastrophalen Start ist Valhalla nun überwiegend gut spielbar. Allerdings hat Ubisofts Platform Ubisoft Connect sehr oft Serverprobleme und verweigert den Start des Spiels wegen Synchronisationsproblemen.

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Wertung
Pro und Kontra
  • schöne Spielwelt
  • Wikinger-Setting
  • Gegenwartsgeschichte um Layla Hassan bricht die Immersion
  • katastrophale Steuerung
  • Open World Events werden schnell langweilig
  • Open World Sandbox beisst sich mit Assassin's Creed
  • hanebüchene Lore
  • häufige Startprobleme mit Ubisoft Platform
  • Eivor (m/w) bleibt blass, kein Vergleich zu Kassandra aus Odyssey

Zusätzliche Angaben

Schwierigkeitsgrad:

genau richtig

Bugs:

Häufiger, unregelmäßig

Spielzeit:

Mehr als 20, weniger als 40 Stunden



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