Spannendes Adventure mit geringfügigen Schwächen

Adventures sind tot! Zumindest standen die Vorzeichen schlecht für das Adventure-Genre, nachdem LucasArts mit Monkey Island 4 zur Jahrtausendwende ihr letztes...

von - Gast - am: 08.03.2009

Adventures sind tot! Zumindest standen die Vorzeichen schlecht für das Adventure-Genre, nachdem LucasArts mit Monkey Island 4 zur Jahrtausendwende ihr letztes Adventure veröffentlichten. Dann war es still im Genre. Bis auf Runaway im Jahr 2002 kam lange Zeit kein Adventure, das nachhaltig in Erinnerung geblieben wäre.
Mittlerweile boomen die Adventures wieder, was unter anderem den in Deutschland entwickelten Adventures Ankh und Geheimakte Tunguska zu verdanken ist, wobei jedoch beide in vollkommen unterschiedliche Richtungen abzielen. Während Ankh sehr stark auf Humor setzt, entwirft Geheimakte Tunguska eine sehr ernste Grundgeschichte.

Niemand da!

Wie alle Thriller-Adventures beginnt auch Geheimakte Tunguska mit einem merkwürdigen Zwischenfall. Der Vater der Heldin Nina Kalenkow verschwindet von seinem Arbeitsplatz in einem Museum, als diese gerade zu Besuch kommen will. Das Büro, in dem ihr Vater arbeitet, ist durchwühlt und Nina wird klar, dass ihr Vater entführt sein muss. Wer die Entführer sind oder was sie von ihrem wollen, weiß sie nicht. Der alkoholisierte Hausmeister des Museums ist ihr keine große Hilfe. Nur der im Büro nebenan arbeitende Assistent Max Gruber könnte etwas mitbekommen haben.
Doch der hört Ninas Klopfen nicht, also ist Ihre erste Aufgabe Max dazu zu bringen, Nina zu helfen. Wie Sie das anstellen, wird aber nicht verraten.

Mütterchen Russland

Nach einigen Recherchen findet Nina heraus, dass ihr Vater Forschungen in Tunguska angestellt hat, die jedoch nicht gerne gesehen wurden, denn in der Tunguska-Region in Sibirien gab es einen mysteriösen Vorfall: Ein unbekannter Gegenstand ist auf die Erde gestürzt, welcher eine gewaltige Explosion und eine Druckwelle, die rund um den Globus führte, verursacht hat. Das Spiel bedient sich hier des bis heute ungeklärten Phänomens und greift einige der Theorien dazu auf.
Durch die herausgefundenen Fakten werfen sich Fragen für Nina auf. Was hat ihr Vater in Tunguska herausgefunden? Gab es noch Begleiter, die sie informieren könnten? Was hat das russische Militär damit zu tun? Und was hat es mit den in schwarz gekleideten Gestalten auf sich?
Die Handlung wird dabei in hoch spannenden gut inszenierten Zwischensequenzen erzählt, zum Beispiel bei der Verfolgungsjagd zwischen Nina und der russischen Armee. Dies bringt Tempo in die an sich langsame Spielmechanik und fühlt sich an wie actionreiche Sequenzen in Filmen.

Kombiniere: A + B führt zu C

Aber ein Adventure lebt nicht nur von der spannenden Story, sondern auch von den logischen Rätseln und auch hier punktet Geheimakte. Am Anfang erwarten Sie eher einfach Rätsel, an einer Stelle müssen Sie beispielsweise ein Fahrrad reparieren. Für die Motorradmechanikerin Nina natürlich kein Problem.
Je weiter Sie im Spielverlauf kommen, desto schwieriger werden die Rätsel. Jedoch sind diese größtenteils logisch aufgebaut und wer gut in den Dialogen aufpasst, bekommt durch Nachdenken raus, wie man weitermachen muss.
Gegen Ende jedoch gibt es ein paar sehr komplizierte oder weniger logische Rätsel, sodass Sie den Überblick verlieren. So soll Max in einem Überwachungsraum eine Heizung anstellen. Dass dies überhaupt möglich ist, ist nicht bekannt und die bereits bekannte Methode, die Sie vorher anwenden mussten, funktioniert nicht mit der Begründung, dass es schon warm genug sei.

Zeigt Charakter

Der dritte Bereich, wo ein Adventure punkten kann, ist die Gestaltung der Charaktere. Tatsächlich gibt es sehr viele interessante Nebencharaktere, die skurril und lustig sind. In einer Irrenanstalt zum Beispiel gibt es quasi ausschließlich witzige Charaktere, während andere sich als hinterhältig herausstellen oder übellaunig sind.
Die Hauptcharaktere fallen dagegen ein bisschen ab: Zwar haben Nina und Max oft flotte Sprüche auf den Lippen, aber ansonsten haben sie kaum eine Persönlichkeit. Dies stört aber kaum.
Durch die Charaktere kommen deshalb auch viele lustige Dialoge zustande, die alle sehr gut vertont wurden. Jedoch gibt es nur wenige Dialogoptionen und meistens reicht es eine Person einmal anzusprechen, um alle Informationen zu erfahren, die Sie benötigen.
Auch gut gemacht: zwischen den Hauptfiguren ist in seltenen Fällen Interaktion von Nöten, sodass sich Rätsel nur mit dem jeweils anderem Charakter zusammen lösen lassen. Ernsthaft wird dies aber nur in einem Abschnitt eingesetzt.
Teilweise sind die Dialoge auch sehr lang, vor allem, wenn Ihnen Zusammenhänge zu den Vorfällen in Tunguska erklärt werden.

Klick, klick

In den adventurespezifischen Disziplinen schneidet Geheimakte also gut ab. Aber auch ansonsten haben sich die Entwickler nicht verkünstelt. So ist die Steuerung die für Adventures etablierte Point&Click-Steuerung mit kleinen Details: Der Mauscursor zeigt ihnen an, ob Sie einen Gegenstand benutzen können oder nur ansehen. Auch beim Kombinieren hilft Ihnen der Cursor zu finden, welchen Gegenstand Sie mit einem anderen kombinieren können.
Standardmäßig gibt es eine Hotspot-Anzeige, die Ihnen Ausgänge und Gegenstände anzeigt. Nützlich, da einige Gegenstände schlecht sichtbar auf dem Bildschirm sind.
Auch das Tagebuch ist nützlich, denn hier immer Ihr momentanes Ziel angezeigt, einmal ist es für ein Rätsel sogar Pflicht, in Ihr Journal reinzuschauen.

Grafik und Sound

Der Sound ist neben den guten Sprechern in den Dialogen ansonsten auch sehr gut gelungen. Es sehr gute Musik in den Zwischensequenzen, die die Dramatik unterstützen. Außerdem gibt es Hintergrundgeräusche, die zur momentanen Standort des Spielers passen. In verlassenen Gegenden heißt das aber auch, dass dort kaum Hintergrundgeräusche sind.
Grafisch macht das Spiel leider nicht mehr viel her. Die 2D-Hintergründe sich sehr gut gelungen und die Grafik in den Zwischensequenzen ist auch auf ordentlichem Stand. Die 3D-Charaktere sind jedoch etwas grob und die Animationen wirken teilweise albern, wenn sich z.B. Nina auf der Stelle umdreht ohne ihre Beine zu bewegen.

Fazit

Geheimakte Tunguska macht das richtig, was andere Adventures falsch macht. Es verbindet gute Charaktere mit skurrilen Dialogen und logischen Rätseln und packt dies in eine interessante Geschichte. Wobei es aber eine Ausnahme gibt: Das Ende ist leider ein bisschen misslungen, wirr und unbefriedigend. Der Abspann ist dennoch sehenswert und unterhaltsam. Auch ansonsten leistet sich Geheimakte kaum Schwächen, nur die Grafik ist nicht so toll und es hätte insgesamt länger sein können.
Dennoch: Das größte Adventurehighlight von 2006.

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Wertung
Pro und Kontra
  • Grafik: schöne Hintergründe, ordentliche Zwischensequenzen
  • Sound: unterstützende Musik, passende Geräusche
  • Balance: leichter Einstieg, immer schwieriger gegen Ende
  • Atmosphäre: spannende Zwischensequenzen, Humor...
  • Bedienung: perfektioniertes Point&Click, Inventarsteuerung
  • Umfang: unzählige verschieden Schauplätze
  • Charaktere: vielfältige Nebencharaktere
  • Rätsel: größtenteils logisch, oft ist der Weg klar
  • Dialoge: gute Sprecher, vielfältig wie die Charaktere
  • Handlung: auf Tatsachen basierende Grundhandlung
  • Grafik: detailarme Figuren, Animationen
  • Sound: insgesamt wenig Geräusche
  • Balance: letztes Drittel ziemlich schwer
  • Atmosphäre: ...der teilweise unpassend ist
  • Bedienung: -
  • Umfang: etwas kurz
  • Charaktere: nicht ganz so gute Hauptcharaktere
  • Rätsel: selten sehr kompliziert
  • Dialoge: wenige Dialogoptionen
  • Handlung: unbefriedigendes Ende

Zusätzliche Angaben

Schwierigkeitsgrad:

eher schwer

Bugs:

Nein

Spielzeit:

Mehr als 10, weniger als 20 Stunden



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