Demokratie ist ein Gespräch. Patrik Schönfeldt und Norman Schlorke wollen an diesem Gespräch teilnehmen. Sie wollen gehört werden. Sie sprechen für eine Gruppe von Menschen, die politischen und medialen Angriffen ausgesetzt ist und der es an einer repräsentativen Vertretung fehlt: den deutschen Gamern. Deshalb haben Schönfeldt und Schlorke den Verband für Deutschlands Video- und Computerspieler (VDVC) gegründet. Es ist die erste politische Vereinigung von Spielern für Spieler. Das Ziel: Akzeptanz für das Medium schaffen. Das Motto: Kooperation, Aufklärung und Dialog, für ein Miteinander ohne Vorurteile.

VDVC im Interview : Norman Schlorke und Patrik Schönfeldt, Gründer des Verbands für Deutschlands Video- und Computerspieler (VDVC) auf einer Spielerdemo in Karlsruhe Norman Schlorke und Patrik Schönfeldt, Gründer des Verbands für Deutschlands Video- und Computerspieler (VDVC) auf einer Spielerdemo in Karlsruhe

Seit dem tragischen Amoklauf von Winnenden im März dieses Jahres stehen Computerspiele wieder vermehrt in der Kritik von Politik und Medien. In den vergangenen Monaten wurden mehrere LAN-Partys und E-Sport-Wettbewerbe abgesagt, weil Städte und Gemeinden Widerstand geleistet hatten. Anfang Juni bekräftigte die Konferenz der 16 Landesinnenminister erneut ihre einstimmige Forderung nach einem Herstellungs- und Verbreitungsverbot so genannter »Killerspiele«.
Wie schlecht der Ruf von Computerspielen in der öffentlichen Wahrnehmung ist, zeigte Anfang August das Verhalten der Hilfsorganisation SOS Kinderdorf. Dort hatte man das Angebot eines Onlinespiele-Magazins, dort kostenlos Werbung schalten zu dürfen, abgelehnt. Die Begründung: Auf der Internetseite würden auch Spiele besprochen, die Gewalt gegen Menschen zeigten. Eine berechtigte Argumentation, die aber in dieser Form auch auf viele alle anderen Massenmedien zutrifft, vor allem Fernsehen und Kino.

Das negative Image in der Öffentlichkeit und die häufigen Verbotsforderungen haben die Computerspieler zunehmend politisiert. So fordern inzwischen rund 70.000 Unterzeichner einer Online-Petition die Abgeordneten des Bundestags auf, der Verbotsempfehlung der Innenminister nicht zu folgen. Auf der Internetseite stigma-videospiele.de blogt Matthias Dittmayer regelmäßig kritisch über neue Entwicklungen zur Killerspiele-Debatte, etwa über die öffentlichkeitswirksame Unterschriftensammlung für ein »Killerspiele«-Verbot, die vom »Aktionsbündnis Amoklauf Winnenden« initialisiert wurde, aber auch über Spieler-Proteste, die übers Ziel hinausschießen und die Verbotsforderungen mit der Judenverfolgung im Dritten Reich vergleichen wollen.

Aus der Industrie sind derweil Drohungen zu hören. »Ein Verbot von Actionspielen in Deutschland ist besorgniserregend, weil das bedeutet, dass wir als Spieleentwickler hier nicht arbeiten können. Wenn die Kreativschaffenden in Deutschland sich nicht an einem der bedeutendsten und zukunftsträchtigsten Kulturmedien beteiligen können, heißt das nichts anderes, als dass wir gezwungen sind, ins Ausland abzuwandern«, verkündete der Crytek-Chef Cevat Yerli im Interview.

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