Bioshock im Test
Stimmungsvoller Ego-Shooter mit Art-Déco-Stil
Fazit der Redaktion
Christian Schmidt: Die totale Freiheit ist eine Illusion. Das ist das Thema von Bioshock, und zugleich das kompakte Urteil über das Spiel. Der Freiheitsbegriff durchdringt die Handlung, die in den Rückblicks-Fragmenten auf brillante Weise erzählt wird; stellenweise sagen die Charaktere des Spiels Sätze von abgründiger Klar- und Schönheit.
Weil Bioshock sich aber zu sehr im Angedeuteten gefällt, bleibt das Gesamtbild am Ende lückenhaft. Bioshock zwingt zum Nachdenken, zum Diskutieren - das ist für ein Computerspiel bemerkenswert. Aber: Bioshock ist keine Erzählung, es ist ein Spiel. Ich handle; aber nur zu dem Zweck, den Schrecken des Geschehenen selbst zu entdecken. Etwas daran ändern kann ich durch mein Töten und Zerstören nicht. So ist die Entscheidungsebene von der Erkenntnisebene abgekoppelt.
Bioshock zu spielen ist in weiten Teilen, wie die Leiter von einem Bibliotheksregal zum nächsten zu kurbeln - notwendig, aber in sich bedeutungslos. Computerspiele können, darin sind sie einzigartig, die Konsequenzen eigener Entscheidungen aufzeigen. In Bioshock bleibt Ihr Handeln nicht nur irrelevant, sondern in weiten Teilen auch unmotiviert. Im Amüsierlevel Fort Frolic ist das Spiel sogar so gnadenlos frei von Alternativen, dass ich mich von den Handlungen meines Alter Ego entfremde - was der da tut, das bin nicht ich.
Macht es besser!
All das ist Absicht, wie später durchaus klar wird, und fast jeder andere Shooter funktioniert ja auch genauso. Der Vorwurf an Bioshock lautet deshalb lediglich auf Blenderei: Die Fragen, die es aufwirft, beantwortet es nicht. Das ethische Thema, mit dem es spielt, fährt es zu keiner Erkenntnis. Die Größe, die es gern hätte, besitzt es nicht. In seinem wunderbar unterhaltsamen Scheitern fordert es das ganze Medium heraus: Macht es besser! Für diese Inspiration bin ich Bioshock dankbar - genauso wie für zwölf äußerst vergnügliche Stunden.
Erst kommt das Schießen, dann die Moral?
Gunnar Lott: Schade, dass wir Ihnen als Fazit aus unserem Test nicht ein »Dies ist das beste Spiel des Jahres« mit auf den Weg geben können. Der brillante Stil, die tollen Ideen, die unglaubliche Welt – die Zutaten sind da, aber das Gesamterlebnis von Bioshock lässt dann doch zu viele Wünsche offen.
Dennoch: ein gutes Spiel, ein richtungweisendes Spiel, ein Spiel, das seinen Kaufpreis wert ist.
Viele Wünsche offen
Petra Schmitz: Was für ein grandioses Programm! Das dachte ich in der ersten Stunde mit Bioshock. Ich hatte Fragen, wollte so viel wissen, wollte so viel erfahren. Ich war neugierig wie schon lange nicht mehr in einem Spiel. Leider bekam ich keine oder nur unbefriedigende Antworten. Also beschäftigt mich nach einer Weile nur noch eine einzige Frage: Was tue ich hier überhaupt?
Auf die, soviel sei verraten, bekam ich eine Antwort. Eine perfekte Antwort, die nicht nur mein Tun in Rapture erklärte, sondern gleichzeitig auch mein Treiben in so vielen anderen Spielen problematisierte. Ein Moment, den ich nicht mehr vergessen werde, weil er mich wie ein Schlag ins Gesicht traf.
Ansonsten fällt Bioshock für mich in die Kategorie der guten, aber nicht herausragenden Shooter.
Was tue ich hier?