Groovy Funktion: Schauspieler Samuel L. Jackson, Melissa McCarthy und Basketball-Spieler Shaquille O'Neal sind in den USA als Zusatzfunktionen für den Sprachassistenten Alexa von Amazon buchbar. Die Stimmen, nicht die Personen dahinter. Doch damit ist jetzt Schluss.
Amazon hat jüngst die Promi-Stimmen für Alexa eingestampft. Damit ist's fast schon eine Gewissheit: Diese vielleicht coolste Zusatzfunktion in der Geschichte der Sprachassistenten wird niemals seinen Weg zu uns nach Deutschland finden (Golem und The Verge haben berichtet).
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Doch darum geht's hier nur en passant.
Bevor wir zu des Pudels Kern vorstoßen: ein Seitenblick zu Google. Denn kaum haben sich Jackson, McCarthy und O'Neal verabschiedet, beendet auch Google eine Zusammenarbeit bei seinem Sprachassistenten: nämlich die mit der App AnyList
. Über die Applikation konntet ihr bisher Einkaufslisten erstellen. Damit nicht genug: auch die Einkaufslisten-App Bring!
wird seitens Google verabschiedet (Smartphone Assistent hat über AnyList berichtet).
Sowohl bei Promi-Stimmen als auch bei Einkaufslisten-Apps bleiben Amazon und Google ihren Kundinnen und Kunden einen Grund schuldig. Sprich: Eine offizielle Begründung dafür, weswegen die Kooperationen eingestellt wurden, stehen aus.
Promi-Stimmen und Listen-Apps repräsentieren beide einen Abwärtstrend, den die ehemals hochgelobten Sprachassistent derzeitig tolerieren müssen. Den Schwanengesang auf die Sprachassistenten illustriert kein Niedergang besser, als der von Amazons Sprachassistenten Alexa. Aber zunächst schreiben wir das Jahr 2019.
»Ich bin ein Star, ich spreche deine Kinder in den Schlaf!«
Seit dem Jahr 2019 schreiben wir also die Zeitrechnung des coolsten Schauspielers der Filmgeschichte, derselbe eure Kinder ins Bett schickt, oder euch die Wetteransage mit Flüchen belegt. Denn seit 2019 lässt sich Samuel L. Jacksons (Pulp Fiction
, Snakes on a Train
) charismatische Stimme für den Sprachassistenten Alexa dazubuchen.
Wie eingangs ausgeführt: Mit dem Spaß ist jetzt Schluss. Weil: Amazon steckt mit Alexa nicht erst seit Samuel L. in der Krise.
Dass Amazon Alexa – um’s plastisch auszudrücken - Schippe für Schippe begräbt, hat längst ein Bericht von Ars Technica (über Business Insider) vom November letzten Jahres hingedeutet (auch The Verge hat über The New York Times berichtet).
Denn damals brach beim Technologie-Titan Amazon eine Entlassungswelle los.
Der Grund war: Sprachassistent Amazon Alexa fiel hinter den kommerziellen Erwartungen zurück. Vom raschen Niedergang des Sprachassistenten Amazon Alexa
war damals die Rede.
Im Windschatten davon brach sich die größte Entlassungswelle in der Firmengeschichte Amazons Bahn: 10.000 Kündigungen sollen’s gewesen sein, die der Misserfolg rund um Alexa herbeiführte. Zunächst. Der Hintergrund dazu: Seit Markteinführung vor ungefähr 10 Jahren ist’s dem Sprachassistenten Alexa missglückt, eine rentable Einnahmequelle für Amazon darzustellen. Soweit die Nachrichtenlage im November 2022.
Und dann?
Dann sprang Amazon-CEO Andy Jassy kommentierend dazu. Jassy adressierte unumwunden die massenhaften Kündigungen bei Amazon – und die wankelmütige Zukunft Alexas. Jassy sagte, man wolle Alexa als Projekt weiterverfolgen. Er nannte aber auch die knüppelharte Bedingung, jene an diese Weiterführung gezurrt sind. Der Knüppel trug einen Namen: Das Alexa-Team würde stark eingedampft. Konsequenterweise würden deshalb 10.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter verabschiedet.
So kam’s dann auch. Nur noch einen Schlag heftiger.
Schon im Januar 2023 war klar: Die Zahl der Kündigungen wurde angehoben – und zwar um 8.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Insgesamt 18.000 Personen wurden als Folge des Alexa-Fehlschlags gekündigt (The Verge hat berichtet).
Das war, wie gesagt, im Januar dieses Jahres. Bereits im März 2023 schwappte die nächste Entlassungswelle auf die Mitarbeitenden Amazons zu – diesmal waren’s 9.000 Stellen, die aus Gründen der Wirtschaftlichkeit abgebaut wurden. Die zweite Welle betraf vorrangig die Cloud-Abteilung Amazon Web Services, den Streaming-Dienst Twitch und die Werbeabteilung (Handelsblatt hat berichtet).
Eine fünfstellige und eine nahezu fünfstellige Massenentlassung binnen weniger Monate. Wieso musste Amazon die Stellen abbauen?
Wie Geld verdienen mit Apps?
Rückblick: Laut Business Insider hatte die Alexa-Abteilung alleine im ersten Quartal 2022 über 3 Milliarden US-Dollar Verlust gemacht. Weiter hieß es, für den Großteil des fiskalischen Verlusts würden die mangelnden Verkäufe von Alexa verantwortlich gemacht.
Beachtenswert ist die Preispolitik rund um Alexa. Denn eigentlich zählt Amazons Produktreihe Alexa Echo zu einem der bestverkauften Produkte Amazons überhaupt. Gleichzeitig wird Alexa Echo zum Selbstkostenpreis verkauft. Sprich: Die Herstellungskosten eines Alexa Echos entsprechen in etwa dem Umsatz, den Amazon mit dem Verkauf erzielt.
Na ja, die Gewinnmarge des Produkts ist also sehr gering. Aber wie hatte Amazon denn beabsichtigt, mit dem Sprachassistenten Gewinn einzufahren?
Aufschluss hierüber gibt ein internes Dokument Amazons, in dem heißt es:
„Wir wollen Geld verdienen, wenn die Leute unsere Geräte benutzen, nicht, wenn sie es kaufen.“
Heureka! Amazon ist freilich clever, hat auf ein Geschäftsmodell gesattelt, jenes auf die Monetarisierung von Apps setzt – nicht auf den Verkauf des Sprachassistenten an sich.
Leider lief die Monetarisierung anders, als sich das Andy Jassy und Amazon gewünscht haben. Denn einerseits hatte Alexa im vierten Jahr seines Bestehens eine Milliarde Interaktionen pro Woche verzeichnet – was sich erstmal vernünftig anhört. Wie gesagt: einerseits. Andererseits hatte Amazon nicht mit der (Un)art Kundenunteraktion gerechnet.
Denn: Das Gros dieser Nutzer-Interaktion entfiel auf nicht-monetarisierbare Befehle wie: Alexa, spielt meinen Lieblingssong!
oder Alexa, regnet es heute?
Sprich: Aus Spotify-Musikwünschen oder Wetterauskünfte ließ und lässt sich kein Umsatz generieren. Egal, ob der User daheim hockt, oder Alexa im Auto nutzt.
Auch den Kauf von Produkten tätigten Kunden vergleichsweise selten über Alexa. Der Grund dafür? Mag damit zusammenhängen, wie sich Kundinnen und Kunden zu einer Kaufentscheidung durchringen. Wenn das Wunschprodukt weder bildlich noch über eine Kundenrezension winkt, sind viele der potenziellen Käufer abgeschreckt – und kaufen erst gar nicht.
Amazons Bemühungen, Alexa um monetarisierbare Sprachbefehle zu erweitern, war also ein Fehlschlag. Dass Amazon jetzt ebenfalls Promi-Stimmen absägt, spricht eine eindeutige Sprache: Amazon betreibt weiter Schadensbegrenzung und mottet verlustreiche Kooperationen ein.
Dabei war Amazon doch einst der Hoffnungsträger für Ex-Amazon-Boss Jeff Bezos.
Amazon Alexa: eine Anti-Erfolgsgeschichte?
2018 war Alexa das Lieblingskind des ehemaligen Amazon-Chefs Jeff Bezos. 2019 schon wurde eine Krisensitzung einberufen, um der mangelhaften Umsatzzahlen Herr zu werden. Aus der Sitzung resultierten Einstellungsstopp für das Projekt Alexa. Bezos selbst verlor ein Jahr später, anno 2020, sein vormals gesteigertes Interesse an Alexa.
Die Zukunft für Alexa
Und was kommt jetzt? Einem Bericht von Business Insider Glauben geschenkt, will Amazon Alexa mit einem KI-Sprachbot wiederbeleben. Die künstliche Intelligenz soll Kindern Gutenachtgeschichten zaubern – und Amazon malt sich lukrative Kooperationen mit Konzernen wie Disney oder Lego aus.
Ein anderer Anwendungsfall wäre, wenn das eigene Gedächtnis mal wieder versagt. Dann könntet ihr Alexa fragen: Hey, Alexa, wie heißt gleich die Fernsehserie, die während einer Zombie-Apokalypse spielt – und auf einer Comic-Vorlage basiert
Alexa verriet euch daraufhin, ihr sucht nach der Serie The Walking Dead
. Ob Alexa im KI-Rettungsboot erfolgreich notwassern wird, bleibt vorerst spekulativ.
Denkt ihr, der einstige Hype um Sprachassistenten ist unlängst verpufft? Plaudert ihr selbst in und mit einem Sprachassistenten - und seid mit dem Erlebnis zufrieden? Schreibt uns dazu sehr gerne in die Kommentare!

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