Update: Wir haben den Artikel um ein Video ergänzt, dass die alte und die neue CPU im Duell zeigt. Ihr findet es direkt unten am Ende des ersten Absatzes.
Auch wenn AMD vor zehn Jahren mit der Bulldozer-Architektur und den FX-Prozessoren weitgehend chancenlos gegen Intel war, gab es einen kleinen Lichtblick: Den FX 6300 aus dem besonders günstigen Preissegment im Bereich von etwa 100 Euro. Aber steht er auch 2022 noch gut genug in Spielen da, dass man bis heute damit glücklich werden könnte?
Das haben wir uns am Beispiel von Anno 1800, Assassin's Creed: Valhalla und Cyberpunk 2077 näher angesehen. Außerdem werfen wir mit Hilfe vom Cinebench R23 noch einen kurzen Blick auf die Anwendungsleistung der CPU und schätzen ihre Energieeffizienz ein.
Wie schnell (oder besser gesagt langsam) der FX 6300 im Cinebench zu Werke geht, könnt ihr auch im folgenden Video sehen. Es zeigt außerdem den direkten Vergleich mit dem Ryzen 7 7700X beim Laden von Spielen und bei der Performance in Cyberpunk 20777:
1:41
10 Jahre alter Prozessor im Stoppuhr-Duell mit aktueller CPU - Wie langsam ist eine CPU von 2012 heute?
Warum war der FX 6300 so lange eine Empfehlung?
AMDs großer (um nicht zu sagen: einziger) Vorteil im CPU-Duell mit Intel vor ungefähr zehn Jahren war ein besonderer Umstand: Der große Konkurrent bot im Einsteigerbereich von etwa 100 Euro lange Zeit nur Dual-Core-CPUs an. Für Office-PCs in Ordnung, für Spiele-PCs aber schon damals nur bedingt zu empfehlen.
Bei den sechs Kernen des FX 6300 mit Modulbauweise handelt es sich aber nicht im gleichen Sinne um sechs Kerne wie bei aktuellen Prozessoren. Sie müssen sich teilweise wichtige Recheneinheiten teilen, was AMD sogar eine Klage wegen irreführender Werbung eingebracht hat:
AMD zahlt 12,1 Millionen US-Dollar wegen irreführender Werbung zur Kernanzahl der FX-CPUs
Dennoch haben viele, inklusive uns, den FX 6300 im Vergleich zu Intels Prozessoren mit zwei Kernen für eine gute oder sogar die bessere Wahl gehalten. Da sich an der Situation einige Jahre nichts geändert hat, tauchte der FX 6300 lange Zeit in Empfehlungen für günstige Einsteiger-PCs auf, auch bei uns.
Alt gegen neu: Spiele-Benchmarks des FX 6300
Für die aktuellen Messungen des FX 6300 nutzen wir zum besseren Vergleich soweit möglich identische Hardware und Settings wie beim aktuellen CPU-Testsystem. Gleichzeitig gilt dennoch, dass natürlich niemand tatsächlich eine Geforce RTX 3080 mit so einer CPU und DDR3-1600-RAM kombinieren würde.
Spieleleistung 1280x720
Geforce RTX 3080, 32,0 GByte DDR4-3800, hohe Details
- Anno 1800
- AC: Valhalla
- Cyberpunk 2077
- 0,0
- 48,0
- 96,0
- 144,0
- 192,0
- 240,0
Wenig überraschend landet der FX 6300 ganz am Ende des Testfelds, aber immerhin liefert er in zwei von drei Spielen FPS-Werte oberhalb der 40er-Grenze. Aufgrund der Limitierung durch die CPU, die bereits in der 720p-Auflösung gegeben ist, hilft es der Performance gleichzeitig kaum, die Details zu reduzieren. Die FPS steigen dadurch maximal im mittleren einstelligen Prozentbereich.
Im Umkehrschluss bedeutet das wiederum, dass die FPS kaum sinken, wenn wir die Auflösung erhöhen und beispielsweise in 4K spielen. Die steigende Pixelzahl sorgt primär für mehr Grafiklast und ändert daher an den FPS noch weniger als das Reduzieren der Detailstufe, weil sich die RTX 3080 zuvor ohnehin nur gelangweilt hat.
Aber nein, damit wollen wir nicht sagen, dass sich der FX 6300 für das 4K-Gaming eignet. Entsprechend schnelle Grafikkarten werden in dieser Auflösung immer noch stark durch die geringe CPU-Leistung ausgebremst.
Anwendungen und Effizienz: Lieber nicht hingucken!
Cinebench R23
Geforce RTX 3080, 32,0 GByte DDR4-3800, Windows 10
- Multi-Score
- Single-Score
- 0
- 7800
- 15600
- 23400
- 31200
- 39000
Noch gewaltiger sind die Abstände im Cinebench R23. Hier liegt Intels aktuelles Top-Modell Core i9 13900K mal eben etwa 1.900 Prozent vor dem FX 6300 im Multi-Core-Test und immerhin noch fast 500 Prozent im Single-Core-Test.
Im Vergleich zu den anderen CPUs verbraucht der gesamte PC mit etwa 200 Watt in Spielen und 150 Watt im Cinebench zwar meist weniger Strom, wobei der Unterschied vor allem beim Zocken sehr klar ausfällt. Das liegt aber primär daran, dass die Grafikkarte durch das CPU-Limit hier nur Däumchen dreht.
Insgesamt fällt die Effizienz des FX 6300 erwartungsgemäß mies aus: In Spielen liegt er bei 4,64 Watt pro FPS, während die anderen Prozessoren im Schnitt deutlich bessere 2,27 Watt pro FPS erreichen (weniger ist hier also mehr). Und im Cinebench kommt er gerade mal auf 14,7 Punkte pro Watt, wogegen der Durchschnitt 71 Punkte pro Watt beträgt (mehr ist hier also besser).
Genaue Werte zu allen Modellen und weitere Benchmark-Titel findet ihr in unserem aktuellen Test des Core i5 13600K:
Intel Core i5 13600K im Test: Eine sehr gute Wahl für jeden Spiele-PC - und nicht nur das
Zehn Jahre alte CPU: Fazit der Redaktion
Nils Raettig
Der FX 6300 ist die mit Abstand langsamste CPU, die ich mir im Rahmen unseres aktuellen CPU-Testsystems bisher angesehen habe - soweit, so erwartbar. Ich habe aber vorher ehrlich gesagt gedacht, dass er noch etwas schlechter abschneiden würde.
Klar, auch der Windows-Alltag fühlt sich mit dem Prozessor spürbar träger an als mit aktuellen Modellen, von den wesentlich längeren Ladezeiten in Spielen ganz zu schweigen (siehe auch das Video zu Beginn des Artikels). Aber immerhin gelingt es dem FX 6300 durchaus noch, in aktuellen Titeln wie Anno 1800 und Assassin's Creed Valhalla bei hohen Details spielbare Bildraten zu erzeugen.
Cyberpunk 2077 bricht dem FX 6300 dann zwar doch noch das Genick, aber viel anspruchsvoller wird es im Gaming-Bereich auch nicht. Zugegebenermaßen gibt es mit dem FX 6300 generell häufiger störende Framedrops als mit aktuellen Prozessoren. Insgesamt schlägt er sich aber recht beachtlich für eine derart alte CPU, die außerdem schon zu ihrem Release nicht zu den Top-Modellen gehörte, ganz im Gegenteil.
Es wäre in diesem Fall also in der Tat nicht zwingend nötig gewesen, seine CPU in den letzten zehn Jahren aufzurüsten. Ein sehr viel runderes Spiel- und Arbeitserlebnis bekommt man mit neueren Prozessoren aber dennoch. Auch insofern würde ich euch generell nicht empfehlen, derart lange mit dem Aufrüsten zu warten, solange es euer Budget zulässt.
Wie schätzt ihr unsere Messergebnisse ein? Habt ihr ungefähr mit so einer Leistung des FX 6300 gerechnet oder habt ihr ihn klar schneller oder klar langsamer eingeordnet? Lasst es uns gerne in den Kommentaren wissen!
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