Der neue Android-Agent klingt nett, aber über mein Highlight der Android-Show spricht keiner: Ihr könnt bald eigene Widgets coden

Widgets sind seit Jahren das Möbelstück eures Smartphones, das ihr nie benutzt – Google könnte das gerade ändern.

Mein kleines, aber feines Highlight der Android Show könnte in Zukunft wichtiger als ihr glaubt. (Bildquelle: Adobe Stock – GadD@) Mein kleines, aber feines Highlight der Android Show könnte in Zukunft wichtiger als ihr glaubt. (Bildquelle: Adobe Stock – GadD@)

Mal ehrlich: Wann habt ihr zuletzt ernsthaft über Widgets nachgedacht? Nicht »Es fängt an zu nieseln, ich schau mal in mein Wetter-Widget«, sondern wirklich darüber nachgedacht, welches Widget euer Leben gerade verbessern könnte?

Ich behaupte einfach mal, dass das bei den meisten von uns sehr viele Jahre her ist oder noch nie vorkam.

Widgets sind schon da, seitdem es Smartphones gibt, doch so wirklich spannend sind sie nicht. Ein paar wenige davon sind zwar ganz praktisch, doch am Ende sind es für die meisten von uns seit Jahren Dekorationen. 

Ich selbst nutze seit Jahren ein Wetter-Widget, das ich zwei- bis dreimal im Monat verwende, und das war's. Der Rest des Bildschirms ist entweder leer oder mit Apps zugekleistert.

Und trotzdem – oder vielleicht genau deswegen – finde ich, was Google am 12. Mai auf der Android-Show angekündigt hat, ziemlich interessant.

»Create My Widget«: Vibe-Coding fürs Volk

Das Konzept ist simpel: Ihr beschreibt in ganz normalem Deutsch (oder Englisch), was ihr auf eurem Homescreen haben wollt, und Googles Gemini baut euch das Widget dazu. 

Kein Coding, kein Drag-and-Drop durch irgendwelche unintuitiven Editoren, kein stundenlanger Blick in den Play Store auf der Suche nach »irgendwas, das ungefähr das macht, was ich will«. Ihr tippt, die KI bastelt. Fertig.

Das Beispiel, das Google selbst zeigt, ist ein Meal-Prep-Widget: »Schlag mir jede Woche drei proteinreiche Mahlzeiten vor.« Das ist aber nur eine Idee von vielen.

Alle Infos der AndroidShow seht ihr hier zusammengefasst:

Video starten 1:30 Android Show 2026: Alle Infos und Neuerungen in unter 2 Minuten

Wie wäre es beispielsweise mit einem persönlichen Dashboard, das eure Gmail-Flugdaten, Hotelreservierungen und Restaurantbuchungen für einen Familienurlaub zusammenwürfelt? 

Oder ein Widget, das euch jeden Tag andere süße Katzenfotos zeigt. Was auch immer. Man könnte sich die wildesten Dinge ausdenken.

Genau das ist der Punkt, den ich so lange bei Widgets vermisst habe: Individualität. Das Standardsortiment an vorgefertigten Widgets ist seit Jahren dasselbe. Kalender, Wetter, Notizen, Uhr. 

Für alles andere muss eine App erst ein Widget anbieten, und die meisten tun das entweder gar nicht oder schlecht. Mit »Create My Widget« fällt diese Abhängigkeit weg. Ihr braucht nicht die richtige App, ihr braucht die richtige Idee – soweit zumindest die Theorie.

Das Beste: Ihr müsst nicht coden können

Vibe-Coding ist mittlerweile kein neues Konzept. Wer ein bisschen mit KI-Tools herumgespielt hat, weiß: Man kann ChatGPT oder Claude heute schon sagen, was man haben will, und bekommt meistens erstaunlich brauchbaren Code zurück. 

Das Problem war bisher der Weg dazwischen – irgendwie musste das Ergebnis noch auf ein Gerät, in eine Umgebung, irgendwohin, wo es auch läuft.

Google übernimmt jetzt genau diesen letzten Schritt. Die KI schreibt nicht nur, sie rollt auch gleich aus. Das ist der entscheidende Unterschied.

Vibe-Coding war bisher etwas für Leute, die zumindest ungefähr wissen, was sie mit dem Ergebnis anfangen. Wenn »Create My Widget« so wird, wie Google es beschreibt, wird es zumindest spaßig zu testen. Und das, finde ich, ist eine schöne Sache. 

Es mag nicht revolutionär oder das Ende der App-Ära sein, aber ein konkreter, niedrigschwelliger Einstieg in eine Art der Gerätenutzung, bei der das Gerät sich an euch anpasst, nicht andersherum.

Im besten Fall ist es nur der erste Schritt in Richtung ultimativ anpassbarer Betriebssysteme.

Das könnte erst der Anfang sein

Ich möchte kurz spekulieren, weil ich das für den interessantesten Teil halte.

Was Google hier zeigt, ist im Kern ein erster Schritt in eine Richtung, die wir seit der Präsentation des iPhones vielleicht immer noch im Kopf haben: die Vision des Smartphones, das euch einfach fragt, was ihr braucht, und das euch innerhalb von Sekunden genau das liefert. 

Keine App suchen, keine Einstellungen wühlen, keinen Widget-Marktplatz durchforsten. Ihr sagt, was ihr wollt. Es passiert.

Ein Widget ist da noch ein vergleichsweise minimalistischer Anwendungsfall. Aber die Logik dahinter, natürliche Sprache als Schnittstelle zwischen Nutzer und Funktion, ist dieselbe, die irgendwann auch auf ganze Apps, auf Systemfunktionen, auf alles andere angewendet werden könnte. 

Voraussetzung: Sicherheit.


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Vibe-Coding hat ein bekanntes Problem: KI-Systeme, die ohne sehr präzise Anweisungen Code generieren, neigen dazu, Sicherheit und Robustheit hintenanzustellen.

Sie bauen, was funktioniert, nicht unbedingt, was sicher ist. Da können Nicht-Programmierer schon vor einer Wand stehen und es nicht mal bemerken.

In der Welt der Vibe-Coding-Plattformen gibt es heute schon Fälle, in denen so entstandene Mini-Apps Nutzerdaten nicht ausreichend schützen oder auf schlecht gesicherte APIs zugreifen, weil niemand explizit nach Sicherheit gefragt hat. So war es beispielsweise bei Moltbook, dem Facebook für KI-Agenten:

Moltbook: Das Reddit, das Menschen ausschließt, hatte ein Menschenproblem – dank Vibe-Code

Bei einem persönlichen Widget, das auf Gmail, Kalender und Webdaten zugreift, ist das kein theoretisches Problem. Google muss hier sicherstellen, dass Gemini nicht nur das baut, was ihr verlangt, sondern das auch in einem Framework tut, das keine Schlupflöcher lässt.

Wie gut das in der Praxis funktioniert, werden wir erst sehen, wenn die Funktion diesen Sommer ausgerollt wird.

Fazit: Widgets 2.0 klingen nach einer Menge Spaß

Jan Stahnke: »Create My Widget« ist kein Killer-Feature, das ich sofort vermissen würde, wenn es wieder gestrichen wird, aber es ist das erste Mal seit langer Zeit, dass ich ernsthaft darüber nachdenke, was ich eigentlich gerne auf meinem Homescreen hätte, wenn ich nicht auf das beschränkt wäre, was andere für mich gebaut haben.

Und das, finde ich, ist schon ziemlich viel wert.

Gut zu wissen: Die Funktion soll zunächst auf aktuellen Samsung-Galaxy- und Google-Pixel-Geräten erscheinen – voraussichtlich im Sommer 2026. Weitere Android-Geräte sollen später folgen.

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