Das neue Android Auto bringt endlich das, was ich mir schon lange wünsche – aber nicht für mich

Mit 3D-Navigation, neuer Benutzeroberfläche und KI-Upgrades bekommt Android Auto ein großes Update – wenn euer Auto nicht zu alt ist.

Android Auto bekommt viele neue Features – aber nicht für alle. (Bildquelle: Aaron Hofmann GameStar Tech; Google) Android Auto bekommt viele neue Features – aber nicht für alle. (Bildquelle: Aaron Hofmann / GameStar Tech; Google)

Ich möchte nicht mehr auf Android Auto verzichten und mag es mittlerweile überhaupt nicht mehr, im Auto ohne Google Maps und Spotify unterwegs zu sein.

Die Mittelkonsole meines Autos ist für mich mittlerweile so wichtig wie eine funktionierende Klimaanlage. Gerade wenn ich viel unterwegs bin, brauche ich Musik oder die neueste Folge des Podcasts »Fest und Flauschig«, um nicht vom faden Radioprogramm gelangweilt zu werden.

Zudem bin ich fest der Überzeugung, dass Google Maps – sei es über das Display oder eine Handyhalterung – klassische Navigationssysteme schon lange abgelöst hat.

Sollte ich an einen fremden Ort fahren, könnte ich zwar das native Navi meines Opels nutzen. Das ist jedoch hoffnungslos veraltet und bei Weitem nicht so komfortabel wie Google Maps – etwa, wenn ich spontan die Route ändern möchte oder Echtzeit-Stauwarnungen erhalte.

Video starten 7:14 Android Auto wird smarter: Google stellt umfangreiches Update mit Gemini-Integration vor

Dass das kommende Update für Android Auto all diese Funktionen durch eine modernere Benutzeroberfläche und eine präzisere Navigation spürbar verbessern soll, macht mich also echt glücklich.

Ein Blick auf die offizielle Ankündigung von Google dämpft meine Vorfreude allerdings sofort wieder. Einige der nützlichsten Neuerungen setzen nämlich ein tief im Infotainmentsystem integriertes Google voraus. Und dafür ist mein Auto wohl oder übel einfach zu alt. 

Mehr als nur Kosmetik: Wo Android Auto jetzt richtig zulegt

Einige Neuerungen des kommenden Updates setzen genau an dem Punkt an, der mich seit Jahren stört: der fast schon veraltet wirkende Benutzeroberfläche.

Mit einem entschlackten Design und smarten Shortcuts an der Seite des Bildschirms soll ich in Zukunft leichter zwischen den Apps wechseln und benutzerdefinierte Widgets direkt anheften können. Etwa, wenn ich Spotify oder das Wetter in der Oberfläche sehen will.

Mein persönliches Highlight ist jedoch die neue 3D-Karte, die Google als immersive Navigation bewirbt. Statt flacher Linien auf grauem Grund zeigt das Display künftig Gebäude, komplexe Überführungen und sogar die Umgebung an.

Ergänzt wird das durch gut sichtbare Ampeln, Stoppschilder und präzise markierte Fahrspuren, um sich etwa in der Stadt nicht mehr so leicht zu verfahren. Ein echter Segen für mich. 

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Das klingt fantastisch, hat jedoch einen Haken: Google schafft hier eine spürbare Zwei-Klassen-Gesellschaft. Highlights wie die kamerabasierte Live-Spurführung bleiben ausschließlich Neuwagen mit ab Werk integriertem Google vorbehalten – dazu aber später mehr.

Ein nettes, für mich aber eher zweitrangiges Feature ist die Möglichkeit, künftig YouTube-Videos auf dem Display abzuspielen. Wer eine aktive Internetverbindung hat, kann sich so beim Warten im geparkten Auto die Zeit vertreiben.

Dieses Extra richtet sich vor allem an Personen mit E-Auto, um die Wartezeit an der Ladesäule zu überbrücken. Wer mit einem Verbrenner fährt, wird schließlich eher selten auf einem Parkplatz sitzen und Videos schauen. Aber hey: Der Ansatz ist dennoch spannend.

Gerade bei den für mich spannendsten Features muss ich seufzen

Selbst Google ist sich der Limitierung des Updates bewusst: Im offiziellen Google-Blog wird das echte »große Upgrade« vor allem für Fahrzeuge beworben, die Google bereits ab Werk fest integriert haben.

Zwar bringt das Update für Android Auto optische Retuschen und verbesserte Apps. Doch bei den echten Hoffnungsträgern, wie der kamerabasierten Spurführung oder direkten Fahrzeuginformationen, gehe ich mit meinem älteren Opel leer aus.

Google selbst begründet das so:

Apps wie Gemini und Maps funktionieren in Fahrzeugen mit integrierten Google-Funktionen sogar noch besser, da wir eng mit den Automobilherstellern zusammengearbeitet haben, um eine umfassende Integration in die Hardware Ihres Fahrzeugs zu gewährleisten.

Das ergibt technisch durchaus Sinn, da die Software ohne Zugriff auf die Kameras und Bordsensoren des Autos nicht arbeiten kann. Frustrierend ist es trotzdem, denn gerade bei der Navigation hätte ich mir dringend mehr Präzision gewünscht.

Oft habe ich Situationen, in denen die Navigationsapp plötzliche Sperrungen oder Staus nicht genau erkennt oder falsche Meldungen mitteilt. Im dichten Stadtverkehr kommen Ansagen teils so spät, dass ich meist keine Chance mehr habe, rechtzeitig die Spur zu wechseln. 

Um zu verhindern, dass ich mich verfahre, muss ich bisher also immer wieder auf die Maps-Oberfläche schauen, was gerade bei viel Verkehr gefährlich ablenkt. Hoffentlich schafft hier zumindest die neue 3D-Ansicht Abhilfe, die bald für alle ausgerollt werden soll.

Dank der tiefen Integration soll Gemini künftig sogar das Handbuch des Autos kennen, leuchtende Warnsignale erklären oder abschätzen können, ob die neuen Möbel in den Kofferraum passen.

Das klingt auf dem Papier nett, im Alltag brauche ich es aber nicht. Mein Auto verfügt wie fast jeder Pkw über das klassische TMC-Verkehrswarnsystem des Radios, das sich bei Gefahrenmeldungen automatisch einschaltet – zuverlässig, offline und seit Jahren bewährt.

Das Upgrade bringt viele wichtige Funktionen – und Gemini

Gemini ist bei den meisten Android-Systemen nichts Neues mehr und auch in meinem Auto schon länger angekommen. Statt Freude hat das bei mir gerade am Anfang für Frust gesorgt, da der smarte Helfer direkt meine bis dahin gut funktionierende Sprachsteuerung lahmgelegt hat.

Einfache Befehle wie »Rufe meine Mutter an« oder »Öffne eine Adresse bei Google Maps« sind plötzlich gescheitert. Noch störender war, dass sich mein System immer wieder auf andere Sprachen wie Englisch oder Spanisch umgestellt hat – obwohl in den Einstellungen konstant Deutsch ausgewählt war.

Nach einigen Patches funktioniert die Spracheingabe zwar wieder, der alte Google Assistant lief bei mir aber um Welten runder. Nun soll Gemini aber nicht nur die alten Sprachbefehle können, sondern auch viele weitere Funktionen mit sich bringen.

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Während die digitale Auskunft zu Warnleuchten für manche praktisch sein mag, frage ich mich ernsthaft, ob ich während der Fahrt wirklich Essen per Sprachbefehl bestellen muss.

Auch das Versprechen, mit der KI auf der Autobahn »Ideen zu brainstormen und neue Dinge zu lernen«, halte ich für fragwürdig. Ich möchte mich schließlich auf den Verkehr konzentrieren und nicht mit einem Computer plaudern, der langsam wie ein müder K.I.T.T.-Abklatsch wirkt.

Dazu kommt das leidige Thema Datenschutz: Um den vollen Komfort zu bieten, greift Gemini für die neuen Features noch tiefer auf eure Nachrichten, E-Mails und Kalenderdaten zu.

Das mag im Alltag extrem komfortabel sein, wenn ich etwa Informationen zu einem Termin brauche, bedeutet im Umkehrschluss aber auch, dass ich Gemini vollen Einblick in meine private Kommunikation gebe. Das klingt wiederum weniger verlockend.

Ich bin beim neuen Android Auto einfach im Zwiespalt

Unter dem Strich ist das neue Android Auto ein echter Schritt nach vorn, selbst wenn ich und viele andere nicht in den Genuss aller Funktionen kommen. Dass ältere Autos hardwareseitig limitiert sind, kann man Google nicht anlasten.



Ob ihr die KI-Steuerung im Auto braucht, müsst ihr selbst entscheiden. Meine bisherigen Erfahrungen mit Gemini waren eher ernüchternd, weshalb ich wohl auch künftig darauf verzichten werde. Für Musik reicht mir ohnehin die Spotify-Sprachsuche.

Dennoch freue ich mich auf die anstehenden Neuerungen, allen voran auf das große Maps-Update. Es wird spannend sein, die plastische Navigation im Alltag auszuprobieren. Hoffentlich kann ich die exklusiven Features in Zukunft auch irgendwann noch selbst testen.

Sofern ich dann ein Auto habe, das das zulässt.


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