Die folgende Geschichte könnte aus einem Film stammen.
Während viele Tech-begeisterte Twens wohl alles dafür tun würden, bei Apple zu arbeiten, hatte der junge Kerem Albayrak andere Pläne. Der Brite hatte schon mit 22 Jahren ein gewisses Talent für Hacking entwickelt. Doch anstatt es im Dienste der Tech-Giganten einzusetzen, zog es der junge Mann vor, Apple zu erpressen.
Doch von Anfang an...
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Eine nicht ganz glorreiche Betrugsgeschichte
Mitte März 2017 kontaktiert laut Forbes eine Organisation unter dem mafiös anmutenden Namen Turkish Crime Family
den Tech-Konzern Apple.
Die Drohung: Die Familie
hätte Zugriff auf Millionen iCloud-Kontodetails und würde ab dem 7. April sukzessive Millionen von iPhones auf die Werkseinstellungen zurücksetzen, wenn der Konzern nicht bereit wäre, Lösegeld zu bezahlen.
Die Forderung: 75.000 US-Dollar in Kryptowährung oder 100.000 Dollar in iTunes-Geschenkkarten. Das waren schon damals recht mickrige Forderungen aus mindestens zwei Gründen:
- Der Jahresumsatz von Apple betrug 2017 rund 230 Milliarden US-Dollar.
- Der Konzern selbst zahlt laut Forbes ethischen Hackern, die auf relevante Sicherheitslücken hinweisen, allein Prämien im Bereich von 1 - 1,5 Millionen US-Dollar.
Schon kurz nach der Veröffentlichung des Erpressungsversuchs vermutet das Magazin PYMTS, dass die Turkish Crime Family vielleicht blufft. Zumindest Apple zeigte sich recht unbeeindruckt und teilte damals gegenüber Fortune lediglich mit:
Es gab keine Sicherheitsverletzungen in irgendeinem System von Apple, einschließlich iCloud und Apple ID.
Die angebliche Liste von erschlichenen Passwörtern und E-Mail-Adressen sei wohl von zuvor kompromittierten Drittanbieterdiensten erlangt worden und entsprechend veraltet.
Daraufhin sah sich die Turkish Crime Family zu einer öffentlichen Richtigstellung genötigt. In einem stilistisch recht unbeholfenen Online-Post vom 23. März 2017, der mit den Worten:
Hallo Menschen
beginnt, erklärt die Familie, dass einige Journalisten
die Situation missverstanden hätten. Man hätte sehr wohl eine große Menge an iCloud-Zugangsdaten erworben und plane, diese zu nutzen, um Druck auf Apple auszuüben.
Außerdem sei auch die Lösegeldforderung anders gemeint gewesen:
Man hätte 75.000 und später sogar 100.000 US-Dollar für jedes der sieben Mitglieder der Gruppe gefordert, was sich dann insgesamt auf einen Betrag von mindestens 525.000 Dollar belaufen hätte.
Zu diesem Zeitpunkt hatte Apple die Sicherheitsbehörden längst informiert.
Eine respektable Wandlung
Am 28. März 2017 klickten schließlich in London die Handschellen: Allerdings nicht bei der türkischen Mafia-Familie, sondern lediglich beim 22-jährigen Kerem Albayrak.
Der betonte in einem Interview mit Forbes zwei Jahre später, dass es die Turkish Crime Family nie gegeben hätte.
Das war nur ein Teil des Marketingplans, den ich erstellt hatte.
Im Dezember 2019 wurde der Brite vom Southwark Crown Court in London zu einer zweijährigen Bewährungsstrafe verurteilt. Auch musste er 300 Sozialstunden ableisten und für sechs Monate eine elektronische Fußfessel tragen.
Gegenüber Forbes gibt er sich kurz nach seiner Verurteilung reumütig und erklärt, er sei kein Cyberkrimineller, sondern lediglich ein geschäftsorientierter Mensch
.
Ich halte mich für sehr talentiert.
Er hätte nach eigener Aussage zu diesem Zeitpunkt an einer Suchmaschine für geleakte Datenbanken gearbeitet, um Nutzerkonten zu schützen, und die Erpressung als dummen Marketing-Gag inszeniert.
Ob wahr oder nicht: Gewisse IT-Kenntnisse muss man Kerem Albayrak indes zugestehen. Er hatte sich tatsächlich unbefugten Zugang zu zwei iCloud-Konten verschafft.
Heute nutzt er sowohl seine Geschäftstüchtigkeit als auch sein Wissen im IT-Bereich für die gute
Seite: Laut PR Newswire ist Albayrak heute CEO und Gründer von OPAC Global, einer Firma, die sich auf Finanzbetrug und Ermittlungen spezialisiert hat.
Auch wenn Albayraks Betrugsversuch nicht ganz so hollywoodreif vonstattenging wie vielleicht erhofft, so muss man doch bei seiner Wandlung zum Schluss doch ein wenig an Frank Abagnale Jr. denken, dem 2002 mit Catch Me If You Can
, ein filmisches Denkmal gesetzt wurde.

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