Apple iPhone-Taktdrosselung - Käufer strengen neue Sammelklage an

Trotz einer Entschuldigung seitens Apple und dem Akkutausch-Programm klagen derzeit erneut iPhone-Käufer gegen den Hersteller wegen der Drosselung alter iPhones.

von Georg Wieselsberger,
06.07.2018 13:05 Uhr

Wegen der Drosselung der Taktrate bestimmter iPhone-Modelle kommen auf Apple Klagen zu. Wegen der Drosselung der Taktrate bestimmter iPhone-Modelle kommen auf Apple Klagen zu.

Update, 06.07.2018: Die schlechten Nachrichten für Apple in Sachen iPhone-Drosselung reißen nicht ab. Denn obwohl der Hersteller sich bei Kunden für die Maßnahme mittlerweile offiziell entschuldigt hat und derzeit einen Großteil der Kosten für den Akkutausch zurückerstattet, haben sich weitere 78 iPhone-Käufer für eine Sammelklage gegen Apple zusammengeschlossen.

Wie Macrumors berichtet, beschuldigen die Kläger Apple des Betrugs und erklären in der Klageschrift, der Hersteller habe ältere iPhones bewusst »heimlich gedrosselt«, um »Nutzer zum Kauf eines neueren iPhone-Modells zu zwingen«. Es sei »offensichtlich«, heißt es weiter, »dass Apple [die bewusste Drosselung der iPhones] aus dem einfachsten Grund fortgeführt habe, aus dem die meisten Betrügereien begangen werden: Geld«.

Greg Joswiak, Vize-Präsident für das Produkt-Marketing bei Apple, wies solche Anschuldigungen in einem Interview auf dem WWDC 2018 mit den folgenden Worten zurück: »Es ist so ziemlich der verrückteste Gedanke der Welt, jemand eine schlechte Erfahrung mit einem Produkt zu bieten, damit er sich ein neues Produkt kauft«. Die Sammeklage wird indes vermutlich mit den übrigen Klagen gegen Apple zum Thema iPhone-Drosselung zusammengeschlossen und im US-District Court von Nord-Kalifornien verhandelt.

Update, 01.02.2018: Gleich zwei Behörden in den USA untersuchen nun die Taktdrosselung von Apple bei älteren iPhones mit schwächeren Akkus. Sowohl das Justizministerium als auch die Börsenaufsicht SEC (Securities Exchange Commission) haben von Apple Informationen angefordert.

Dabei geht es laut einem Bericht von Bloomberg aber nicht einmal darum, dass Kunden nicht informiert wurden, sondern um ein mögliches Irreführen von Investoren über die Leistung älterer iPhones. Die Maßnahme hätte vielleicht gegenüber den Investoren offengelegt werden müssen.

Noch befinden sich die Untersuchungen der US-Behörden in einer frühen Phase, sie wurden aber bereits von Apple gegenüber Bloomberg bestätigt.

Einschränkungen für Akku-Analyse-Apps

Originalmeldung: Wie die Nachrichtenagentur Reuters meldet, gibt Apple nun zwar den Nutzern von iPhones durch das neueste Update von iOS Informationen zum Zustand des Akkus, doch in den Jahren zuvor hatte Apple versucht, genau diese Details vor den Nutzern zu verbergen.

Kyle Wiens, der CEO der Reparatur-Experten von iFixit, wirft Apple vor, so getan zu haben, als werde ein Akku nicht schwächer, obwohl das immer der Fall sei. Stattdessen sei der Takt der älteren iPhones gesenkt worden und viele Kunden hätten daher ein neues iPhone statt einem neuen Akku gekauft. »Apple hat durch diese Täuschung Milliarden an Dollar verdient«, so Wiens.

Praktisch gleichzeitig mit der heimlichen Einführung der Taktdrosselung, hatte Apple verhindert, dass Apps Zugriff auf die Information der bereits durchgeführten Ladezyklen des Akkus erhalten. Schon zuvor hatte Apple alle Apps, die die Gesundheit des Akkus analysieren wollen, »aus Sicherheitsgründen« untersagt. Manche Apps hatten zwar trotzdem Möglichkeiten gefunden, beispielsweise die Ladekapazität herauszufinden, die ebenfalls ein Ende der Lebenszeit des Akkus anzeigt.

Doch wie der Entwickler Rogerio Hirooka von Lirum Labs gegenüber Reuters berichtet, habe Apple erst im Dezember 2017 dann einen ganz normalen Bugfix und die eigentliche App abgelehnt – kurz bevor die Taktdrosselungen bekannt wurden. Als Begründung für die Ablehnung der App nannte Apple »potentiell falsch diagnostische Funktionen«, die die »Kunden in die Irre führen oder verwirren« könnten.

Akku-Austausch erschwert

Apple wollte gegenüber Reuters zu diesem Thema keine Stellung beziehen. Für die anstehenden Sammelklagen dürften solche Berichte von Entwicklern aber von großer Bedeutung sein. Kritiker verweisen auch darauf, dass Apple den Akku-Austausch für Nutzer erschwert und gleichzeitig Lobbyarbeit gegen das »Recht auf Reparatur« in den USA betrieben habe, da sonst Ersatzteile an unabhängige Reparaturunternehmen geliefert werden müssten.

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