Im April von 2026 flogen die NASA-Astronauten Reid Weisman, Victor Glover, Christina Koch und Jeremy Hansen so weit weg von der Erde, wie nie jemand vor ihnen. Sie flogen zum Mond, umrundeten ihn und kehrten dann sicher wieder zurück.
Auf einer so historischen Mission müssen natürlich Fotos geschossen werden, die diese Momente für immer festhalten – doch welche Kamera wählt man für so einen wichtigen Zweck?
Vielleicht eine neue spiegellose Hasselblad X2D II 100c mit 100-Megapixel-Mittelformat-Sensor? Die Bildqualität sucht seinesgleichen und der schwedische Hersteller hat schon Apollo 13 begleitet. Nein? Wie wäre es mit einer 10 Jahre alten DSLR, die heute nur noch gebraucht erhältlich ist?
NASAs Entscheidung, die Astronauten mit einer 10 Jahre alten Nikon D5 ins All zu schicken, ergibt mehr Sinn, als man denkt.
1:46
Fliegen wie bei der NASA: Das Weltraumspiel Final Orbit macht mit realistischer Physik einen auf Flight Simulator
Warum ausgerechnet die Nikon D5?
Profikamera mit exzellenter Zuverlässigkeit
Extrem robust: Die Nikon D5 mag schon ein Jahrzehnt alt sein, aber sie ist selbst nach heutigen Standards ein beeindruckendes Arbeitstier, das für einen happigen Preis von knapp 7.000 Euro erschienen ist.
Diese Kamera war den Anschaffungskosten entsprechend ein Werkzeug für Profis aller Art: Sport, Wildlife, Hochzeiten und mehr; sie musste nicht nur zuverlässig, sondern auch Widerstandsfähigkeit in allen möglichen Szenarios beweisen – etwa im All.
Die meisten Kameras dieser Zeit hatten keine IP-Zertifizierung, sondern eine schwammig formulierte »Wetterbeständigkeit«, die nicht wirklich fest definiert, wie umfangreich die Kamera geschützt ist. Selbst heute haben nur wenige Kameras eine IP-Zertifizierung, wie wir sie von Handys kennen.
Die Nikon D5 war da keine Ausnahme. Jedoch hat sie in vielen Tests bewiesen, wie robust und zuverlässig sie ist. Zum Beispiel hat Chris Niccolls vom YouTube-Kanal TheCameraStoreTV (heute ist er bei Petapixel) die Kamera wortwörtlich durch Dreck und Matsch gezogen, bevor er sie mit Flusswasser wieder sauber machte – ohne Probleme.
Chris Niccolls hat die Wetterfestigkeit der Kamera besonders ... gründlich getestet. (Bildquelle: TheCameraStoreTV/YouTube)
Exzellente Akkulaufzeit: Hinzu kommt eine extrem lange Akkulaufzeit, die nahezu unvorstellbar bei heutigen Kameras ist. Mit einer Akkuladung sind bis zu 3.780 Fotos möglich.
Zum Vergleich: Das aktuelle Profi-Flaggschiff von Nikon, die Z9, kommt auf etwa 700 Fotos. Die beeindruckende Akkulaufzeit der D5 lässt sich auf zwei Dinge zurückführen:
- Viele Profi-Kameras haben einen Vertikal-Griff integriert, die nicht nur das Fotografieren im Hochformat komfortabler machen, in ihnen werden zusätzliche Akkus platziert, die die Akkulaufzeit vervielfachen. Aus diesem Grund sieht die Nikon D5 so quadratisch aus.
- Digitale Spiegelreflexkameras setzen auf einen sogenannten optischen Sucher. Schaut ihr durch diesen durch, blickt ihr über ein Pentaprisma und einen Klappspiegel direkt durch das Objektiv. Es ist also keine Energie nötig, um euch eine Vorschau vom Foto zu liefern – ihr seht sie einfach. Moderne Kameras sind spiegellos und erzeugen euch ein Vorschaubild, in dem sie das Videosignal vom Bildsensor auf einem Bildschirm zeigen. Das verbraucht kontinuierlich Energie.
Der optische Sucher der Nikon D5 hat jedoch noch einen weiteren großen Vorteil, der insbesondere im dunklen All wichtig ist.
Optische Sucher sind bei Finsternis im Vorteil
Wenn wir an das All denken, denken wir an die endlose Dunkelheit, die von der gleißenden Helligkeit der Sonne, dem Leuchten der Erde oder dem Schimmern des Mondes durchbrochen wird. Für moderne, spiegellose Kameras und ihre elektronischen Sucher (EVF) ist diese extreme Kontrastsituation eine gewaltige Herausforderung.
Ein elektronischer Sucher ist im Grunde nichts anderes als ein winziger Bildschirm, der das Live-Videosignal des Kamerasensors anzeigt. Wenn es um die Kamera herum stockdunkel ist, muss die Elektronik dieses Signal extrem verstärken, um überhaupt etwas darzustellen. Das führt in der Praxis zu drei großen Problemen:
- Massives Bildrauschen: Um in der Finsternis des Weltraums ein helles Vorschaubild zu erzeugen, wird der ISO-Wert für den Sucher künstlich in astronomische Höhen geschraubt. Das Resultat ist ein sehr verrauschtes, grieseliges Bild. Feine Sterne oder schwache Details auf der Mondoberfläche gehen darin schlichtweg unter.
- Diashow statt Live-Bild: Damit mehr Licht auf den Sensor gelangt, verlängert die Kamera oft die Belichtungszeit für jedes einzelne Bild der Suchervorschau. Die Folge ist eine einbrechende Bildrate. Der Sucher fängt an zu ruckeln, zieht Schlieren und reagiert verzögert. Für eine präzise Bildkomposition muss man dann mehr Geduld haben.
- Die totale Blindheit: In Bereichen des Alls, in denen kaum Restlicht vorhanden ist, kapituliert der Sensor im Live-Modus irgendwann komplett. Während sich das menschliche Auge an die Dunkelheit anpassen kann, bleibt der elektronische Sucher dann einfach schwarz.
Ein ungefilterter Blick auf das Universum
Hinterm Mond schlägt die Stunde der Nikon D5. Da ihr optischer Sucher das Licht über den Klappspiegel und das Pentaprisma ohne digitale Umwege direkt ins Auge des Astronauten leitet, gibt es keine Elektronik, die das Bild verzögern oder verfälschen könnte.
Die Crew von Artemis II konnte durch den Sucher der D5 blicken und das All, die Erde und ihr Ziel, den Mond, genauso sehen, wie sie vor ihnen lagen: gestochen scharf in Echtzeit und rauschfrei.
Die Astronauten konnten diese Szenen nahezu unverfälscht durch den optischen Sucher der Nikon D5 sehen, bevor sie den Auslöser drückten. (Bildquelle: NASA)
Apropos Rauschen: die Nikon D5 hatte noch einen entscheidenden Vorteil.
Äußerst lichtempfindlicher Sensor
Bildrauschen gilt in der Fotografie meist als Qualitätsmangel, doch hinter der Rauschtoleranz der Nikon D5 verbirgt sich ein technischer Extremwert, der im All den Unterschied ausmachen kann.
Bei extrem knappem Licht muss der Kamerasensor das eintreffende Licht-Signal elektronisch verstärken, damit überhaupt ein Foto entstehen kann. Diese Empfindlichkeit wird durch den ISO-Wert ausgedrückt.
Genau hier bietet die zehn Jahre alte DSLR einen Spielraum, den selbst moderne Kameras nicht mehr aufweisen: Während Nikons aktuelles spiegellose Flaggschiff, die Z9, bei einem erweiterten Wert von ISO 102.400 an ihre Grenze stößt, lässt sich die Lichtempfindlichkeit der Nikon D5 auf einen Maximalwert von über ISO 3,2 Millionen (exakt ISO 3.280.000) hochschrauben; die Kamera kann so praktisch im Dunkeln sehen.
Aus rein technologischer Sicht ist die Entwicklung in den letzten zehn Jahren natürlich vorangeschritten. Moderne Sensoren arbeiten effizienter und liefern bei moderat hohen ISO-Werten deutlich rauschärmere Bilder als ältere Generationen.
Auch die D5 stößt bei Werten im Millionenbereich an ihre physikalischen Grenzen: Das resultierende Bild zeigt eine sehr starke Körnung und Farbfehler, die für klassische Aufnahmen unbrauchbar wären. Für die Dokumentation einer Weltraummission gelten jedoch andere Prioritäten: Hier ist ein stark verrauschtes Foto unendlich viel wertvoller als gar kein Foto.
Das Hauptproblem bei Aufnahmen aus der Raumkapsel ist die enorme Eigengeschwindigkeit. Das Raumschiff bewegt sich mit tausenden Kilometern pro Stunde um den Mond. Würden die Astronauten versuchen, den Lichtmangel durch eine lange Belichtungszeit auszugleichen, wäre das Ergebnis durch die Bewegung potenziell verwischt.
Um scharfe Konturen zu erhalten, ist die Crew also auf kurze Belichtungszeiten und hohe ISO-Einstellungen angewiesen, die die Nikon D5 liefert.
Passend zum Thema: Kostenlos klickend zum Mond: Die stilvollste Weise Artemis 2 nachzuerleben kommt nicht von der NASA
Die Nikon D5 war perfekt für Artemis II – aber nicht alleine
In letzter Minute schaffte es neben den zwei D5-Modellen auch das aktuelle spiegellose Flaggschiff, die Nikon Z9, an Bord der Orion-Kapsel. Die Crew hatte darum gekämpft, die moderne Kamera im Weltall unter realen Bedingungen, vor allem im Hinblick auf die kosmische Strahlung, zu testen.
Die Z9 lief der alten DSLR dabei jedoch nicht den Rang ab; die D5 blieb das primäre Werkzeug für die Mission. Stattdessen diente die Spiegellose als Testfeld für die Zukunft: Sie ist die technologische Basis für die Handheld Universal Lunar Camera (HULC), die bei den kommenden Artemis-Missionen auf der Mondoberfläche die Hauptrolle spielen soll.
NASAs Kamera-Auswahl für Artemis II vereinte somit das Beste aus zwei Welten. Während die zehn Jahre alte Nikon D5 mit ihrer mechanischen Zuverlässigkeit, dem optischen Sucher und der extremen Lichtempfindlichkeit die sichere Dokumentation im Hier und Jetzt garantierte, ebnete die Z9 zeitgleich den Weg für die nächste Generation der Weltraumfotografie.

Nur angemeldete Benutzer können kommentieren und bewerten.
Dein Kommentar wurde nicht gespeichert. Dies kann folgende Ursachen haben:
1. Der Kommentar ist länger als 4000 Zeichen.
2. Du hast versucht, einen Kommentar innerhalb der 10-Sekunden-Schreibsperre zu senden.
3. Dein Kommentar wurde als Spam identifiziert. Bitte beachte unsere Richtlinien zum Erstellen von Kommentaren.
4. Du verfügst nicht über die nötigen Schreibrechte bzw. wurdest gebannt.
Bei Fragen oder Problemen nutze bitte das Kontakt-Formular.
Nur angemeldete Benutzer können kommentieren und bewerten.
Nur angemeldete Plus-Mitglieder können Plus-Inhalte kommentieren und bewerten.