Seit mehr als sieben Jahren plant die NASA ihre Rückkehr zum Mond. Anonyme Insider haben dem US-Portal Bloomberg zufolge jetzt aber eine sich anbahnende Planänderung durchgestochen: Bisherige Rollenverteilungen könnten stärker denn je auf dem Prüfstand stehen. Und selbst wenn der Status quo weiter Bestand hat, steht ein Verlierer auf alle Fälle fest: Boeing.
Keine Mondlandung ohne SpaceX
Die Vorbereitungen für den geplanten April-Start des Space Launch Systems (SLS) laufen auf Hochtouren. Doch die NASA werkelt im Hintergrund angeblich an einer neuen Vision für die erste Mondlandung seit mehr als 50 Jahren:
Stimmen die neuen Informationen wird Artemis 2 die letzte Mission sein, während der Menschen ohne Hilfe von SpaceX zum Mond reisen. Ab Artemis 4 soll demnach das Starship von SpaceX eine Extra-Aufgabe bekommen. Artemis 3 ist ein Sonderfall, zu dem wir gleich kommen oder über den ihr hier Details lest.
Nach bisherigen Plänen fliegt die Orion-Raumkapsel eigenständig zum Mond. Dort trifft sie auf das Human Landing System (HLS) – eine Variante des Starships. Hieran soll laut den NASA-internen Quellen gerüttelt werden: Orion dockt schon im Erdorbit an das HLS an und fliegt quasi Huckepack zum Mond mit. Dort steigen die Astronauten wie bisher auch geplant ins HLS um und landen auf unserem Trabanten.
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Nach einigen Tagen startet die Crew darin wieder und begibt sich erneut an Bord von Orion, das die Crew zurück zur Erde bringt. Das HLS bleibt im Orbit, es ist für eine Rückkehr nicht ausgelegt. So verfügt es beispielsweise nicht über Hitzeschutzkacheln zum Wiedereintritt oder über genügend Treibstoff für einen Rückflug. SpaceX legt diese Untervariante des Starships für minimales Gewicht aus.
Die eventuelle Neuverteilung kommt nicht völlig aus dem Nichts: Erst kürzlich legte NASA-Chef Jared Isaacman offen, dass das Mondlandeprogramm einen neuen Ablauf erhält: Anstatt Mondlandung 2027 mit Artemis 3, stehen Docking-Übungen mit den Landern von SpaceX und Blue Origin im Erdorbit im Fokus. Dafür sollen dann aber möglichst 2028 gleich zwei Besatzungen auf dem Mond aufsetzen (Artemis 4 und 5).
Allerdings bleibt bei diesem scheinbar einfacheren Plan eine Hürde: das Starship. Stimmen seine Fortschritte im Jahr 2025 zwar durchaus optimistisch, bleiben dennoch Zweifel: Seine baldige Bereitschaft für Flüge zum und Landungen auf dem Mond kann keineswegs als sicher gelten. Der für April geplante Testflug dient als wichtiger Meilenstein auf dem Weg dahin.
Offizielles, das die Gerüchte bestätigt oder als falsch entlarvt, sollten wir bald hören. Denn laut den anonym bleibenden Quellen trifft sich NASA-Chef Jared Isaacman heute (25.03) mit SpaceX, Blue Origin, ULA und Boeing.
Boeing steht als Verlierer der Neuordnung jetzt schon fest
Derweil dürfte Boeing besorgt auf seine Zusammenarbeit mit der NASA blicken. Selbst wenn das HLS von SpaceX weiter im Mondorbit auf Orion warten sollte, hat Boeing damit zusehends weniger zu tun.
Denn die geplante neue Oberstufe für die SLS streicht die NASA auf alle Fälle. Sie hätte von Boeing kommen sollen. Stattdessen gaben sie vor wenigen Tagen durch eine öffentliche Auftragsvergabe bekannt, dass dieses Segment der SLS ab Artemis 4 weiter aus den Werkhallen der United Launch Alliance (ULA) rollt.
Somit käm ab Artemis 4 Hardware folgender Hersteller zum Einsatz:
- Startabbruchsystem: Northrop Grumman
- Orion Crew Module: Lockheed Martin
- European Service Module: Airbus/ESA.
- Oberstufe: ULA (ICPS jetzt, Centaur V ab 2028).
- SLS Kern und Booster: Boeing (Kern), Northrop Grumman (Booster).
Boeings Rolle beschränkt sich auf den Kern der SLS, der die Rakete das größte Stück durch die untere Atmosphäre hievt. Für den Konzern kommt dieser Rückschlag zur Unzeit: Gerade rückte die NASA den bemannten Flug des Starliners formal in eine Riege mit den größten Katastrophen ihrer Geschichte.
Damit würde sich bewahrheiten, was wir bereits vor über einem Jahr prophezeiten: Die Erfolge der NASA verschmelzen zusehends untrennbar mit denen von SpaceX.
Boeing verlöre als bloßer Hersteller der Kernstufe weiter an Einfluss. Der für den Luft- und Raumfahrthersteller umso bedrohlichere nächste Schritt fiele der NASA leichter: Die Mondrakete könnte vielleicht einige Jahre später komplett durch eine weitere Starship-Variante ersetzt werden.
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