Wissenschaftler erproben erfolgreich Methode zur Asteroidenabwehr wie aus einem Katastrophenfilm

Könnten Nuklearwaffen die Menschheit vor Asteroiden retten? Forscher sind einer Antwort auf diese Frage einen großen Schritt näher gekommen.

Ein Asteroid im Anflug auf die Erde. Forscher sind auf der Suche nach Methoden, um ihn lange bevor er gefährlich wird, abzulenken. Bildquelle: Stock.Adobe.com Von dimazel Ein Asteroid im Anflug auf die Erde. Forscher sind auf der Suche nach Methoden, um ihn lange bevor er gefährlich wird, abzulenken. Bildquelle: Stock.Adobe.com Von dimazel

Es ist nur eine Frage des Wann, nicht des Ob. Das Schicksal der Erde steht fest: Garantiert wird ein Asteroid, der Hunderte Meter oder gar mehrere Kilometer mächtig ist, eines Tages einschlagen. Was uns dann genau drohen würde, hängt von vielen Faktoren ab. Eine Katastrophe, wie sie einst die Geißel der Dinosaurier brachte, ist aber wahrscheinlich. Doch es gibt Hoffnung, denn durch unseren Zugang zum All können wir den Brocken theoretisch, lange bevor er unsere Heimat verwüstet, erreichen.

Ein neues Experiment hatte simulierte Sprengkraft im Gepäck: Atombomben. Könnten sie unsere Rettung in höchster Not sein? Wissenschaftler haben es in einer der modernsten Forschungseinrichtungen getestet. Dabei entspringt dieser extreme Ansatz dem Erfolg einer kosmischen Kollision. Bei der lernten wir, wir können es, aber eben bisher nicht kräftig genug.

Der Vorgänger: eine kosmische Kollision mit Folgen

Asteroiden irgendwie abzuwehren, ist ein lang gehegter Traum von Wissenschaftlern. Am 26. September 2022 war der Tag gekommen, es erstmals in echt zu testen. Als Höhe- und Zielpunkt des Double Asteroid Redirection Tests (DART), schlug die gleichnamige Sonde in den Asteroiden Dimorphos ein.

Illustration der DART-Mission, die beschreibt, wie Dimorphos aus dem blauen Originalorbit durch den Impakt in einen engeren roten Orbit gedrückt wurde. Quelle: Adobe Stock von DART Simulation Grafik Adobe Stock von alejomiranda Illustration der DART-Mission, die beschreibt, wie Dimorphos aus dem blauen Originalorbit durch den Impakt in einen engeren roten Orbit gedrückt wurde. Quelle: Adobe Stock von DART Simulation Grafik Adobe Stock von alejomiranda

Das exakte Ausmaß des Erfolgs soll in einigen Jahren von dem vor Kurzem gestarteten Satelliten Hera bestimmt werden. Doch bisher deuten alle Daten Positives an: Wir können Bahnen von Asteroiden durch von der Erde gestartete Projektile verändern - und sie vor allem auch zuvor exakt genug ansteuern. Doch es gibt ein Problem: Dimorphos ist mit seinen rund 170 Metern Durchmesser vergleichsweise winzig.

DART hätte bei einem Körper der Größe des Asteroiden von vor 66 Millionen Jahren, der den Chicxulub-Krater vor Mexico hinterließ, quasi nichts bewirkt. 14 Kilometer maß er laut aktueller Forschung. Deshalb jetzt Atombomben, worauf auch die Forscher selbst in ihrem Bericht auf Nature.com verweisen.

Nuklearwaffen als Bowlingkugeln des Sonnensystems

Da natürlich kein echter Test infrage kam, musste ein Experiment genügen. Dieses fand in der Z-Maschine der Sandia Forschungsanstalten in den USA statt. Dabei handelt es sich um das weltweit führende Laboratorium zur Erforschung hochenergetischer Zustände. Sie kam zuletzt auch für einen entscheidenden Fortschritt bei der Kernfusion durch den stärksten Schuss der Geschichte zum Einsatz.

Das Wissenschaftsteam erzeugte einen extrem starken Impuls an Röntgenstrahlung, der die Atombombe nachahmte. Dieser traf auf ein winziges, mathematisch passend berechnetes Testobjekt. Im Weltall wäre mangels Luftmolekülen nämlich Strahlung das primäre Resultat einer Nuklearexplosion.

Das Ergebnis: Je nach Zusammensetzung des Asteroiden würde genügend Energie übertragen werden, um seine Flugbahn abzuändern. Die Explosion könnte ihm also einen Schubs geben. Das derzeit errechnete Limit dieser Methode unter optimalen Bedingungen liegt bei wenigen Kilometern Durchmessern.

Das ist für sich genommen zu wenig, allerdings wäre es um ein Vielfaches wirksamer als eine Kollision wie bei DART. Ferner könnte solch ein buchstäblicher Ablenkungsangriff ja mehrfach nahe des Asteroiden ansetzen und ihn so sachte in Etappen auf eine andere Umlaufbahn um die Sonne schieben.

Warum ablenken und nicht zerstören? Uns wäre wenig geholfen, wenn aus einem großen Brocken eine Armada kleinerer wird, die aber dennoch nur auf leicht anderen Kurs gen Ende streben. Die Schäden wären dennoch enorm. Denn auch mit Atomwaffen überstiege es unsere Fähigkeit, einen mehrere Kilometer durchmessenden Asteroiden zu verdampfen oder so extrem zerkleinern, dass die Atmosphäre den Rest erledigt.

Theoretisch menschheitsrettend, aber verboten

Letzten Endes würde die Wissenschaft hier aber an der Juristerei scheitern. Denn auch wenn wir könnten, dürfte niemand Nuklearwaffen auf Raketen packen und in den Weltraum schießen. Das verbieten nämlich spätestens in Kombination der Vertrag über das Verbot von Kernwaffenversuchen [....] und der Atomwaffensperrvertrag. Alle Staaten, die nachweislich Kernwaffen besitzen, haben mindestens einen und die meisten beide unterschrieben.

Ehe also irgendwer im Ernstfall die Experimente in der Praxis mit echten Nuklearwaffen nachstellen könnte, bräuchte es hier eine stichfeste Einigung aller Akteure.

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