Ich werde mich immer an diesen Moment erinnern. Juli 2016, zehn Jahre ist’s her, der Sommer kühler, mein Haar dichter – ich sitze da und schreibe einen Artikel, den ich nicht schreiben will. Die Headline: »Der neue DLC für Street Fighter 5 ist fantastischer Fan-Service … und eine Frechheit.«
Frechheit, weil wir zwar eine kostenlose Story-Kampagne nachgereicht bekamen, aber Street Fighter 5 damals unter horrenden Bezahlschranken litt, für die ihr endlos grinden oder echtes Geld auf den Tisch legen musstet. Frechheit, weil Street Fighter 5 ein paar Monate vorher in einem desaströsen Release-Zustand erschienen war und erst peu à peu zu einem fertigen Spiel wurde. Frechheit, weil hier eines meiner liebsten Franchises an Service-Game-Gier vor die Hunde zu gehen drohte.
Dem Fan in mir brach es das Herz; ich war mit Capcom-Marken groß geworden. Mit Mega Man, Street Fighter, Final Fight, den ganzen Disney-Capcom-Spielen fürs Super Nintendo. Doch die einst großen Franchises des japanischen Publishers dümpelten im Orkus herum, Resident Evil schien nach Teil 6 Geschichte zu sein, stattdessen bekamen wir halbgare Remaster, 3DS-Spiele und was auch immer Umbrella Corps sein sollte.
Heute, 2026, wirkt all das so weit weg, dass ich permanent googeln muss, ob ich mich richtig erinnere. Während die komplette AAA-Branche vor allem hier im Westen an Entlassungswellen, Skandalen und enttäuschenden Releases krankt, geht es Capcom so gut wie noch nie. Der Gewinn des Unternehmens hat sich seit damals verfünffacht, in puncto Gewinnmarge übertreffen das nur Megakonzerne wie EA, Microsoft, Nintendo und Tencent.
In der Außenwahrnehmung steht Capcom aber besser da als alle genannten Riesen zusammen, zwei Jahre in Folge bringt kein Spiel die Säle von Summer Game Fest, gamescom und Co. so zum Beben wie das neueste Resident Evil.
Dass dieser Sonderweg so erfolgreich ist, liegt in meinen Augen an drei Stoßrichtungen.
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