Wer auf die Packung von Batterien schaut, wird eines fast nie lesen: Made in Germany
. Egal, ob in klein fürs Spielzeug, massiv wie beim Auto oder gewaltig als Zwischenspeicher bei Kraftwerken, die Energiepakete kommen meist aus dem außereuropäischen Ausland. Das ist allein schon ein gravierendes Problem in Anbetracht fragiler Lieferketten und steigender Kosten. Hinzu kommen Bedenken, was eine Abhängigkeit in Zeiten brüchiger Friedensverhältnisse bedeutet.
Ein milliardenschweres Projekt strebt an, Deutschland als Hightech-Nation und Industrieland des 21. Jahrhunderts neu aufzustellen. Der erste Schritt hierzu wurde jetzt getan: Eine Forschungsfabrik fertigte die erste rein deutsch-europäische Batterie, das Ziel: die baldige Massenproduktion.
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Eine deutsche Batterie, hergestellt mit europäischer Technik
Hinter dem kryptischen Titel »Fraunhofer-Einrichtung Forschungsfertigung Batteriezelle« (FFB) steckt ein Vorhaben nationalen Anspruchs und europäischer Tragweite. Denn in dessen Rahmen arbeiten Fachleute des Wissenschafts-Instituts an einer unabhängigen Versorgung mit Batterietechnik – im industriellen Maßstab.
Kürzlich war es so weit: Die erste elektrisch funktionsfähige Lithium-Ionen-Batteriezelle verließ die Werkhalle in Münster. Das Besondere an ihr: Sie resultiert aus einer nie zuvor dagewesenen Produktionskette. Durchgängig kam ausschließlich europäische Anlagentechnik zum Einsatz – ein Novum. Sonst fußt dieser Zweig der Weltwirtschaft stark auf Fertigung in China, selbst wenn nur Teile der Herstellung dort ablaufen.
Was allerdings weiter gilt: Die Rohstoffe kamen wahrscheinlich wie üblich aus Zentralafrika, Asien und Südamerika. Wir können hier aber nur vermuten, denn dazu machen die Betreiber keine Angaben.
Bundesministerin für Forschung, Technologie und Raumfahrt Dorothee Bär feiert es als Triumph und sieht darin »einen entscheidenden Meilenstein für Batterien Made in Germany«.
Zwischen Idee, Labor, Werkhalle und Gigafactory
Der Bund investiert bis zu 750 Millionen Euro in den Aufbau, während das Land NRW rund 320 Millionen Euro in Form von Grundstücken und Gebäuden beisteuert. Das Vorhaben gliedert sich in drei Teile auf:
- Der aktuelle Bauabschnitt, die FFB PreFab: Mehr als 3000 Quadratmeter Forschungsfläche als Fertigungsumgebung im Pilotmaßstab, eröffnet im Frühjahr 2024.
- Derzeit ziehen die Akteure die FFB Fab hoch. Sie soll auf etwa 20.000 Quadratmetern Grundfläche Produktion und Forschung ermöglichen. Fraunhofer spricht hierbei von einer Gigafactory womit sie die anvisierte Zielgröße klarstellen: pro Jahr mehrere 1.000 Megawattstunden, also Gigawatt an Batteriekapazität. Eine Eröffnung wird für 2028 angestrebt. Ihren Strom bezieht die Fabrik von einem Solarpark nahe Münster.
- Bis 2035 plant der Verbund aus Staat, Forschung und Industrie Großes: Alle Prozesse sollen erprobt und Lieferwege etabliert sein. Von hieran wollen sie sich langfristig auf dem Weltmarkt behaupten. Deutschland beheimatet nach der Vision dann ein Zentrum für eine wettbewerbsfähige Batterieproduktion, eingebettet in ein europäisches Produktionsnetzwerk.
Das Gesamtprojekt umfasst obendrein das Vorhaben einer möglichst effizienten Kreislaufwirtschaft. Die entworfenen, produzierten und genutzten Batterien unterschiedlicher Größe sollen am Ende ihrer Lebensdauer wiederverwertet werden – im besten Falle in neuen Batterien, aber mindestens in Produkten geringerer technischer Güte.
Es bleiben aber auch Fragen offen: Welche Chemikalien stecken genau drin? Wie viel Kapazität weist die Batterie auf und wie steht sie technisch im Wettkampf mit etablierten Größen des Marktes dar? Zudem besteht weiter die aus vielerlei Perspektiven zweifelhafte Abhängigkeit vom Rohstoffabbau auf anderen Kontinenten.
Einschätzung der Redaktion
Gerald Weßel: Das FFB-Projekt zählt für mich zu den Lichtblicken einer ansonsten oft eher ambitionslosen Wirtschaftspolitik der aktuellen Regierung. Grüne Technologie fördern, Investitionen in die lokale Wirtschaft anschieben und europäische Kooperation ankurbeln, das sind hehre Ziele, schön!
Wir brauchen mehr solche Initiativen, die Neues versuchen und vermeintlich reine Zukunftsschwärmerei in die Gegenwart holen. Denn ohne Zugang zu Batterietechnik verkommen etliche Flaggschiffprojekte des 21. Jahrhunderts zum Lippenbekenntnis: Energiewende, ein Stromnetz von morgen und Elektromobilität verlören ihre Grundlage.
Dabei ist zweitrangig, ob alles gelingt oder tatsächlich nach gestecktem Zeitplan abläuft. Wir werden Fehlschläge erleben – und sie finanzieren müssen. Doch wer wagt, kann auch gewinnen. Derweil kann Deutschland Hightech, wie anderswo gelebte Innovation auch zeigt, zum Beispiel:
- Kernfusion made in München
- Weltrekord-Reaktor an der Ostsee
- Raketenfertigung in Bayern oder in Augsburg
- Hightech-Satelliten aus Bremen
- Betonkugeln als Stromspeicher
Ein Wermutstropfen bleibt aber beim Blick nach Münster: Noch fehlt es uns an Informationen, was wir da nun erfreulicherweise im eigenen Land fertigen. Auch das Problem der Herkunft der Ausgangsressourcen bleibt bisher ungelöst. Doch der Anfang mutet erfreulich an. Wir brauchen eine Top-Batterieindustrie – aber am besten eine, deren Rohstoffe wir möglichst umweltfreundlich innerhalb der EU abbauen.
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