Klar; wer heute an eine Verfilmung von Der Herr der Ringe denkt, verweist in der Regel auf den neuseeländischen Filmemacher Peter Jackson und seine preisgekrönte Trilogie, die er ab 2001 ins Kino brachte. Weniger bekannt ist da schon der Fantasy-Zeichentrickfilm von Ralph Bakshi aus dem Jahr 1978.
Aber wusstet ihr, dass schon Jahre zuvor ausgerechnet die Beatles versucht haben, ihre eigene Film-Version von Der Herr der Ringe zu drehen?
Man stelle sich vor: Tolkiens Mittelerde, aber im Hintergrund dröhnt psychedelische Rockmusik. Paul McCartney wandert als Frodo durchs Auenland, George Harrison kämpft als Gandalf gegen den Balrog, während John Lennon als Gollum einen rohen Fisch vertilgt. Was wie der reinste Fiebertraum klingt, war Ende der 1960er-Jahre tatsächlich in Planung.
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Heute kennen und lieben wir Jacksons Mittelerde-Trilogie. Wie wohl die Beatles Tolkiens Epos umgesetzt hätten?
Ein Herr-der-Ringe-Musical mit den Beatles
Die kuriose Idee nahm ihren Anfang im Frühjahr 1968 (via bbc). Die Produktionsgesellschaft United Artists hatte einen Vertrag über drei Filme mit den Musikern geschlossen. Filmproduzent Denis O’Dell suchte nach A Hard Day’s Night (1964) und Help! (1965) frische Ideen, um die Beatles ein drittes Mal ins Kino zu bringen.
Zu jener Zeit führten United Artists aktive Verhandlungen mit Tolkien, um sich die Filmrechte von Der Herr der Ringe zu sichern. O’Dell fasste daher die Idee, dass die Beatles doch ausgezeichnet zu einem Mittelerde-Musical passen würden. Kurzerhand soll er der Band, die gerade den Guru Maharishi Mahesh Yogi im indischen Rishikesh besuchte, die Romane geschickt haben – mit nachhaltigem Erfolg. Die Musiker, die eher als lesefaul galten, sollen Tolkiens Bücher verschlungen und die Geschichte geliebt haben.
Das Feuer war entfacht: Die Beatles wollten jetzt ihren eigenen Herr-der-Ringe-Film umsetzen und waren dabei richtig ambitioniert. Es war geplant, dass die Band nicht einfach nur die Filmmusik beisteuert, sondern auch gleich die Hauptrollen übernimmt. Berichten zufolge war folgende Besetzung geplant:
- Paul McCartney als Frodo Beutlin
- Ringo Starr als treuer Gefährte Samweis Gamdschie
- George Harrison als Zauberer Gandalf
- John Lennon (konnte sich lange nicht zwischen verschiedenen Rollen entscheiden) als Gollum
Lasst die Besetzung einfach einmal kurz auf euch wirken und stellt euch für einen Moment vor, wie die Beatles ihre Rollen wohl ausgespielt hätten. Wer Lust hat, kann sich den restlichen Cast aus bekannten Stars jener Zeit dazudichten und das Kopfkino ordentlich rattern lassen. Viel Spaß!
Stanley Kubrick war als Regisseur geplant
Um das geplante Mammutprojekt umzusetzen, wandten sich die Beatles an keinen Geringeren als Stanley Kubrick. Der Kult-Regisseur arbeitete gerade an seinem Meisterwerk 2001: Odyssee im Weltraum – und lehnte das Angebot für den Herr-der-Ringe-Film mit den Beatles dankend ab. Obwohl er die Romane sehr schätzte, hielt er das komplexe Universum schlicht für unverfilmbar.
Auch mit David Lean (Lawrence von Arabien, Doktor Schiwago) und Michelangelo Antonioni (L’Avventura, Blow Up) sollen Gespräche geführt worden sein, wobei Antonioni noch am meisten Interesse zeigte. Allerdings scheiterte das Projekt an einer ganz anderen Stelle.
Tolkien erteilte den Beatles eine Absage
Bevor die Beatles überhaupt ernsthaft an ihrem Herr-der-Ringe-Film arbeiten konnten, zerbrach die kuriose Idee an dem Mann, der Mittelerde erschaffen hatte: J.R.R. Tolkien. Der Autor war wenig begeistert von der Vorstellung, dass eine exzentrische Pop-Band sein reichhaltiges Fantasy-Universum adaptiert. Er konnte sich zudem einfach nicht vorstellen, dass die Musiker seinen Figuren die nötige Tiefe verleihen könnten.
Daher verweigerte er schlicht die Freigabe der Rechte an die Beatles und schob dem Projekt schon früh einen Riegel vor. Kurz darauf zerfiel dann auch die Band und machte so auch jegliche Ambitionen auf neue Beatles-Filme zunichte.
Erst Jahrzehnte später schuf Peter Jackson seine weltberühmte Trilogie, die für viele eine der besten Buchverfilmungen aller Zeiten darstellt. Dennoch bleibt die Frage, wie ein Herr-der-Ringe-Film der Beatles geworden wäre und vor allem, wie er wohl geklungen hätte. Ich bin auch ganz ehrlich: Herr der Ringe inszeniert von Stanley Kubrick würde ich schon gerne mal sehen – auch wenn ich Jacksons Trilogie gegen Nichts in der Welt eintauschen wollen würde.
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