Beyerdynamic hat ein Wireless-Headset für unter 100 Euro gebaut, doch setzt für mich, trotz toller Features, die völlig falschen Prioritäten

Trotz toller Verarbeitung und Low-Latency: Von Beyerdynamics' kabellosem Gaming-Headset für Einsteiger habe ich mir deutlich mehr erhofft.

Ich habe das MMX 100 von Beyerdynamic voller Erwartung ausprobiert – doch konnte nicht überzeugt werden. (Bildquelle: GameStar Tech) Ich habe das MMX 100 von Beyerdynamic voller Erwartung ausprobiert – doch konnte nicht überzeugt werden. (Bildquelle: GameStar Tech)

Auf der diesjährigen IFA hatte ich einen Termin bei Beyerdynamic, um mir die neuen Gaming-Kopfhörer anzusehen. Dazu gehören das MMX 150, das Nele in der geschlossenen Variante bereits ausführlich getestet hat, sowie das MMX 100.

Beide sind keine komplett neuen Modelle, sondern die kabellosen und überarbeiteten Nachfolger der älteren Headsets der Marke. Der Fokus der Geräte liegt klar auf Videospielen, wobei sich vor allem das MMX 100 an Einsteiger und Hobbyspieler richtet.

Und während mich das kompakte Design, das geringe Gewicht und einige der technischen Specs des für unter 100 Euro erhältlichen MMX 100 direkt begeistert haben, entpuppt sich ausgerechnet der Klang als größtes Manko des Kopfhörers.

Video starten 0:38 Das Beyerdynamic MMX 150 Wireless verspricht High-End-Audio ohne den High-End-Preis

Hohe Erwartungen nach der IFA 

Auf der Technikmesse in Berlin wurden mir die neuen MMX 150 vorgestellt, die ich auch direkt in einer Runde Mario Kart World auf der Switch 2 ausprobieren konnte. Auch wenn die Audioqualität nicht absolut überwältigend war, hat mich das Headset überzeugt und beim Ausprobieren richtig Spaß gemacht.

Das MMX 100, wegen dem ich eigentlich vor Ort war, konnte ich dort allerdings nicht testen – Beyerdynamic hatte das Modell bereits auf der Gamescom gezeigt und deshalb für die IFA gar nicht erst eingepackt. Stattdessen habe ich das Headset im Anschluss zugeschickt bekommen. 

Durch meine positiven Eindrücke vom MMX 150 habe ich dementsprechend aber recht hohe Erwartungen an das MMX 100 gehabt. Als das Gerät bei mir ankam, konnte ich es kaum erwarten, das Gaming-Headset in der Praxis auszuprobieren – allerdings wurde ich schneller überrascht als gedacht.

Das MMX 100 gitb es in verschiedenen Farben – etwa in Arctic White. (Bildquelle: GameStar Tech) Das MMX 100 gitb es in verschiedenen Farben – etwa in Arctic White. (Bildquelle: GameStar Tech)

Für 99 Euro gehört es zu den günstigen Modellen der Marke

Die Verarbeitung des Headsets ist gewohnt hochwertig – genau so, wie ich es von Beyerdynamic kenne und schätze. Zudem bietet der Kopfhörer einige Features für ein bequemes Tragegefühl und einen einfachen Transport, darunter etwa dreh- und einklappbare Gelenke.

Damit es im Gaming-Alltag flexibel einsetzbar ist, bietet das Wireless-Headset verschiedene Verbindungsmöglichkeiten: Ihr könnt es über Bluetooth, per USB-C (auch mittels USB-C-auf-Klinke-Kabel) oder über den mitgelieferten Low-Latency-Dongle koppeln.

Letzteres ist beim Spielen besonders wichtig, da es in vielen Titeln auf eine absolut verzögerungsfreie Audioausgabe ankommt. Und das meistert der Kopfhörer wirklich sehr gut.

Egal ob in Battle Royales oder taktischen Shootern – am Ende entscheidet oft der Bruchteil einer Sekunde, wer den Gegner zuerst gehört hat.

Das Headset sitzt bequem und lässt sich rasterweise verstellen. (Bildquelle: GameStar Tech) Das Headset sitzt bequem und lässt sich rasterweise verstellen. (Bildquelle: GameStar Tech)

Um die Latenz auf Herz und Nieren zu prüfen, habe ich zunächst eine Runde Fortnite gespielt und die Kopfhörer danach in Hunt Showdown auf die Probe gestellt. Gerade Letzteres gehört für mich zu den Spielen, bei denen eine minimale Verzögerung essenziell ist.

Beim Spielen konnte ich keinerlei störende Verzögerungen feststellen – von der geringen Latenz bin ich absolut überzeugt. Klar ist aber auch, dass gerade Profi-Spieler nach wie vor lieber zu kabelgebundener Technik greifen, um auch das letzte Fünkchen Latenz zu eliminieren.

So positiv das alles klingt: Der Kopfhörer hat ein entscheidendes Problem, das mich am Ende doch lieber zu einer Alternative greifen lässt: und das ist der Klang.

Der Sound könnte deutlich besser sein

Da sich das Headset in erster Linie an Gelegenheitsspieler und Einsteiger richtet, habe ich von vornherein keine klanglichen Wunderwerke erwartet. Durch meine Erfahrungen mit dem MMX 150 hatte ich aber zumindest einen gewissen Mindestanspruch im Kopf.

Diesen erfüllt das MMX 100 leider nicht ganz. Im Vergleich zum kabelgebundenen Original von vor einigen Jahren schneidet das Klangbild der Wireless-Variante sogar spürbar schlechter ab.

Während die kabellose Ausführung einen Frequenzbereich von 20 Hz bis 20 kHz abdeckt, bot das Original noch 5 Hz bis 30 kHz. Und diesen Unterschied hört man tatsächlich heraus.

Während die Mitten durchaus solide klingen, wirkt der Bass etwas dumpf und den Höhen fehlt es spürbar an Spritzigkeit. Insgesamt verläuft sich das Klangbild stark in den Mitten – wie sehr das auffällt, hängt allerdings stark vom jeweiligen Spiel oder Medium ab.

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Meine Erfahrung beim Spielen

Bei Fortnite ist mir der flache Sound besonders schnell aufgefallen, sodass schon bei den Emotes in der Lobby die Tracks nicht so rund und sauber klangen, wie ich es gewohnt bin – insgesamt sogar eher etwas matschig.

Basslastige Effekte gehen in den Mitten unter, sodass Schüsse und Explosionen stellenweise wie ein fast schon übersteuernder Einheitsbrei wirken.

Ein ähnliches Bild hatte ich an der Switch: Bei Mario Kart World hatte ich durch den flachen Klang der Item- und Charakter-Sounds schnell genug.

Deutlich besser schnitt das Headset hingegen bei Call of Duty: Modern Warfare, Hunt Showdown und Alien Isolation ab. Hier kommt das detaillierte Sounddesign der Spiele ordentlich zur Geltung, auch wenn die Tiefen erneut etwas gedämpft rüberkommen. 

Für mich zeigt sich dadurch, dass das große Problem in den Höhen liegt, die trotz Frequenz bis 20.000 Hz nicht so rüberkommen, wie ich es mir erhofft habe. Das zeigt sich besonders beim Musikhören. Hi-Hats klingen alles andere als rund und Gitarrensolos wirken mitunter stark komprimiert.

Die MMX 100 lassen sich drehen und falten, um besser transportiert zu werden. (Bildquelle: GameStar Tech) Die MMX 100 lassen sich drehen und falten, um besser transportiert zu werden. (Bildquelle: GameStar Tech)

Das Mikrofon hält nicht in jeder Situation, was es verspricht

Beyerdynamic wirbt zwar damit, dass das Mikrofon im Vergleich zur Kabelvariante ein Upgrade erhalten hat und nun einen Frequenzbereich von 20 Hz bis 24 kHz abdeckt. Das stimmt allerdings nur auf dem Papier.

Im Low-Latency-Bluetooth-Modus werden die Frequenzen bereits ab 8 kHz abgeschnitten – also bei einem Drittel der Werbeangabe. Für die volle Mikrofonqualität braucht es den Kabelmodus des Geräts, was die Wireless-Funktion für mich etwas hinfällig macht.

Ohne Kabel ist die Audioqualität zwar im unteren Bereich, aber keineswegs unerträglich. Für eine gemütliche Online-Session reicht das Mikrofon also allemal aus.

Anders als erwartet, aber kein kompletter Reinfall

Das Gerät ist bei weitem nicht unterirdisch, dennoch habe ich mir für den Preis von rund 100 Euro deutlich mehr erhofft. Eben auch, weil das MMX 150, das meine Erwartungen gesetzt hat, für einen Aufpreis von »lediglich«  50 Euro erhältlich ist.

Zudem bekommt man in diesem Preisbereich stellenweise stärkere Alternativen – etwa von Sony oder HyperX. Auch das AVENTHO Y von Beyerdynamic hat mich beim Spielen klanglich spürbar mehr überzeugt, selbst wenn man dort auf den Low-Latency-Modus verzichten muss.

Die größte Enttäuschung bleibt für mich jedoch, dass die Wireless-Version des MMX 100 im direkten Vergleich zum kabelgebundenen Vorgänger wie ein Rückschritt wirkt. Warum das so ist, lässt sich schwer sagen – ich vermute allerdings, dass Beyerdynamic hier Kompromisse zugunsten der Akkulaufzeit eingehen musste.

Wenn ihr auf der Suche nach einem flexiblen Gaming-Headset unter 100 Euro seid und klangliche Höchstleistungen für euch zweitrangig sind, könntet ihr mit dem Beyerdynamic MMX 100 durchaus glücklich werden – erst recht, weil die Verarbeitung gewohnt erstklassig ist und der Tragekomfort auch bei langen Sessions überzeugt.

In allen anderen Fällen würde ich euch jedoch raten, nach Alternativen Ausschau zu halten. Oder, falls ihr bei der Marke bleiben wollt und euch ein Kabel nicht stört, direkt zum gleichnamigen Vorgängermodell zu greifen.


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