»Bis zu 6.000 Nits hell«: Handy-Hersteller werben bei den Displays mit gigantischen Zahlen – dabei ist eine andere viel wichtiger

Smartphone-Displays werden auf dem Papier immer heller, doch die gigantischen Zahlen sagen im Alltag wenig aus.

Hohe Zahlen sorgen oftmals für hochgezogene Augenbrauen. Doch in Wahrheit steckt mehr dahinter. (Bildquelle: Realme, ikril Adobe Stock) Hohe Zahlen sorgen oftmals für hochgezogene Augenbrauen. Doch in Wahrheit steckt mehr dahinter. (Bildquelle: Realme, ikril / Adobe Stock)

»Up to«, auf Deutsch »bis zu«, gehört zu den beliebtesten Marketingbegriffen überhaupt. Die beiden Wörter sollen eine extrem hohe Zahl für den Alltag bedeutsamer machen.

Ein inzwischen gängiges Beispiel ist die Spitzenhelligkeit bei Smartphone-Displays. Inzwischen erreichen Hersteller mit ihren Geräten laut Datenblatt Sphären von stolzen 6.000 Nits und sogar mehr.

Die Wahrheit ist: Für euch spielt das kaum eine Rolle. Bei den 6.000 Nits handelt es sich um die sogenannte lokale Spitzenhelligkeit, die nur unter ganz bestimmten Testbedingungen erreicht wird. In der Regel erreichen die Displays diesen Wert nur kurzzeitig, auf einem kleinen Ausschnitt des Bildschirms und meist nur bei äußerst hellen Stellen in HDR-Inhalten.

Eine gleichmäßige Helligkeit des gesamten Bildschirms ist mit solchen Werten im Alltag nicht erreichbar.


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Was hinter der (lokalen) Spitzenhelligkeit steckt

Die lokale Spitzenhelligkeit wird üblicherweise mit einem kleinen weißen Testfeld gemessen (via digit.in), das etwa einen sehr geringen Teil der Bildschirmfläche ausmacht, während der Rest schwarz bleibt. Die genaue Messfläche geben viele Hersteller nicht an.

OLED-Displays können jeden Pixel einzeln ansteuern und so auf kleiner Fläche enorm viel Energie bündeln. Wenn jedoch mehr vom Display leuchten muss, ist schnell Schluss mit der extrem hohen Helligkeit. Der Stromverbrauch und die Hitzeentwicklung würden sonst explodieren.

Das bedeutet: Im Alltag erreicht ihr die angegebenen hohen Helligkeitswerte in der Regel nicht. Um solche Zahlen annähernd zu erreichen, müssen kontrollierte Laborbedingungen geschaffen werden.

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Die Zahl, auf die es ankommt

Viel wichtiger ist die sogenannte HBM-Helligkeit – kurz für High Brightness Mode. Sie gibt an, wie hell das Display im hellen Außenmodus bei aktivierter automatischer Helligkeitsregelung wird. Dieser Wert verrät am ehesten, ob sich ein Handy in der Sonne gut ablesen lässt, er ist allerdings kein Dauerwert.

Wichtig: Auch hier ist nicht immer klar, auf welcher Bildschirmfläche der Hersteller den Wert misst.

Diese Angabe ist bei vielen Herstellern auch gut versteckt, und das hat einen Grund: Sie liest sich deutlich weniger spektakulär. Beim Realme GT 6 aus dem Jahr 2024 etwa stehen 6.000 Nits Spitzenhelligkeit (bei niedrigem APL) »nur noch« 1.600 Nits im Vollbild gegenüber.

Manche Hersteller schlüsseln die Richtwerte besser auf, wie Apple etwa beim iPhone 18 Pro.

  • 1.000 Nits maximale typische Helligkeit (gilt für SDR-Inhalte)
  • 1.600 Nits Spitzenhelligkeit (gilt für HDR-Inhalte)
  • 3.000 Nits Spitzenhelligkeit im Freien (Gilt nur für die Helligkeitsautomatik bei starkem Sonnenlicht)

Auf welcher Fläche gemessen wird, verrät aber auch Apple nicht. Immerhin wisst ihr so, welcher Wert in welcher Situation gilt.

Fairphone 6
Niederlande
Fairphone 6
Gigaset GS6
Deutschland
Gigaset GS6
Punkt MC02
Schweiz
Punkt MC02
Nothing Phone (3)
England
Nothing Phone (3)
Crosscall Stellar M6
Frankreich
Crosscall Stellar M6

Welche Werte gut sind

Die gute Nachricht: Aktuelle Mittelklasse- und High-End-Smartphones bieten eine hervorragende Displayhelligkeit. Dadurch ist selbst bei direkter Sonneneinstrahlung alles problemlos vom Bildschirm abzulesen.

500 (Links), 700 (Mitte) und 1.000 Nits (rechts) machen bei Sonne durchaus einen Unterschied. (Bildquelle: Marinus GameStar Tech) 500 (Links), 700 (Mitte) und 1.000 Nits (rechts) machen bei Sonne durchaus einen Unterschied. (Bildquelle: Marinus /GameStar Tech)

Bei älteren Mittelklasse-Handys oder Budget-Smartphones lohnt sich ein genauer Blick ins Datenblatt. Als Faustregel für die globale Helligkeit gilt (HBM):

  • unter 800 Nits: in praller Sonne schwieriger abzulesen
  • 800 bis 1.200: solide, typisch für günstige Mittelklasse
  • 1.200 bis 1.600 Nits: gut, draußen meist problemlos ablesbar
  • 1.600 bis 2.000 Nits: sehr gut, Oberklasse-Niveau
  • über 2.000 Nits: herausragend, aber kaum nennenswerter Mehrwert im Alltag

Displayhelligkeit ist nicht alles

Seit dem S24 Ultra (oben im Bild) setzt Samsung auf Gorilla Glass Armor. Dadurch werden Reflexionen spürbar reduziert. (Bildquelle: Patrick GameStar Tech) Seit dem S24 Ultra (oben im Bild) setzt Samsung auf Gorilla Glass Armor. Dadurch werden Reflexionen spürbar reduziert. (Bildquelle: Patrick / GameStar Tech)

Neben der Helligkeit ist auch die Spiegelung des Displays von Bedeutung. Ein Paradebeispiel ist Samsung, das mit Gorilla Glass Armor Reflexionen drastisch reduziert. Mit einer entsprechenden Schutzfolie oder einem Panzerglas sind diese Vorteile allerdings hinfällig.

Zudem spielt die Einstellung eine große Rolle. Hohe Displayhelligkeiten erreichen die Geräte, wie erwähnt, oftmals nur bei automatischer Helligkeitsregelung und bei starkem Umgebungslicht. Manuell über den Regler lassen sie sich nicht erreichen.

Unterm Strich sind enorme Werte bei der Spitzenhelligkeit vor allem eins: schönes Marketing. Es lohnt sich daher, das Kleingedruckte zu lesen oder die Spezifikationen genau zu prüfen.


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