Ich bin ein bisschen nervös, doch Randy Pitchford ist es offenbar auch. Bevor mir hinter verschlossenen Türen der erste Trailer zu Borderlands 4 gezeigt wird, möchte der Gründer des Borderlands-Studios noch etwas sagen: Du bist die erste Person außerhalb von Gearbox, die diesen Trailer sieht. Ich werde jetzt genau auf deine Reaktion achten
, kündigt er an.
Vielleicht hätte ich ihm noch sagen sollen, dass ausdrucksstarke Mimik nicht zu meinen Stärken gehört, denke ich mir später. Aber viel wichtiger ist ja sowieso, was all die anderen Fans denken, die den Trailer sehen.
Und ich kann mir vorstellen, dass es den ein oder anderen überraschten Aufschrei geben wird: Denn Borderlands 4 schlägt nicht nur ein ganz neues Kapitel seiner Geschichte auf, die Entwickler kündigen auch richtig spannende Gameplay-Innovationen an.
Was gibt es überhaupt zu sehen?
Inzwischen habt ihr den Trailer wahrscheinlich schon selbst angeschaut und vielleicht sogar schon das ein oder andere Detail entdeckt. Falls nicht, könnt ihr gleich hier einen Blick darauf werfen:
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Borderlands 4: Der erste Trailer des Shooters wirkt deutlich ernster als die Vorgänger
Borderlands 4 sieht in vielerlei Hinsicht genau so aus, wie ich es erwartet hatte: Explosionen, Psychos, Waffen und natürlich treten unsere vier neuen Kammerjäger auf. Wer sie genau sind, will mir Randy Pitchford noch nicht verraten.
Immerhin bestätigt er aber, dass es wieder eine Sirene als spielbaren Charakter geben wird. Wahrscheinlich handelt es sich um die Dame, die auf der linken Seite läuft:
Ich kann natürlich auch etwas zu den Rollen der anderen Kammerjäger spekulieren: Der Muskelprotz in Rüstung setzt möglicherweise auf Nahkampfangriffe oder schwere Waffen und kann bestimmt so einiges einstecken. Ganz rechts sehe ich eine Kammerjägerin mit Brille und lockigen Haaren, die auf mich wie eine Technikerin oder Wissenschaftlerin wirkt.
Der junge Mann ganz links schwingt in der nächsten Szene des Trailers zwei futuristische Schwerter. Möglicherweise ist er ähnlich wie Zero eine Art Assassine und erledigt Gegner aus dem Hinterhalt.
Details zu Skills und Profil der Kammerjäger gibt es zwar noch nicht, aber sie sollen die »vielfältigsten Fertigkeitsbäume« spendiert bekommen, die es jemals in Borderlands gab, so Pitchford.
Fehlt da nicht jemand?
Aber Borderlands 4 hält sich bisher nicht nur beim Zeigen der neuen Figuren zurück. Im Trailer sehen wir auch kaum bekannte Charaktere aus vorherigen Spielen. Die einzige Ausnahme sind Kammerjäger Zane und der berüchtigte Roboter Claptrap. Das steht im krassen Gegensatz zu Borderlands 3, das damals mit einem Cameo-Feuerwerk im Trailer vorgestellt wurde:
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Borderlands 3 - Der Kult-Shooter ist zurück: Endlich erstes Gameplay! - Der Kult-Shooter ist zurück: Endlich erstes Gameplay!
Eine bewusste Entscheidung, wie Randy Pitchford im Gespräch betont. Man wolle sich nicht bloß auf die altbekannten Charaktere stützen und auf die Nostalgiedrüse drücken. Borderlands 4 schlage stattdessen ein neues Kapitel in der Seriengeschichte auf. Dass bekannte Charaktere zurückkehren, schließt Pitchford zwar nicht aus, Auftritte aller Figuren aus vorherigen Spielen solltet ihr aber nicht erwarten.
Kommt jetzt der Krieg?
Nicht gänzlich unbekannt ist auch der neue Bösewicht der Story von Borderlands 4. Die ominöse Figur ist bereits zwei Mal kurz im Trailer zu sehen. Ob es sich um einen Menschen handelt, ist nicht deutlich zu erkennen, doch Pitchford liefert den entscheidenden Hinweis: Der Name der Figur sei der »Zeitwächter« – und er ist kein Unbekannter im Borderlands-Universum.
Der Zeitwächter scheint ein Wesen zu sein, das von dem ausgestorbenen Alienvolk der Eridianer erschaffen oder entdeckt wurde, ähnlich wie die mächtigen Kreaturen aus den Vaults, die in Borderlands immer die finalen Bossgegner sind. In einer antiken Schrift, die man in Borderlands 3 findet, heißt es:
Pandora ist versiegelt, der Zerstörer im Innern angekettet und mit ihm wurden die größten Geheimnisse der Eridianer begraben. Doch es wäre närrisch zu meinen, dass es die einzigen waren. Es gibt unzählige andere Wunder und Schrecken, die sie vor meiner Zeit zwischen den Sternen versteckt haben. Für jeden Graveward, Reisenden oder Zeitwächter schlummern vermutlich Dutzende weitere in vergessenen Kammern.
Es bleibt also viel Raum zur Spekulation über die Geschichte, die Ziele und die Fähigkeiten des Zeitwächters. Zu Beginn des Trailers sehen wir aber bereits, wie er ein ganzes Heer von eridianisch aussehenden Kriegern in den Kampf gegen Banditen schickt.
Randy Pitchford will es zwar nicht direkt bestätigen, aber auch dieses Ereignis wurde wohl schon früher erwähnt, von einer mysteriösen eridianischen Figur namens »The Watcher«. Er warnt unsere Vault Hunter schon in Borderlands: The Pre Sequel vor einem kommenden Krieg:
Link zum YouTube-Inhalt
Dieser Konflikt, den wir jetzt im Trailer zu Borderlands 4 sehen, ist laut Pitchford »planetar, mit galaktischen Auswirkungen«. Und ja, damit ist auch gemeint, dass wir wieder nur auf einem Planeten unterwegs sind, statt mit einem Raumschiff umherzureisen. Auf dem Planeten namens Kairos hält der Zeitwächter als Diktator die Zügel in der Hand. Seine Herrschaft wird jedoch durch eine Katastrophe bedroht. Wahrscheinlich der Einschlag des Mondes Elpis, der schon im Teaser zu sehen war.
Der Gearbox-Chef deutet außerdem an, dass wir überrascht sein werden, »wie groß die Welt von Borderlands ist« und meint damit wohl eine große Story-Enthüllung. Das gilt aber auch im wortwörtlichen Sinne, denn die Spielwelt soll größer sein als in allen anderen Spielen der Reihe.
Trailer schlägt ernste Töne an
Uralte Aliens, ein großer Krieg: Das allein klingt fast schon zu ernst für die Borderlands-Reihe. Immerhin stechen die Shooter auch seit jeher durch ihren Humor hervor, der vor kaum etwas zurückschreckt. Man erinnere sich nur an Arschgaul, die Quest von Face McShooty und Mister Torgue und seine Liebe für EXPLOSIONEN. Ach, und sowieso alles, was Handsome Jack sagt.
Der erste Trailer zu Borderlands 4 unterscheidet sich auch an dieser Stelle von dem des Vorgängers. Kein einziger lustiger Spruch ist zu hören, statt Gastauftritten bekannter Gesichter gibt es Schlachtszenen, Panoramaansichten und ein wenig Gameplay zu sehen. Wären da nicht die launige Musik und die wohlbekannte Cel-Shading-Grafik, könnte man fast schon meinen, es gehe um ein Spiel, das sich richtig ernst nimmt.
Es scheint, als wollen sich die Entwickler von der überdrehten Party abheben, als die sie zuvor Borderlands 3 vermarktet haben. Zumindest vermittelt der erste Trailer diesen Eindruck und auch die Zurückhaltung bei den Cameo-Auftritten passt in das Bild.
Und es passt auch zum neuen Bösewicht, der deutlich finsterer und humorloser rüberkommt als seine Vorgänger. Die Kalypso-Zwillinge aus Borderlands 3 waren eine Karikatur moderner Influencer und nach dem genialen Handsome Jack für viele Spielerinnen und Spieler eine große Enttäuschung.
Ihre oft selbst für Borderlands überdrehten Auftritte und müden Witze machten sie eher zu Nervensägen statt denkwürdigen Bösewichten. Mit dem auf den ersten Blick deutlich furchterregenderen Zeitwächter möchten die Entwickler diesen Kritikpunkt vermutlich ausbügeln.
Zwei Sprünge nach vorne
Borderlands 4 setzt aber nicht einfach nur die Story von Teil drei fort. Auch wenn die Grafik sich wohl kaum verändert – der Cel-Shading-Look bleibt zeitlos – fährt der neueste Ableger große Gameplayneuerungen auf.
Einige davon blitzen auch schon im Trailer durch. Während eines kurzen Gameplay-Schnipsels zieht sich eine Kammerjägerin mit einem Greifhaken eine Kante hoch, führt einen Doppelsprung aus und weicht anschließend zur Seite aus.
Die Bewegung der Charaktere wird also deutlich dynamischer: Während wir im Vorgänger nur laufen, springen und kleinere Hindernisse hochkraxeln konnten, stehen uns jetzt viel mehr Möglichkeiten zur Verfügung.
Dass unsere Kammerjäger wendiger werden, wird uns auch in den Bosskämpfen zugutekommen, die Gearbox offenbar ordentlich aufpoliert hat. Die Bosse sollen sich nämlich einzigartiger anfühlen und aufregender werden.
Schon Borderlands 3 wertete die Endgegner deutlich auf, sowohl in der Inszenierung als auch spielerisch. Riesige Kreaturen zerstörten ihre halbe Bossarena und manche Bosse verwandelten einzelne Bereiche in regelrechte Todeszonen. Viele Bosskämpfe sorgten so stetig für Überraschungen.
Das grundsätzliche Prinzip blieb dagegen immer gleich: Wir mussten den Angriffen der Bosse ausweichen, Schwachpunkte treffen und uns zur Not mithilfe schwächerer Gegner wiederbeleben. Bleibt abzuwarten, ob Borderlands 4 mit dieser Tradition bricht und uns eine ganz andere Art von Bosskämpfen vorsetzt.
Natürlich ist es schwer, über all diese Neuerungen zu reden und sie zu bewerten, wenn ich noch nicht selbst die Maus oder den Controller in der Hand hatte. Gerade die neue Bewegungsfreiheit könnte richtig viel Spaß machen, oder mich wegen der Vielzahl zusätzlicher Optionen überfordern.
Doch bis zuletzt war die Shooter-Reihe immer ein Spaßgarant. Und auch, wenn Borderlands 4 sich durch den ernsteren Trailer vom Vorgänger abhebt, lockt es immer noch mit denselben Versprechen.
Mit jeder Menge absurder Waffen und einer großen Welt voller blutrünstiger Gegner sieht Borderlands 4 aus wie eine konsequente Weiterentwicklung, die auf alte Stärken, aber auch so einige Neuerungen setzt. Ob am Ende nun auch ein guter Loot-Shooter oder vielleicht etwas ganz Überraschendes herauskommt, sehen wir im kommenden Jahr.
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