Würde man tausend Borderlands-Fans befragen, hätten die meisten von ihnen wahrscheinlich nicht viel Positives zur Geschichte von Borderlands 3 zu sagen. Denn hier lag einiges im Argen:
Die beiden Bösewichte mussten sich ohnehin schon mit Handsome Jack messen, waren aber auch ohne den Vergleich zu einem der besten Spieleschurken eine Enttäuschung. Dazu verbannte Borderlands 3 uns als Spieler in Schlüsselszenen in die Rolle des unbeteiligten Zuschauers und übertrieb es bei Haupt- und Nebenquests zu oft mit dem Humor.
Heute bin ich aber nicht hier, um über Borderlands 3 zu schimpfen. Denn nachdem ich für unseren Test die Story von Borderlands 4 abgeschlossen habe, sehe ich die Geschichte des Vorgängers nochmal mit anderen Augen. Drei Dinge hat der nämlich eigentlich viel besser gemacht.
1. Das ist alles?
Eine der größten erzählerischen Schwächen von Borderlands 4 ist die Offenheit und Vorhersehbarkeit seiner Geschichte. Ich habe es auch schon im Test kritisiert, aber das Spiel erklärt mir quasi innerhalb einer der ersten Kampagnenmissionen schon genau, wie die Story ablaufen wird. Ich besiege drei Gebietsbosse und stelle mich dann dem Oberbösewicht.
Und abgesehen von ein paar kleineren Wendungen läuft die Geschichte dann genau so ab. Damit lässt Borderlands 4 kaum Raum für Überraschungen, Twists oder einfach coole Momente: In Borderlands 3 schickt uns die Hauptquest etwa auf einen neuen Planeten und wir landen plötzlich in einer orbitalen Belagerungsschlacht um eine vorher vollkommen unbekannte Sci-Fi-Stadt. Ja, am Ende besiegen wir natürlich die Bösewichte und öffnen den Vault, aber der Weg dahin ist nicht komplett offensichtlich.
Bis zum Ende gibt mir die Geschichte von Borderlands 3 das Gefühl, jederzeit etwas Neues und Unerwartetes erleben zu können, seien es neue Gegner, Orte oder Story-Elemente. In Borderlands 4 weiß ich dagegen von Anfang an: Es gibt drei große Gebiete, plus die Stadt Dominion. Und mehr kommt dann auch nicht. Nur einmal schickt mich die Story an einen unerwarteten Ort, was dann auch einer der coolsten Story-Momente ist.
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Borderlands 4 - Test-Video zum neuen Loot-Shooter mit Open World
2. Eine Heimat für Kammerjäger
Borderlands 4 bricht mit einer Tradition der Vorgänger: Es gibt keinen großen Hub mehr, an dem sich meine Verbündeten sammeln, ich mein Inventar verwalte und Upgrades kaufe. Aus Gameplay-Sicht ist das praktisch: Ich muss nicht mehr für jedes Rucksackupgrade schnellreisen und kann neue Skins einfach sofort ausrüsten. Aber es geht auch etwas verloren.
In Borderlands 3 war das Raumschiff Sanctuary auch eine Heimat für meinen Kammerjäger. Ich konnte meinen eigenen kleinen Raum dekorieren, hörte Claptrap mit seiner schrillen Stimme herumschreien, spendierte Moxxi ein Trinkgeld und nahm neue Aufträge von den Crimson Raiders an.
Dadurch fühlte ich mich als Teil eines Teams, einer Familie, die gemeinsam ein Ziel verfolgte. Es gab den verschiedenen Figuren außerdem die Möglichkeit, miteinander zu interagieren. In Borderlands 4 fehlt dieser Zusammenhalt einfach, was mich auch zum nächsten Punkt bringt.
3. Freudiges Wiedersehen
Auch wenn die Story von Borderlands 3 wirklich viele Fehler macht, eins hatte sie doch: Und zwar die Figuren, die mir am Herzen lagen. Auf meiner langen Reise traf ich Tiny Tina, Hammerlock, oder Rhys aus Tales of the Borderlands.
Charaktere, mit denen mich schon die Geschichten vorheriger Spiele verbanden, die mit ihren Eigenheiten eigentlich untrennbar zu Borderlands gehörten. Klar, das war auch Fanservice, machte aber trotzdem Spaß und fühlte sich nicht komplett aufgesetzt an.
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Borderlands 3 zeigte schon im ersten Trailer so gut wie alle wichtigen Figuren der Vorgänger
Borderlands 4 hat solche Auftritte früherer Kammerjäger und Nebencharaktere stark reduziert. Ich will euch nicht zu sehr spoilern, aber auf viele liebgewonnene Figuren werdet ihr verzichten müssen. Das wäre kein so großes Problem, wenn es diese Lücke mit neuen, liebenswerten und interessanten Figuren füllen würde.
Doch hier stolpert das Spiel wieder über seine Storystruktur: Da Gearbox unbedingt eine Hauptstory wollte, die man in beliebiger Reihenfolge angehen kann, wird sie genau das: Beliebig. Denn die einzelnen Geschichten in den drei Hauptgebieten hängen kaum zusammen. Sie dürfen auch gar nicht aufeinander Bezug nehmen, weil ich die Story auch andersherum spielen könnte.
Die neuen Figuren, wenngleich liebenswert, haben so kaum Zeit, mir ans Herz zu wachsen, weil ich sie nach einigen Stunden schon wieder verlasse und sie anschließend keine große Rolle mehr spielen. Und da es keinen großen Hub in der Spielwelt gibt, können die Charaktere der verschiedenen Gebiete auch außerhalb der Missionen nie miteinander interagieren.
Versteht mich nicht falsch: Ich habe die Geschichte von Borderlands 4 genossen, sie hatte ihre Momente und lernt aus einigen Fehlern des Vorgängers. So ist mein Kammerjäger jetzt auch in Cutscenes zu sehen und die Hauptstory fährt den überzogenen Humor von Teil drei etwas zurück. Aber sie schöpft ihr Potenzial eben auch nicht ansatzweise aus.
Ich hoffe, dass die Erweiterungen hier wenigstens manches noch nachliefern, sei es die Begegnung mit altbekannten Figuren, oder der Ausbau von neuen Charakteren wie Rush oder Levaine.
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