Drei Gründe, warum ihr bald zu Gemini wechseln werdet

Anfangs habe ich Googles hastigen Versuch, ChatGPT nachzuahmen, belächelt. Jetzt werde ich eines Besseren belehrt.

ChatGPT ist bisher an der Spitze der Large Language Models (LLMs), doch Google holt immer weiter auf. (Bildquelle: OpenAI | Google Gemini) ChatGPT ist bisher an der Spitze der Large Language Models (LLMs), doch Google holt immer weiter auf. (Bildquelle: OpenAI | Google Gemini)

Ich verfolge den KI-Wettlauf nun seit rund drei Jahren intensiv, und ehrlich gesagt: Was Google in den letzten Monaten abliefert, ist beeindruckend und würde mir an OpenAIs Stelle Sorgen bereiten. 

Während OpenAI mit ChatGPT Abermillionen Nutzer für sich gewinnen konnte, hat der Suchmaschinen-Gigant in meinen Augen (relativ) still und leise alle Puzzleteile zusammengesetzt, um die Konkurrenz zu übertreffen.

Jan Stahnke
Jan Stahnke

Seit August 2022 ist Jan ein Teil der Tech-Nerds von Gamestar Tech. Nach drei Jahren Ausbildung zum Informatikkaufmann hat er Informatik – Game Engineering studiert, bis er, drei Semester später, festgestellt hat, dass er doch lieber berichtet als entwickelt. Nach einem drei-jährigen Exkurs als Radiomoderator und Redakteur schreibt er jetzt über KI, PC Gaming und alles, was das Tech-Herz begehrt.

Google übernimmt langsam aber sicher die Führung

Als ChatGPT Ende 2022 auf den Markt kam, hat das Google eiskalt erwischt und die schnelle Antwort mit Gemini kam mir damals vor wie ein schwacher Versuch auf den Hype-Train aufzuspringen.

Aber dann hat der Internetriese seine Stärken richtig genutzt: Google hat die gewaltigen Ressourcen, die dort zur Verfügung stehen, gebündelt und sich erstaunlich fokussiert auf ein Ziel ausgerichtet.

Um in der KI-Branche wirklich aus der Menge hervorzustechen, braucht es die richtigen Ideen, viele Ressourcen, ein wirklich gutes Modell und einiges mehr. Google hat mit Funktionen wie der Integration von Gemini in Google-Diensten wie Gmail schon vieles richtig gemacht und hat vor allem in dieser Woche noch einmal ordentlich nachgelegt.

Wieso sollte Gemini ChatGPT in Zukunft vom Thron stoßen? Das sind meiner Meinung nach die Gründe:

1. Gemini 3: Googles technischer Knockout

Im November letzten Jahres hat Google Gemini 3 veröffentlicht, und die Fachwelt ist sich weitgehend einig: Es ist momentan eines der besten Large Language Models auf dem Markt.

In den meisten Benchmark-Tests lag es zum Release vorn. Zum Beispiel auf dem Artificial Analysis Intelligence Index von Artificial Analysis:

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Mittlerweile sind allerdings auch ChatGPT 5.2 und Claude Opus 4.5 erschienen. Also liefern sich die drei erwähnten und viele weitere Modelle weiterhin einen Benchmark-Machtkampf, der alle paar Wochen wieder anders aussieht.

Doch es gibt einen technischen Vorteil, der sogar noch besser für Google ist, als ganz oben in den Benchmarks mitzuspielen:

Google nutzt seine eigenen TPUs (Tensor Processing Units), die das Unternehmen seit Jahren genau für solche KI-Aufgaben entwickelt. Während fast alle Konkurrenten von Nvidias Lieferkette abhängig sind und unter Lieferengpässen und Preisanstiegen leiden, hat Google seine eigene Hardware.

Video starten 1:57 Gemini 3: Google stellt bisher leistungsstärkstes KI-Modell vor

Das dürfte Google jetzt wegen der RAM-Krise besonders gut schmecken. Sie werden zwar auch betroffen sein, doch immerhin können sie den Flaschenhals namens Nvidia umgehen. Das ist eine Sorge weniger, die andere KI-Unternehmen noch haben.

Und wo wir gerade bei gelösten Problemen sind:

2. Der Power-Move: Gemin und Apples Siri

Apple hat endlich einen Weg gefunden, Siri zu mehr zu machen als einer Timer-stellenden Stimme aus der Dose: Google und Apple haben diese Woche angekündigt, dass Gemini die nächste Generation von Siri antreiben wird. Apple zahlt dafür angeblich eine Milliarde Dollar jährlich.

Eine Win-WIN-Situation: Nein, ich bin nicht aus Versehen auf die Capslock-Taste gekommen, denn der Win für Google dürfte hier ein größerer sein.

Klar, für Apple ist es die Chance, Siri endlich zu dem zu machen, was es längst hätte sein sollen: ein wirklich nützlicher KI-Assistent. Das ist ja auch was, oder? Wir werden sehen. Mehr zum Gemini-Siri-Deal erfahrt ihr von Ursula:

Eine Milliarde Dollar jährlich und die 1,5 Milliarden tägliche Anfragen hingegen klingen, als würde sich Google die Hände reiben. Wenn ich mir dann überlege, wie es sein wird, sollte Siri durch den Deal beliebter werden, dann reibt sich Apple die Hände. Mit Geld und Nutzern ist es allerdings nicht mal getan.

Mehr Nutzeranfragen bedeuten mehr Daten. Mehr Daten bedeuten bessere Modelle. Bessere Modelle bedeuten mehr Nutzer.

3. Personal Intelligence und Googles Ökosystem

Die zweite Ankündigung dieser Woche ist noch krasser und irgendwie auch ein bisschen gruselig. Google hat »Personal Intelligence« vorgestellt, eine (glücklicherweise) freiwillige Opt-in-Funktion, die Gemini Zugriff auf quasi euer komplettes digitales Leben gibt. Zumindest, solange ihr viele Google-Dienste nutzt.

Was bedeutet das konkret? Wenn ihr Gemini eine Frage stellt, kann die KI bald auf folgende Daten zugreifen:

  • Eure Google-Suchanfragen
  • YouTube-Verlauf
  • E-Mails in Gmail
  • Fotos in Google Photos
  • Dateien in Google Drive
  • Und noch viel mehr

Das könnte ein Game-Changer sein. Google muss euch so nicht mehr nach Kontext fragen oder hoffen, dass ihr detaillierte Prompts schreibt. Denn Google weiß bereits viel über euch und nutzt dieses Wissen mit Personal Intelligence, um möglichst passende Antworten zu liefern.

Aktuell ist Personal Intelligence noch in der Beta-Phase für zahlende Nutzer in den USA. Aber Google plant, das Feature langfristig für alle verfügbar zu machen. Und vor allem: Es soll ins wichtigste Google-Produkt überhaupt integriert werden, also die Suchmaschine.

An der Stelle muss ich mich fragen, ob ich Gemini diese Daten wirklich geben will. Allein aus Berufsgründen bejahe ich das höchstwahrscheinlich, aber ich werde mir dreimal überlegen, ob ich den Opt-in-Schalter nicht ganz schnell wieder auf Off stelle.

Die Datensammlei von Google muss ja auch mal ein Ende haben.

Mein Fazit: Wettlauf noch nicht entschieden, aber Google zieht davon

Jan Stahnke: Ich bin gespannt, wie sich das Rennen entwickelt. Die KI-Branche verändert sich so schnell, dass in sechs Monaten alles anders aussehen kann. Vielleicht bringt OpenAI mit GPT-6 das bisher beste Modell raus. Vielleicht überrascht uns Anthropic mit Claude oder Meta mit Llama.

Aber aus meiner Sicht gilt: Google macht gerade alles richtig. Die Kombination aus technischen Fähigkeiten, eigener Hardware-Infrastruktur, massiver Distribution und beispiellosen Nutzerdaten ist einfach effektiv.

Besonders der Deal mit Apples Siri dürfte ein enormer Schritt für Google und Gemini sein. Allein wegen der schieren Anzahl neuer Nutzer.

ChatGPT mag heute noch der bekannteste KI-Chatbot sein, aber Google baut gerade eine Maschine, die nicht nur mithalten, sondern dominieren kann. Und ich glaube, das wird schneller passieren, als viele denken. 

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