Pünktlich zum Black Friday und der Vorweihnachtszeit hat OpenAI ein neues Feature für ChatGPT parat: Die »Recherche für Einkäufe« soll euch dabei helfen, das passende Produkt zu finden, ohne selbst dutzende Tabs öffnen zu müssen.
Gerade in Zeiten, in denen Produktvergleiche schnell zur Odyssee werden, könnte diese Funktion sehr praktisch sein. Wir haben das Tool für euch getestet und dabei sowohl die Stärken als auch einige frustrierende Schwächen entdeckt.
So funktioniert die Shopping-Recherche
Das Prinzip ist simpel: Ihr beschreibt ChatGPT, was ihr sucht: »einen leisen Saugroboter für eine kleine Wohnung« oder »ein Geschenk für meine vierjährige Nichte, die Paw Patrol liebt«.
Der Chatbot stellt dann gezielte Rückfragen zu bestimmten Eigenschaften oder Vorgaben, wie beispielsweise eurem Budget, gewünschten Features, Größenangaben und so weiter.
Nach ein paar Minuten erhaltet ihr einen personalisierten Kaufratgeber mit Produktempfehlungen, Vergleichen, aktuellen Preisen und Links direkt zu den Shops.
Wer hat Zugriff? Das Feature ist für alle ChatGPT-Nutzer verfügbar – egal ob Free, Plus oder Pro.
Unsere Erfahrungen: Mal hilfreich, mal frustrierend
Wir haben das Tool mit verschiedenen Produktkategorien getestet – von E-Autos über Saugroboter bis hin zu Magic-the-Gathering-Booster-Displays. Die Ergebnisse waren gemischt.
Das lief gut
Wir haben mit einfachen Anfragen zu E-Autos und Saugrobotern begonnen. ChatGPT stellte zu Saugrobotern beispielsweise sinnvolle Fragen zur Wohnungsgröße und ob Haustiere im Haushalt leben. Die finalen Empfehlungen entsprachen größtenteils dem, was wir selbst recherchiert haben.
Vor allem die recherchierten Preise waren in unseren Versuchen mitunter die günstigsten, die wir selbst finden konnten.
Die Ausgabe der Ergebnisse ist gut strukturiert und Entscheidungen werden gut begründet. Auch die Vergleichstabelle lässt sich sehen. Die KI vergleicht die wichtigsten Eigenschaften und Spezifikationen der Geräte und zeigt auch eine Preisübersicht.
Das lief nicht so gut
Bei genauerer Betrachtung zeigten sich deutliche Schwächen:
- Halluzinationen bei Produktdetails: Bei einer iPhone-Anfrage behauptete ChatGPT fälschlicherweise, das iPhone 16e verfüge nicht über Apple Intelligence – ein klarer Fehler.
- Fragwürdige Logik: Neue Saugroboter-Modelle wurden teils ignoriert, weil angeblich »zu wenig Testergebnisse« vorlagen. Das ist Unsinn, wenn aktuelle Modelle auf dem Markt sind, die in diversen Bestenlisten aufgeführt werden.
- Nervige Verzögerungen: In der mobilen App wurden Produktempfehlungen erst nach mehreren Stunden korrekt angezeigt. Ohne die richtige Darstellung war unklar, welches Produkt überhaupt gemeint war.
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Wenn der Bot eigenmächtig wird
Besonders frustrierend wurde es bei unserem Magic-the-Gathering-Test. Hier zeigte sich, wie unausgereift das Feature noch ist:
Wir baten ChatGPT um günstige Booster-Displays aus Sets vor 2015 für Draft-Partien (ein Spielmodus). Der Bot startete einen Fragebogen zur Set-Auswahl und Sprache – soweit okay.
Dann wurde es chaotisch:
- Als wir den Bot baten, einen Schritt zurückzugehen, weil wir unsere Antwort ändern wollten, brach er den Fragebogen komplett ab.
- Im zweiten Versuch stellte ChatGPT nur eine einzige Frage zur Anzahl der gewünschten Produkte und startete dann die Recherche, ohne auf die Antwort zu warten.
Das Ergebnis war vorhersehbar unbrauchbar: ChatGPT schlug das Core Set 2014 vor – an sich akzeptabel. Das Problem: Erst weiter unten im Text erwähnte der Bot, dass das Display zum angegebenen Preis nur auf Koreanisch erhältlich ist.
Die Begründung? »Das stört beim Draft nicht.«. Das stimmt natürlich nicht. Man sollte die Karten schon lesen können.
Ein Lichtblick: Die Preisanalyse für englische Versionen schien weitgehend korrekt zu sein.
Fairerweise gehört die Aufgabe, ein Magic-Set herauszusuchen, schon zu den schwierigeren, da es in der Regel wenig Produktangaben gibt und Erfahrungsberichte sehr unterschiedlich ausfallen.
Trotzdem zeigt der Versuch perfekt, wo die Schwächen des Tools liegen.
Fazit: Nützlich, aber mit Vorsicht zu genießen
ChatGPTs neue Shopping-Recherche kann hilfreich sein, um schnell einen Überblick über Produkte zu bekommen. Vor allem in klar definierten Kategorien mit vielen gut vergleichbaren Informationen wie Elektronik oder Haushaltsgeräten scheint das Tool nützlich zu sein. Das deckt sich übrigens mit den offiziellen Aussagen von OpenAI zu ihrem Tool.
Allerdings offenbart die Shopping-Hilfe auch deutliche Schwächen: Falschinformationen zu Produktspezifikationen, ignorierte Nutzervorgaben und teils absurde Schlussfolgerungen sorgen für Frust. Dazu kommen die Darstellungsprobleme, die allerdings nur auf dem Handy relevant sind.
Unser Tipp: Nutzt das Tool nur für Produktkategorien, mit denen ihr euch gut auskennt. So bekommt ihr in wenigen Minuten gute Schnäppchen-Vorschläge und könnt potenzielle Fehler und Halluzinationen besser erkennen. Je mehr An- und Vorgaben ihr gebt, desto besser wird das Ergebnis – typisch für Large Language Models wie ChatGPT.
Für Einsteiger in einem Themengebiet ist die Gefahr von schlechten oder falschen Empfehlungen zu hoch. In diesem Fall raten wir eher vom Gebrauch ab.
Bleibt abzuwarten, ob ChatGPT noch an der Funktion arbeitet oder ob es in der Flut neuer Funktionen untergehen wird.

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