Wenn ein Spiel den Preis als Spiel des Jahres (englisch: Game of the Year) gewinnt, dann handelt es sich in den meisten Fällen um ein richtig gutes Spiel. Die Titel, die Jahr für Jahr mit solchen Preisen ausgezeichnet werden, erhalten den Award, weil sie das Medium Videospiele in diesem Jahr vorangebracht haben und viele Menschen weltweit begeistern konnten.
So auch Clair Obscur: Expedition 33 vom französischen Studio Sandfall Interactive. Das Dark-Fantasy-Rollenspiel gilt als eines der herausragendsten Spiele 2025 und konnte bei den diesjährigen Game Awards den prestigeträchtigen GotY-Award für sich verbuchen.
Doch der Erfolg wird nun durch einen Vorfall bei einer anderen Preisverleihung getrübt: Die Organisatoren der Indie Game Awards haben dem gefeierten Rollenspiel nachträglich gleich zwei Auszeichnungen aberkannt; den Preis für das »Game of the Year« sowie den Award für das beste »Debut Game«.
Der Grund ist ein Verstoß gegen die strengen Regularien der Awards bezüglich künstlicher Intelligenz.
12:47
Clair Obscure ist ein Befreiungsschlag und zeigt Ubisoft und Co., wie man richtig gute Spiele macht!
»Null Toleranz« bei KI-Inhalten
Die Indie Game Awards haben strikte Richtlinien für den Umgang mit generativer KI: Für eine Nominierung darf weder während der Entwicklung noch im finalen Spiel künstliche Intelligenz zum Einsatz kommen. Laut einer Stellungnahme der Organisatoren hatte Sandfall Interactive dies bei der Einreichung des Spiels für die Indie Awards auch explizit zugesichert.
Wie sich jedoch nachträglich herausstellte, entsprach dies nicht ganz der Wahrheit. Denn das Studio räumte inzwischen ein, dass während der Produktion KI-Tools genutzt wurden – wenn auch nur in extrem geringem Umfang. Konkret ging es um Platzhalter-Texturen, etwa für eine Litfaßsäule mit Fantasie-Sprache im Startgebiet.
François Meurisse, Produzent bei Sandfall Interactive erklärte bereits im Sommer gegenüber der spanischen Tageszeitung El País, dass während der Entwicklung einige Platzhalter-Bilder und Assets vom Unreal-Engine-Marktplatz genutzt wurden – allerdings immer mit der Absicht, diese für den Release durch handgemachte Bilder und Objekte auszutauschen.
Einige wenige Texturen seien versehentlich im Spiel verblieben, da sie beim Quality-Assurance-Prozess übersehen wurden. Bereits fünf Tage nach Release seien die betroffenen Elemente per Patch aber durch die korrekten Assets ersetzt worden.
Disqualifikation trotz Patch
Für die Jury der Indie Game Awards ist das allerdings keine Entschuldigung. Da die KI-Nutzung erst am Tag Award-Show öffentlich bekannt wurde, sah sich das Komitee gezwungen, Clair Obscur nachträglich zu disqualifizieren. Dass die Inhalte inzwischen entfernt wurden und es sich bei Expedition 33 eigentlich um ein wundervolles Spiel
handle, ändere nichts am Regelverstoß.
Die Preise wandern nun an die Zweitplatzierten:
- Game of the Year: Geht nun an den Genre-Mix Blue Prince.
- Debut Game: Geht an das Survival-Horror-Spiel Sorry We’re Closed.
Ein branchenweites Streitthema
Der Vorfall gießt neues Öl ins Feuer der ohnehin hitzig geführten KI-Debatte in der Spielebranche. Erst kürzlich sorgte Swen Vincke, Chef des Baldur's Gate 3-Studios Larian, für einen Shitstorm gegen ihn und sein Team. Denn er bestätigte, dass sein Team für kommende Projekte (wie das nächste Divinity) durchaus auf KI-Tools setzen werde, um Arbeitsprozesse zu unterstützen - wenn auch nur zur Ideenfindung und nicht um menschliche Arbeitskraft und Kreativität zu ersetzen.
Während vor allem viele größere Publisher die KI-Nutzung als pragmatischen und unausweichlichen Schritt in die Zukunft sehen, statuieren die Indie Game Awards mit der Disqualifikation von Clair Obscur ein Exempel: In der Indie-Szene bleibt die menschliche Handarbeit für viele weiterhin das unverhandelbare Qualitätsmerkmal.
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