Die französische Regierung hat am vergangenen Freitag 28 Mitarbeiter des Studios Sandfall Interactive offiziell in den Ritterstand erhoben. Damit würdigt die Republik den beispiellosen Erfolg des Rollenspiels Clair Obscur: Expedition 33.
Normalerweise wird der prestigeträchtige Titel »Chevalier des Arts et des Lettres« (Ritter des Ordens der Künste und der Literatur) an einzelne Ikonen der Branche verliehen. Legenden wie Shigeru Miyamoto (Super Mario), Eiji Aonuma (The Legend of Zelda) oder Michel Ancel (Rayman) tragen etwa diesen Titel. Dass nun jedoch ein fast komplettes Entwicklungsteam – 28 Personen an der Zahl – gleichzeitig ausgezeichnet wird, ist ein Novum.
Ein Ritterschlag im Kollektiv
Die Zeremonie wurde von der französischen Kulturministerin Rachida Dati geleitet. In ihrer Laudatio stellte sie klar, warum sich das Ministerium für diese ungewöhnliche Gruppen-Ehrung entschieden hat: Der Erfolg von Clair Obscur: Expedition 33 sei keine Einzelleistung gewesen, sondern der »brillante Erfolg eines Kollektivs«.
Das Spiel habe sich durch seine bloße Größe, seinen Einfluss und die Unterstützung durch Kritiker wie Fans als »ein bedeutender Moment in der Geschichte der französischen Videospiele etabliert«, so Dati.
Besonders hervorgehoben wurde dabei, dass das Durchschnittsalter des Teams bei gerade einmal 32 Jahren liegt und Clair Obscur für viele der Anwesenden das erste Spiel war, an dem sie überhaupt gearbeitet haben.
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Clair Obscur: Expedition 33 - Das Spiel des Jahres 2025 verschenkt großes Update mit neuen Quests, Fotomodus und mehr
Der Ritterschlag folgt auf eine historische Nacht für das Studio aus Montpellier: Bei den vergangenen The Game Awards im Dezember dominierte Clair Obscur: Expedition 33 das Feld nach Belieben. Mit 13 Nominierungen ging das Team ins Rennen und nahm am Ende neun Trophäen mit nach Hause – ein absoluter Rekord in der Geschichte der Preisverleihung.
Die Auszeichnung ist auch ein politisches Signal: Frankreich positioniert sich damit weiterhin als einer der stärksten staatlichen Förderer der Spielebranche, insbesondere durch das CNC (Centre national du cinéma et de l'image animée). Dati bezeichnete den Erfolg von Sandfall Interactive als Katalysator, der Videospiele auf eine neue Ebene der Anerkennung gehoben habe.
Sie betonte, dass Games nicht nur ein industrieller Wirtschaftsfaktor seien, sondern ein Hebel für kulturellen Einfluss (»Soft Power«) und vor allem eine eigenständige Kunstform.
»Euer Erfolg sagt etwas sehr Einfaches und Wichtiges aus: Videospiele sind nicht mehr einer bestimmten Altersgruppe, Generation oder sozialen Klasse vorbehalten. Sie haben ihren Platz ganz natürlich in unserem kulturellen Leben gefunden. Vor allem sind Videospiele eine Kunstform, die alle anderen umfasst.«
– Rachida Dati, Französische Kulturministerin
Die Ministerin lobte besonders die Optik des Spiels, die Erinnerungen des Paris der Belle Époque mit einer einzigartigen Fantasy-Welt verknüpft, sowie den Soundtrack von Lorien Testard, der demnächst sogar auf Europatournee gehen soll.
Für Sandfall Interactive und die französische Spieleindustrie markiert dieses Wochenende einen Höhepunkt. Präsident Emmanuel Macron hatte den Erfolg bei den Game Awards bereits zuvor als »großen Stolz für Montpellier und für Frankreich« bezeichnet. Mit dem offiziellen Ritterschlag ist dieser Status nun auch formell besiegelt.
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